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Monday, 17 February 2020

Marc Copland Trio in Singen

Meister der Jazzmeditation

Das Marc Copland Trio vor große Kulisse beim Jazzclub Singen


cw. Drei Instrumente – das genügt! Mehr braucht es nicht als Klavier, Kontrabaß und Schlagzeug, um eine veritable Jazzcombo zu bilden. In den letzten zwei Jahrzehnten erlebte das Jazzpianotrio einen regelrechten Boom, nicht zuletzt durch Ensembles wie The Bad Plus, die bekannte Poptitel von Black Sabbath oder Nirvana in ihr Repertoire aufnahmen. Auf solche Kapriolen läßt sich das Marc Copland Trio erst gar nicht ein, sondern führt die Tradition des Jazzpianotrios konzequent fort, indem es Jazzstandards, Evergreens und eigene Kompositionen präsentiert. Dass man auch mit so einem recht konventionellen Konzept Erfolg haben kann, erwies sich beim Konzert der Gruppe beim Jazzclub Singen im Kulturzentrum Gems, wo man wegen des großen Publikumandrangs noch zusätzliche Stuhlreihen aufstellen mußte. 

Die Bedingung für einen derartigen Publikumszuspruch ist allerdings ein ganz simpler: hohe Meisterschaft! Copland, inzwischen 71 Jahre alt, hat sich ein Leben lang in die Jazztradition vergraben, über Jazzstandards aus dem „Great American Songbook“ meditiert und es dadurch zu einem Können gebracht, das jetzt Früchte trägt. In der Jazzszene hat sich seine Exzellenz mittlerweile herumgesprochen. Dabei ist Copland einer der Stillen im Land, der kein großes Aufsehen von sich macht, sondern mit Qualität zu überzeugen hofft. Das ist der einzige Trumpf, auf den er setzt. 

Begleitet wurde der amerikanische Pianist von einer vorzüglichen Combo mit dem Ausnahmebassisten Drew Gress, einem der meistbeschäftigten Musiker der New Yorker Jazzszene, der mit allen musikalischen Wasser gewaschen ist und vom konventionellen Spiel bis zur avantgardistischen Improvisation jeden Stil beherrscht. Für den erkrankten Superdrummer Joey Baron, der wegen einer Infektion das Bett hüten musste, half kurzfristig der belgische Schlagzeuger Dré Pallemaerts aus, ein ausgefuchster Routenier, der schon früher mit Copland gespielt hatte. Vom ersten Takt an fügte er sich ideal in die Musik ein und sorgte für federnden Swing und dynamische Akzente. 

Tief über die Tasten gebeugt, begann Copland seine Jazzmeditationen. Nicht zufällig machte der Klassiker „All Blues“ von Miles Davis den Anfang, der 1959 auf dem Album „Kind of Blue“ erschien. Bei dieser Plattensession saß Bill Evans am Piano, der für Marc Copland so etwas wie ein Leitstern ist. Introvertiert, sensibel und einfühlsam waren die Qualitäten des berühmten Pianisten, Eigenschaften, die auch Copland kultiviert hat, wobei er es schafft, mit seinem Spiel eine intime, andächtig-verträumte Stimmung zu erzeugen, die das Publikum über die Dauer des Konzerts mehr und mehr in den Bann zog.

Ob Copland Melodien und Gegenmelodien ineinander verschränkte, Akkorde und Intervalle aufbaute und dann wieder auflöste, immer bewegte er sich vollkommen sicher in der labyrinthischen Architektur seiner Jazznummern und schaffte es, selbst einem Evergreen wie „You do something to me“ von Cole Porter noch neue Seiten abzugewinnen, einem Titel, der einst von Frank Sinatra, Ella Fitzgerald und Doris Day bekannt gemacht wurde. Dabei verfehlte Marc Coplands Tastenmagie ihre Wirkung nicht: Man befand sich nach dem Auftritt in einer anderen, besinnlicheren Stimmung als vor dem Konzert. Nur große Kunst schafft solch eine Verwandlung.

Friday, 7 September 2012

Hörempfehlung 2: MARC COPLAND - Feingeist


Marc Copland - Some More Love Songs



von Christoph Wagner

Marc Copland gilt als Feingeist unter den Pianisten des zeitgenössischen Jazz. Sein Spezialgebiet: Balladen. Seine Lieblingsformation: das Pianotrio. Copland hat für sein aktuelles Ensemble zwei ebenso erfahrene wie virtuose Instrumentalisten herangezogen, die beide zur Creme der New Yorker Szene zählen: der Kontrabassist Drew Gress und der deutsche Schlagzeuger Jochen Rueckert, der schon seit Jahre in der Ostküsten-Metropole lebt. Die drei begegnen sich auf gleicher Augenhöhe. Hier spielt kein Pianist mit einer Rhythmusgruppe, sondern eine Gruppe, die als Einheit agiert.
Im Repertoire haben die drei Stücke, die überwiegend dem “Great American Songbook” entnommen sind, abgesehen von einem Titel der amerikanischen Singer/Songwriterin Joni Mitchell und eine Nummer, die der Bandleader selbst beigesteuert hat.
Es ist die Musik der 50er Jahre, die Copland fasziniert, als das Jazzpianotrio eine fruchtbare Phase durchlief. Er beruft sich dabei eher auf die weiße Pianotradition eines Bill Evans’ oder Don Friedmans, als auf die schwarzen Bebopper Bud Powell und Thelonious Monk. Die lyrisch-sensiblen Seite des Jazz ist seine Welt.
Konzeptionell bewegen sich die drei eher im konventionellen Rahmen . Nie wird das Songformat aufgebrochen oder gesprengt, wie es heute so manches andere zeitgenössische Pianotrio tut, sondern die Struktur dient als Medium der improvisatorischen Reflektion und Versenkung. Souverän werden Melodien weitergesponnen und ins Poetische transformiert, wobei sich Copland als empfindsamer Geist erweist, der Atmosphären und Stimmungen zu erzeugen und zu gestalten weiss.
Nach der Vorstellung des Themas übernimmt oft der Kontrabass für ein paar Sequenzen die Führung. Danach geht der Staffelstab an Copland über, der das Thema raffiniert umspielt, um ihm neue Dimensionen abzugewinnen. Dabei entsteht eine versonnene Welt aus Tönen, die leicht, ja fast schwerelos durch den Raum schweben und geradezu enthoben und entrückt erscheinen. Hier sind keine Bilderstürmer am Werk, sondern Musiker, die sich in bewährte Formen vertiefen, um daraus frische Funken zu schlagen, was auch eine Meisterschaft sein kann.