Sunday, 9 August 2026

SCHEIBENGERICHT Nr. 65: Mike Coopers verschlungene Wege

Vom Country Blues zur experimentellen Avantgarde

Der Gitarrist und Klangkünstler Mike Cooper

Foto: Greg Weight


1973 spielte er zum ersten Mal in Tübingen, ein Konzert mit akustischem Blues aus dem Delta in der Art von Mississippi John Hurt. Der englische Gitarrist Mike Cooper (Jg. 1942) hatte sich bereits als 25jähriger durch erste Platteneinspielungen für das Dawn-Label einen Namen gemacht. Danach ging er musikalisch verschlungene Wege, machte Exkursionen in den freien Jazz, wo er mit Lol Coxhill (ss) und Roger Turner (dr) in der Gruppe The Recedents spielte, fuhr nach Hawaii, um die Hawaii-Gitarre zu erlernen und bastelte danach viel mit gefundenen Sounds und experimentellen Klängen, die er zu knisternden Tongeweben verband.

Schwäbisches Tagblatt, 1973


Seit langem lebt der Gitarrist und Klangkünstler in Rom und meldet sich ab und an mit einer neuen Produktion zu Wort. Jetzt hat er erneut ein Album herausgebracht, das den Titel "Stochastic Parrot" trägt und bei dem er von dem Musikmaschinenbastler Pierre Bastien unterstützt wird, der hier Trompete spielt, was gleichfalls Mark Cunningham tut. "Sie fügen akustische Klänge zu meinen digitalen Tagträumen", beschreibt Cooper ihr gemeinsames Musikmachen. Über einer "Soundscape" aus vielfältigen Sonoritäten, die von sanften Trommelschlägen getragen wird, spielen die Trompeter abwechselnd kurze verhangene Melodien mit viel Echo, manchmal nur Fetzen einer Phrase, was im Ergebnis an die "Fourth World Music" eines Jon Hassells erinnert. Gelegentlich hört es sich wie ein musikalisches Unterwassererlebnis in den Tropen an: Es blubbert und gluckst, es knistert und knarzt, und ab und zu dringen aus der Ferne ein paar Gitarrenklänge ans Ohr. 


MIKE COOPER – Stochastic Parrot

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