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Sunday, 6 July 2025

Als der Soul in den Südwesten kam

Das erste Soulkonzert in Baden-Württemberg

Foto: Jörg Becker

1967 war das Jahr als Westdeutschland die Soulmusik entdeckte. Im Sommer 1968 fanden dann die ersten Soulkonzerte in Baden-Württemberg statt, als King Curtis & The Kingpins in Stuttgart und Freiburg/B. auftraten. In der Zeitschrift Jazzpodium wurden die beiden Auftritte angekündigt, die von der Tourneeagentur Lippmann & Rau durchgeführt wurden. Der afroamerikanische Saxofonist King Curtis war durch seinen Hit "Memphis Soul Stew" – veröffentlicht 1967 – damals in aller Munde. Nach dem Stuttgarter Auftritt hängte die Gruppe noch einen Mittnachtsgig in der Reutlinger Diskothek 'Black Mustang' an (betrieben von Heinz Bertsch), von dem Anwesende bis heute schwärmen.


Das Plakat von King Curtis 1968 auf Deutschland-Tour, hier von den Auftritt in Wiesbaden, die den amerikanischen Saxofonisten auch nach Freiburg und Stuttgart führte; Interessant im Vorprogramm die Wiesbadener Gruppe The Soul Caravan mit zwei schwarzen GIs als Sänger, die sich später in Xhol Caravan umbenannte, und dann nur noch Xhol hieß und heute als eine der maßgeblichen Krautrock-Gruppen gilt.



King Curtis & The Kingpins: Memphis Soul Stew (youtube)


Thursday, 23 October 2014

ORLANDO JULIUS trifft die HELIOCENTICS

Psychedelisches Afrika
 
Orlando Julius & The Heliocentics mit neuem Album

 cw. 1963 kehrte ein junger Mann vom Musikstudium in London nach Nigeria zurück. Gelegentlich half der Trompeter bei den Modern Aces aus, einer Afro-Soul-Band angeführt vom Saxofonisten Orlando Julius, die regelmäßig in den Nachtclubs und Hotels von Ibadan und Lagos auftrat. Fela Kuti hörte genau hin, wechselte zum Saxofon und hob bald seine eigene Band aus der Taufe, mit der er zum weltweit berühmtesten Vertreter des “Afrobeat” wurde.
 
Seinem früheren Bandleader Orlando Julius war nicht soviel Ruhm beschieden. Mitte der siebziger Jahre wanderte Julius in die USA aus, wo er 25 Jahre lebte und in Vergessenheit geriet. Im Zuge des aktuellen Afrobeat-Revival wurden die frühen Schallplatten des Saxofonisten neu aufgelegt, was ihm abermals eine gewisse Aufmerksamkeit bescherte. Jetzt hat ihn die englische Formation The Heliocentrics noch stärker ins Rampenlicht gerückt.
 
Für die Londoner Band um den Drummer Malcolm Catto war Julius immer ein Leitstern gewesen. Als die Gruppe nun mit ihrem Idol ins Studio ging, um ein paar seiner Klassiker neu einzuspielen, ging ein Traum in Erfüllung. Die Heliocentrics erwiesen sich als exzellent eingespielte Truppe, deren Rhythmusteam wie eine gut geölte Maschine funktioniert, die höchste Präzision mit reibungsloser Selbstverständlichkeit verbindet. Der vielstimmige Bläsersatz bringt mit messerscharfen Einwürfen die Musik zum Kochen, die Orgel webt psychedelische Klangfäden ein, während Orlando Julius seine markanten Saxofonlinien bläst, deren klare Melodieführung an Soul-Saxofonisten wie King Curtis oder Jr. Walker erinnern. Im Team mit Orlando Julius ist den Heliocentrics eine Einspielung voller Drive, Energie und Ausdruckskraft gelungen.

Orlando Julius with The Heliocentrics: Jaiyede Afro (Strut)

Die Besprechung erschien zuerst in der NZZ.