Cooljazz von heute
Schmid’s Huhn
Hindemith Abstractions
Als eine Übung in Zurückhaltung, könnte man das Konzept des Jazzensembles Schmid’s Huhn beschreiben. Die Musik von Stefan Karl Schmid (Tenorsaxofon) und Leonhard Huhn (Altsaxofon klingt abgeklärt, kontrolliert und zurückgenommen, um sich nur gelegentlich expressiv zu entladen. Disziplin und Präzision haben oberste Priorität. Manchmal schweben die Töne fast schwerelos im Raum und klingen dann wie eine zeitgenössische Version des Cool Jazz’ von Lee Konitz und Warne Marsh aus den 1950er Jahren.
Im Mittelpunkt des Albums stehen fünf Stücke namens „Reflections on Hindemith“, die sich in abstrakter Weise auf ein Stück des Komponisten beziehen, das dieser Anfang der 1930er Jahre erdacht hatte. Paul Hindemith gab ihm den heute drollig anmutenden Titel „Des kleinen Elektromusikers Lieblinge“. Mit den „Lieblingen“ waren drei Trautonium-Instrumente gemeint, frühe Exemplare eines der ersten elektronischen Klangerzeuger der Welt.
Nach einer Suite von vier Stücken unter dem Titel „The Little Jazz Musician’s Favorites“, die einen kühnen Bogen vom kammermusikalischen Jazz bis zur freien Improvisation schlagen, dabei aber durchgehend im gedämpften Modus bleiben, werden die auf Hindemith bezogenen Titel von den beiden Saxofonisten eloquent in Szene gesetzt, so geschmeidig und einfühlsam gespielt, wie sie von Stefan Schönegg am Baß und Fabian Arends am Schlagzeug begleitet werden. Eine äußerst gelungene Einspielung.
Hörprobe:
https://schmidshuhn.bandcamp.com/album/hindemith-abstractions
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