Anläßlich meines Buchs „Jodelmania“ (Kunstmann Verlag, 2019) hat mich MusikGlobal-Redakteurin Anette Sidhu von SWR2 ins Studio eingeladen und kreuz und quer über die Geschichte des Jodelns befragt, dazwischen die passende Musik gespielt. Daraus ist jetzt eine Jodelreise von den Alpen nach Amerika geworden, eine einstündige Sendung, die auch solche Phänomene beleuchtet und solchen Fragen nachgeht, wie: Warum Jodeln heute wieder neue Gemeinschaftserlebnisse ermöglicht, wo es derzeit Workshops und Festivals zum Thema gibt und welche experimentellen Künstler sich mit dem Phänomen befassen?
Christoph Wagner, der Kurator der Ausstellung JODELMANIA im Valentin-Karlstadt-Musäum, erzählt in einem 30-minütigen Vortrag mit vielen Filmbeispielen über den Siegeszug des Jodelns vom Alpenraum über ganz Europa bis in die USA, wo es in Cowboy-Songs und Countrymusic Einzug hielt.
Danach läuft der Film Heimatklänge von Stefan Schwietert
Ein Porträt von drei außergewöhnlichen Stimmkünstlern vor der atemberaubenden Kulisse der Schweizer Berge. Noldi Alder, Erika Stucky und Christian Zehnder beschreiten unterschiedliche und gleichermaßen interessante Wege der Weiterentwicklung der traditionellen alpenländischen Musik in die Moderne. „Wunderbar und außergewöhnlich.“ (AZ München)
JODELMANIA-Ausstellung im Valentin-Karlstadt-Musäum in München
Die 'Jodelmania'-Ausstellung im Valentin-Karlstadt-Musäum in München ist jetzt eröffnet. Sie zeichnet mit Dutzenden von Originaldokumenten die Verbreitung des Jodelns zuerst in ganz Europa, dann in den USA nach. Zu sehen sind: Phonowalzen mit Jodelsongs, historische Bildpostkarten und Fotos, Plakate, Konzertprogramme, Schellackplatten, Notenblätter und Songbooks. Dazu gibt es zwei Hörstationen mit 'Hillbilly Yodelling' sowie 'Jodeln gestern und heute'.
Adresse: Im Tal 50, 80331 München (Das Musäum befindet sich in den Isartürmen (S-Bahn-Station: Isartor)
Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag und Donnerstag 11:01–17:29 Uhr Freitag und Samstag 11:01–17:59 Uhr Sonntag 10:01–17:59 Uhr
Am Mittwoch ist das Musäum geschlossen
Eintritt:
Erwachsene: 2,99 Euro Kinder, Schüler, Studenten: 1,99 Euro
Der legendäre österreichische Radio-DJ, Schriftsteller und Musiker Fritz Ostermayer, so etwas wie der John Peel Österreichs, hat in seiner ORF fm4-Sendung „Sumpf“ das 'Jodelmania'-Buch mit ein paar lobenden Worten bedacht. Hier O-Ton Ostermayer: "Der Prachtband, reich illustriert und auch von der edlen Aufmachung her jeden Buch-Schönheitspreis wert, heißt 'Jodelmania'. Der Autor: Christoph Wagner, Kultur- und Musikjournalist. Der Verlag: Kunstmann. Alle Beteiligten seien gepriesen für diese historische Großtat."
JODELMANIA-Ausstellung im VALENTIN-KARLSTADT-MUSÄUM in München
JODELMANIA hat jetzt auch im Münchner Valentin-Karlstadt-Musäum Einzug gehalten. Nach einer Woche intensiver Arbeit hängen nun alle Exponate – die Ausstellung steht! Zu sehen sind viele rare Dokumente wie alte Notenblätter, Liederdrucke, Fotografien, Phonowalzen, Schellackplatten etc., die die Verbreitung des Jodelns zuerst in Europa, dann in Amerika nachzeichnen und von denen die meisten noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren. Die Ausstellung basiert auf meinem Buch gleichen Namens, das gerade im Verlag Antje Kunstmann erschienen ist.
Am Donnerstag, den 18. Juli 2019 (Beginn: 19:00) findet die Eröffnung der Ausstellung statt im Rahmen des Sommerfest des Valentin-Karlstadt-Musäums im Innenhof des Isarturms in München. Es gibt Musik (die fantastische Maria Hafner mit Band), Kabarett und vieles mehr. Alle sind eingeladen. Der Eintritt ist frei. Kommet zuhauf!!!!
CHRISTOPH WAGNER: JODELMANIA – VON DEN ALPEN NACH AMERIKA UND DARÜBER HINAUS 320 Seiten mit vielen raren historischen Abbildungen und Fotografien, z.T. in Farbe. Verlag Antje Kunstmann; Euro 22.-
Jodeln ist viel mehr als ein Sketch von Loriot, Jodeln hat eine lange Geschichte, ist Dialekt und musikalischer Ausdruck. Ein neues Buch ergründet die Urkraft der Vokalartistik
Erlacher Sängergesellschaft, München 1884 (Sammlung C.Wagner)
Von Christian Jooß-Bernau
„Es ist ja kein Genre mehr für mich, sondern ein Ausdruck, ein Dialekt geworden. Mehr ein Ausdünsten als ein Interpretieren." Die in Amerika geborene und in der Schweiz aufgewachsene Sängerin Erika Stucky hat sich das Jodeln für ihre Kunst einverleibt. Es derart konsequent zu ihrem persönlichen Ausdruck gemacht, dass sie sogar mit dem archaischen Schlagwerker und Klangdenker FM Einheit spielen kann. (...)
Christoph Wagner hat Erika Stucky für sein bei Kunstmann erscheinendes Buch "Jodelmania. Von den Alpen nach Amerika und darüber hinaus", interviewt. Am Donnerstag, 30. Mai, wird Wagner in der Monacensia das Ergebnis seiner jahrelangen Musikforschung vorstellen. Einen derart umfassenden Ansatz hat bis jetzt nur Bart Plantega gewagt, dessen durchaus lesenswertes Buch "Yodel-Ay-Ee-Oooo: The Secret History of Yodeling Around the World" von 2003 allerdings nur in der englischen Originalausgabe erhältlich ist. Wagner ist als Autor von fast meditativer Detailversessenheit, hat aber immer die große Linie der Historie im Blick. Und er hat Gespür für offensichtliche Unerhörtheit, die wohl nur fühlt, wer im süddeutschen Raum sozialisiert wurde. So hat er nach seine Einleitung ein Interview mit Franzl Lang gehängt, dessen Musikantenstadl-Gejodel weiten Teilen der Nachkriegsgenerationen wohl nicht als musikalische Großtat in Erinnerung ist. Aber Wagners Forscherinteresse hält sich nicht mit Geschmacksurteilen auf. Und so ist Lang in der Rückschau einer, der als Bravour-Jodler die Gesangstechnik voranbringt und virtuos zum Show-Effekt entwickelt.
Für Wagner ist dies nur Vorbereitung des Einstiegs in die Tiefe der Geschichte, die Ende des 18. Jahrhunderts mit den ersten Sängergruppen beginnt. Sie werden in Bezug gesetzt mit der romantischen Entdeckung und Idealisierung des Naturraumes und dem Aufbegehren auf dem Weg zur Demokratie. So scheint das kämpferische Tirol hier auf als "heroische, ja fast mythische Gebirgslandschaft, wo mutige, einfache, freiheitsliebende Menschen lebten."
In den Rang einer Frühform der Popmusik aber wird das Jodeln mit seinem Export nach England und Amerika erhoben, eine Pioniertat, die die Geschwister Rainer um 1820 aus dem Zillertal in die Welt führte. Das ist Auftakt der Jodelmania, die für viele kommende Gruppen die Aussicht auf Ruhm und Abenteuer in sich barg. Beeindruckend ist nicht nur die Fülle der Fotografien und Programmzettel, die Wagner zusammengetragen hat, interessant zu lesen auch, wie sich ein Tourneebetrieb entwickelt, der ein alpenländisches Gesamtpaket aus Kostümen, Bühnenbild und Musik schnürt, das natürlich auch Moden unterworfen ist und das Image des Naturwüchsigen für den Show-Rahmen aufbereitet. Das löste nicht nur Begeisterung aus. Vom "förmlichen Schwindel, der von fremden fahrenden Sängern mit dem Namen ,Tirol' getrieben wird", sprechen die Innsbrucker Nachrichten1892. Tiroler Nationalsänger? Von wegen - Rheinländer, Thüringer, selbst Elsässer hat man ausgemacht. (...)
Uncle Tom & Hied Help, USA, ca. 1935 (Sammlung C. Wagner)
Auf fruchtbarsten Boden fällt der Gesang in Amerika. Die Saat geht auf beim Singing Brakeman Jimmie Rodgers, den im August 1927 die Idee einen Song mit ausgiebigem Jodler aufzunehmen zum Star katapultiert. "Yodel" wird Mode. Bei Hank Williams klingt er blue and lonesome, bei den DeZurik Sisters wird daraus uramerikanische Vokalartistik.
Christoph Wagner: Jodelmania – von den Alpen nach Amerika und darüber hinaus. 320 Seiten; gebunden mit Schutzumschlag; mit vielen raren Abbildungen; Verlag Antje Kunstmann. Euro 22.-
Mein neues Buch „JODELMANIA – von den Alpen nach Amerika und darüber hinaus“ erscheint Ende Mai pünktlich zum LAUTyodeln-Festival (29. Mai bis 2. Juni 2019 I www.lautyodeln.de)
Es gibt jetzt eine Leseprobe zum Reinlesen im Netz. Hier der Link:
Dazu erscheint mein neues Buch: 'Jodelmania – von den Alpen nach Amerika und darüber hinaus' im Verlag Antje Kunstmann. 320 Seiten mit vielen zum Teil historisch raren Fotos und Abbildungen.