Friday, 12 October 2018

Radio Radio Radio

Sonntag 18. November 2018  23.03-24.00 Uhr     
SWR2, Musikpassagen
Hippie-Invasion
Das legendäre 2. British Rock Meeting in Germersheim 1972
von Christoph Wagner


An Pfingsten 1972 ging unweit des Städtchens Germersheim bei Bruchsal das bis dahin größte Popfestival in Deutschland über die Bühne: das 2. British Rock Meeting. Um Stars wie Pink Floyd, Buddy Miles und Family zu hören, versammelten sich 70000 Popfans auf der Rheininsel Grün, was den erbitterten Widerstand der Anwohner auslöste. Trotzdem oder gerade deswegen gilt das Germersheim-Festival heute als eines der bedeutendsten Popereignisse dieser Jahre in der Bundesrepublik. Christoph Wagner rekonstruiert anhand von Interviews mit Musikern (Achim Reichel, Hellmut Hattler) und Fans die abenteuerliche Story dieses inzwischen fast schon legendären Events.
Mit riesiger Verspätung trat am frühen Dienstagmorgen als letzter Programmpunkt des Popmarathons die brititsche Formation Curved Air auf, als über dem Festivalgelände gerade die Sonne aufging. Grüppchen von Zuschauern standen mit ihren Schlafsäcken über den Schultern vor der Bühne und lauschten den klassisch angehauchten Klängen. Für Keyboarder Francis Monkman wurde dieser magische Moment zum Kristallisationspunkt seiner gesamten Zeit bei der britischen Progrockgruppe: „Es war unvergesslich!“ 

Dazu ist gerade in der 'Curved Air Rarities Series Vol. 3' eine CD erschienen, die den Auftritt von Curved Air beim 2. British Rock Meeting 1972 präsentiert: ein atemberaubender Gig – in recht ordentlicher Klangqualität –, der etwas von der Magie einfängt, die beim Sonnenaufgang an diesem frühen Dienstagmorgen im Mai 1972 herrschte. Ich habe einen Text zum Booklet beigesteuert und der Mannheimer Fotograf Manfred Rinderspacher die Fotos vom Event.

Curved Air: The Second British Rock Meeting (Cherry Red/Rough Trade)



iTunes: http://geni.us/CRVERS003dig

CURVED AIR beendeten das Festival in Germersheim (Foto:Manfred Rinderspacher)




                                                                                         FAMILY in Germersheim (Foto:Manfred Rinderspacher)



Monday, 17 September 2018

Radio Radio Radio: Robert Crumb wird 75

Ein Radioständchen zum 75. Geburtstag von Robert Crumb:SWR2 MusikGlobalDienstag, 25. September 2018 23:03 – 24:00
Frühe WeltmusikDie Schellackplatten des Comic-Zeichners Robert Crumb

von Christoph Wagner

Robert Crumb ist einer der ganz Großen in der Welt der Comics. Kein Tag vergeht, an dem Crumb nicht wie besessen an neuen Bildergeschichten arbeitet. Was allerdings die wenigsten wissen, ist, dass der Erfinder von "Fritz The Cat" und "Mr Natural" ein genauso leidenschaftlicher Sammler von Schellackplatten ist. Egal in welcher Ecke des Planeten er sich gerade befindet, sofort macht er Jagd auf die alten Scheiben. Dabei hat Crumb über die Jahre eine riesige Sammlung an früher Weltmusik zusammengetragen. Christoph Wagner hat den Comic-Zeichner und Plattensammler getroffen, dessen Schellack-Kollektion einen Einblick in die Welt der traditionellen Musik vor hundert Jahren gibt.

Mehr Crumb:
http://christophwagnermusic.blogspot.com/2012/08/christoph-wagner-interview-mit-dem.html

Friday, 24 August 2018

Willisau Jazzfestival

Trommel-Eremit und Blaskapelle

Beim Willisauer Jazzfestival kann man seit 44 Jahren musikalische Entdeckungen machen. Dieses Jahr findet es vom 29. August bis zum 2. September statt


cw. Letztes Jahr wollte es Fredy Studer noch einmal wissen. Der Luzerner Schlagzeuger zog sich in seinen Übungsraum zurück und arbeitete wie besessen an einem Soloprogramm. „Ein Jahr lang habe ich fast nur gegessen, geschlafen und getrommelt,“ beschreibt er sein Eremiten-Dasein. Studer, der dieses Jahr siebzig geworden ist und seit Jahrzehnten zu den profiliertesten Drummern der Schweizer Szene gehört, tauchte noch einmal tief in der Welt der Trommeln, Becken und Gongs, der Rhythmen und Grooves ein und entwickelte ein Programm, das höchsten spieltechnischen Anforderungen genügt, sich aber doch nicht auf bloße Virtuosität beschränkt. „Ich hab Stücke entworfen, daran gearbeitet und gefeilt, bis sie meinen Vorstellungen entsprachen,“ beschreibt er den Destillationsprozeß. „Dann habe ich sie geübt, geübt und nochmals geübt: Stunden lang, Tage, Wochen. Erst wenn ein Stück völlig im Körper drin ist, kann man wieder die Freiheit finden, die fürs Musikmachen nötig ist. Denn letztlich geht es ja nicht um technische Bravourstücke, sondern um Musik!“ 

Am Samstag, den 1. September wird es wieder einsam um Fredy Studer werden, wenn er alleine auf der Hauptbühne des Willisauer Jazzfestivals an seinem Schlagzeug sitzt, um sein Soloprogramm zu präsentieren. Vielleicht denkt er dann einen kurzen Moment zurück an die Zeit, als er seine ersten Musizierversuche auf der Trommel machte. 1959 trat der Elfjährige in seiner Heimatstadt Luzern einer ”Basler Trommler“-Gruppe bei, die zusammen mit Pfeifern die Musik für den Fasnachtsumzug lieferte. Zwei Jahre trommelte der kleine Fredy die Schlagfiguren auf seinem Übungsbrett für sich alleine, bis er die Wirbel so gut konnte, dass er beim Umzug mitlaufen durfte. Das war der Ausgangspunkt für seine Profikarriere, die sich inzwischen über nahezu 50 Jahre spannt und Studer zu einem Drummer mit internationalem Renommee machte. Man muß nur einen Blick auf die Huldigungen von Koryphäen wie Jim Keltner oder Jack DeJohnette im Booklet seines gerade erschienenen Solo-Doppelalbums ”Now’s the time“ (Everest Records) werfen, um zu erkennen, welche Riesenreputation der Luzerner in der weltweiten Drummer-Szene genießt. 

Mit Trommel-Größen wie Pierre Favre oder Paul Motian spielte Studer zeitweise in reinen Perkussionsensembles oder Drum-Orchestern zusammen, wobei er sein Schlagzeugspiel mehr und mehr verfeinert hat. Dabei wurde der Grundstein gelegt, um sich nun an das Soloprojekt zu wagen. „Die Stücke frisch zu halten und nicht nur abzuspulen, ist die größte Herausforderung,“ sagt Studer. 

Mit orchestraler Opulenz gleicht das Willisau-Festival Studers solistische Askese aus. Als Kontrastmittel wirkt Fischermanns Orchestra, eine Bigband von 14 Musikern, die vor zehn Jahren gegründet wurde. Allein die Musik bringt die Mitglieder immer wieder zusammen. Denn Geld zu verdienen, ist mit solch einer Großformation reine Illusion. Doch das schreckt die Fischermänner nicht. Im Gegenteil: Bis heute lassen sie sich von den Möglichkeiten faszinieren, die eine Bigband bietet. Sie können großorchestrale Kompositionen entwerfen und sie sogar zu Gehör bringen. Was für eine Chance in einer Jazzwelt, in der eine Großformation heute eigentlich ökonomisches Harakiri bedeutet.

Befreit von jedem kommerziellen Druck ziehen die Musiker alle Register, scheren sich weder um Moden noch um Verkäuflichkeit, sondern loten in völlig unorthodoxer Manier das Großformat aus, wobei sie stark vom üblichen Brassband-Sound – ob Latin oder Balkan – abweichen. Da wirkt schon eher das Sun Ra Arkestra als Inspiration oder Straßenformationen aus New Orleans. 

In der Musik von Fischermanns Orchestra gibt es kosmische Keyboardklänge neben psychedelischen Gitarrensounds. Da heulen gelegentlich die Bläser in kollektiven Improvisationen um die Wette, um danach in ausgetüftelte Arrangements einzumünden, wo wuchtige Bläsersätze, Heavy-Metal-Blockakkorde und knackige Grooves die Szenerie bestimmen. „Wichtig ist, dass die Musik nicht stillsteht, sondern sich weiterentwickelt, dass wir uns immer wieder von Neuem herausfordern,“ sagt Drummer und Bandleader Thomas Reist. 

Bei der Gründung kam dem Willisauer Jazzfestival eine Schlüsselrolle zu. Mit anderen Jazzstudenten der Luzerner Musikhochschule war Reist 2007 in ein Brassband-Projekt des amerikanischen Schlagzeugers Kenny Wollesen involviert, der eine „Festival Street Band“ zusammenstellte. Das klappte so ausgezeichnet, klang so umwerfend und machte so ungeheuren Spaß, dass die Schweizer zusammenblieben und das Projekt seither unter dem Namen Fischermanns Orchestra weiterführten. Mittlerweile hat die Band ein halbes Dutzend Alben veröffentlicht, wobei „Tiefenrausch“ (Unit Records) gerade erst erschienen ist. Kein Geringerer als Niklaus Troxler, langjähriger Willisauer Festivalleiter und hochkarätiger Grafiker, hat das Cover entworfen. Manchmal kommt einem die Schweizer Jazzszene wie eine weitverzweigte Großfamilie vor, die sich einmal im Jahr für ein paar Tage in Willisau trifft: Fredy Studer war schon 26. Mal da.

Weitere Infos: 
www.jazzfestivalwillisau.ch

Der Text erschien zuerst in der WoZ, linke Wochenzeitung in der Schweiz.

Monday, 20 August 2018

Podiumsgespräch mit Edgar Broughton etc. ABGESAGT – wegen zu geringer Kartennachfrage – CANCELLED!

ABGESAGT – wegen zu geringer Kartennachfrage – CANCELLED!

Theaterhaus Stuttgart
Dienstag, 2. Oktober 2018 
Beginn: 20 Uhr

Edgar Broughton: Out demons out!



















Podiumsgespräch: 

ABGESAGT – wegen zu geringer Kartennachfrage – CANCELLED!


68/69 revisited – Was von der Pop-Revolte heute noch relevant ist?

Es diskutieren:
Jim Simpson (ex-Black Sabbath-Manager)
Edgar Broughton (Edgar Broughton Band)
Renate Knaup (Amon Düül 2)
Martin Ace (Man)

Plus rare Filmausschnitte aus der Pop-Sendung ›P‹, kommentiert von Regisseur Werner Schretzmeier 

Gesprächsleitung: Christoph Wagner
Übersetzung: Dieter Fuchs
                                                                Man mit Martin Ace

1968 war das Jahr der Jugendrevolte in der Bundesrepublik, 1969 Woodstock. Beide Ereignisse markierten einen tiefgreifenden kulturellen Umbruch, der die junge Generation erfasste – inspiriert und angetrieben von den wilden Sounds der neue Rockmusik. Ende der sechziger Jahre kamen erste Underground-Bands aus England und den USA in den Südwesten der Bundesrepublik mit ihrer Botschaft von „Love, Peace & Happiness“. Mit vier führenden Vertretern der damaligen Pop-Revolte wollen wir 50 Jahre später zurückblicken und darüber nachdenken, welche Relevanz die Utopie heute noch hat, die sich in Selbstorganisation, Eigeninitiative und Selbstermächtigung, in Free Concerts, aber auch im Protest gegen hohe Eintrittspreise und in neuen Formen des Zusammenlebens ausdrückte.


ABGESAGT – wegen zu geringer Kartennachfrage – CANCELLED!

Amon Düül 2 mit Renate Knaup (Mitte)




Thursday, 16 August 2018

Zum Tod von Aretha Franklin (1942 – 2018)

HAN BENNINK über seine erste Begegnung mit John Coltrane und ARETHA FRANKLIN

Der holländische Jazzschlagzeuger HAN BENNINK in einem Interview mit mir vor einigen Jahren:

Sie reisten dann 1960 zum ersten Mal in die USA?
 
Han Bennink: Wir waren ein Jazztrio und konnten auf einem Passagierdampfer spielen, der Auswanderer in die USA brachte. Es ging in Rotterdam los, dann fuhr man nach Southampton, von dort nach Galway, wo die Iren mit ihren Geigen an Bord kamen. Acht Tage bin ich in New York geblieben. Ich ging jeden Abend zu Konzerten. Im Jazzclub Village Gate hörte ich John Coltrane mit seinem Quartett, auch Aretha Franklin, am Klaiver mit nur einem Schlagzeuger, wahrscheinlich Bernard “Pretty” Purdie. Ich war ein junge hipper Bursche. Coltrane war die Nr. 1 für mich und Aretha die Nr 2. Danach war es umgekehrt!!! 

 

Tuesday, 31 July 2018

Alte Musik: Das italienische Madrigal

 Schmachtende Lippen, süßer Schmerz

Das Festival Europäischer Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd feiert „mit allen Sinnen“ ein Jubiläum

 



















cw. Das „Festival Europäischer Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd“ feiert einen runden Geburtstag: 1989 gegründet, findet es dieses Jahr zum 30. Mal statt! Die Stadt Schwäbisch Gmünd hat sich mit der Veranstaltungsreihe ein hochkarätiges Ereignis geschaffen, das weit über die Region ausstrahlt und jedes Jahr ungefähr 15 000 Besucher aus nah und fern anzieht. An verschiedenen Spielstätten in Schwäbisch Gmünd, ob im gotischen Heilig-Kreuz-Münster oder der barocken Augustinuskirche, finden drei Wochen lang Konzerte der Spitzenklasse statt, zu denen profilierte Künstler aus der ganzen Welt anreisen. Das Spektrum mehr oder weniger religiös angehauchter Klänge reicht dabei vom gregorianischen Choral des Mittelalters über Barockmusik bis zu symphonischen Chorwerken des 19. Jahrhunderts, wobei auch die Avantgarde zum Zuge kommt.

In den letzten Jahren hat das Kirchenmusik-Festival geographisch über die Stadt hinausgegriffen und auch passende Orte der Umgebung in die Konzertaufführungen einbezogen. Am Sonntag wurde im naheliegenden Kloster Lorch eine ausverkaufte Aufführung geboten, zu der das Ensemble La Compagnia Del Madrigale aus Italien angereist war. Im Mittelpunkt des Konzerts standen italienische Madrigale vom Ende des 16. Jahrhunderts. Komponisten wie Claudio Monteverdi, Carlo Gesualdo und Luca Marenzio hatten damals eine Liedform geschaffen, die mit einer verschlungenen Stimmführung höchste Gefühlsintensität zum Ausdruck brachte. In diesen weltlichen Gesängen stand das Wort im Vordergrund, das expressiv ausgedeutet und klanglich illustriert wurde. Oft war die Liebe das große Thema, die uns in diesen Liedern als ungeheure Gefühlswallung begegnet und unerwidert zu quälendem Schmerz und grausamen Todesqualen führen kann. 

Die lyrischen Texte erkennen den hinterhältigen Geist „Amor“ in den „schmachtenden Augen“ der Angebeteten, aber auch in der seelischen Not des abgewiesenen Liebhabers. Die Madrigallieder beschreiben die „süßen Küsse“ als die wahre „Nahrung des Lebens“ – eine erotisch hochaufgeladene Affaire also, die ausgezeichnet zum diesjährigen Festivalmotto „Mit allen Sinnen“ passte.

Die Compagnia Del Madrigale bestätigte ihren Ruf, eines der besten Spezialistenensembles dieser Sparte zu sein. Die sechsköpfige Vokalgruppe setzt allein auf die Kraft und Kunst ihrer Stimmen, tritt also als A-Capella-Gruppe auf, die auf jegliche instrumentale Unterstützung verzichtet. Durch die Verschmelzung der drei Frauen- und der drei Männerstimmen ergibt sich ein kompakter Gruppenklang, der als geschlossene Einheit wirkt und mit großer Virtuosität die Lieder in Szene setzt, wobei es den sechs Vokalisten meisterhaft gelingt, die emotionale Tiefgründigkeit der Liebesthematik in all ihren Facetten auszuleuchten.

Erst nach mehreren Zugabe entließ das Publikum das Meisterensemble aus Italien, wobei bis zum 5. August noch eine Vielzahl von Konzerten auf dem Programm stehen, die jeder Zeit eine Reise nach Schwäbisch Gmünd rechtfertigen.

Weitere Informationen: www.kirchenmusik-festival.de

Monday, 23 July 2018

SCHLACHTHOF-FESTIVAL 2018

Schlachthof-Festival trotzt dem Regen

Experimentelle Klänge, Ausdruckstanz, Weltmusik und Jazz beim diesjährigen Event  

(Foto: Robert Krieg)
cw. Dieses Jahr meinte es der Wettergott nicht gut mit dem Sigmaringer Schlachthof-Festival. Es regnete über weite Strecken, sodaß die sonst so geschätzte gemütliche Stimmung im Innenhof des ehemaligen Schlachthofgeländes nicht richtig aufkommen wollte. Dennoch war es erstaunlich, wieviel Publikum trotzdem zu dem Event erschien, um sich musikalische Leckerbissen zu gönnen, die man in dieser Dichte sonst nur selten findet. Offenbar hat sich hier über die Jahre ein treues Stammpublikum gebildet, das sich auch von Petrus das „Schlachtfest“ nicht vermiesen lassen will. 

Frida Stroom alias Martina Berther (Foto: Robert Krieg)
Am Nachmittag war in den verschiedenen Atelierräumen Außergewöhnliches angesagt. Da war die junge Experimentalmusikerin Martina Berther aus Zürich, die ihr Soloprojekt Frida Stroom präsentierte und dabei ihre Baßgitarre in einen bizarren Klangerzeuger verwandelte. Mit Geigenbogen und einem Riesenarsenal an Soundgeräten holte sie Erstaunliches aus dem sonst eher als behäbigen Instrument heraus. In einem anderen Atelierraum wandt und schlängelte sich – in einen riesigen Sack gehüllt – die Ausdruckstänzerin Magdalena Dzeco aus München zu den elektronisch verdichteten Perkussionsklängen von Marja Burchard, während in einem dritten Altelier das Synthi-Duo Klaustrophonie von J.J. Whitefield und Maasl Maier manchmal blubbernde, gelegentlich piepsende, aber immer sanft dahinfließende Ambient-Sounds produzierte. 
                                                                                             Bluesman Jim Kahr (Foto: Robert Krieg)
Das Abendprogramm leitete dann das Duo von Karl Farrent (Trompete) und Manfred Kniel (Schlagzeug) ein. Die beiden Spitzenjazzer aus Stuttgart hatten sich alte Jazzstandards vorgenommen, die sie auf witzig-virtuose Weise in Szene setzen und so Nummern wie „Caravan“ oder „Moon River“ in ganz neuem Licht erscheinen ließen. Danach war Bluesmann Jim Kahr an der Reihe. Der ehemalige Gitarrist von John Lee Hooker ging es sanft an, um gegen Ende mit heißer Slide-Gitarre solche Blues-Klassiker wie „Little Red Rooster“ und „Hoochie Coochie Man“ vom Stapel zu lassen, die das Publikum in Begeisterung versetzten.                                
 Wolfi Schlick von Embryo (Foto: Robert Krieg) 

Den krönenden Abschluß eines rundum gelungenen Events bestritt dann die Gruppe Embryo aus München, die nächstes Jahr ihren 50. Geburtstag feiert. Doch was die Münchner Formation bot, war alles andere als antiquierter Krautrock. Mit Anleihen bei vielerlei Musikstilen aus dem Orients sowie geübt in modernen Jazzimprovisationen bot das Quintett eine wunderbar fließende Weltmusik, der sie mit brillanten Solos die Krone aufsetzten. Das Publikum konnte nicht genug bekommen von den süffigen Sounds, was die Band zu nur noch größeren Höchstleistungen anspornte, sodaß erst um Mitternacht der Vorhang fiel. 

Marja Burchard (Foto: Robert Krieg)