Aus der Luft
Es fängt mit einem grob gespielten Banjo an, so wie man es von Dock Boggs (1998-1971) und dessen Aufnahmen von 1927 kennt, darüber ein Gesang, nicht so rauh wie bei Boggs, aber in ähnlichem Duktus. Dann bricht auf einmal die ganze Band los. Der zweite Track "Anita Jean" ist ein Song mit einer rätselhaften Melodie, die wundersame Wege geht, keines der üblichen Klischees verwendet und sich trotzdem ins Gehör bohrt, vor allem dann, wenn die zweite Stimme in close-harmony dazukommt.
Das Album „From the Air“, das bereits 2007 erschienen ist, ist damals offenbar komplett an mir vorbeigerauscht. Ich habe die Band jetzt erst durch Zufall kennengelernt, die heute – glaube ich – gar nicht mehr besteht. Die M Shanghai String Band war oder ist ein Musikkollektiv aus Brooklyn, das so heisst, weil sie regelmäßig im Restaurant M Shanghai auftrat.
Ihr Folk, etwas loser und freier angelegt als sonst, klingt naiv im besten Sinne, manchmal auch sentimental, aber gerade darin bringt er etwas zum Vorschein, was vielen professionellen Folksängern abgeht, die irgendwie zu professionell klingen, schon okay sind, aber nicht mit ihrer Musik in die Herzregion vordringen. Im Unterschied dazu die M Shanghai String Band, die mit Gusto musiziert und ihre ganze Seele in die Musik legt. Die Klänge sind nicht glattgebügelt, sondern naturbelassen. Hier wird mit einer Begeisterung Musik gemacht, die ansteckend wirkt, Fehler inbegriffen. Vor allem der mehrstimmige Gesang rührt einen an, wie hier mit Inbrunst und ohne Leitplanken gesungen wird, um das Wesen eines Songs hervortreten zu lassen. Und diese Lieder haben es in sich.
Hörprobe:
The M Shanghai String Band – No home in this world (youtube)
The M Shanghai String Band – Anita Jean (youtube)
The M Shanghai String Band – Another Day on the train (youtube)
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