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Wednesday, 26 March 2025

WALTHER SOYKA: Schrammelakkordeonist (1965 – 2025)

Zum Tod von Walther Soyka


Manchmal trifft einen die Nachricht vom Tod eines Bekannten mit unvermuteter Wucht, obwohl man ihn gar nicht wirklich richtig gekannt hat. Der Wiener Walther Soyka ist so ein Fall, der jetzt im Alter von nicht einmal 60 Jahren einem Krebsleiden erlegen ist. 

Ich habe Soyka kennengelernt, als ich um 1990 für mein Akkordeonbuch "Das Akkordeon – eine wilde Karriere" recherchierte und mit ihm Kontakt aufnahm, um mehr über die Geheimnisse der Schrammelharmonika zu erfahren. Soyka spielte damals bei den Extremschrammeln von Roland Neuwirth, für die ich extra einmal von Balingen nach München gefahren bin, um sie zu hören und Neuwirth und Soyka zu interviewen. Walther Soyka spielte so geschmeidig, biegsam und einfühlsam auf dem Knopfakkordeon, das es in den hohen Lagen fast psychedelisch klang, ähnlich wie die Orgel von Al Kooper bei Bob Dylans Aufnahme von "Like a Rolling Stone" 1965. Und niemand spielte so wie Soyka. "Als ob ein Chor von Engeln die Wiener anstrudeln wollte,”  so hatte einst ein Kritiker die Musik der Gebrüder Schrammel in ihren Anfängen beschrieben. Wenn man Soyka spielen hörte, glaubte man zu ahnen, was mit dem Satz gemeint war.

Später hatte wir immer wieder einmal mit einander zu tun, etwa als ich 2015 eine Sendung für den SWR2 über die Tradition der Wiener Schrammelmusik machte. Soyka, der zeitweise sein eigenes Label betrieb, war immer eine gute Quelle, dazu freundlich und hilfsbereit. Er machte eine Aufnahme von seinen Antworten auf meine Fragen, die ich in Ausschnitten in die Sendung einbaute und die zum Verständnis des Wesens der Schrammelmusik Wesentliches beitrugen. Er war eben ein Kenner der Tradition, mit Wissen beschlagen.

Molden/Resetarits/Soyka/Wirth auf Youtube:

Größere Popularität erlangte Soyka im Quartett mit Ernst Molden, (Gesang, Gitarre), Willi Resetarits (Gesang, Ukulele, Mundharmonika) und Hannes Wirth (Gitarre, Gesang). Eher bescheidener – was die Popularität nicht die Musik betraf – fiel dagegen sein Duo mit der Geigerin Martina Rittmannsberger (1966 – 2023) aus, obwohl niemand sonst die alten "Weana Tanz" so wunderbar anstimmen konnte wie die beiden. 

Ich habe dann mit dem Gedanken gespielt, dieses Duo einmal zu unserem Schlachthof-Festival nach Sigmaringen einzuladen und habe deswegen auch mit Walther telefoniert. Irgendwie kam es nicht zustande. War es zu weit, zu mühsam oder zu wenig lukrativ für nur einen Auftritt von Wien nach Sigmaringen zu kommen? Ich weiß es nicht mehr. Später dann, bei einem Auftritt der Neuen Wiener Concert Schrammeln in Sigmaringen, der vom SWR2 mitgeschnitten wurde, hätte er dabei sein sollen, wurde aber von einem Kollegen vertreten. Schade, dass ich Walther Soyka damals nicht treffen konnte. Jetzt ist er – nicht einmal 60 Jahre alt – in Wien verstorben. 

Zum Hören Rittmannsberger / Soyka Duo auf youtube:



Monday, 24 March 2025

Die CD vom Festival: LAUTyodeln, Vol. 3

 LAUTyodeln, Vol. 3 (Trikont)



LAUTyodeln heißt ein Festival, das – initiiert von der Volksmusik-Abteilung des Münchner Kulturreferats – letztes Jahr zum dritten Mal in der bayerischen Landeshauptstadt stattfand und bisher immer auf einer CD dokumentiert wurde. Gerade ist nun das Album mit den „Live“-Aufnahmen von 2024 erschienen, das – wie schon die beiden Vorgänger – das Jodeln in seiner ganzen Vielfalt zeigt. Dabei kommen diese Mal vor allem Gruppen zum Zuge, die den überschlagenden Gesang in aktuelle populäre Musikstile integrieren. 

 

Als echte Überraschung erweist sich das A-Capella-Ensemble Stimmreise.ch, das aus vier hochkarätigen Schweizer Vokalistinnen besteht. In beeindruckender Manier spannt das Quartett den Bogen von traditionellen Jodelliedern zu modernen Vokalstilen, wobei die Symbiose mit ungeheurer Akkuratesse und viel Kreativität und Fantasie gelingt. 

 

Ernst Molden, begleitet von Maria Petrova am Schlagzeug, setzt andere Akzente. Der Gitarrist ist die österreichische Version eines amerikanischen Singer-Songwriters. Er gibt mit viel Witz, Charme und großer Fabulierkunst einige Jodel-Songs aus der Schatztruhe des amerikanischen Südens zum Besten. Ob Klassiker wie „St. James Infirmary“ oder „Yodeling Songs“ des Hillbilly-Sängers Jimmie Rodgers, in Moldens freien Übertragungen erleben die Songs eine geglückte Wiederauferstehung im „Weaner“ Dialekt.


Ernst Molden und Maria Petrova (Foto: C. Wagner)



Nicht aus der Großstadt, sondern aus den Bergen, kommt die Gruppe Ganes der Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen. Begleitet von Violine, Gitarre, Tuba und Schlagzeug, singen die beiden ihre feingewobenen Lieder in ladinisch, einer alten Sprache aus den Dolomiten. Der Titel „La Stria“ entführt in verwunschene Bergwelten, wo Fabelwesen hausen. Mit dem „Hiatamadl“-Lied beweist die Gruppe allerdings auch, dass sie ziemlich kompetent zu jodeln vermag.

 

Vor Vitalität strotzt Opas Diandl aus Tirol, ein Quintett, dessen Musik von großer Originalität zeugt. Am deutlichsten kommt diese Eigenart der Gruppe im mehrstimmigen Gesang und der kraftvollen Begleitung durch die Saiteninstrumente zum Ausdruck, was einem Jodel-Song wie „Honde N-Da-Da“ einen ziemliche Wucht verleiht.  

 

Eingerahmt wird das Ganze von zwei Songs der Gruppe Vue Belle, einem Ensemble von Geflüchteten, das zusammen mit der Vokalistin Anna Veit den Brückenschlag zwischen afrikanischem Highlife-Musik und alpinem Gesang wagt, wobei sich das Jodeln abermals als äußerst flexibles musikalisches Medium erweist.

Opas Diandl 'live' beim LAUTyodeln 2024:




Tuesday, 10 December 2024

LautYodeln Vol. 3 auf CD

CD-Taufe am 16. März 2025 im Münchner 'Fraunhofer'

Das 3. LAUTyodeln-Festival, das im Mai 2024 in München über die Bühne ging, wird – wie schon die beiden Editionen zuvor – auf CD dokumentiert werden. Die CD wird im März 2025 beim Münchner Trikont-Label erscheinen. Auf dem Album mit dabei ist die ganze Bandbreite aktueller Gruppen, die das Festival wieder zu einem einzigartigen Glanzpunkt machten, ob Vue Belle, Stimmreise.ch, Ernst Molden & Maria Petrova, Ganes oder Opas Diandl. Die CD-Taufe wird am Sonntag, den 16. März 2025 in Form eines Frühschoppens im München Traditionslokal Fraunhofer stattfinden, mit 'Live'-Musik versteht sich.

Als 'Appetizer' hier der 'Honde N-Da Da Jodler' von der Gruppe Opas Diandl aus Südtirol, 'live' at LAUTyodeln-Festival Vol. 3, Munich.




Sunday, 12 May 2024

LAUTyodeln 2024

Polyphon-verschlungene Gesänge

Eindrücke vom Festival LAUTyodeln, Vol. 3, München

Traudi Siferlinger und ihre Geschwister (Foto: C.Wagner)


Zum dritten Mal ging vom 9. – 11. Mai in München das LAUTyodeln-Festival über die Bühne, das sich vorgenommen hat, das Jodeln in seiner ganzen Vielfalt auf die Bühne zu bringen. Bei dieser Edition lag der Schwerpunkt auf zeitgenössischen Formen dieses besonderen Gesangstils, den man in unseren Breiten vor allem aus den Alpen kennt. 

Ein Abstecher in die traditionellen Gefilde des sich überschlagenden Singens bot am Eröffnungsabend Traudi Siferlinger und ihre beiden Geschwister im Münchner Traditionlokal "Fraunhofer". Als Vertreter des oberbayerischen "Dreigesangs" gaben sie textlose Jodler zum Besten, stimmten daneben auch alte Jodellieder an und spielten zudem instrumentale Jodler auf Geige, Gitarre und "Ziech", wie man die Handharmonika in Bayern nennt. Diese langsamen, oft fast meditativen Gesänge besitzen häufig eine melancholische Qualität, wobei es Traudi Siferlinger glänzend verstand, das zahlreiche Publikum singend in ihren Auftritt einzubeziehen.

Ausgehend von der Tradition nahm am nächsten Abend die Schweizer Vokalistin Nadja Räss die Zuhörer auf eine "Stimmreise.ch" mit, wie der Name ihres vierköpfigen, rein weiblichen A-Cappella-Ensembles lautet. Die Vokalexkursion führte bis in avantgardistisches Terrain, wobei die Dramaturgie des Auftritts so wunderbar durchdacht und ausblanciert war, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Juchzer, Zäuerli und Naturjodeltechniken in hochkomplexen Kompositionen zum Zuge kam. 

Mit dadaistischem Klamauk begann einen Tag später die Gruppe Opas Diandl aus Südtirol ihre Vorstellung, um nach etlichen Minuten doch noch die Kurve zu ihren ernsteren Songs zu kriegen. In diesen polyphon-verschlungenen Gesängen, die durch die Begleitung von Saiteninstrumenten wie der Viola da Gamba und einer dumpfer Trommel gelegentlich an Renaissance-Musik erinnerten, erreichte die Gruppe eine Tiefe und poetische Kraft, die berührte und direkt ins Herz ging.

Ernst Molden mit Maria Petrova (Schlagzeug) (Foto: C.Wagner)

Einen Umweg über die USA nahm der bekannte österreichische Liedermacher Ernst Molden, der sein spezielles "Yodelling"-Programm mit Adaptionen alter Hillbilly-Evergreens gestaltete, deren Texte er frei ins Weanerische überträgt. Da erlebten dann ein paar Jimmie-Rodgers-Songs aus den späten 1920er Jahren ihre Auferstehung im Dialekt der österreichischen Hauptstadt. Daneben stimmte der Troubadour, unterstützt von der Schlagzeugerin Maria Petrova, alte Schlachtrößer wie den "St. James Infirmary Blues" an, den Molden auf die zweifelhafte Reputation eines Hospitals seiner Heimatstadt Wien bezog. 

Unbefangene Hörer mögen der Auffassung sein, dass so viel Jodeln auf die Dauer doch schwer erträglich sein müsste, ein Einwand, der prinzipiell sticht, den aber auch die Künstler in ihr Kalkül einbeziehen. Deshalb setzten sie die Jodel häufig eher als Zutat ein, mit denen man ein Programm würzt, ohne sie in Penetranz in den Mittelpunkt zu stellen. 

Opas Diandl (Foto: C. Wagner)


Insgesamt ein gelungenes Festival, das allerdings etwas Schlagseite in Richtung moderner Jodel-Adaptionen besaß. Man sollte – und da beziehe ich mich als Beteiligter bei der Programmgestaltung selbstkritisch mit ein – über all den zeitgenössischen Mischformen das Alte nicht vergessen. Weil es kaum noch jemand kennt, könnte es die Entdeckung des wirklich Neuen sein.

Wednesday, 31 January 2024

Jodeln als musikalisches Esperanto

Festival LAUTyodeln München 9. – 11. Mai 2024

OPAS DIANDL – Baslan Nr5  mit Veronika Egger, Buson (Daniel Faranna), Markus Prieth (youtube)



Nach längerer, Covid-bedingter Pause findet dieses Jahr wieder das LAUTyodeln-Festival in der dritten Ausgabe statt.

Das Festival umfaßt etliche Jodel-Workshops und drei Konzerte: 


9. Mai 2024, Fraunhofer Wirtshaus, München

Traudi Sifelinger präsentiert traditionelle Oberbaierische Jodelgesänge, Blas- und Saitenmusik


10. Mai 2024 Carl-Orff-Saal, Gasteig, München

Ernst Molden, Ganes und Stimmreise. ch 3


Die Alpen sind ein Herzland des Jodelns. Um Traditionen zu bewahren, gilt es, das Alte mit neuen Ideen aufzufrischen. Beim Festival LAUTyodeln Vol. 3 beleben drei Gruppen mit viel Fantasie den traditionellen Jodelgesang der Alpenregion und zeigen ihn in seiner ganzen Vielfalt.

 

Stimmreise.ch 3 ist ein Vokalensemble aus der Schweiz, das von Nadja Räss ins Leben gerufen wurde. Der A-Cappella-Gesang der vier Frauen gleicht einer Tour durch die unterschiedlichsten Jodellandschaften. Die Musik oszilliert zwischen Tradition und Moderne und bezieht Elemente aus Pop, Jazz und der Avantgarde ein. 

 

Die Gruppe Ganes der Schwestern Elisabeth und Marlene Schuen kommt aus einem Dorf in den Dolomiten, wo noch Ladinisch gesprochen wird, was ihren Liedern eine besondere Prägung verleiht. Mit ihren Stimmen, einem beachtlichen Arsenal an Saiten- und Blasinstrumenten sowie elektronischen Effekten weben Ganes Klänge, die voller Magie und Zauber stecken.  

 

Ernst Molden, einer der Großen der österreichischen Szene, ist mit den Dudlern seiner Heimatstadt Wien ebenso vertraut wie mit dem „American Yodeling“, das einst die frühe Countrymusik prägte. Unterstützt von Maria Petrova am Schlagzeug, singt Molden Songs von Jimmie Rodgers oder Hank Williams so überzeugend im „Weaner“ Dialekt, dass man meint, die Lieder wären nicht am Mississippi, sondern an der Donau entstanden.   


Ernst Molden & Maria Petrova (Promo)




11. Mai 2024, ZIRKA Halle, München

 

Opas Diandl & Vue Belle plus Jodeln für alle 


Zwei Ensembles bestreiten den letzten Abend des LAUTyodeln Festival 2024, der zum großen Finale in ein Jodeln für alle mündet, moderiert von Anna Veit und Markus Prieth.

 

Opas Diandl ist ein Ensemble aus dem Vorarlberg, das mit einem feinen Gespür für die Gesangstraditionen ihrer Region eine Klangpoesie entfaltet, die ineinander verflochtene Jodelmelodien, sinnliche Texte und einfühlsame Saitenklänge zu einer neo-traditionellen Stubenmusik verbindet, die unter die Haut geht. Eine außergewöhnliche Kombination von akustischen Instrumenten wie Viola Da Gamba, Zither, Banjo oder die schwedischen Nyckeharpa prägen neben dem mehrstimmigen Gesang den Gruppenklang.

 

Wie man weiß, sind die Alpen nicht die einzige Region, wo gejodelt wird. Überschlagenden Gesang gibt es auch an anderen Orten der Welt. Vue Belle nennt sich ein Ensemble, das als Bandprojekt von Geflüchteten 2018 entstanden ist. Zusammen mit der Gruppe unternehmen Anna Veit und Paul Huf den Versuch, das Potential des Jodelns als Mittel der Kommunikation über Sprachgrenzen hinweg auszuloten und so einen offenen Austausch zwischen den musikalischen Wurzeln aller Beteiligten zu ermöglichen. Vue Belle geht es darum, das Jodeln als interkulturelles musikalisches Esperanto zur Geltung bringen.

 

Die Esperanto-Idee wird dann unter Anleitung von Anna Veit (Vue Belle) und Markus Prieth (Opas Diandl) im zweiten Teil des Abends beim Jodeln für alle weitergesponnen. Der Konzertsaal wird dafür in einen musikalischen Erlebnisraum umgedacht, um zusammen die erhebende Kraft gemeinsamen Jodelns zu erleben.