Tuesday, 20 October 2026

Renaissance-Musik beim Popfestival

Frühe Musik goes Pop

Early Music Quartet 1973 auf dem "Sound of Britain"-Popfestival

Bei meinen fortwährenden Erkundungen der Popszene der frühen 1970er Jahre, bin ich auf ein Festivalplakat gestoßen, das mich dann doch verwundert hat. Mir war bewußt, dass die Popfestivals damals stilistisch um einiges vielfältiger waren als heute. So spielten etwa 1972 auf dem berühmten 2. British Rock Meeting unweit von Germersheim neben Pink Floyd, Family und dem Buddy Miles Express nicht nur das Freejazz-Quartett des Frankfurter Posuanisten Albert Mangelsdorff, sondern auch der Folksänger Tom Paxton. 

Das Festival "The Sound of Britain", das am Mittwoch, den 17. Januar 1973 in der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Hoechst stattfand, ging noch einen Schritt weiter. Es präsentierte neben Gentle Giant, Steeleye Span und Amazing Blondel nicht nur die "PIPES & DRUMS of the First Bataillion QUEEN'S OWN HIGHLÄNDERS", also eine schottische Dudelsack-Trommel-Militärkapelle, sondern auch das EARLY MUSIC QUARTET unter der Leitung von Thomas Bingley, bei dem es sich um niemand anderes als das STUDIO DER FRÜHEN MUSIK handelte, ein Ensemble, spezialisiert auf Mittelalter- und Renaissance-Musik, das damals gerade ein Album herausbracht hatte, das mit "Pop Ago" betitelt war und wohl auf ein junges Publikum zielte. Was allerdings doch merkwürdig erscheint: Was hat ein Ensemble für mittelalterliche Musik, das in München beheimatet war und von einem Amerikaner, Thomas Binkley, geleitet wurde, bei einem Festival unter dem Motto "The Sound of Britain" verloren?


Mehr dazu: In meinem Buch "Freak-Sounds – Musik abseits der Norm" (edition neue zeitschrift für musik/Schott 2025) ist ein längeres Kapitel über das STUDIO DER FRÜHEN MUSIK enthalten, ein für die Early-Music-Bewegung wegweisendes Ensemble.

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