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Wednesday, 1 April 2026

Als der PUNK nach Sindelfingen und Böblingen kam

Ein GASTBEITRAG von SIMON STEINER

Autor des Buchs "Wie der Punk nach Stuttgart kam (1977-1983)"


T R I O L O G – PUNK AUS SINDELFINGEN

Die Band TRIOLOG trat 1980 im Sindelfinger Jugendhaus auf. „Dort liefen nur Hippies herum, in lila Latzhosen und mit langen Haaren. Wir provozierten und schockierten die mit unsren kurzen Haaren und unserem rebellischen Verhalten aber insbesondere mit unserem Krach, laut und schnell! Und einfach, drei Akkorde, weil wir alle kaum spielen konnten. Wir wollten halt den Zeitgeist widerspiegeln: Kalter Krieg - düster, grau, kalt."  Mink, Schlagzeuger von TRIOLOG


Die Proben der Punks fanden in Böblingen in der Ami-Kaserne statt.
Die Bandplakate wurden im Jugendhaus im Siebdruckverfahren hergestellt, und auch die Evangelische Kirche in Maichingen unterstützte die Band mit Auftrittsmöglichkeiten. Punks waren zwar gegen alles aber die jungen Rebellen mussten Kompromisse machen: Das Jugendhaus, die Eltern, der Vertrauenslehrer der Schule, ein Verein oder ein Pfarrer, alle unterstützten die jungen Kerle.



DER AKTUELLE MÜLLEIMER

In Böblingen wurde das Fanzine Der Aktuelle Mülleimer produziert, ein Magazin von Fans für Fans der Punkszene. Thomas Ziegler, selbst Punk, schrieb an der Schreibmaschine seine Punk-Erlebnisse, kritzelte, fotografierte und zeichnete und erreichte schließlich die sagenhafte Auflage bis zu 600 Stück. Kopiert wurde das Ganze im Copy Shop. Ziegler berichtete über Fahrten ins Punk-Mekka nach London, wo sich die Punks mit Kassetten, Ansteckern - sogenannten Badges - und Schallplatten und mit verrückten Klamotten versorgten. Thomas war auch „Manager“ der Winnender Band Normahl, der er auf seinem hauseigenen Schallplatten Label Mülleimer Records Schallplattenveröffentlichungen ermöglichte. "Ich war aktiv und wollte etwas für die Szene tun, um Punk bekannter zu machen", berichtete er. Auf Konzerten verkaufte er seine Schallplatten, Kassetten und Fanzines selbst und bastelte für Schallplattenläden Aufsteller. Ziegler war das Do it yourself - das oberste Punkprinzip in Person!


F A K  IN DER KLOSTERSEEHALLE, SINDELFINGEN


"Wir waren 1982 Vorgruppe vor der beliebten Band Fehlfarben aus Düsseldorf, das waren für mich Stars, die Texte der Band kann ich noch heute auswendig. Nach dem Konzert kickten wir mit  Trompeterin Sylvia Schütze mit Bierdosen, als die Halle ausgefegt wurde“, erinnert sich Simon Steiner, der damals bei F A K sang und Saxophon spielte, "allerdings war da Punk der ersten Ära bereits in New Wave oder die kommerzielle Neue Deutsche Welle übergegangen".

FAK als Vorgruppe der FEHLFARBEN, 1982



DAS KROKODIL 

Im Krokodil am Böblinger Busbahnhof trafen sich die Punks. Punk Kalle Stille war 1984 mehrfach auf Konzerten, bei GBH, Youth Brigade, Rotting Carcass.
Und einen Plattenladen gab's auch, mit speziellen Punkscheiben.

Monday, 21 August 2017

Simon Steiner stellt sein neues Buch vor: PUNK IN STUTTGART

Release Party: 15. September 2015, 19 Uhr, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, Schloßplatz 2
Im Rahmen der 4-wöchigen Ausstellung WIE DER PUNK NACH STUTTGART KAM

Wie der Punk nach Stuttgart kam und wo er hinging

Punk, New Wave und Neue Deutsche Welle in Stuttgart und der Region, 1978-1983. Punk tobte in Kaputtgart. Zwischen Wald und Reben und Hängen und Würgen krachte es gewaltig. 
Simon Steiner stellt die verschiedenen Bands unterschiedlicher Genres vor. Merkwürdige Geschichten und verrückte Anekdoten bekannter Kapellen wie ÄTZER 81, NORMAHL, der mußikant, CHAOS Z, K.G.B., die sache, FAMILIE HESSELBACH, HEUTE, ... . Und von unbekannteren, dilettantischen Projekten, die eigenartige Klänge fabrizierten: KRACH, ABENTEUER UNTER WASSER, TRIEBTÄTER, FRAUENKLINIK, ANABIOSE, AUTOFICK und zig andere.
Der Leser taucht in die zahlreichen Locations ein, in denen unter dem Deckel aus Wohlstand, Drill und Kehrwoche die 80er-Apokalypse gefeiert wurde; in den Tempel der damaligen Szene, die MAUSEFALLE mit ihren großen Konzerten, in den New Wave Club TANGENTE, in die Jugendzentren des Ballungsraumes, die Discotheken BOA, CRASH und OZ, in Szenekneipen wie das EXIL und in Treffpunkte wie der Spinne, dem Flohmarkt oder dem Kleinen Schlossplatz. Der Autor berichtet über Fanzines wie THE ARSCHTRITT, THE DRECK, KOTZ, GEGENGIFT oder den AKTUELLEN MÜLLEIMER. Er erzählt von Kassettentätern und ihren Hometape-Studios der unabhängigen Labels wie INFAM, INTOLERANZ, SCHWABENSTOLZ, EXTREMMIST oder BU/BU und kleinen Schallplatten-Studios wie MANNSCHRECK. Wir lesen apokalyptische Gedichte, dystopische Comics und blicken auf wavige Grafiken aus dieser turbulenten Ära.
Zeitzeugen erzählen von ihrer Haltung und Identität, vom Schockieren und Provozieren, von ihrer Antimode, vom Hippieleid, von rauen Pogo-Tänzen, von Hausbesetzungen, Räumungen und anderen politischen Ereignissen, die die Zeit in Kaputtgart prägten. Das Buch schaukelt von der damaligen Ära in die gegenwärtige Punk-Szene, wie sich Punk/Wave und die Szene verändert hat und jetzt Erfolge feiert. Der Leser erfährt, wer Stuttgarts erster Punk war und was er heute macht, wer damals üble Punkmucke raus haute und heute beim SWR arbeitet, wer im Knast landete oder was aus den Damen von FRAUENKLINIK wurde. Und was der Autor als Muttersöhnchen so alles verbrach! Eine Diskografie umfasst alle Tonträger der goldenen Ära 1978-1983.

Das „Buch“ – 11 Einzelhefte im Schuber inkl. CD – wird im Format 24x34cm mit insgesamt 340 tw. farbigen Seiten bei Uli Schwinge im Verlag EDITION RANDGRUPPE erscheinen. 
Barny Trouble (incognito records) bringt im Rahmen des Projektes eine Single und das Vinyl Doppelalbum "STUTTGART BRENNT VOR LANGEWEILE" heraus!
Am 29. und 30. September und 3.10. finden zahlreiche Konzerte mit alten und neuen Punkbands statt. Norbert Prothmann organisiert auch Lesungen und Podiumsdiskussionen.