Sunday, 7 October 2012

JOHN TCHICAI - ein Interview mit dem Altmeister der Jazzavantgarde


Dark Room Jukebox:

Töne aus der Luft

Saxofonist John Tchicai war ein Altmeister der Avantgarde. Für mehr als vier Jahrzehnten war er ein Fixstern des kreativen Jazz. John Tchicai starb am 7. Oktober 2012 nach schwerer Krankheit. Der "Blind Fold Tests" entstand anlässlich seines Auftritts beim "Schlachthof Festival" in Sigmaringen 2006, wo wir John als äußerst liebeswürdigen und netten Menschen kennengelernt haben. Am Tag darauf ging es ins Faust-Studio in Scheer, wo eine CD mit ihm, Hans Joachim Irmler, Roman Bunka, Jan Fride und unseren schottischen Freunden von Nalle eingespielt wurde, die 2007 auf dem Klangbad-Label ("Schlachtfest-Sessions 2") erschien.

                                                                           Foto: Jane Revitt

von Christoph Wagner

In den 60er Jahren zog es John Tchicai ins Zentrum des Orkans. Er siedelte von Kopenhagen nach New York über, um an den Umbrüchen teilzunehmen, die damals die Jazzszene erschütterten. Sein Ton stach heraus. Er klang “so völlig einzigartig, dass es die Zuhörer von ihren Plätzen hochriss,” kommentierte LeRoi Jones seinen Einstand auf der New Yorker Jazzszene. Tchicai trat mit vielen der jungen Wilden in den Coffeehouses von Downtown Manhattan auf. Viel Geld war dabei nicht zu verdienen. Wenn es einmal nicht mehr reichte, nahm er einen Job als Koch an, eine Tätigkeit, die er während des Wehrdiensts erlernt hatte.
Nach seiner Rückkehr nach Dänemark wurde Tchicai ein konstanter Faktor der kreativen Jazzszene von Europa,  vor allem auch in seinem Heimatland. Heute hat er immer noch den Finger am Puls der Zeit. Mit den beiden Elektronikern John Coxon und Ashley Wales von Spring Heel Jack hat er vor ein paar Jahren ein fantastisches Album veröffentlicht, dass ihn in einem völlig anderen Licht zeigt. Mit 76 Jahren gelingt es Tchicai immer noch wie einem Zauberer, mit seinem Tenorsaxofon die wunderbarsten Töne aus der Luft zu ziehen. Tchicai lebt er seit längerem in der Nähe von Perpignan in Südfrankreich. Er war zweimal Gast beim KLANGBAD-Festival in Scheer und ist einmal beim SCHLACHTFEST in Sigmaringen aufgetreten. Er ist auf der CD 'Schlachthof Session 2' mit Hans Joachim Irmler, Roman Bunka, Jan Friede und anderen zu hören, die beim Klangbad-Label erschienen ist.

Lee Konitz / Matt Wilson - Song with Wind
Von der CD: Lee Konitz / Matt Wilson: Gong with Wind Suite.
(SteepleChase, 2002)

John Tchicai: (nach kurzem Nachdenken): Das ist Konitz. Keine Ahnung, wer der Drummer ist. Spielt auch ein Bassist?

Christoph Wagner: Nein, es ist ein Saxofon-Schlagzeug-Duett von 2002 mit dem Drummer Matt Wilson. Wie es heisst, waren Sie stark von Lee Konitz beeinflusst?

John Tchicai: Das ist richtig. Als ich in den 60er Jahren anfing, mich für die neuen Tendenzen im Jazz zu interessieren, war Konitz einer der Musiker, die mir imponiert haben, auch die Leute um ihn herum: Lennie Tristano und Warne Marsh, und natürlich auch die anderen Musiker, die mit der Tristano-Schule in Verbindung gebracht werden. 
Konitz improvisierte auf interessante Weise. Er formte die melodischen Phrasen anders und spielte sehr lange Linien. Das gefiel mir. Ich mochte seinen Ton, auch den von Lester Young. Sie sind irgendwie verwandt. Andere Musiker spielten mehr expressiv und mehr direkt, etwa Coleman Hawkins und Don Byas und später John Coltrane. Stan Getz ist ein anderes meiner frühen Idole, ebenso Dexter Gordon. Aus all diesen Einflüssen versuchte ich meinen Idealton zu formen. 

Leon Bukasa - Bibi Bertha Mosoko (1957)
Von der CD:Ngoma - The Early Years 1948-1960.
(Popular African Music/African Music Archive)

John Tchicai: Das ist Folkmusik, aber von wo? Bermunda? Trinidad?

Christoph Wagner: Das ist Rumba aus dem Kongo in einer Aufnahme  von 1957. Ihr Vater stammte aus dem Kongo?

John Tchicai: Mein Vater arbeitete für den deutschen Afrikaforscher Leo Frobenius (1973 - 1938) im Kongo. Es gibt Fotografien von Frobenius auf seinen Reisen durch Afrika, auf denen mein Vater zu sehen ist. Damals war er fünfzehn oder sechzehn Jahre alt. Er fungierte als Übersetzer, weil er mehrere Sprachen beherrschte. Mein Vater hatte eine belgische Missionsschule besucht und wohl dort Französisch und Deutsch gelernt. Eine Geburtsurkunde gibt es von ihm nicht, aber eine Konfirmantenurkunde von belgischen Missionaren ausgestellt. 
Als Frobenius nach Deutschland zurückkehrte, ging mein Vater mit und lebte eine Zeitlang in seinem Haus in Berlin. Später reiste er nach Holland und Belgien auf der Suche nach Arbeit. Danach ging er nach Norwegen, Schweden, dann Dänemark. Bevor er meine Mutter traf, war mit zwei anderen Frauen liiert und hatte bereits acht Kinder. 

Christoph Wagner: War ihr Vater an Musik interessiert? 

John Tchicai: Er war kein Musiker. Aber Musik gefiel ihm. Wenn er fröhlich war,  tanzte er herum. Meine musikalische Begabung habe ich von meiner Mutter geerbt. Sie sang die ganze Zeit dänische Volkslieder in der Küche.   

Christoph Wagner: Gab es afrikanische Musik bei ihnen daheim? 

John Tchicai: Nein, mein Vater hörte keine afrikanischen Schallplatten. Er war sehr religiös, katholisch, und ging oft in die Kirche. Dort spielte die Orgel und man sang Choräle. Er nahm uns auch gelegentlich zu Konzerten von amerikanischen Bands mit oder zu Zirkusvorstellungen, wo ebenfalls eine Kapelle spielte. Das gefiel ihm und er wollte, dass wir das kennenlernten.
In der Schule im Musikunterricht sangen wir vor allem Lieder. Dann meldete mein Vater mich zum Geigenunterricht an, aber ich hatte nach zwei Jahren genug und hörte auf.  Ich versuchte mich danach auf der Trompete, wechselte dann zum Saxofon.
In Aarhus, wo wir lebten, lagen in der Nachkriegszeit oft amerikanische Schiffe im Hafen und die Matrosen spielten Jazzplatten in ihren Kombüsen. Das war der erste Kontakt mit Jazzmusik, ausser den Konzerten, zu denen uns mein Vater mitnahm. Mein Halbbruder, Kaj Timmerman, das älteste Kind meines Vaters, war Schlagzeuger. Er gründete nach dem zweiten Weltkrieg eine der ersten schwarzen Jazzbands Dänemarks, die Harlem Kiddies, die recht populär waren.  Wenn sie in Aarhus auftraten, gingen wir hin. 

Christoph Wagner: Was sind ihre Erfahrung als Afro-Däne?

John Tchicai: Es gab damals sehr wenige Menschen mit schwarzer Hautfarbe in Dänemark. Mein Vater war einer der ersten Schwarzen in Aarhus überhaupt. Die Menschen waren neugierig. Sie wollten unsere Haare berühren und fragten uns, warum wir braun seien und nicht weiss. In der Schule gab es eigentlich keine Probleme. Wir wurden nie gehänselt  wegen unsere Hautfarbe . 
Heute herrscht in Dänemark ein anderes Klima. Einige Dänen fühlen sich von den Einwanderern bedroht. Es gibt aber auch Leute, die Einwanderung für eine positive Sache halten.




Archie Shepp - Bill Dixon Quartet: Peace (von Ornette Coleman) 
Von der LP: Archie Shepp - Bill Dixon Quartet 
(Savoy, 1962)

John Tchicai: Ist das Don Cherry mit Dewey Redman? 

Christoph Wagner: Nein!

John Tchicai: Dann ist es Ted Curson.

Christoph Wagner: Nein!

John Tchicai: Bill Dixon.

Christoph Wagner: Richtig. Das war das Archie Shepp - Bill Dixon Quartet. Als diese Gruppe sich auflöste, gündeten Sie mit Archie Shepp die New York Contemporary Five. 

John Tchicai: Shepp und ich spielten in einer Workshop-Band von Bill Dixon, die aus 10 bis 12 Musikern bestand. Roswell Rudd war auch dabei. Eines Tages erhielt ich eine Anfrage vom Montmatre-Club in Kopenhagen. Sie wollten uns buchen. Ich sprach mit Shepp. Wir beschlossen ein Ensemble zusammen zustellen: die New York Contemporary Five. Shepp schlug Don Cherry als Trompeter vor. Er hatte Zeit, weil er mit Ornette Coleman nicht sehr häufig auftrat. Er machte nicht das grosse Geld, und er wollte spielen! Zuerst probten wir mit Ed Blackwell als Drummer, aber er wurde krank. J.C. Moses übernahm seinen Posten und Don Moore wurde unser Bassist.  

Christoph Wagner: Was brachte Sie eigentlich überhaupt  nach Amerika?

John Tchicai: Ich hatte Bill Dixon und Archie Shepp auf einem kommunistischen Jugendfestival in Finnland getroffen, wo sie auftraten. Wir kamen ins Gespräch und Shepp gab mir seine Telefonnummer. Zurück in Kopenhagen traf ich Cecil Taylor, Jimmy Lyons und Sunny Murray. Ich ging zu ihren Auftritten, und man unterhielt sich. Jeden Sonntag spielte ich mit dänischen Musiker in einem Restaurant namens Vingaarden in Kopenhagen und Murray stieß regelmäßig dazu.
Zur gleichen Zeit lebte auch Albert Ayler in Kopenhagen. Er kam ebenfalls zu unseren sonntäglichen Auftritten und stieg ein. Das weckte in mir den Drang, nach New York zu gehen. Diese Musiker waren einfach inspirierend. Wie Sunny Murray Schlagzeug spielte, war eine Erleuchtung. 
Meine damalige Freundin arbeitete im dänischen Außenministerium und  ließ sich an die dänische Botschaft nach New York versetzen. Weil ich dort schon ein paar Musiker kannte, gelang mir der Einstieg in die New Yorker Szene relativ leicht. 

Christoph Wagner: Wie war damals die Atmosphäre in New York?

John Tchicai: Sehr offen. Viele Musiker waren damit beschäftigt, neue Ausdrucksformen zu finden.  

Christoph Wagner: Ging aus der Workshop-Band von Bill Dixon die New Yorker Jazz Composers Guild hervor?

John Tchicai: Nein, nicht wirklich. Obwohl einige Musiker in beide Vorhaben involviert waren. Die New York Jazz Composers Guild war eine Idee von Dixon und Cecil Taylor. Der Grundgedanke war, die vielen jungen Musiker zu organisieren, ein paar Grundsätze zu formulieren und zu versuchen, gemeinsam unsere Situation zu verbessern, also Konzerte zu veranstalten, Platten selber herauszubringen. Die Guild bestand eine Weile und organisierte eine Reihe von Konzerten. Als die Journalisten Kenntnis von uns nahmen, tauchten auf einmal Leute von den Plattenfirmen auf. Archie Shepp fragte John Coltrane, ob er ihm einen Vertrag mit Impulse verschaffen könnte, was er tat. Darüber kam es zu Meinungsverschiedenheiten mit Bill Dixon. Die Guild brach auseinander.

Christoph Wagner: Was dachten Sie über die Statuten der Guild?

John Tchicai: Die klangen recht vernünftig in meinen Ohren. Es ging darum, uns als Musikern mehr Anerkennung zu verschaffen, auch mehr Auftritte. Geld war für viele damals das grosse Problem. Es war äusserst schwierig, mit dieser Musik etwas zu verdienen. Die Clubs buchten uns nicht, denn die Musik war zu radikal. 
1964 tauften wir eine Konzertreihen “October Revolution in Jazz”, weil sie im Oktober stattfand, was natürlich auch einen politische Beiklang hatte. Sie sollte dem neuen Jazz, dem “New Thing”, eine Plattform bieten. Die Veranstaltung war sehr erfolgreich. Die Besucher strömten. Es wurde viel in der Presse darüber berichtet. Das gab uns Selbstvertrauen.  


Albert Ayler Trio - Spirits
Von der CD: Ayler, Peacock, Murray - Albert Smiles with Sunny (Live at the Cellar Café; New York, 1964) 
(InRespect)

John Tchicai (sofort): Das ist Albert Ayler, Sunny Murray und Gary Peacock aus dem Cellar Cafe in New York 1964, dem selben Veranstaltungsort, wo im gleichen Jahr die “October Revolution” stattfand.

Christoph Wagner: Sie haben mit Albert Ayler die Aufnahme  “New York Eye and Ear Control” gemacht. Was für eine Person war Ayler?

John Tchicai: Albert war sehr nett und freundlich. Er redete sanft und leise. Er war religiös. Der Glaube war eines seiner Fundamente. Wenn man mit ihm sprach, flocht er oft Gott und den heiligen Geist ins Gespräch ein. 
Albert Ayler wurde nie Mitglied in der Jazz Composers Guild und er tauchte auch nie bei unseren Versammlungen auf. Wir hätten ihn gerne dabei gehabt. Wir wollten auch Coltrane gewinnen, doch auch er winkte ab. 

Christoph Wagner: Das New York Art Quartet war ihre nächste Band.....  

John Tchicai: Ja, die entstand nach der New York Contemporary Five. Nach unserem Gastspiel in Kopenhagen, blieb Archie Shepp dort. Es war ungewiss, wenn er zurück kommen würde. Ich wollte aber spielen und gründete deshalb mit Roswell Rudd das New York Art Quartet. Wir wollten nur einen Drummer: Milford Graves. Er war neben Sunny Murray der andere revolutionäre Schlagwerker. Sein polyrhythmisches und polymelodisches Spiel war fantastisch. Er war genau der Mann, den wir brauchten. Vor ein paar Jahren hatten wir eine Reunion des New York Art Quartet, nachdem wir mehr als 30 Jahre nicht mit einander gespielt hatten und es lief gut.

John Coltrane & Don Cherry  - Bemsha Swing
Von der LP: John Coltrane & Don Cherry - The Avant-Garde 
(Atlantic, 1966)

John Tchicai: Das ist Don Cherry mit John Coltrane.  

Christoph Wagner: Sie sind auf Coltranes Album “Ascension” dabei. Brachte Sie Don Cherry mit Coltrane in Kontakt?

John Tchicai: Nein, das war Archie Shepp. Coltrane hatte uns im Studio besucht, als wir Shepps  Album “Four for Trane” aufnahmen und wohl gedacht, dass er einige dieser jungen Musiker bei der Aufnahme gerne dabei haben würde. 

Christoph Wagner: Wie war die Stimmung bei der Session für “Ascension”?

John Tchicai: Sehr gut, sehr intensiv - entspannt und fröhlich. Für die meisten war es eine wunderbare Erfahrung in dieser Gruppe zu spielen. 

Christoph Wagner: Wie leitete Coltrane die Session?

John Tchicai: Er gab uns nur ein paar kurze Themen, die wir probten. Dann legte er die Reihe der Solisten fest. Danach fingen wir an. Es war alles sehr offen.
Ich hatte Coltrane das erste Mal in Kopenhagen getroffen, als er dort ein Konzert gab. Nach dem Auftritt kam er in den Jazzclub Montmatre, wo ich mit ihm sprach. Später in New York stieg ich einmal bei seiner Gruppe ein, als sie im Half Note auftrat. Dann traf ich ihn auf einem Festival in Belgien wieder, als meine Band direkt vor dem Coltrane Quartet spielte. Er kam die Bühne hochgerannt mit einem Cassettenrecorder und sagte: “Seid ihr schon fertig? Ich wollte eure Musik aufnehmen.”  Er war sehr interessiert, was wir junge Musiker machten und unterstützte uns.  


                                                                                                                         Foto: Jane Revitt

The Savage Rose - Tapiola
Von der LP: The Savage Rose - Your Daily Gift 
(Gregar Records, 1970)

John Tchicai: Keine Ahnung!

Christoph Wagner: Das ist Savage Rose, die bekannteste progressive Rockband Dänemarks der später 60er, frühen 70er Jahre, die man auch in England und auf dem Kontinent kannte. Sie haben mit einer anderen wichtigen dänischen Band Burning Red Ivanhoe Aufnahmen gemacht. Wie stark waren Sie im Pop-Underground aktiv? 

John Tchicai: Kaum. Ich kannte Karsten Vogel von Burning Red Ivanhoe von exerimentellen Sessions. Doch weiter ging mein Interesse nicht. Ich war anfangs in die Hippie-Kultur involviert, nahm an Demonstrationen und Happenings teil, verrückten Konzerten und Avantgarde-Theateraufführungen. Verglichen damit, kommt einem die Gegenwart  langweilig vor - viel konservativer. Damals konnte man nackt auftreten, ohne dass einen die Polizei festgenommen hätte. Heute wäre das unmöglich. 

Christoph Wagner: Sie haben1969 auch mit John Lennon und Yoko Ono einen Auftritt absolviert?

John Tchicai: Im englischen Cambridge traten wir im selben Programm  auf. John und Yoko luden uns Freejazzer ein, am Ende ihres Auftritts einzusteigen. Sie schätzten Experimente. Das Konzert wurde aufgenommen und erschien später als Platte. Jeder erhielt ein Exemplar mit den Autogrammen von John und Yoko. Auf Tantiemen warteten wir allerdings vergeblich. Ich schrieb Briefe an Yoko Ono, um meinen Anteil zu reklamieren, bekam aber keine Antwort. Das ist ein fortwährendes Problem, dass wir von vielen Plattenfirmen für unsere Schallplattenaufnahmen keine Tantiemen bekommen. Das ist Diebstahl und eine Schande, dass Leute so tief sinken, Musiker, die sowieso wenig verdienen, um ihre Ansprüche zu prellen.

Johnny Dyani Quartet (mit Don Cherry) - Wish you sunshine
Von der LP: Johnny Dyani Quartet  - Song for Biko
(SteepleChase; 1979)

John Tchicai: Das ist Johnny Dyani. Er lebte wie ich in Dänemark. Er war mit einer Dänin verheiratet. Er gehörte in Kopenhagen zu einem Kreis, der sich um ein Haus gebildet hatte, das ein Zentrum der Gegenkultur war. Dort spielte ich Ende der 70er Jahre, Anfang der 80er Jahre oft mit ihm. Dyani hatte einen ziemlichen Einfluss auf die dänische Szene. Er spielte mit vielen dänischen Musikern, war auch in Schweden aktiv. Auch Don Cherry kam gelegentlich von Schweden nach Kopenhagen, und dann spielten wir zusammen.  

Irène Schweizer, Han Bennink, Rüdiger Carl, Johnny Dyani - Irene’s Hot Four 2
Von der CD: Rüdiger Carl - Book / Virtual Cowws
(FMP, 1998)

John Tchicai: Ist das Schlippenbach?

Christoph Wagner: Nein!

John Tchicai: Dann ist es Irène Schweizer. 

Christoph Wagner: Wie kam es ursprünglich zur Begegnung mit der  Pianistin?

John Tchicai: Ich kannte Irène Schweizer, weil ich damals relativ häufig in der Schweiz auftrat. Ich spielte viel mit Pierre Favre am Schauspielhaus in Zürich und war auch  Mitglied der Wiebelfetzer von Beat Kennel, einer grösseren Band, an der auch Irène Schweizer beteiligt war. Niklaus Troxler brachte uns dann fürs Willisauer Jazzfestival zusammen. Makaya Ntshoko, mit dem ich bis heute spiele, war am Schlagzeug, Buschi Niebergall am Bass. Die Band war eine einmalige Angelegenheit.  

Spring Heel Jack with Wadada Leo Smith - Track One
Von der CD: Spring Heel Jack with Wadada Leo Smith - The Sweetnes of the Water 
(Thirsty Ear) 

John Tchicai: Das ist Spring Heel Jack mit Leo Smith. 

Christoph Wagner: Sie haben mit John Coxon and Ashley Wales (alias Spring Heel Jack) auch ein Album aufgenommen: John Tchicai with Strings. Wie kamen Sie mit Ihnen in Kontakt?

John Tchicai: Sie spielten auf einem Festival in Portugal mit Leo Smith, wo ich auch war. Beim Essen fragten sie mich, ob ich Interesse an einer Kollaboration hätte. Sie kreieren diese elektronischen Klanglandschaften. Die Stücke schickten sie mir im vorab, dass ich mich  vorbereiten konnte. Ich machte mir ein paar Notizen, fixierte ein paar tonale Linien zur besseren Orientierung, um dann im Studio dazu zu improvisieren. 

Christoph Wagner: Sie haben mit Leo Smith auf dem Tribute-Album für Miles Davis von Henry Kaiser mitgewirkt. Wie kam es dazu?

John Tchicai: Ich kenne Leo Smith. Aber es war Henry Kaiser, der anfragte, ob ich interessiert sei. Ich lebte damals in Kalifornien, wo ich unterrichtete, nicht weit von Kaiser entfernt. Es war also logistisch eine relativ einfache Angelegenheit. Wir nahmen das Album in zwei, drei Tagen auf. Wir wohnten alle in einem Hotel in der Nähe des Studios. Es gab einen Koch, der die Mahlzeiten zubereitete, dazu einen Swimming Pool - also eine recht angenehme Sache. Leo Smith hatte ein paar Skizzen der Miles Davis Stücke vorbereitet. Aber eigentlich spielten wir  frei in verschiedenen Kombinationen.  



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