LIEDGEDICHTE
Claudia Solal / Benoit Delbecq: Honour Oxygen!
Bureau De Son / dStream
Benoit Delbecq zählt zu den interessantesten Jazzpianisten der Gegenwart. Der 60 Jahre alte Franzose hat das Spiel auf den 88 Tasten revolutioniert, indem er John Cages Idee des präparierten Klaviers optimiert und perfektioniert hat. Diese Technik gibt ihm eine enorme Palette von Klangfarben an die Hand, die sich während des Spiels verändern lassen und sich wie ein afrikanisches Ballaphon anhören können oder als ob Regen auf ein Blechdach tropft. In einem Duo mit der Vokalistin Claudia Solal knüpft Delbecq an das Urstück des „prepared pianos“ – John Cages „Sonatas and Interludes“ – improvisatorisch an, indem er dem Gesang die wundersamsten Töne und Klänge unterlegt.
Die französische Vokalistin Claudia Solal ist die Tochter des Jazzpianisten Martial Solal und steht in der Tradition des modernen Jazzgesangs einer Norma Winston, Lauren Newton oder Jeanne Lee. Sie singt keine Songs mit Strophen und Refrain, sondern präsentiert neun Liedgedichte, die behutsam Worte und Sätze in Bewegung setzen, um spezielle Atmosphären und Stimmungen zu erzeugen. Dabei benutzt sie keine Guturallaute, sondern bliebt im Bereich der Sprache, wobei sie so reibungs- und übergangslos von englisch zu französisch übergeht wie Delbecq von den manipulierten Tönen zum konventionellen Pianoklang. Mit Honour Oxygen! ist den beiden ein bemerkenswertes Album gelungen, das voller Emotionen und Überraschungen steckt.
Hörprobe:
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