Laptop-Jazz aus Brooklyn
Die Jazzmusiker Jason Moran und Marcus Gilmore kooperieren mit dem Elektroniker Blankfor.ms
Als die Elektronik vor Jahrzehnten mit Ambient, Techno und Acid-House die Popmusik revolutionierte, reagierte die Jazzszene eher verhalten auf den Umbruch. Gelegentlich zog ein Ensemble einen Laptop-Musiker hinzu, um ihrem Jazz eine elektronische Glasur zu geben. Seither haben Jazzmusiker dieses Konzept auf den Kopf gestellt und die Elektronik zum Zentrum ihrer Musik gemacht. Aus „Jazz plus Elektronik“ wurde „Elektronik plus Jazz“.
Das Trio von Jason Moran (Piano), dem Elektroniker Blankfor.ms (bürgerlich: Tyler Gilmore) und Marcus Gilmore am Schlagzeug macht auf seinem zweiten Album – dem Nachfolger von „Refract“ von 2022 – beides. Oft setzen die elektronischen Sounds den Ton, worauf Schlagzeug und Klavier improvisatorisch reagieren. Allerdings geht es auch anders herum, wenn ein hymnisch anmutender Choral von elektronischen Sounds unterlegt wird. Manchmal läßt sich Drummer Marcus Gilmore von den Tape-Loops zu repetitivem Trommelspiel oder einem Groove animieren, dessen Zwischenräume Moran für dezente Einwürfe nutzt.
Im weitesten Sinne als experimentell könnte man den Ansatz des Trios bezeichnen, wobei der Bogen der Möglichkeiten weit gespannt wird. Von furiosen avantgardistischen Ausbrüchen bis hin zu sachten, besinnlichen Klangmalereien reicht das Spektrum, was in seiner Gegensätzlichkeit nicht immer schlüssig erscheint und signalisiert: Die Gruppe hat noch nicht zu einer wirklich eigenen Identität gefunden.
Jason Moran / Blankfor.ms / Marcus Gilmore: Shards
Red Hook Records / Galileo
Hörprobe:
SHARDS by Jason Moran - BlankFor.ms - Marcus Gilmore (youtube)
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