Monday, 11 November 2019

Buch zur Poprevolte Südwest

BUCHNEUERSCHEINUNG:

DER SÜDEN DREHT AUF – DIE POPREVOLTE DER 60ER und 70ER JAHRE IN BILDERN




Gestern Abend in Balingen angekommen, hab ich eine Schachtel voller Bücher vorgefunden. Belegexemplare von 'Der Süden dreht auf – Die Poprevolte der 60er- und 70er Jahre in Bildern'. Das Fotobuch zur Popgeschichte Südwestdeutschlands und die Fortsetzung der 'Träume aus dem Untergrund' ist jetzt also endlich raus (juhehhh!!!), im Silberburg-Verlag erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben.


190 Seiten, mit mehr als 100 raren exquisiten Fotos 8etliche davon in Farbe), von denen viele noch nie öffentlich zu sehen waren von Fotografen wie Manfred Grohe, Jörg Becker, Manfred Rinderspacher, Martin Schulz, Rupert, Leser, Johannes Andele und Lothar Schiffler, und die die Atmosphäre und den Geist der 60er und 70er Jahre auf wunderbare Weise einfangen. 29.90 Euro





Saturday, 9 November 2019

Das Trautonium: Urvater des Synthesizers

Futuristische Klangmaschine

Peter Pichler stellt am 6. Dezember im Alten Schlachthof in Sigmaringen mit dem Trautonium ein Urinstrument der elektronischen Musik vor

           Oskar Sala     (Foto: C. Wagner)

cw. Seinen spektakulärsten Auftritt hatte es 1963 im Film „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock: Das Trautonium, gespielt von Oskar Sala, lieferte die elektronisch imitierten Vogelschreie und andere Geräusche, ohne die der Film nur halb so effektiv gewesen wäre. Hitchcock war von dem Soundtrack äußerst angetan, was Sala viel Aufmerksamkeit einbrachte.

Oscar Sala war nicht unvorbereitet an den Auftrag herangetreten. Er hatte zuvor schon unzählige Industriefilme mit dem Trautonium vertont, das lange Zeit als der Inbegriff eines futuristischen Klangerzeugers galt. 1929 hatte er zusammen mit seinem Komponistenlehrer Paul Hindemith und dem Ingenieur Friedrich Trauwein an der Berliner Hochschule für Musik das Musikinstrument entwickelt, um die neuen Möglichkeiten der elektronischen Klangerzeugung zu nutzen.

Dr. Trautwein entwickelte ein Instrument, das aus Spielmanual, einer Metallschiene und einem dünnen Widerstandsdraht bestand. Wenn man diesen Draht auf die Metallschiene drückte, ertönte ein heulender Ton. Das Grundprinzip des Trautoniums war geboren. Hindemith schrieb ein erstes Stück für drei Trautonium-Instrumente, das vom Meisterkomponisten selbst mit Hilfe von Oscar Sala 1930 in Berlin uraufgeführt wurde und das in seinen sieben Sätzen schon die verschiedenen Klangfarbenmöglichkeiten des Instruments aufzeigte. Hindemith komponierte noch weitere Stücke für das Instrument, das später auch von anderen Komponisten aufgegriffen wurde. Harald Genzmer etwa entwarf Stücke für Trautonium und Streichorchester, und andere Komponisten fragten Sala nach Soundeffekten, die er mit seinem elektronischen Instrument liefern konnte. Selbst die NASA ließ von Sala einen Mondlandefilm vertonen.

Später interessierten sich immer wieder Popmusiker für das Instrument, doch Sala blockierte jeden Versuch das Trautonium ausgiebiger zu vermarkten. Nach Salas Tod im Jahre 2002 – er wurde 92 Jahre alt –, fing durch Anregung des Münchner Keyboardspielers Peter Pichler die Firma Trautoniks in Wolfhagen bei Kassel an, das Instrument nachzubauen und trug so zu seiner weiteren Verbreitung bei. 

Peter Pichler (Promo)
 
Peter Pichler, der sonst in der Begleitband des bayerischen Liedermachers Hans Söllner Keyboard und Akkordeon spielt, hat sich inzwischen zum bekanntesten Solisten des Trautoniums entwickelt, der sowohl die klassische Trautonium-Literatur neu interpretiert, als auch Vertonungen von Stummfilmen oder der Mondlandung unternimmt. Ein derartiges Programm aus Klassikern und einer Filmvertonung wird er am 6. Dezember um 20 Uhr in Sigmaringen im Alten Schlachthof präsentieren. Eine äußerst rare Gelegenheit, Bekanntschaft mit diesem exquisiten elektronischen Instrument zu machen, das als Urvater des Synthesizer gilt. 


Wednesday, 23 October 2019

Manfred Kniels „Two plus One“-Projekt

Musikalisches Chamäleon

Zwischen funky Grooves und Experiment bei den Tübinger Jazz und Klassik Tagen


cw. Immer im Herbst finden seit fast 20 Jahren die „Tübinger Jazz und Klassik Tage“ statt. Das Festival ist kein Event der großen Namen und weltbekannten Stars, sondern bietet dagegen Profis und Amateuren aus der Region die Chance sich zehn Tage lang mit neuen Projekten der Öffentlichkeit vorzustellen. Deswegen gibt es auch keinen zentralen Ort, an dem die Konzerte über die Bühne gehen. Vielmehr sind die Auftritte über die ganze Universitätsstadt und das Umland (Reutlingen, Rottenburg, Hechingen) verstreut und finden in Kneipen, Cafés, Clubs, Schulen, Ladengeschäften, Theatern, Kirchen, Synagogen, Kulturzentren, Universitätsälen und Rundfunk-Studios statt. 

Das Kleinformat eröffnet die Chance musikalisch Außergewöhnliches zu präsentieren, wovon die verschiedenen Veranstalter in unterschiedlichem Maß Gebrauch machen. Der Club Voltaire mit seinem Domizil in der Tübinger Altstadt hat für Ausgefallenes eine besondere Antenne entwickelt und wartet fast jedes Jahr mit einem frischen Experiment auf. 

Dieses Jahr stellte der umtriebige Stuttgarter Schlagzeuger Manfred Kniel unter dem Motto „Listen & Move“ sein neustes Bandprojekt „Two plus One“ vor. Dafür hat sich Kniel mit dem Keyboarder und Elektroniker Fritz Heieck zusammengetan, einem Gefährten aus alten Tagen, mit dem er schon in den 1970er Jahren bei der Frederic Rabold Crew zusammengespielt hat. Die beiden bilden den Kern der Gruppe, zu dem sich die Berliner Vokalistin und Performerin Ana Hauck gesellt, die zusätzlich noch diverse Perkussionsinstrumente und ein kleines Keyboard bedient.

Kniels Musik bewegt sich durch vielerlei Stilrichtungen. Sie kann „funky“ oder rockig klingen, ist manchmal verträumt, gelegentlich aggressiv und dann wieder sanft, wobei sich der Drummer und Bandleader als musikalisches Chamäleon entpuppt, der vom beinharten Groove bis zu fantasievollen Klangmalereien auf den Metallbecken ein riesiges Faß an musikalischen Möglichkeiten aufmacht. 

Ebenso vielfältig zeigt sich Keyboader Fritz Heieck, der am E-Piano wie Funkmeister Herbie Hancock klingt, am Synthesizer Rick Wakeman und Keith Emerson auferstehen läßt, aber auch schon mal mit abstrakteren Sounds an Karlheinz Stockhausens Studio für elektronische Musik erinnert. Die Vokalistin Ana Hauck fügt sich in das Geschehen nahtlos ein, singt manchmal spitz und scharf, dann wieder stimmungsvoll elegisch und versucht dabei das Publikum zum Mitmachen zu animieren, was anfangs noch etwas zwanghaft wirkt, ihr im Verlauf des Konzerts aber immer besser gelingt.

Ein Titel entführte das Publikum nach Afrika, ein anderer nach Harlem in die 1930er Jahre, wo ein Tanz namens „Harlem Jump“ die Modeverrücktheit war, den Manfred Kniel jetzt mit swingendem Rhythmus in die Gegenwart holt. Dem Drummer und kreativen Kopf ist mit „Listen & Move“ wieder ein äußerst eigenständiges Musikprojekt gelungen, das die Zuhörer einen Abend lang in den Bann zog und danach noch nach einer Zugabe verlangen ließ.  

Monday, 23 September 2019

Virtuosen der akustischen Gitarre spielen 'Imaginäre Nationalhymnen'

Junge Gitarristen auf Abenteuerkurs

Kendra Amalie (Foto: Promo)

Ich habe einen Artikel für die NZZ geschrieben über die junge akustische Gitarrenszene (hauptsächlich) in den USA, die sich auf John Fahey & Co beruft und das archaische Folkgitarrenspiel unter dem Stichwort „American Primitive Guitar“ in neue Umlaufbahnen katapultiert:

https://www.nzz.ch/feuilleton/akustische-gitarre-junge-musiker-auf-den-spuren-john-faheys-ld.1508296

                                                                                         Matthew Sage (Foto: Promo)

Various: Imaginational Anthem, Vol. 9 (Tompkins Square)

Sunday, 8 September 2019

Jeffrey Lewis & The Voltage in Stuttgart

Tränen gelacht, neben tiefer Melancholie 

Fotos: Manuel Wagner


Am Freitag, 9. September 2019, gab es das Auftaktkonzert der Europa-Tournee von Jeffrey Lewis & The Voltage, die am 26. September 2019 in Cardiff (Wales) zu Ende gehen wird. Ort des Gigs: die Büroräume von Manuel Wagner (Wagnerchic) & David Spaeth in Stuttgart. Jeff und seine zwei Mitmusiker waren in Topform und boten ein Programm, das so abwechslungsreich, witzig und voller Drive war, das es am Schluß 'standing ovations' gab. Traurige Songs, fröhliche Lieder, seine unvergleichlichen Comix-Vorträge in gereimter Form, etliche Klassiker wie „The last time I took acid I went insane“ oder ”Roll, bus roll“, dann noch als Zugabe ein Cover von Shellac's 'Prayer to God', das es in sich hatte, das alles zusammen machte den Abend zu einem eindrücklichen Erlebnis.




Selten habe ich bei einem Konzert so gelacht. Das war feinster, subtiler Humor, der keine Sekunde ins Kalauern abrutschte. Zudem sind seine Songtexte von einer Präzision und Realitätsnähe, die einen Staunen macht. Einer der skurrilsten Momente des Abends war, als Jeff seinen linken Socken während des Austritts auszog, um ihn übers Mikrofon zu stülpen, um einen Dämpfeffekt zu erzielen. (Wie ich nachher erfuhr, war es eine Gegenmaßnahme: Er hatte einen Stromschlag vom Mikro erhalten)





Vielleicht lag es an den Räumlichkeiten, die eine intime und doch gemütliche Atmosphäre zuließen, dass der Auftritt so außerordentlich gut lief. Was dabei ganz klar zutage trat: Jeffrey Lewis ist einer der unterschätzsteten Singer-Songwriter im internationalen Popbereich. Wenn es dort auch nur einigemaßen mit rechten Dingen zugehen würde, müsste ein Songpoet seines Kalibers eigentlich weltbekannt sein und riesige Zuschauermassen ziehen. Wir sind natürlich 'happy‘, dass wir ihn noch in einem solch kleinen Rahmen erleben konnten. Fantastisch! Mein Konzert des Jahres so far.



Friday, 30 August 2019

Der Sound von New Orleans

Lebensfreude und lockere Sitten

Eine CD-Box feiert die musikalische Vielfalt der Stadt am Mississippi

Professor Longhair 1971 (Foto: John Messina)
 

cw. Nirgendwo sonst wird die Klarinette mit so viel Vibrato gespielt wie in New Orleans, dem Ort, wo um 1900 der „Jass“ erfunden wurde. Kein Wunder, dass Sidney Bechet, der später aufs Sopransaxofon umstieg, aus der Stadt am Mississippi kam. Zusammen mit Louis Armstrong und King Oliver machte Bechet die „hot music“ zuerst in den USA und dann auf der ganzen Welt bekannt. 

Doch New Orleans steht nicht allein für Jazz. Eine Vielzahl anderer Musikstile sorgt für Ausgelassenheit bei Straßenfesten, kirchlichen Prozessionen und beim Karneval. Blaskapellen, Gospelchöre, Barrelhouse-Pianisten und Blues-Troubadoure, dazu die buntdekorierten Mardi Gras-Indianer mit ihren Ruf-Antwort-Gesängen – sie alle prägen das Klangbild der Stadt, in welchem auch Rhythm & Blues, Rock ‘n’ Roll, Soul und Funk eine wichtige Rolle spielen. 

Als katholische Enklave im puritanischen Amerika war New Orleans einst für seine Lebensfreude, Festkultur und lockeren Sitten bekannt, die ideale Brutstätte für eine Musik ganz dicht am Puls der Zeit, wie sie in Kaschemmen und Tavernen, bei Hochzeiten und Beerdigungen, beim Karneval und bei Hausparties gebraucht wurde. Dazu kam der Einfluß französischer Kultur und Lebensart. In „Nouvelle Orlèans“ wurde französisch gesprochen, es gab mehrere Theater und Opernhäuser, was die „Crescent City“ zur europäischsten Stadt in den USA machte. Die schwärzeste war sie ohnehin. Nirgendwo sonst lebten soviele „people of color“, manche als Freie, andere als Sklaven, von denen etliche sich nach der Revolution von Haiti (1791-1804) hier in Sicherheit brachten. 

Einer, der die verschiedenen Traditionslinien auf geniale Weise verband, war der Pianist Professor Longhair, in dessen Musik europäische Tastenartistik mit den Rhythmen der Karibik (Rhumba, Mambo, Habanera) und den „Blue Notes“ der Bluestradition zu einem einzigartigen Personalstil verschmolz, dem seinHeulgesang noch die Krone aufsetzte. Henry Byrd, so sein bürgerlicher Name, den alle „Fess“ nannten, galt als „Piano God of New Orleans“. Bis heute ahmen Pianisten seine polyrhythmische Spielweise nach. Longhair war Teil einer städtischen Kultur, in der das Klavier einen hohen Stellenwert besaß. In New Orleans, so hieß es, stünde in jedem Haushalt ein Piano. 

Neben dem Jazz und der speziellen Art des Bluespianospiels hat auch der Funk in New Orleans seinen Ursprung. In den 1960er Jahren entwickelte die Gruppe The Meters eine betont rhythmische Spielweise, bei der Baßgitarre, Schlagzeug und die Akkorde von Gitarre, Orgel und Clavinet mit der Präzision eines Uhrwerks ineinander griffen. Art Neville war der Organist der Meters, der später mit seinen Brüdern, den Neville Brothers, die Technik noch perfektionierte. Inzwischen wird in New Orleans jeder Stil „funky“ gespielt. Selbst die religiöse Gospelmusik klingt „schmutzig“ und arbeitet mit trockenem Schlagzeugbeat und den Synkopen der schnappenden Baßseiten. 

Als alljährliches Aushängeschild für die musikalische Aktivitäten der Stadt fungiert das New Orleans Jazz & Heritage Festival, das dieses Jahr zum 50. Mal stattfand. Jedes Jahr Ende April bietet das „Jazz Fest“ eine Bühne für all jene Stile, die bis heute im Leben der „Crescent City“ eine Rolle spielen. Dazu kommt die Cajun- und Zydeco-Musik aus den Sümpfen von Louisiana, gespielt mit Akkordeon und Waschbrett, die hier inzwischen auch Wurzeln geschlagen hat. Eine Box von fünf CDs mit einem dickleibigen Booklet bietet ‘Live’-Aufnahmen aus einem halben Jahrhundert, wobei alle bedeutenden Strömungen und deren Hauptprotagonisten vertreten sind.

Immer wieder wird in Songs direkt auf die qualvollen Erfahrungen nach den Verwüstungen von „Hurricane Katrina“ eingegangen, eine Katastrophe, die sich tief ins kollektive Gedächtnis der Hafenstadt eingebrannt hat, wobei das „Jazz Fest“ vielleicht einen kleinen Beitrag leisten kann, das Trauma zu bewältigen. 

Jazz Fest – The New Orleans Jazz & Heritage Festival (Smithsonian Folkways Recordings)

Wednesday, 21 August 2019

JODELMANIA im Deutschlandfunk


JODEL-AUSSTELLUNG IM DEUTSCHLANDFUNK

Im Deutschlandfunk hat Andi Hörmann die Ausstellung und das Buch „Jodelmania“ besprochen:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/audio-archiv.517.de.html?drau:broadcast_id=281

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Oktober 2019 im Valentin-Karlstadt-Musäum in München zu sehen.