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Thursday, 3 September 2026

SCHEIBENERICHT Nr. 66: Schmid's Huhn

Cooljazz von heute

Schmid’s Huhn

Hindemith Abstractions



Als eine Übung in Zurückhaltung, könnte man das Konzept des Jazzensembles Schmid’s Huhn beschreiben. Die Musik von Stefan Karl Schmid (Tenorsaxofon) und Leonhard Huhn (Altsaxofon klingt abgeklärt, kontrolliert und zurückgenommen, um sich nur gelegentlich expressiv zu entladen. Disziplin und Präzision haben oberste Priorität. Manchmal schweben die Töne fast schwerelos im Raum und klingen dann wie eine zeitgenössische Version des Cool Jazz’ von Lee Konitz und Warne Marsh aus den 1950er Jahren.


Im Mittelpunkt des Albums stehen fünf Stücke namens „Reflections on Hindemith“, die sich in abstrakter Weise auf ein Stück des Komponisten beziehen, das dieser Anfang der 1930er Jahre erdacht hatte. Paul Hindemith gab ihm den heute drollig anmutenden Titel „Des kleinen Elektromusikers Lieblinge“. Mit den „Lieblingen“ waren drei Trautonium-Instrumente gemeint, frühe Exemplare eines der ersten elektronischen Klangerzeuger der Welt. 



Nach einer Suite von vier Stücken unter dem Titel „The Little Jazz Musician’s Favorites“, die einen kühnen Bogen vom kammermusikalischen Jazz bis zur freien Improvisation schlagen, dabei aber durchgehend im gedämpften Modus bleiben, werden die auf Hindemith bezogenen Titel von den beiden Saxofonisten eloquent in Szene gesetzt, so geschmeidig und einfühlsam gespielt, wie sie von Stefan Schönegg am Baß und Fabian Arends am Schlagzeug begleitet werden. Eine äußerst gelungene Einspielung. 


Hörprobe:

https://schmidshuhn.bandcamp.com/album/hindemith-abstractions

Sunday, 26 April 2026

Aus den Anfängen der elektronischen Musik

Wegen des großen Interesses sind wir noch einmal im

Theaterhaus, Stuttgart, Halle T3

FREAK-SOUNDS – MUSIK ABSEITS DER NORM

Konzert, Samstag 7. November 2026 (20:00Uhr)

Peter Pichler (Trautonium) & Christoph Wagner (Einführung) 

Karten:

https://www.theaterhaus.com/en/program-tickets/freak-sounds-musik-abseits-der-norm/1248


Töne aus Strom

Peter Pichler und das Trautonium im Stuttgarter Theaterhaus

Foto: Michael Maschke

Unter dem Motto "Freak-Sounds – Musik abseits der Norm", dem Titel meiner aktuellen Buchpublikation, stand am Sonntagabend, den 26. April 2026, das Konzert von Peter Pichler im Stuttgarter Theaterhaus. Der Münchner Experte für elektronische Musik stellte dabei das TRAUTONIUM vor, eines der ersten elektronischen Musikinstrumente überhaupt, erfunden in Berlin vor knapp hundert Jahren. 

Foto: Michael Maschke


Nach meiner knappen Einführung in die Materie demonstrierte Pichler, wie das Trautonium 1930 von Paul Hindemith die ersten Kompositionen erhielt, die sich noch sehr stark an Formen klassischer Musik orientierten. Mehr und mehr emanzipierte sich der damalige Hauptprotagonist des Instruments, Oskar Sala, von der klassischen Form, um die Möglichkeiten des Instruments als Klangerzeuger ausgiebiger zu nutzen und auszureizen. Pichler streute in sein Konzert zahlreiche Anekdoten und Stories ein: So berichtete er von der Bewunderung der Gruppe Kraftwerk für den Urvater der elektronischen Musik, die dieser  in keine Weise teilte noch erwiderte. Für Sala war Kraftwerk schlicht "Unterhaltungsmusik" und deshalb nicht ernstzunehmen, eine Engstirnigkeit, die Pichler als äußerst peinlich empfand.

Foto: J. Revitt

Pichler sah sich in der Konzertpause von zahlreichen Wißbegierdigen umringt, die noch mehr über das Innenleben und die Wirkweisen des Trautoniums erfahren wollten, wobei er tapfer Rede und Antwort stand. 

Der Elektroniker demonstrierte dann im 2. Konzertteil die ungeheuren Klangmöglichkeiten, die in der "Wundermaschine" stecken, die von einer sehr einfachen, ja fast primitiven Version immer mehr zu einem komplexen Mixtur-Trautonium ausgebaut wurde, das nun polyphon gespielt werden konnte und auch Akkorde ermöglichte.  

Foto: J. Revitt


Den Höhepunkt von Pichlers Auftritts bildete ein Medley aus Filmen, für die das Trautonium ursprünglich die Filmmusik geliefert hatte und die Pichler jetzt erneut mit dem "live"-gespielten Soundtrack präsentierte. Neben dem Dokumentarfilm "Reise zum Mond", dessen Vertonung einst die NASA in Auftrag gegeben hatte, kamen zum Finale Sequenzen des berühmtesten Films zur Aufführung: Hitchcocks "Vögel", für den Sala einst den kompletten Soundtrack entworfen hatte. Pichler erzeugte dazu die grauenerregenden Klanggeräusche wie Flügenschlagen und Vogelschreie. 


Wegen des großen Interesses sind wir noch einmal im

Theaterhaus, Stuttgart, Halle T3

FREAK-SOUNDS – MUSIK ABSEITS DER NORM

Konzert, Samstag 7. November 2026 (20:00Uhr)

Peter Pichler (Trautonium) & Christoph Wagner (Einführung) 

Karten:

https://www.theaterhaus.com/en/program-tickets/freak-sounds-musik-abseits-der-norm/1248

Friday, 8 April 2022

DAS TRAUTONIUM in SWR2: 18. April 2022

WIEDERHOLUNG DER SENDUNG:


Alfred Hitchcock und das Trautonium
Das Comeback eines frühen elektronischen Instruments

von Christoph Wagner


SWR2 MUSIKPASSAGEN, MONTAG, 18. APRIL 2022 / 16:05-17:00

Oskar Sala 1995 in Berlin in seinem Studio am Trautonium (Foto: C. Wagner) 
Das Ur-Trautonium (Foto: C. Wagner)
Im Film "Die Vögel" von Alfred Hitchcock wurde das immer bedrohlicher werdende Geschrei der Krähen von Oskar Sala auf einem Trautonium eingespielt. Sala war lange Zeit der einzige Solist auf diesem frühen elektronischen Klangerzeuger, der Ende der 1920er-Jahre in Berlin von Friedrich Trautwein erfunden worden war. Heute ist Peter Pichler aus München einer der wenigen Musiker, die das Trautonium abermals entdecken, das inzwischen von einer Firma in Nordhessen wieder gebaut wird. Es kommen zu Wort: der 85jährige Oskar Sala (interviewt 1995) und Peter Pichler.

Peter Pichler am Trautonium (Foto: C. Wagner)
 

SWR2 MUSIKPASSAGEN, MOntag, 18. April 2022 / 16:05-17:00


Tuesday, 12 May 2020

TRAUTONIUM im Radio

SWR2 MUSIKPASSAGEN, SONNTAG, 21. JUNI 2020 / 23:03-24:00

Alfred Hitchcock und das Trautonium
Das Comeback eines frühen elektronischen Instruments

von Christoph Wagner

Oskar Sala 1995 in Berlin in seinem Studio am Trautonium (Foto: C. Wagner) 
Das Ur-Trautonium (Foto: C. Wagner)
Im Film "Die Vögel" von Alfred Hitchcock wurde das immer bedrohlicher werdende Geschrei der Krähen von Oskar Sala auf einem Trautonium eingespielt. Sala war lange Zeit der einzige Solist auf diesem frühen elektronischen Klangerzeuger, der Ende der 1920er-Jahre in Berlin von Friedrich Trautwein erfunden worden war. Heute ist Peter Pichler aus München einer der wenigen Musiker, die das Trautonium abermals entdecken, das inzwischen von einer Firma in Nordhessen wieder gebaut wird. Es kommen zu Wort: der 85jährige Oskar Sala (interviewt 1995) und Peter Pichler.

Peter Pichler am Trautonium (Foto: C. Wagner)
 

SWR2 MUSIKPASSAGEN, SONNTAG, 21. JUNI 2020 / 23:03-24:00

Danach eine Woche im Internet: swr.de/swr2