Wednesday, 18 March 2026

Scheibengericht Nr. 58: M Shanghai String Band

Aus der Luft


Es fängt mit einem grob gespielten Banjo an, so wie man es von Dock Boggs (1998-1971) und dessen Aufnahmen von 1927 kennt, darüber ein Gesang, nicht so rauh wie bei Boggs, aber in ähnlichem Duktus. Dann bricht auf einmal die ganze Band los. Der zweite Track "Anita Jean" ist ein Song mit einer rätselhaften Melodie, die wundersame Wege geht, keines der üblichen Klischees verwendet und sich trotzdem ins Gehör bohrt, vor allem dann, wenn die zweite Stimme in close-harmony dazukommt.

Das Album „From the Air“, das bereits 2007 erschienen ist, ist damals offenbar komplett an mir vorbeigerauscht. Ich habe die Band jetzt erst durch Zufall kennengelernt, die heute – glaube ich – gar nicht mehr besteht. Die M Shanghai String Band war oder ist ein Musikkollektiv aus Brooklyn, das so heisst, weil sie regelmäßig im Restaurant M Shanghai auftrat. 


Ihr Folk, etwas loser und freier angelegt als sonst, klingt naiv im besten Sinne, manchmal auch sentimental, aber gerade darin bringt er etwas zum Vorschein, was vielen professionellen Folksängern abgeht, die irgendwie zu professionell klingen, schon okay sind, aber nicht mit ihrer Musik in die Herzregion vordringen. Im Unterschied dazu die M Shanghai String Band, die mit Gusto musiziert und ihre ganze Seele in die Musik legt. Die Klänge sind nicht glattgebügelt, sondern naturbelassen. Hier wird mit einer Begeisterung Musik gemacht, die ansteckend wirkt, Fehler inbegriffen. Vor allem der mehrstimmige Gesang rührt einen an, wie hier mit Inbrunst und ohne Leitplanken gesungen wird, um das Wesen eines Songs hervortreten zu lassen. Und diese Lieder haben es in sich.


Hörprobe:


The M Shanghai String Band – No home in this world (youtube)




The M Shanghai String Band – Anita Jean (youtube)




The M Shanghai String Band – Another Day on the train (youtube)



Sunday, 15 March 2026

Neue Zeitschrift für Musik: "Freak-Sounds"-Besprechung von Andreas Schäfler

Von Hans-Joachim Irmler von der experimentellen Krautrock-Gruppe FAUST kam letzthin ein Schreiben: "wundervolles Buch – 'fetzig' hätte ich früher gesagt. Wirklich toll, wahnsinnig viel Unbekanntes oder Vergessenes."


Dazu hier jetzt die Besprechung aus der NEUE ZEITSCHRIFT FÜR MUSIK,  Heft 1-26.





 
Hinweis:
Am Sonntag, 26. April 2026 (Beginn: 19:15 Uhr) findet im Theaterhaus Stuttgart ein Konzert unter dem Motto "Freak-Sounds – Musik abseits der Norm" mit Peter Pichler und dem Trautonium statt, einem der ersten elektronischen Musikinstrumente der Welt, dem in meinem Buch "Freak-Sounds" ein Kapitel gewidmet ist. Ich werde eine kurze Einführung geben.

Saturday, 14 March 2026

Ausstellungseröffnung in Sindelfingen – ein durchschlagender Erfolg

Massenandrang im Stadtmuseum

Es gab nahezu kein Durchkommen mehr, so groß war der Andrang im Stadtmuseum Sindelfingen zur Eröffnung der Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockte" am Samstagnachmittag (14. März 2026). Die Besucher drängten sich im Treppenhaus bei der Begrüßung durch Bürgermeister Christian Gangl, Museumsleiterin Illja Widmann und Kurator Christoph Wagner. Die musikalische Umrahmung übernahm das Duo Take 2 bestehend aus Joachim Pflieger (Piano) und Beatrice Nuber-Mathé (Gesang), die Jazzklassiker in äußerst gekonnter Manier offerierten. 

Für den musikalischen Rahmen sorgte das Duo Take 2; Fotos: C. Wagner

Danach gab es viele Begegnungen: Kumpels aus grauer Popvorzeit trafen sich zufällig in den Ausstellungsräumen wieder. Soviele Musiker – Profis und Amatuere – waren in Sindelfingen wohl noch nie bei einer Veranstaltungen zusammengekommen. Mit Neugierde nahmen die Besucher die Exponate in Augenschein, die von den Jahren (1970 – 1985) berichten, als Sindelfingen und Böblingen zum Mekka der Popkonzertszene in Südwestdeutschland aufstieg mit einer Vielzahl riesiger Konzerte, sprichwörtlich von Abba bis Zappa.

Vielerlei Erinnerungen wurden wachgerufen und ausgetauscht. Überall wurde erzählt und diskutiert. Jetzt besteht neun Monate lang (bis zum 10. Januar 2027) die Gelegenheit, die Ausstellung noch einmal in Ruhe zu besuchen. Öffnungszeiten des Sindelfinger Stadtmuseums: Dienstag bis Samstag (15-18 Uhr), sonntags 13-18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Simon Steiner (ex-Punkmusiker mit FAK und Autor des Buchs "Wie der Punk nach Stuttgart kam") im Gespräch mit Hans Schweizer, legendärer Betreiber des Stuttgarter Musikgeschäfts Sound of Music.(Foto: J. Schneider)

  

Friday, 13 March 2026

Von Abba bis Zappa – Ausstellungseröffnung

Größte Popkonzertplakatausstellung weit und breit

Alles aufgebaut, alles fertig: Am Samstag, den 14. März 2026 (17:00 Uhr) öffnet das Sindenfinger Stadtmuseum (Altes Rathaus) seine Pforten für die Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten". Eine Fülle von Originalplakaten und Tickets, auch Fotos und andere Memorabilien, sind dort zu sehen, von Popkonzerten, die zwischen 1972 und 1986 in den beiden Nachbarstädten stattfanden. 

Und hier trat buchstäblich jeder auf, der in der Popwelt Rang und Namen hatte: Queen, AC/DC, Motörhead, Kraftwerk, Genesis, The Who, Kool & The Gang, Rory Gallagher – you name it! 

Hier die Vitrine, die den Wandel im Equipment der populären Musik dokumentiert mit Instrumenten, die damals wirklich von Gruppen wie Kraan oder Message in der Böblinger Sporthalle oder der Sindelfinger Ausstellungshalle gespielt wurden. Das Saxofon z. B. ist von Simon Steiner, der 1982 im Vorprogramm von Fehlfarben mit der Stuttgarter Punkband FAK auftrat. Die Fußmaschine, auf dem Boden davor plaziert, hat Jan Fride zur Verfügung gestellt, der als Drummer von Kraan dort 10 Jahre zuvor aufgetreten war. Die Konzertplakate in dieser Virtine stammen von einheimischen Bands wie Quintet plus One, Baobab oder Rock 'n' Blues. Und der Kopfhörer wurde von Werner Schumacher verwendet, der als Soundmann mit Eberhard Schoener, Police, Eloy und Udo Lindeberg hier auftrat.


 

Wednesday, 11 March 2026

Popausstellung in Sindelfingen

VON ABBA BIS ZAPPA im Stadtmuseum

Zuerst das Buch, jetzt die Ausstellung: Wir arbeiten gerade mit Volldampf daran, die Popausstellung im Sindelfinger Stadtmuseum „Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockte“ aufzubauen. Viel Arbeit, aber langsam ergibt sich ein Bild, und das ist exzellent. Wir präsentieren ca. 30 Originalplakate von Popkonzerten aus den beiden Nachbarstädten der Jahre von 1972 bis 1986: Plakate von Konzerten von Police, Kraftwerk, Udo Lindenberg, Queen, Morörhead, AC/CD, um nur ein paar wenige zu nennen. 

Fotos: C. Wagner



Ich kann mich nicht erinnern, in einer Ausstellung jemals eine so große Anzahl von Popkonzertplakate gesehen zu haben – ein echtes Highlight und für jeden Popfan ein MUSS!!  Dazu gibt es Fotos, Konzerttickets, originale Hippie-Kleidung aus "Swingin' London", Rockequipment von Gruppen, die damals in Sindelfingen und Böblingen aufgetreten sind wie Kraan, Message, Wanted, Rock ’n’ Blues und der Stuttgarter Punkband FAK (im Vorprogramm von Fehlfarben), auch Zeitungsartikel, Fan-T-Shirts, LPs, Flugblätter und vieles mehr. Eine einmalige Gelegenheit, in die Popwelt von damals einzutauchen. Eröffnung: Samstag, 14. März 2026 (17:00 Uhr). Eintritt frei!!!


Sunday, 8 March 2026

Ausstellung "Von Abba bis Zappa"

Das POPKONZERT-TAGEBUCH von HANSJÖRG KNORR

Mein dritter Ausflug, um Exponate für die Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten" abzuholen, führte mich nach Bietigheim-Bissingen zum Arzt Dr. Hansjörg Knorr. "Hanse" war damals und ist wohl bis heute ein begeisterter Rockfan, der ab August 1970 ein Popkonzert-Tagebuch führte, in das er akribisch jeden Auftritt eintrug, den er besuchte mit Kategorien für Gruppe, Besetzung, Ort, Zeit, Spieldauer, Herkunft und Eintrittspreis, also: welche Band in welcher Besetzung wo und wann auftrat; wo die Band her kam, wie lange sie spielte und wie hoch der Eintrittspreis war. Und Hanse war ein überaus eifriger Popkonzertbesucher. Hier sind bis in die 1990er Jahre hunderte von Konzerten eingetragen.

Foto: C. Wagner

Das ist ein unglaubliches Kompendium der Rockkonzertszene im Südwesten, für den Pophistoriker eine unschätzbare Quelle, wobei Hanse Knorr natürlich auch öfters zu Konzerten nach Sindelfingen und Böblingen fuhr. Zudem kommentierte er die Konzerte mit Kürzeln wie z. B. einem großen S für Sturm, bedeutete, das kein Eintritt bezahlt wurde, sondern die Halle bei dem jeweiligen Konzert gestürmt wurde, was Anfang der 1970er Jahre  – wie man an seinen Unterlagen sieht – häufig vorkam. Das Popkonzert-Tagebuch wird morgen mit nach Sindelfingen genommen, wo wir die Ausstellung aufbauen. Die Eröffnung ist am Samstag, 14. März 2026 um 17:00 Uhr. Eintritt frei!!!!!  


Saturday, 7 March 2026

Die FUSSMASCHINE von KRAAN für die Popausstellung in Sindelfingen

Ausstellungsstücke 

Jan Fride-Wolbrandt, der Schlagzeuger der deutschen Rockgruppe KRAAN, wohnt nicht nur in Wald (einer Gemeinde in Oberschwaben), sondern sprichwörtlich im Wald auf einem abgelegenen Bauerhaus. Nach Jochen Irmler im Faust-Studio, galt ihm mein nächster Besuch. Es war nicht ganz einfach den Ort zu finden, weil mein Navi ihn nicht orten konnte, so versteckt liegt der Hof. Ich musste mich dann notgedrungen – auf die alte Art und Weise – durchfragen. Hat aber am Ende doch geklappt.

Jan hatte mir für die Ausstellung in Sindelfingen "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten" eine Schlagzeugfußmaschine versprochen, die in der Vitrine Platz finden wird, die die Entwicklung des Bandequipments in den 60er und 70er Jahre dokumentiert. 


Es ist die originale Rogers-Fußmaschine, die Jan – wie er erzählte – bei KRAAN von den Anfängen 1971 bis ca. 1975 spielte, also ein für die Pophistorie in Deutschland nicht gerade unwichtiges Teil. Es ist also genau die Fußmaschine, die Jan benutzte, als er mit KRAAN am 27. April 1972 in der Sindelfinger Ausstellungshalle spielte, ein Dreifachkonzert mit Message, den damaligen Lokalmatadoren, und der Mänchner Band Out of Focus. 

Foto: C. Wagner

Die Popgeschichts-Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten" wird am Samstag, den 14. März 2026 um 17:00 Uhr im Stadtmuseum in Sindelfingen eröffnet (Eintritt frei!!!) und ist dann bis am 10. Januar 2027 zu sehen. Die KRAAN-Fußmaschine wird dort in einer Vitrine zu bewundern sein. 

Kresizeitung Böblinger Bote, 2.5.1972



Hörprobe: 
KRAAN, live 1972 (Youtube)