Zum Tod von Walther Soyka
Manchmal trifft einen die Nachricht vom Tod eines Bekannten mit unvermuteter Wucht, obwohl man ihn gar nicht wirklich richtig gekannt hat. Der Wiener Walther Soyka ist so ein Fall, der jetzt im Alter von nicht einmal 60 Jahren einem Krebsleiden erlegen ist.
Ich habe Soyka kennengelernt, als ich um 1990 für mein Akkordeonbuch "Das Akkordeon – eine wilde Karriere" recherchierte und mit ihm Kontakt aufnahm, um mehr über die Geheimnisse der Schrammelharmonika zu erfahren. Soyka spielte damals bei den Extremschrammeln von Roland Neuwirth, für die ich extra einmal von Balingen nach München gefahren bin, um sie zu hören und Neuwirth und Soyka zu interviewen. Walther Soyka spielte so geschmeidig, biegsam und einfühlsam auf dem Knopfakkordeon, das es in den hohen Lagen fast psychedelisch klang, ähnlich wie die Orgel von Al Kooper bei Bob Dylans Aufnahme von "Like a Rolling Stone" 1965. Und niemand spielte so wie Soyka. "Als ob ein Chor von Engeln die Wiener anstrudeln wollte,” so hatte einst ein Kritiker die Musik der Gebrüder Schrammel in ihren Anfängen beschrieben. Wenn man Soyka spielen hörte, glaubte man zu ahnen, was mit dem Satz gemeint war.
Später hatte wir immer wieder einmal mit einander zu tun, etwa als ich 2015 eine Sendung für den SWR2 über die Tradition der Wiener Schrammelmusik machte. Soyka, der zeitweise sein eigenes Label betrieb, war immer eine gute Quelle, dazu freundlich und hilfsbereit. Er machte eine Aufnahme von seinen Antworten auf meine Fragen, die ich in Ausschnitten in die Sendung einbaute und die zum Verständnis des Wesens der Schrammelmusik Wesentliches beitrugen. Er war eben ein Kenner der Tradition, mit Wissen beschlagen.
Molden/Resetarits/Soyka/Wirth auf Youtube:
Größere Popularität erlangte Soyka im Quartett mit Ernst Molden, (Gesang, Gitarre), Willi Resetarits (Gesang, Ukulele, Mundharmonika) und Hannes Wirth (Gitarre, Gesang). Eher bescheidener – was die Popularität nicht die Musik betraf – fiel dagegen sein Duo mit der Geigerin Martina Rittmannsberger (1966 – 2023) aus, obwohl niemand sonst die alten "Weana Tanz" so wunderbar anstimmen konnte wie die beiden.
Ich habe dann mit dem Gedanken gespielt, dieses Duo einmal zu unserem Schlachthof-Festival nach Sigmaringen einzuladen und habe deswegen auch mit Walther telefoniert. Irgendwie kam es nicht zustande. War es zu weit, zu mühsam oder zu wenig lukrativ für nur einen Auftritt von Wien nach Sigmaringen zu kommen? Ich weiß es nicht mehr. Später dann, bei einem Auftritt der Neuen Wiener Concert Schrammeln in Sigmaringen, der vom SWR2 mitgeschnitten wurde, hätte er dabei sein sollen, wurde aber von einem Kollegen vertreten. Schade, dass ich Walther Soyka damals nicht treffen konnte. Jetzt ist er – nicht einmal 60 Jahre alt – in Wien verstorben.
Zum Hören Rittmannsberger / Soyka Duo auf youtube:
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