Sunday, 19 May 2019

Neues Album vom Kammerflimmer Kollektief

Tonschleifen und Klangflächen

Das Kammerflimmer Kollektief aus Karlsruhe macht erfolgreich Musik abseits des Mainstreams


cw. Kammerflimmer Kollektief nennt sich ein Ensembles aus Karlsruhe, das sich in den letzten 22 Jahren zu einem der renommiertesten Ensembles im Feld der experimentellen Musik entwickelt hat – und das nicht nur in Südwestdeutschland! Die Gruppe ist sehr gefragt, wird von der Kritik hochgelobt und reist zu Festivalauftritten um die halbe Welt. Heike Aumüller (Harmonium), Johannes Frisch (Kontrabaß) und Thomas Weber (E-Gitarren und Slide-Gitarre) haben bereits elf Alben veröffentlicht und sich damit einen eigenständigen Platz im breiten Spektrum der bundesdeutschen Avantgarde-Szene gesichert. Der Stil des Ensemble besticht durch Originalität und bewegt sich im Grenzland zwischen akustischen, elektrischen und elektronischen Sounds.

Das aktuelle Album mit dem Titel „ There are actions…“ (beim Hamburger Indie-Label Bureau B erschienen) enthält Stücke, bei denen vor allem die beiden Hauptbausteine zeitgenössischer Musik zum Tragen kommen: Repetition und Drones – also sich fortwährend wiederholende Tonschleifen und weite Klangflächen. Diese beiden Konstruktionselemente werden ineinandergeschoben und verdichtet, dazu mit Melodien und Harmonien versehen. Eine ordentliche Portion Hall sorgt für räumlichen Klang, auch kommen Noise-Elemente und freie Improvisation ins Spiel. Manchmal dreht sich eine Gitarrenmelodie kontinuierlich im Kreis, die mit abenteuerlichen Sounds unterlegt wird, was aufregende „soundscapes“ ergibt: reizvolle Klanglandschaften! 

Manchmal dockt das Ensemble beim Minimalismus eines Terry Riley an oder begibt sich behutsam aufs Terrain der Ambient Music. Ein anderes Mal knistert, knarzt und kratzt es in dissonanter Manier oder es rauscht und flirrt, als ob ein mächtiger Sturm aufziehen würde. Doch immer findet die Gruppe aus Chaos und Wildnis wieder zur Melodie zurück – häufig unterlegt von einem behutsamen rhythmischer Puls. Wenn darüber dann noch das Harmonium von Heike Aumüller seine asthmatischen Töne legt, macht sich ein Gefühl von Einsamkeit und Verlassenheit breit. In der Erzeugung von Atmosphären sind die Karlsruher Meister. 

Als eine Gratwanderung zwischen Schönklang und Dissonanz haben Kritiker die Musik des Kammerflimmer Kollektiefs beschrieben, ein Stil, der die Karlsruher Gruppe ziemlich einzigartig in der musikalischen Landschaft der Gegenwart positioniert. Musik für offene Ohren jenseits des Mainstreams!

Sunday, 12 May 2019

Soloalbum von IRMIN SCHMIDT (Can)

Klang-Kalligraphie

cw. Can-Keyboarder Irmin Schmidt gibt Auskunft über sein aktuelles Piano-Album und die Geräusche, die entstehen, wenn man einen Rasierer über Klaviersaiten gleiten läßt

Sie haben gerade ein Album mit Klaviermusik veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Irmin Schmidt: Ich habe mit dem Produzenten und Aufnahmetechniker Gareth Jones, der mit Depeche Mode, Nick Cave und Einstürzenden Neubauten gearbeitet hat, 1991 das Album „Impossible Holidays“ gemacht. Da gibt es Klavier drauf. Von dem Moment an hat Jones immer gesagt, wir müssen einmal eine Klavierplatte machen. Das kam immer einmal wieder zur Sprache. Doch irgendwie fehlte mir die Vorstellung, was das hätte werden können. Deswegen kam es nicht zustande. Vor zwei Jahren trat ich gemeinsam mit Thurston Moore – dem einstigen Gitarristen von Sonic Youth – in Paris im Louvre bei einem Konzert auf, bei dem ich seit vielen Jahren wieder einmal Klavier spielte. Daraus entstand die Idee mit Gareth Jones eine Platte mit präpariertem Piano zu machen. Ich habe dann bei mir zuhause in Südfrankreich den einen meiner beider Flügel präpariert und Gareth Jones hat die Aufnahmen gemacht.

Wie sind die Aufnahmen entstanden?

IS: Ich habe nichts komponiert, nichts vorab entworfen. Wir wollten Umweltgeräusche einbeziehen, die wir in einem Schilfgebiet unweit meines Studios aufgenommen haben. Alle Stücke habe ich nur einmal gespielt – das wars! Sie sind alle durchweg aus dem Augenblick heraus erfunden. 

Frei improvisiert?

IS: Ich mag das Wort „Improvisation“ in diesem Zusammenhang nicht. Das sind spontane Kompositionen, was Stockhausen „intuitives Musizieren“ genannt hat. Man spielt also nicht einfach drauflos, sondern Stücke entstehen, indem man sich selber genau zuhört. Das ist wie japanische Kalligraphie, wo die Tuschezeichnungen ja auch im ersten Durchgang entstehen – aus der ersten Bewegung. Ein kühner Pinselstrich – das ist es! Daran wird dann nichts mehr verändert oder verbessert, und auch vorher macht man keine Skizzen oder Zeichnungen. Die Kalligraphie entsteht in diesem einzigen Moment. So habe ich auch das Klavieralbum eingespielt.

Wenn es keine Vorentwürfe oder Vorüberlegungen gab, haben Sie sich mental auf die Aufnahmen vorbereitet?

IS: 70 Jahre lang, seit ich Musik mache. Meine ganze Erfahrung floß in diese Aufnahmen ein, die dann – wusch! – in einem Moment realisiert wurden. Es gibt irgendwann einen Zeitpunkt, wo etwas reif ist. 

Die Musik ist sehr reduziert. Sie arbeiten viel mit Pausen, lassen die Akkorde ausklingen. Ist das eine Sache des Alters, dass man sich aufs Wesentliche konzentriert, alles Dekorative wegläßt?
                                                                                                                       Irmin Schmidt bei Can (Promo)
IS: Wir haben bei Can schon gelegentlich sehr reduktionistisch gearbeitet, natürlich auch manchmal sehr verdichtet und intensiv, doch es gab damals bereits diese äußerst ausgedünnten Passagen. Man fängt mit einem Ton oder Klang an und entwickelt daraus sehr vorsichtig etwas. Das ist immer ein Element unserer bzw. meiner Musik gewesen. Auf der aktuellen Pianoplatte habe ich das nur noch radikalisiert: Der Verzicht auf alles Überflüssige. Es ist also mehr ein Prinzip meiner generellen Musikauffassung als so etwas wie Altersreife.

Sie wählten dafür die Technik des präparierten Klaviers, die von John Cage entwickelt wurde …

IS: Ich habe ein Konzert mit Cage-Kompositionen von David Tudor Anfang der 1960er Jahre gehört und war von dem Ansatz fasziniert. Ich habe dann John Cage getroffen und mir das Prinzip des „prepared piano“ erklären lassen. Ich gab damals Klavierabende, wo ich neben Mozart auch die Avantgarde präsentiert habe – dabei kamen auch Cage-Stücke zur Aufführung. Aber eigentlich war ich damals Orchesterleiter, Dirigent.

Wie war die Publikumsreaktion auf solch radikalen Klänge?

IS: Sehr unterschiedlich. Ich erinnere mich an ein Konzert in Heidelberg, wo ich eine Cage-Komposition für präpariertes Klavier gespielt habe. Danach folgte ein Stück vor mir, bei dem ich meinen alten Remington-Rasierapparat über die Baßsaiten gleiten ließ, was ein ganz irres Geräusch ergab. Da kam ein älterer Herr schreiend auf die Bühne gestürmt und schlug mir den Klavierdeckel auf die Hände, so empört war er. „Wie können Sie nur?“ hat er gebrüllt und ist richtig tätlich geworden. Er musste von den Veranstaltern von der Bühne geholt werden. Das war natürlich die extremste Reaktion. Selbstverständlich gab es auch Zustimmung. Doch insgesamt war das Publikum recht gespalten.

Hören Sie daheim Klaviermusik?

IS: Eher beim Autofahren. Ich schalte das Autoradio an, und hier in Frankreich läuft da oft Klaviermusik von Bach bis Chopin – die ganze Klavierliteratur.

Wer sind ihre Lieblingskomponisten, was Klavierstücke anbelangt?

IS: Schumann, auch Brahms, die romantische Klavierliteratur. Dafür habe ich eine Vorliebe.

Wie sieht es mit zeitgenössischen Komponisten aus? 

IS: Natürlich Cage, aber auch Conlon Nancarrow mag ich sehr gerne. Doch sind seine Kompositionen für mechanisches Klavier entworfen, für das „Player Piano“, das mit Rollen betrieben wird. Das klingt absolut irre – fantastisch!

Irmin Schmidt: 5 Klavierstücke (Mute Records)

Monday, 29 April 2019

Jamie Safts NEW STANDARD TRIO in Singen

Brodelnder Souljazz

Das New Standard Trio aus New York beim Jazzclub in Singen 

cw. Drei Musikergenerationen kommen in der Combo zusammen: ein ergrauter Veteran spielt Baßgitarre, am Schlagzeug sitzt ein Wirbelwind mittleren Alters, während ein junger Wilder in die Klavier- und Orgeltasten greift. Zusammen bilden die drei das New Standard Trio, das – Namen sind Zeichen – am liebsten alte Jazzstandards interpretiert, doch auf nicht alltägliche Weise. Gerade befindet sich die New Yorker Jazzformation auf einer zweiwöchigen Europatournee, die sie über Polen, Italien und Slowenien auch im Kulturzentrum Gems beim Jazzclub in Singen Station machen ließ. Vor einer beachtlichen Zuschauerkulisse absolvierten sie einen bejubelten Auftritt.

Wenn Jamie Saft in die Tasten seiner zweimanualigen Orgel greift, Bobby Previte einen groovenden Ryhthmus trommelt und Bassgitarrist Steve Swallow ein paar markante Grundtöne platziert, meint man sich in einer Spelunke an irgendeiner staubigen Landstraße im amerikanischen Süden zu befinden: Auf der Bühne eine Band, die Elemente aus Gospel, Blues und Soul zu einem Sound vermischt, wie ihn in den 1960er Jahren als Hausband der Schallplattenfirma Stax in Memphis, Tennessee schufen. 

Viel Gefühl und noch mehr Seele bestimmten damals den „Memphis Soul“, geformt aus erdigen Grooves und klaren Melodien, wobei das New Standard Trio sein Bestes gab, an den Sound dieser heute klassischen Soulmusik anzuknüpfen. In den Improvisationen brachte Jamie Saft seine Orgel ordentlich zum Kochen, ließ sie aufjaulen und heulen, erhöhte bei jedem Durchgang noch einmal die Intensität, bis er zielgenau auf den Höhepunkt zusteuerte, unterstützt von seinem exzellenten Ryhthmusteam, das mitging und die Spannung immer noch um eine Umdrehung steigern konnte. 
                                                                                                                                                        Foto: C. Wagner
 
Obwohl drei gleichwertige Instrumentalisten das Trio ausmachen, ist es doch eindeutig die Band von Tastenspieler Jamie Saft, der mit seinem ellenlangen Bart aussieht, als wolle er sich für die Keyboarder-Stelle bei der Rockband ZZ Top bewerben. Saft macht die Titelansagen, bestimmt die Stückefolge und gibt auch musikalisch den Ton an, während Steve Swallow und Bobby Previte ihm auf Schritt und Tritt folgen. 

Wenn Saft an den Flügel wechselt, vollzieht sich ein Szenenwechsel. Jetzt befindet man sich nicht mehr in einer Straßenkneipe im Süden der USA, sondern in einem feinen, großstädtischen Jazzclub, wo die klassische Jazzballade zu Hause ist. In den 1950er Jahre hat in dieser Sparte der Pianist Bill Evans Maßstäbe gesetzt, und Evans ist auch der Leitstern, dem Jamie Saft folgt. Sensible Töne, feine Akkordsequenzen und ein delikater Anschlag verweben sich zu einem traumversunkenen Jazz. Schlagzeuger Previte setzt mit den Besen behutsame Akzente, während Baßgitarrist Swallow ein paar wohldurchdachte Soli beisteuert, die weniger durch Virtuosität als durch das fantasievolle Weiterspinnen der Melodien bestechen. 

Wie schön wäre es gewesen, wenn jetzt auch noch Iggy Pop die Bühne betreten hätte. Immerhin hat der Urpunk auf dem vorletzten Album zwei Balladen mit dem New Standard Trio gesungen. Doch natürlich gab sich Iggy Pop kein Stelldichein. Die Band mußte ohne ihn klarkommen. Aber auch ohne den Extremrocker stand das Konzert dennoch für einen rundum gelungenen Abend.  

Friday, 26 April 2019

JODELMANIA: Leseprobe

Mein neues Buch „JODELMANIA – von den Alpen nach Amerika und darüber hinaus“ erscheint Ende Mai pünktlich zum LAUTyodeln-Festival (29. Mai bis 2. Juni 2019 I www.lautyodeln.de)

Es gibt jetzt eine Leseprobe zum Reinlesen im Netz. Hier der Link:

Sunday, 14 April 2019

London Jazz Night - wo die Frauen den Ton bestimmen

Wo Frauen den Ton angeben

Die 32. Internationalen Theaterhaus Jazztage stellen über Ostern führende Musikerinnen aus England vor
  
Nubya Garcia
cw. In der Londoner Jazzszene tut sich etwas: Junge Frauen drängen nach vorne! Die Gruppe Kokoroko der Trompeterin Sheila Maurice-Greyund das Ensemble der Saxofonistin Nubya Garcia sind zwei davon. Sie werden sich am Sonntag, den 21. April bei den 32. Internationalen Theaterhaus Jazztagen in Stuttgart  im Rahmen einer „London Jazz Night“ zum ersten Mal in Südwestdeutschland vorstellen. Ein Leckerbissen für alle Fans des modernen Jazz, wobei beide Gruppen auch Elemente afrikanischer bzw. karibischer Musik einbeziehen. 

Im Londoner Septett Kokoroko geben die Frauen den Ton an. Die Gruppe wird von einer weiblichen Bläsersektion angeführt und von der Trompeterin Sheila Maurice-Grey geleitet. Die junge Bandleaderin schreibt die Kompositionen, die jazzigen Improvisationen Raum geben, in denen aber auch westafrikanischer Highlife und nigerianischer Afrobeat anklingt. 

Ein Förderprogramm für junge Talente namens „Tomorrow’s Warriors“ half Sheila Maurice-Grey auf den Weg. Die Trompeterin war dort Mitglied im „Female Collective“, einer losen Formation, aus der später die Gruppe Nérija hervorging: eine siebenköpfige, rein weibliche Jazzcombo. Mit Kokoroko rief Maurice-Grey dann ihre eigene Band ins Leben, die seither in London Furore macht. Daneben ist die Trompeterin auch in der britischen Grime- und Hiphop-Szene präsent, wo die gefragte Sessionmusikerin mit Stars wie Kano und Little Simz gearbeitet hat. „Es ist ermutigend wie in der Grime-Szene ein neues Interesse an Jazz erwacht ist,“ freut sich die Bandleaderin.

Kokoroko

Wie Sheila Maurice-Grey haben die meisten der jungen Musikerinnen und Musiker von Kokoroko als Teenager den „Tomorrow’s Warriors“-Workshop besucht. Die Bildungsinitiative war einst vom Saxofonisten Gary Crosby ins Leben gerufen worden, um junge Talente mit afrikanischen Wurzeln zu fördern, ins besonders junge Jazzmusikerinnen. Auch die Saxofonistin Nubya Garcia hat die Talentschmiede durchlaufen. Sie ist eine andere schillernde Figur, die in mehreren Gruppen aktiv ist. So läßt sie ihr Saxofon im Trio von Theon Cross ertönen, auch im Frauenensemble Nérija, wo sie Sheila Maurice-Grey begegnete, obwohl ihr Hauptaugenmerk natürlich ihrem eigenen Ensemble gilt.

Die junge Bandleaderin stammt aus einer musikalischen Familie, in der jedes der vier Geschwister ein anderes Instrument erlernte. Jeden Samstag fuhr Nubyas Mutter sie zu den Unterrichtsstunden ins nahe Kulturzentrum. Als Kind spielte Nubya zuerst Geige, bevor sie zum Saxofon wechselte, dem sie sich dann mit Leidenschaft und Ausdauer widmete. Mit ihrem Ensemble spielt die 28jährige heute einen modernen Jazz wie er einst vom Saxofongiganten John Coltrane geprägt wurde, wobei Nubya Garcia außerdem noch Einflüsse aus der Karibik einbezieht sowie elektrische Instrumente z. B. ein E-Piano. Der seelenvollen Ton ihres Tenorsaxofons überstrahlt alles. Mit ihm bringt sie ihre Gefühle, ihre Stimmung und ihre Gemütslage zum Ausdruck, was in Balladen versonnen und in temporeichen Stücken auch schon mal aufbrausend bis explosiv klingen kann. Im bekannten DJ und Plattenproduzenten Gilles Peterson hat Nubya Garcia einen einflußreichen Förderer gefunden, der dafür sorgte, dass ihr Talent in den letzten Jahren immer deutlicher zum Vorschein kam. Jetzt kommt sie zum ersten Mal nach Südwestdeutschland.

Infos: www.theaterhaus.com


Friday, 12 April 2019

LUCAS NIGGLI – Das Ein-Mann-Trommelorchester

Das Ein-Mann-Trommelorchester

Der Schweizer Schlagwerker Lucas Niggli spielt ein außergewöhnliches Konzert im Alten Schlachthof in Sigmaringen 
                                                                                   Foto: Christoph Wagner

cw. Schlagzeuger waren lange Zeit das fünfte Rad am Wagen einer Jazzband. Sie wurden als Musiker nicht richtig ernst genommen. Ihnen kam die Aufgabe zu, den Takt zu markieren und das Tempo zu halten – mehr nicht! Während Pianisten, Saxofonisten und Trompeter im Rampenlicht standen und sich im Applaus sonnten, fristete der Drummer im hinteren Teil der Bühne eine kaum beachtete Existenz. Er war einzig und allein als Rhythmusknecht gefragt.   

Mit Baby Dodds änderte sich das alles. Der Drummer von Louis Armstrong war selbstbewußt genug, um als erster solistisch hervorzutreten. Seither sind Jahrzehnte vergangen und die Welt des Jazzschlagzeugs sieht mittlerweile völlig anders aus. Schlagwerker haben sich emanzipiert und mit den anderen Instrumentalisten gleichgezogen. Dass ein Trommler heute ganz alleine ohne Mitmusiker ein abendfüllendes Konzert bestreitet, ist keine Seltenheit mehr. Bei einem Auftritt in Sigmaringen im Kulturzentrum „Alter Schlachthof“ demonstrierte der Schweizer Spitzendrummer Lucas Niggli die Entwicklung in eindrucksvoller Weise.

Um nicht einfach nur ein langes konventionelles Schlagzeugsolo zu trommeln, sondern ein Konzert von über einer Stunde abwechslungsreich zu gestalten, braucht es ein Gespür für Klangfarben, Dynamik und Kontraste sowie einen Sinn für Form und Struktur. Dafür erwies sich Lucas Niggli als der richtige Musiker. Der Schweizer schöpfte die große Palette an Klangmöglichkeiten aus, die sein beachtliches Arsenal an Trommeln und Metallbecken bot, das er um eine Vielzahl kleiner Klangerzeuger und perkussiver Instrumente noch ergänzt hatte. Da gab es Maracas, Holzblocks, runde Eisenplatten, Schellenringe, Gongs und Glöckchen, die Niggli mit Stöcke und Klöppeln in allen nur erdenklichen Größen und Stärken anschlug, touchierte und rieb. Vom riesigen Gongschlägel bis zur dünnen Stricknadel, reichte das Spektrum an Gerätschaften, die Niggli hochvirtuos und voller Energie handhabte. Selbst ein Geigenbogen kam zum Einsatz, mit dem er den Becken singende Töne entlockte. Der Mann aus Uster setzte ein polyphones Trommelspiel in Gang, in dem er etwa mit dem Gong langanhaltende Klangflächen schuf, über die er dann eine zweite Ebene an manchmal explosiven Rhythmen und Schlagmuster legte. Gelegentlich meinten die Zuhörer nicht einem Solisten zu lauschen, sondern einem ganzen Trommelorchester, so dicht, komplex und vielschichtig gestaltete sich die Musik. Was einst Baby Dodds angestoßen hat, ist nach siebzig Jahren zu einem umfassenden Konzept solistischer Perkussionsmusik gereift. Niggli hat in den letzten Jahren mit den verschiedensten Ensembles schon ein halbes Dutzend Mal in Sigmaringen gastiert. Nach dem begeisterten Applaus zu urteilen, dürfte es nicht sein letzter Auftritt im „Alten Schlachthof“ gewesen sein. 

Friday, 5 April 2019

LAUTyodeln Festival 2. Ausgabe: MÜNCHEN 29. Mai bis 2. Juni 2019

LAUTyodeln - Jodelmania

Vom 29. Mai bis 2. Juni 2019 findet in München die 2. Ausgabe des LAUTyodeln-Festivals statt.

Das genaue Programm, Konzerte, Buchpräsentation, Workshops, Flashmob etc unter:

www.lautyodeln.de




Dazu erscheint mein neues Buch: 'Jodelmania – von den Alpen nach Amerika und darüber hinaus' im Verlag Antje Kunstmann. 320 Seiten mit vielen zum Teil historisch raren Fotos und Abbildungen.

Tuesday, 12 March 2019

Selten in Europa: Larry Ochs

Wechselbad an Tönen

Ein rarer Auftritt des amerikanischen Spitzenjazzensembles Larry Ochs’ The Fictive Five in Schorndorf


cw. Der hochgeschossene, schlanke Mann mit schlohweißem Haar ist nicht mehr der Jüngste: Larry Ochs, der im Mai siebzig wird, ist seit mehr als 40 Jahren im Geschäft. In dieser Zeit hat sich der Saxofonist und Komponist das Renommé erworben, einer der kreativsten Jazzmusiker der Bay Area um San Fransisco zu sein. 1978 gründete er das Rova Saxophone Quartet, das bis heute besteht und Jazzgeschichte schrieb. Seither hat Ochs noch etliche andere Gruppen ins Leben gerufen, um immer erneut unbekannte Klangräume auszukundschaften. Das sieht er als seine Mission! Seine aktuelle Band The Fictive Five steht für die Kooperation mit ein paar der besten jüngeren Jazzimprovisatoren aus New York. Einer davon ist Kontrabassist Pascal Niggenkemper, der aus Singen am Hohentwiel stammt, aber seit Jahren in New York lebt. Dem Club Manufaktur gelang es, dieses hochkarätige Ensemble, das gerade seine erste Europa-Tournee absolviert, nach Schorndorf zu holen, ein rarer Auftritt, der Jazzfans selbst aus München anreisen ließ.  

Für sein Quintett hat Larry Ochs einen historischen Bezugspunkt gewählt: das Album „Ascension“, das der legendäre Saxofonist und Jazzgroßmeister John Coltrane 1965 mit einer Band jüngerer Musiker einspielte und das als Meilenstein des freien Jazz gilt, da es die Möglichkeiten gelenkter Improvisation erkundete. Ein Merkmal von Coltranes damaligem Ensemble war neben mehr als einem halben Dutzend Bläser zwei Kontrabassisten, ein Charakteristikum, das Ochs für sein Ensemble übernahm. Und zwei Bäße können einen massiven Klangraum erzeugen, vor allem wenn sie wie bei The Fictive Five noch mit elektronischen Verfremdungen arbeiten oder mit Gebrauchsgegenständen aus der Alltagswelt die Saiten traktieren. 

Über dieses Fundament legte Ochs seine Kompositionen strukturierter Improvisation, wobei er mit einfachen Hand- und Fingerzeichen blitzschnelle Klangwechsel herbeiführte, in Szene gesetzt von dauernd wechselnden Kombinationen der Instrumente. Da spielte gerade noch die Trompete mit dem Schlagzeug ein kurzes Duett, um schlagartig von einem Zwiegespräch zwischen Saxofon und Kontrabaß abgelöst zu werden. Die Kombinatorik von Klängen und Geräuschen kennt bei Larry Ochs keine Grenzen! Manchmal wogte ein Riesensound in machtvoller Weise hin und her, um ein paar Minuten später in ein leises Zirpen von Flageolett-Tönen überzugehen. Die musikalische Landschaft veränderte sich manchmal so rasch wie bei der Fahrt mit einem Hochgeschwindigkeitszug – ein permanentes Wechselbad an Tönen! 

Und Larry Ochs behielt das Lenkrad fest in der Hand. Ein Vokabular einfacher Gesten ermöglicht es ihm, die Improvisationen in die von ihm gewünschte Richtung zu lenken, was ein spannendes Spiel von Überraschungen ergab, den Musikern aber auch ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit und Reaktionsschnelligkeit abverlangte. Das Ergebnis war eine Jazzmusik, wie man sie nicht jeden Tag zu hören bekommt und die von den zahlreichen Besuchern mit langem Beifall quittiert wurde.   

Sunday, 10 March 2019

Jazzmoderne: MARK TURNER in Singen

Kreative Jazzmoderne

Das Mark Turner Quartet beim Jazzclub Singen in der Gems


cw. Als „musician’s musician“ bezeichnet man im Jazzjargon einen Musiker, der wegen seines überragenden Könnens vor allem von Kollegen geschätzt wird, einer breiteren Öffentlichkeit aber unbekannt ist. Der amerikanische Saxofonist Mark Turner wurde lange mit diesem Etikett versehen. Dass das inzwischen nicht mehr zutrifft, zeigte  der Publikumsandrang bei seinem Konzert beim Jazzclub Singen im Kulturzentrum Gems, das überdurchschnittlich gut besucht war. 

In der aktuellen Jazzlandschaft hat sich Mark Turner klar positioniert. Der Tenorsaxofonist versteht sich nicht als visionären Avantgardist, der in radikalen Klangerkundungen sein Heil sucht, sondern gibt eher den modernen Traditionalisten, der durch das kreative Ausloten bereits bekannter Formen besticht. Was Turner mit seinem Ensemble bot, war solistischer Jazz auf höchstem Niveau, also mehr Einzelkämpfer-Disziplin als Mannschaftssport. Deshalb standen die Soli der vier Musiker auch im Zentrum des Geschehens, die in ausführlichen Improvisationen ihr großes Können unter Beweis stellten. 

Mit ungeheurer Virtuosität und Erfindungsgabe brillierte der Bandleader bei seinen solistischen Ausflügen, die – von einfachen Kadenzen ausgehend – ihn mit der Zeit zu immer halsbrecherischen Tonfolgen animierten. Dem stand Trompeter Jason Palmer in nichts nach. Auch er steigerte spärlichen Notenfluß zu immer wahnwitzigeren Läufen, was ihm lautstarken Szenenapplaus einbrachte. Dahinter entfachte der junge Schlagzeuger Jonathan Pinson ein prasselndes Trommelfeuer, das manchmal allerdings etwas zu verspielt wirkte. Kontabassist Joe Martin hielt mit grundsolidem Pizzicato-Spiel das Ganze zusammen, um sich daneben auch in mehreren exzellenten Soli hervorzutun.

Das Programm enthielt allerneuste Kompositionen, die noch nicht einmal einen Namen hatten, während andere Stücke dem Soulsänger Stevie Wonder gewidmet waren oder den Samba-Rhythmen Brasiliens die Referenz erwiesen. Trotz dieser Bandbreite wirkten die Musik des Mark Turner Quartets auf Dauer doch etwas gleichförmig und vorhersehbar. Stärkere Kontraste, kräftigere Abstufungen und größere Abwechslung hätten dem Abend gut getan.

Wednesday, 6 March 2019

JOHN MAYALL in Stuttgart 1969 – 2019

Musikalische Kaderschmiede

1969 spielte John Mayall eines der ersten Bluesrock-Konzerte in Südwestdeutschland. Nach 50 Jahren tritt der Urvater des weißen Blues jetzt abermals in Stuttgart auf – vielleicht das letzte Mal 
 

cw. Nachdem Jimi Hendrix im Januar 1969 mit seinem Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle zum ersten Mal den damals neuen Underground-Rock nach Südwestdeutschland gebracht hatte, legte John Mayall ein paar Wochen später nach. Der „Urvater des weißen Blues“ kam damals mit einer superben Band in die Landeshauptstadt und demonstrierte sein Können mit solcher Leidenschaft, dass die Fans völlig aus dem Häuschen waren. Hunderte, die keine Eintrittskarten mehr bekommen hatten, stürmten die Liederhalle, wobei es zu erheblichem Sachschaden kam. „Nach dem Ende des Konzert machten jugendliche Besucher mit tumultartigen Szenen ihrer Begeisterung Luft,“ berichtete die Presse. „Unzählige Bluesfans stiegen mit ihren Straßenschuhen auf die Polstersessel und begannen auf ihnen wie auf einem Trampolin herumzuspringen.“ 

Im Gegensatz zu Jimi Hendrix, der mit seinem ohrenbetäubenden Gitarrenspiel die Liederhalle zum Erzittern gebracht hatte, schlug John Mayall sanftere Töne an. Seine Band war ein Quartett, das hauptsächlich akustische Instrumente wie Saxofon, Mundharmonika und akustische Gitarre verwendete und aufs Schlagzeug völlig verzichtete, was damals ziemlich ungewöhnlich war. Dennoch schaffte es Mayall mit Nummern wie „Room to move“ die Fans in Verzückung zu versetzen, ein Titel, bei dem er sein Können auf der „Blues Harp“ voll ausspielen konnte.  

Abgesehen von seinem Harmonikaspiel, war Mayall, der auch Gitarre und Piano spielte, nicht gerade der größte Virtuose, doch bewies er immer eine gute Nase für außergewöhnliche Talente. Nicht nur Gitarrengott Eric Clapton begann bei Mayall’s Bluesbreakers seine Karriere, auch Peter Green und Mick Fleetwood von Fleetwood Mac und Mick Taylor von den Rolling Stones durchliefen Mayalls musikalische Kaderschmiede.

1933 in Macclesfield geboren, einer Kleinstadt südlich von Manchester in Nordengland, begann sich Mayall schon früh für den Blues zu interessieren. Nach dem Krieg brachte der englische Bandleader Chris Barber erstmals schwarze Bluesmusiker wie Muddy Waters zu Konzerttoruneen nach Großbritannien, und Mayall hörte genaustens hin. Bald gründete er seine eigene Gruppe namens Powerhouse Four, die sich kurze Zeit später in Blues Syndicate umbenannte und in der John McVie Baß spielte, der später mit Fleetwood Mac zu Weltruhm kam. 

Nach dem Ende des Blues-Booms wurde es in den 1980er Jahren etwas ruhiger um John Mayall, der in den USA in einem Baumhaus wohnte und von dort weiterhin zu weltweiten Tourneen aufbrach. Bei seiner Feier zum 70. Geburtstag brachte ihm Eric Clapton, Mick Taylor und Chris Barber ein Ständchen.

Schon immer ging Mayall mit der Zeit und frischte seine Band mit jungen Talenten auf. Das ist heute nicht anders als in den 1960er Jahren. Bei seinem Auftritt am 7. April 2019 im Stuttgarter „Wizemann“ wird es eine Premiere geben. Erstmals wird die Leadgitarre bei dieser Tour von einer Frau gespielt: Carolyn Wonderland gilt als Ausnahmetalent, wobei ihr Familiennamen als Zeichen verstanden warden kann: Frau Wonderland katapultiert das Publikum mit rasanten Soli ins Wunderland des Blues, wobei sie so souverän und gefühlvoll in die Saiten greift, als hätte sie bei Eric Clapton Unterricht gehabt.

Sunday, 24 February 2019

Auf dem Seil zwischen U und E: MIKE WESTBROOK

Avantgarde-Musik an der Straßenecke

Mike Westbrook über sein eindrucksvolles Lebenswerk, das sich über mehr als ein halbes Jahrhundert spannt und bis heute hohe Kunst mit großer Unterhaltung zu verbinden sucht – auf dem Seil zwischen U und E
 
Interview von Christoph Wagner

Sein ebenso umfangreiches wie originelles Werk macht Mike Westbrook (Jahrgang 1936) zu einem Giganten der britischen Jazzszene. Nie folgte der Komponist und Pianist den allerneusten Moden, sondern ging unbeirrt seinen eigenen Weg, der ihn so manch ungewöhnliche Abzweigung nehmen ließ – meistens Hand in Hand mit seiner Frau, der Vokalistin Kate Westbrook. Westbrooks Gruppen nahmen über die Jahre verschiedene Inkarnationen an: Jazzcombo, Bigband, Rockjazzgruppe, Blas-, Straßen- und Dorfkapelle, Film- und Theater-Ensemble, Tanzkapelle, Zirkusband und Orchester. Dazu kamen Soloauftritte, die Maßstäbe setzten und oft den Geist von Duke Ellington atmeten, eines seiner großen Vorbilder.

Förderte ihr familiäres Umfeld das Interesse an Musik?

Mike Westbrook: Alle in meiner Familie waren an den Künsten interessiert. Sie waren sehr musikalisch. Meine Mutter war eine diplomierte Klavierlehrerin, die an der Royal Academy studiert hatte. Meine Großmutter hielt einen Doktorgrad in Musik und arbeitete mit Chören. Aber meine Mutter konnte ihre musikalischen Ambitionen nie in der Weise folgen, wie sie es vielleicht gerne getan hätte, weil die familären Pflichten sie zu sehr in Anspruch nahmen. Sie hatte zwei Kinder im Krieg zu versorgen. Es ging hauptsächlich darum, über die Runden zu kommen.

Wo wuchsen Sie auf?

MW: In High Wycombe, im Umland von London. In den Vororten von London verbrachte ich meine Kindheit, bevor wir nach Südwest-England ans Meer zogen, nach Torquai in Devon. Neben der Musik spielte Theater eine große Rolle in meiner Familie. Meine Eltern waren beide leidenschaftliche Amateur-Schauspieler. Wenn die Zeiten anders gewesen wären, wären sie vielleicht professionelle Schauspieler geworden. Aber damals war es wichtig, einen richtigen Beruf zu haben. 

Was arbeitete ihr Vater?

MW: Er war bei einer Bank. Aber seine echte Liebe galt dem Theater. Er verwendete seine ganz Freizeit darauf, Theaterstücke auf die Bühne zu bringen. Er führte Regie und gründete ein Amateurtheater. Er war sehr ambitioniert. Zwischen all diesen Aktivitäten wuchs ich auf. Mein Vater mochte Jazz und verwendete oft Jazznummern in seinen Theaterinszenierungen. Ein Stück von Duke Ellington bei einer Aufführung wurde für mich zum Schlüsselerlebnis. Mir fiel die Aufgabe zu, bei dieser Produktion die Musik zu liefern. Ich wurde hinter der Bühne mit zwei Plattenspielern positioniert und legte die entsprechenden Schellacks auf.

Sie begannen ihre musikalische Karriere also als DJ?

MW: So könnte man sagen. Eine der Scheiben war ‘Black and Tan Fantasy’ von Duke Ellington, was mich richtig begeistert hat. Mein Vater befeuerte mein Interesse, indem er mir ein Album kaufte, das die Ellington-Klassiker aus den 1940er Jahren enthielt. Die Schallplatte habe ich noch immer. Sie ist vom vielen Spielen inzwischen ziemlich zerkratzt und abgewetzt. Das war für lange Zeit die einzige LP, die ich besaß. Danach fing ich mit Musikmachen an. In dem Internat, das ich besuchte, gab es eine Musikabteilung. Mir wurde eine Trompete ausgehändigt. Aber – was man sich heute kaum vorstellen kann – Jazz war an dieser Schule verboten, was mir schon früh etwas über die subversive Natur des Jazz mitteilte, der von Teilen der Gesellschaft als Bedrohung betrachtet wurde. Es ist die Angst vor der Freiheit. Selbst heute noch gibt es diese Ressentiments, weil Jazz die Konventionen herausfordert. Ich spielte dann Trompete auf eine recht einfache Art und Weise. Erst als ich die Schule verließ, bekam ich ein paar Trompetenstunden.

Traten Sie einem Blasorchester bei?

MW: Nein, ich spielte nie in einer Band mit Ausnahme meiner eigenen Gruppen. Von da an war es ein langer Kampf, mir die Grundlagen des Trompetenspiels zu erarbeiten. Zudem hatten wir einen Flügel daheim, den ich immer noch habe. Auf dem versuchte ich mir das Klavierspiel beizubringen, das Notenlesen und das Improvisieren. Nach Jahren zeitigten meine Versuche Früchte. Aber ich hatte nie die Absicht professioneller Musiker zu werden. Ich machte verschiedene Jobs, dann den Wehrdienst, besuchte danach die Universität für ein Jahr, um anschließend auf die Kunsthochschule zu wechseln, was das Beste für mich war.
                              
Sie gehören also zu jener englischen Spezies von Musikern, die Kunst studiert haben?
                                                                         Westbrooks frühes Sextett
MW: Das war nicht unüblich in den 1950er und 1960er Jahren. An der Kunstakademie in Plymouth gründete ich meine erste Band. Wir waren eine Art Skiffle-Gruppe, in der ich auch Gitarre spielte und den Blues sang. Wir hatten einen sehr guten Posaunisten, und mit meiner Trompete und einer wechselnden Ryhthmusgruppe machte das damals unsere Gruppe aus. Dann kam ein Saxofonist dazu, und noch einer, der John Surman hieß. Auch unser Gitarrist Keith Rowe war ein Kommilitone. Wir spielte regelmäßig im Keller des Kunstzentrums von Plymouth, was der Ausgangspunkt für alle späteren Entwicklungen war. Wir hatten eine vierköpfige Bläsergruppe, was mich anregte, Arrangements zu schreiben, die ich am Klavier ausarbeitete. Ich entdeckte, dass ich Talent dafür besaß. Wir spielten nicht Dixieland, sondern modernen Mainstream-Jazz. Nach fünf Jahren war ich so versiert, dass ich für eine Band mittlerer Größe die Arrangements schrieb. Die Möglichkeiten einer Bigband inspirierten mich, wobei Ellington das große Vorbild war. Wir zogen dann nach London. Musiker wie der Saxofonist Mike Osborne kamen dazu. Ich war damals noch kein professioneller Musiker, aber die Band wurde ein ernsthafteres Unterfangen: Wir fingen an, Gigs zu spielen, dann Radiokonzerte. Allerdings war es nahezu unmöglich, eine 12-köpfige Band am Leben zu erhalten, weil man vom Enthusiasmus der Musiker abhängig war. Wir schrumpften dann auf Sextett-Größe, was meine erste professionelle Gruppe war. Wir traten beim Montreux Jazzfestival auf und wurden eine Art Hausband im Jazzclub von Ronnie Scott. Am Samstag spielten wir die ganze Nacht durch bis zum Sonnenaufgang. Über Jahre war diese Gruppe der Kern meiner Aktivitäten. Durch die Hinzunahme von Bläsern wurde daraus die Concert Band, mit der ich dann erste Schallplattenaufnahmen machte. Ich gab dann meinen Brotjob auf und konzentrierte mich vollkommen aufs Musikmachen, war dabei in die verschiedensten Projekte involviert.

Theatermusik war eines davon?

MW: Ich leitete mit dem Theatermacher John Fox ein paar Jahre eine Musiktheatergruppe, die The Cosmic Circus hieß. Das war Straßen- und Aktionstheater mit Zirkusnummern. Wir traten damit bei großen Ereignissen auf. Das war eine Zeit lang sehr wichtig. Daneben schrieb ich Musik für ein Musical im Londoner Westend nach Texten von William Blake. Damals entwickelte sich meine Karriere in alle möglichen Richtungen. Aber ich hatte weiterhin eine Band, deren Besetzung sich natürlich veränderte. Meine Rockjazzgruppe Solid Gold Cadillac ging daraus hervor, und dann änderte sich alles relativ abrupt und wir machten Straßenmusik. Wir distanzierten uns von der Bigbandmusik, vom Jazz. Wir fingen noch einmal von vorne an und fragten uns: „Was können wir als Musiker machen, wenn wir hier auf der Straße stehen?“

Westbrooks Brassband
 
Was war die Idee dahinter? Wollten Sie den Elfenbeinturm der Kunst verlassen?

MW: Das würde bedeuten, wir hätten irgendwann eine bewußte Entscheidung getroffen. Das war aber nicht so! Wir machten immer nur dort weiter, wo sich eine Tür öffnete. Unsere Einstellung änderte sich durch die Arbeit als experimentelles Straßentheater. Wir fanden Musiker und Musikerinnen wie Phil Minton und meine Frau Kate Westbrook, die vielleicht politisch bewußter waren und denen der Elitismus des Jazz nicht behagte. Sie waren auf der Suche nach etwas Neuem: der Posaunist Paul Rutherford kam dazu sowie der Saxofonist Lol Coxhill, ein anderer freier Kopf, der sich gerne in neue Situation begab. Unsere Philosopie war, dass wir alles spielen würde, was jemand in der Band für würdig erachtete und wir würden überall auftreten, wo man uns haben wollte. Es war so einfach und doch so revolutionär! Wir traten in den verrücktesten Situation auf, ein paar Mal sogar bei riesigen Rockfestivals, wo wir eine Art Guerilla-Auftritt absolvierten, bevor die Hauptband auf die Bühne kam. Da wir akustisch spielten, waren wir mobil und flexibel. Wir spielten in Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen, auch in Gefängnissen oder auf der Straße. Das war ungeheuer befreiend und wir spielten alle Arten von Musik: populäre Lieder, Hymnen, alles, was den Leuten gefällt, dazu kamen viele Improvisationen.

Waren die Straßenkapellen von New Orleans ein Vorbild?

MW: Klar, und wir spielten sogar ein paar Stücke aus dem New Orleans Repertoire. Die Idee von „Music in the Community“, also einer Musik vor Ort, in der lokalen Gemeinde, daran glaube ich bis heute und ein Element davon ist in allem, was ich mache. Über die Jahre habe ich den Jazz auch so begriffen: eine kreative Musik, die für eine bestimmte „community“ von Bedeutung ist. Als Jazz noch Unterhaltung war, hatte er einen zentralen Platz im Leben vieler Leute. Es war Musik für religiöse Zwecke. Er wurde bei sozialen Zusammenkünften gespielt, bei Beerdigungen – der Jazz hatte also eine wichtige Funktion im sozialen Leben, was mir als seine wahre Aufgabe erscheint. Aber die Musik sollte immer kreativ sein, offen, nicht immer nach dem gleichen Muster gestrickt. Es sollte kreative, experimentelle und neue Musik sein, aber im öffentlichen Raum und nicht nur in Konzertsälen präsentiert werden. Warum keine Avantgarde-Musik an der Straßenecke? In den frühen 1970er Jahren war das völlig außergewöhnlich. Heute wird es viel häufiger praktiziert. Damals entfremdeten wir uns ziemlich von der Jazzwelt. Wir spielten kaum noch in Jazzclubs, dafür traten wir an allen möglichen anderen Orten auf. Die Jazzwelt vergaß uns. Aber wir entdeckten, dass es etwa in Frankreich, Italien oder der Schweiz ein Publikum für unsere Experimente mit Straßenmusik gab. Die Blaskapelle schaffte den Durchbruch beim Jazzfestival in Willisau 1977, wo wir täglich um die Mittagszeit in einem Zelt spielten so lange wir wollten. Das war ideal für unseren Ansatz.

Unser William Blake-Projekt besaß die größten Anknüpfungspunkte zur politischen Bewegung. Wir spielten das Blake-Programm 1978 beim Festival „Rote Lieder“ in Ostberlin in der DDR, wo Musiker aus Kuba und Südafrika anwesend waren. Aus der Arbeit mit der Blaskapelle entwickelte sich die Vision einer größeren Komposition, die das alles reflektieren sollte und die den Titel „The Cortège“ erhielt. Das war die Rückkehr zu einer größeren Formation.

Sie arbeiten oft thematisch…

MW: Richtig. Wir haben eine ganze Reihe thematischer Stücke realisiert, wenn wir allerdings „live“ auftreten, ist das meistens mit einer kleineren Band, wobei wir dann die Stücke spielen, die uns gerade interessieren. Das können Jazzstandards sein oder Songs oder auch unsere eigenen Kompostionen. So betrachtet, arbeiten wir wie jede andere Band. 

Wenn es zu thematischen Kompositionen kommt, hat das oft mit einem Kompositionsauftrag für einen besonderen Anlaß zu tun, wie unser Rossini-Programm, das für die Stadt Lausanne für ein „Wilhelm Tell“-Festival entstand. Unser „Off Abbey Road“-Programm entstand, weil wir in Italien an einem Festival teilnahmen, das der Musik der Beatles gewidmet war. Für eine Jazzband ist das eine Herausforderung. Ich hörte mir alles von den Beatles an und entschied dann, das „Abbey Road“-Album neu zu interpretieren. 

Duke Ellington scheint gleichfalls eine wichtige Inspiration zu sein…

MW: Bei ihm kommt alles zusammen: Jazz als hohe Kunst, die gleichzeitig große Unterhaltung ist. Jazz war ja Tanzmusik bis in die 1950er Jahre. Wo immer Leute sind, sollte auch Jazz sein! Natürlich ist es Showbusiness, aber es ist kreatives Showbusiness. Jazz gibt dem Publikum nicht nur, was es bereits kennt, sondern geht darüber hinaus. Natürlich ist es wunderbare Tanzmusik, aber gleichzeitig interessant und innovativ. Duke Ellington tanzte gekonnt auf dem Seil zwischen U und E. Er konnte beide Spähren zusammenbringen. Als er auf Tournee in England war, spielte er nicht in den großen Konzerthallen, sondern in Kinos und Varietés, also an Orten der Unterhaltung. Ein ähnlicher Schlüsselmoment war Sgt. Pepper 1967 für mich, als die Beatles Popmusik mit Avantgarde-Klängen verbanden. Das war ein Wendepunkt. Danach kam Abbey Road, das ebenso viele musikalische Elemente verarbeitete, die man nicht unbedingt der Popmusik zurechnet. Als wir mit dem Material von Abbey Road arbeiteten, damit experimentierten und darüber improvisierten, hatten wir das Gefühl, das wir es weiterspinnen würden, allerdings mit enormen Respekt vor dem Original. Man holt das Publikum da ab, wo es ist, und führt es an Plätze, wo es noch nie war, ohne dass man es verliert. Das ist die Herausforderung, um die es geht. 

Neuveröffentlichungen:
The Mike Westbrook Concert Band: The Last Night At The Old Place (Cadillac Records)
Mike Westbrook: Starcross Bridge (Hathut Records) 
Mike Westbrook Orchestra: Catania (Westbrook Records)
Mike Westbrook: In Memory of Lou Gare (Westbrook Records)


Das Interview erschien zuerst im in der Zeitschrift JazzPodium. 

Sunday, 10 February 2019

Stimmen Bayerns: MÜNCHEN

Zwischen Herzlichkeit und Größenwahn

Eine CD-Veröffentlichung spürt der Seele der bayerischen Landeshauptstadt München nach

Hans Söllner (Foto: Stefan Wiebel)

cw. Schon am Morgen war der Comics-Zeichner Robert Crumb bester Laune. München hatte es ihm angetan. „Weißwürste zum Frühstück  – wie gut ist das!“ schwärmte der Amerikaner, als er 2013 Stargast des Münchner „Comicfestivals“ war. Mit seiner Begeisterung für München ist Crumb sicher kein Einzelfall. Ob Touristen, Geschäftsreisende, Zugezogene oder Urmünchner – viele sind der Meinung, dass in der bayerischen Landeshauptstadt die Balance zwischen Weltläufigkeit und Bodenständigkeit, zwischen Gemütlichkeit und Betriebsamkeit noch im Lot ist. Herzlichkeit und Größenwahn halten sich die Waage. Trotz akuter Wohnungsnot, exorbitanter Mietpreisen und krassen sozialen Gegensätzen leben die meisten Münchner gerne in ihrer Stadt.

Das Münchner Trikont-Label hat nun seiner Heimatstadt ein Album gewidmet und in der Reihe „Stimmen Bayerns“ herausgegeben. Unter diesem Motto hat die Schallplattenfirma in den letzten Jahren bereits mehr als ein halbes Dutzend CDs mit Titeln wie „Der Tod“, „Die Liebe“ , „Der Rausch“, „Der Irrsinn“ oder „Die Freiheit“ veröffentlicht, auf denen eine Vielzahl von bayerischen Musikern, Literaten und Kabarettisten in Songs, Sketchen, Couplets, Gedichten und Soundcollagen den jeweiligen Inhalt umkreisten und zu erhellen versuchten.

Nun also München! Die älteste Aufnahme mit dem Titel „Der Zufall“ stammt aus der Schellack-Ära und wurde am 14. Juni 1928 von Karl Valentin und Liesl Karlstadt in München gemacht. Das Komikerpaar zählte damals zu den Stars des Münchner Volkssänger-Milieus, das in Vorstadtkneipen, Singspielhallen und Brettlbühnen allabendlich das Publikum bestens unterhielt und ordentlich zum Lachen brachte. Im Gegensatz zu solchen antiken Aufnahmen sind andere Titel der CD taufrisch: Maxi Pongartz’ Moritat vom „Elvis von Schwabing“ hat der Sänger von Kofelgschroa erst im Oktober 2018 mit Akkordeon eigens für diese Veröffentlichung eingespielt. 

                                                                                                 Bally Prell (1922-1982)
In der Zeitspanne von 90 Jahren zwischen Valentin und Pongartz fächert sich ein Panoptikum an feschen Liedern, tiefgründigen Essays, fetzigen Popsongs und Kurzgeschichten auf, das von Stars der populären Unterhaltung wie Bally Prell (1922-1982) bis zur Indie-Band F.S.K. reicht und vom Schriftsteller Franz Dobler bis zum Liedermacher Hans Söllner. Jeder wirft einen ganz eigenen Blick auf München, was in der Summe eine Art Charakterstudie der „Stadt am Isarstrand“ (Bally Prell) ergibt.

Münchner Charakteristika werden ins Visier genommen, Eigenheiten und Schrulligkeiten der Bayernmetropole ausgeleuchtet, dazu mit Mythen und Legenden aufgeräumt. Natürlich bekommt das Oktoberfest ordentlich Fett ab. Dennoch spiegeln sich in den Beiträgen eine Verbundenheit der Künstler mit der Stadt in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit wider, ja – fast könnte man sagen – eine Art Zuneigung, die im Eröffnungssong zu einer wahren Hymne gerinnt: „München, du bist unsere Stadt, wie schön, dass ich hier mein Zuhause hab,“ feiert Veronika Bittenbinder in schnodrigem Hochdeutsch die Bayernmetropole.

Es ist schon beeindruckend, was das Trikont-Label mit diesen Veröffentlichungen der „Stimmen Bayerns“ geleistet hat. Man fragt sich: „Warum gibt es so etwas im Südwesten nicht?“ Originelle Musiker wie MC Bruddaal (Titel: „Stuagert, Du bist mei Number One“) oder die Fantastischen Vier (Titel: „Bring it back the old Stuttgart Rap“), hintersinnige Schriftsteller (Thaddäus Troll) und witzige Komiker (von Willy Reichert über Uli Keuler bis Christoph Sonntag) gibt es doch auch in Schwaben nicht wenige. 

 Der Text erschien zuerst im Schwarzwälder Bote, große Zeitung in Baden-Württemberg

Saturday, 2 February 2019

TRÄUME AUS DEM UNTERGRUND in Metzingen

Reutlinger GENERALANZEIGER, 2.2.2019

Als Rockmusik die schwäbische Provinz eroberte

Konzertlesung – Christoph Wagner stellt in der Metzinger Festkelter begleitet von Livemusik sein neues Buch vor


VON JÜRGEN SPIESS


METZINGEN. Eine Reise in die 60er- und 70er-Jahre der südwestdeutschen Konzertszene: Das ist Thema des Buches »Träume aus dem Untergrund«, das der Balinger Autor Christoph Wagner am Donnerstag in einem Multimedia-Vortrag in der voll besetzten Metzinger Festkelter vorstellte. Die zum Teil kuriosen Geschichten und Begegnungen wurden zwischen den Lesepassagen mit psychedelischer Livemusik von Fritz Heieck (Keyboards) und Manfred Kniel (Schlagzeug) untermalt, die damals auch schon musikalisch aktiv waren.
Alles begann mit dem Jahr 1968: Eine Zäsur, ein Auf- und Umbruchjahr, das einer ganzen Generation den Namen gab und zum Signet für Aufruhr und Rebellion wurde. Die Schlagworte dieser Zeit lauteten: Nonkonformismus, Selbstbestimmung, Konsumverweigerung und sexuelle Revolution. Junge Leute gingen auf die Barrikaden, suchten nach neuen Lebensmodellen und wehrten sich gegen den Lebensplan, den die Gesellschaft für sie vorgesehen hatte. Ein neues Lebensgefühl verschaffte sich Ausdruck. Sein wichtigstes Verbreitungsmittel war die Rockmusik: »Das Rockkonzert war ein utopischer Ort«, erinnert sich Christoph Wagner, »an dem sich das Anderssein der Subkultur manifestierte.«

In Kellern und alten Fabriken
Die Szene im Ländle traf sich in Jugendzentren, Kellern, alten Fabrikanlagen und Jugendinitiativen der Region. Schließlich entstanden subkulturelle Clubs, allen voran der Club Voltaire in Stuttgart, der Club Bastion in Kirchheim und die Manufaktur in Schorndorf, die auf den Konzert-Zug aufsprangen und die heimische Subkultur förderten.
Der gebürtige Balinger, der seit Jahren in England lebt, berichtet von einer lebendigen Musikszene im Südwesten, die neue Trends begierig aufnahm und das erstarrt-autoritäre System kräftig aufmischte. Beat-, Rock-, Jazz- und Folkmusik kamen nicht nur in Gestalt bekannter Stars wie Pink Floyd, Jimi Hendrix, The Doors oder The Who auf heimische Bühnen, sondern auch mit hiesigen Bands. Wolfgang Dauners Et Cetera, Guru Guru, Nine Days’ Wonder, Gila, Kraan, Exmagma, Eulenspygel oder Schwoißfuaß waren zu der Zeit überaus präsent.
Wagner berichtet etwa von der »Nackt-Performance« des Aktionskünstlers Otto Mühl in der Bastion Kirchheim oder von der allerersten Deutschlandtournee der damals noch unbekannten Hardrockband Black Sabbath, die Ozzy Osbourne und seine Mannen im Dezember 1969 nach Schwäbisch Hall, in die kaufmännische Berufsschule in Göppingen und in die Manufaktur Schorndorf führte. Auch in Reutlingen schloss sich Ende der 60er-Jahre eine Non-Profit-Initiative aus Studenten zusammen, die die Rockmusik als Vehikel zur Veränderung der Gesellschaft begriff. GIG, so der Name des Vereins, verstand sich als Alternative zum kommerziellen Popbetrieb und fungierte als nicht-kommerzielle Tourneeagentur für englische und deutsche Rockbands.
So holten GIG etwa Kraftwerk in die Neue Mensa Tübingen. Bei einem Konzert von U.F.O. ebendort kam es im Mai 1972 zum Eklat, weil die britische Band zu spät kam und dann auch noch die Fans körperlich attackierte.
Christoph Wagner hat mit vielen solchen Anekdoten eine 180-seitige Bibel der heimischen Konzertszene der 60er- und 70er-Jahre geschaffen, die zeigt, dass der Südwesten seinerzeit rockte. (GEA)

Christoph Wagner: Träume aus dem Untergrund, 180 Seiten, 24,90 Euro, Silberburg Verlag, Tübingen.