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Sunday, 25 March 2018

Radio Radio Radiophon -– Musikcollagen

SWR2
Donnerstag, 29. März 2018, 21:03 – 22:00

RADIOPHON                                 

von Christoph Wagner

Sommer + Kieckbusch

Musikcollagen aus Titeln von:

1. Duo Chassot  / Mallaun: John Dowland – Lachrimae Antiquae
2. Serenus Zeitblom Oktett:  Andreas Dzialocha – Teil 1 (Ausschnitt)
3. Gregor Schwellenbach: Kaito’s Everlasting
4. Michael Moravek: In Transit Pt 1
5.  Uli Johannes Kieckbusch & Günter Baby Sommer: Ballata Rubata
6. Kitty Korner: Koitus Interruptus
7. Eskelin Weber Griener: Shreveport Stomp
8. Borderlands Trio (Crump, Davis, McPherson): Borderlands
9. Peter Zinovieff: Tarantella
10. Gallicantus: Orlando Lassus – Il magnanimo Pietro
11. Irmler / Oesterhelt: Zweiter Gesang
12. Michael Kiedaischs Debussy Projekt: Claude Debussy – Les Sons et les parfums tournent dans l’air du soir
13. Natalie Merchant: If no one ever marries me
14. Mike Adcock's Wanderlust: Wanderlust

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/radiophon/-/id=659512/sdpgid=1527936/19jrbtc/index.html


Friday, 14 October 2016

ROCK im Ländle: Michael Moraveks PLANEAUSTERS

Vom Bodensee in die USA

Mit seiner Rockgruppe Planeausters hat Michael Moravek ein Album in Chicago aufgenommen


cw. Als Rockmusiker kommt man weit herum: New York, Chicago, St. Louis, Rottendam und Dublin lauteten nur ein paar der Stationen der letzten Jahre, an denen der Ravensburger Gitarrist, Sänger und Songwriter Michael Moravek musikalisch tätig war, ob im Studio, bei Konzerten oder auf Tourneen. Seine musikalische Plattform ist die Formation Planeausters, ein Indie-Rock-Trio, das Moravek vor 16 Jahren mit dem Bassgitarristen William Bruce Kollmar und dem Schlagzeuger Per Ceurremans aus der Taufe hob.

Moraveks musikalische Erweckung liegt lange zurück. Als junger Teenager in Balingen hörte er eines Tages Bob Dylan im Radio und war derart fasziniert, dass er selbst mit dem Musikmachen anfing. Er tauchte in die Liederwelt von Bob Dylan ein, sang dessen Songs, fing aber auch bald an, eigenen Lieder zu schreiben. Um sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, gründete er die Gruppe The Blindboy, die sich zu einer der besten Folkrockgruppen Südwestdeutschlands entwickelten. Drei Schallplatten entstanden.

Kurz vor der Jahrtausendwende beschlich Moravek allerdings das Gefühl, dass die Band stagnierte: “Ich brauchte eine kreative Veränderung, neue Impulse,” erinnert sich der Musiker. “Also haben wir zu dritt weitergemacht.”

Planeausters war geboren. Mit ihren schnörkellosen entspannten Rocksongs traten die drei im In- und Ausland auf, trafen Musikkollegen und knüpften Kontakte. Eine engere Freundschaft entstand mit der amerikanischen Band The Great Crusades, die Moravek und die Planeausters zu gemeinsamen Tourneen in die USA einluden. Einer der Crusades-Musiker arbeitete in Chicago in einem Tonstudio, und Moravek ergriff die Gelegenheit. “Das Studio lag in einem Problemviertel in der Nähe des Humboldt-Parks mit hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Es war ein einfacher Backsteinbau mit Eisentür, aber dahinter verbarg sich ein musikalisches Kleinod,” schwärmt Moravek noch heute. ”Es war toll in einem Studio aufzunehmen, wo viele schwarze Bluesmusiker ihre Schallplatten gemacht hatten. Die Aufnahme verlief total professionell, und meine Stimme hat noch nie so gut geklungen.” Wie sich herausstellte, gehörte das Tonstudio Blaise Barton, einem Musiker, der schon mit Bob Dylan gearbeitet hatte. Für Moravek schloß sich damit ein Kreis.

Wieder daheim in Ravensburg traf eines Tages eine Email ein, die elektrisierte: Sie stammte von Mike Scott, Chef der irischen Rockgruppe The Waterboys. Scott hatte erfahren, dass Moravek einen seiner Songs namens “Red Army Blues” gecovert hatte und war neugierig auf dessen Version. So entstand ein Kontakt nach Irland, der bis heute besteht. Beeindruckt von der Band vom Bodensee, heuerte Scott bald darauf die Planeausters als Vorgruppe für eine Deutschlandtournee an. “Wir treffen uns gelegentlich bei Konzerten, tauschen Gedanken und musikalische Ideen aus,” erzählt Moravek. “Daraus hat sich eine Freundschaft vor allem mit Steve Wickham ergeben, dem Geiger der Waterboys, der schon mit U2, Elvis Costello und den Hothouse Flowers gearbeitet hat.”

Nach der Veröffentlichung der aktuellen Planeausters-CD (Titel: Humboldt-Park) hat Moravek gerade ein Soloalbum in Arbeit. Es wurde ebenfalls im Studio in Chicago eingespielt und bringt vielleicht Moraveks folkigere Seite wieder mehr zum Vorschein. Es soll im Januar erscheinen. Man darf gespannt sein.

Der Artikel erschien zuerst im Schwarzwälder Bote, große Tageszeitung im Südwesten
  

Monday, 23 May 2016

Bob Dylan zum 75.

Hey, Mr. Tambourine Man!

Bob Dylan wird 75 – alte Weggefährten, jüngere Liedermacher und besessene Dylan-Verehrer erinnern sich an Begegnungen mit ihm und seiner Musik 



cw. Eigentlich heisst er Robert Zimmerman, doch alle kennen ihn unter dem Namen: Bob Dylan! Vom Schriftsteller Dylan Thomas, den er verehrte, hat er sich den Namen entlehnt. Bob Dylan kam 1961 nach New York, wo er in den Folkclubs von Greenwich Village für Furore sorgte. Mit Songs wie “Blowing in the Wind”,  “Mr. Tambourine Man”, und “The Times They are a Changin” machte er weltweit Karriere und galt bald als die Stimme seiner Generation. Seitdem hat Bob Dylan immer wieder mit neuen Alben aufhorchen lassen und sich vielleicht als der größte Liedermacher aller Zeiten in die Annalen der Popmusik eingetragen. Am 24. Mai wird er 75 Jahre alt. Christoph Wagner hat alte Weggefährten und –gefährtinnen befragt, auch jüngere Kollegen und Bewunderer sowie Dylan-Experten, um ein Bild von diesem letzten Superstar des Pop zu gewinnen.

Carolyn Hester, Los Angeles (Folksängerin, auf deren erstem Album Bob Dylan 1961 mitwirkte. Es war seine erste Schallplattenaufnahme)

Image result for bob dylan carolyn hester photo“Ich war mit Bob Dylans Freundin Suze Rotolo eng befreundet und wir verbrachten viel Zeit zusammen, manchmal bei Konzerten. Als ich erwähnte, dass ich eine Schallplatte für Columbia Records machen würde, bekundete Bob Dylan sein Interesse, als Gitarrist dabei zu sein. Das Problem war:  Wir hatten bereits einen Gitarristen! Deshalb luden wir ihn als Mundharmonikaspieler zu den Aufnahmen ein. So lernte er den Produzenten John Hammond von Columbia Records kennen, der ihn dann unter Vertrag nahm.”

Happy Traum, Woodstock, USA (Folkmusiker und einstiger Nachbar von Bob Dylan)

“Ich traf Bob Dylan 1962 in Greenwich Village in Downtown Manhattan. Ich sang damals in der Folkgruppe The New World Singers. Bob Dylan mochte die Band. Er kam zu unseren Auftritten und gab uns Lieder von ihm zum Singen. Er war damals noch völlig unbekannt. 1963 war ich dann zum ersten Mal mit ihm im Studio. Wir nahmen Lieder zur Unterstützung der Zeitschrift “Broadside Magazine” auf, einem wichtigen Organ der Folkbewegung. Die New World Singers sangen Dylans “Blowing in the Wind” - die erste Einspielung des Titels! Er war im Studio dabei. Bei der gleichen Session sang ich mit ihm im Duett: “Let me die in my footsteps”. Ich sang die Führungsstimme, er die Begleitung, dazu spielte er Gitarre. Ein paar Jahre später zog ich mit meiner Familie raus aufs Land, nach Woodstock im Bundesstaat New York, wo auch Bob Dylan mit seiner Familie lebte. Damals gab es viele Musiker in Woodstock, eine richtige Künstlergemeinde.
Wir freundeten uns mit Dylans Familie an, besuchten uns oft und machten privat Musik zusammen. Er war sehr umgänglich. Bob Dylan war eine recht komplexe Persönlichkeit. In Woodstock lebte er sehr zurückgezogen von der Öffentlichkeit. Die Schallplatten, die er damals machte wie “John Wesley Harding”, spiegelten dieses ruhige Leben auf dem Land wider. 1973 machte ich ein zweites Mal Aufnahmen mit ihm: Wir gingen in New York ins Studio seiner Plattenfirma Columbia und nahmen vier Titel auf. Als er dann 1973 nach Kalifornien zog, brach der Kontakt etwas ab, obwohl ich ihn auch später noch ein paar Mal traf.”



Peter Stampfel, New York (Folk-Veteran mit den Holy Modal Rounders)

“Das erste Mal als ich Dylan sah, wusste ich nicht, wer er war: ein junger Bursche mit Stiefeln und einer Mütze auf, der nach Greenwich Village in Manhattan gekommen war, um ein bisschen Gitarre zu spielen. Ein paar Wochen später ging ich abends am Folkclub “Folk City” vorbei und sah durch das Fenster, wie er dort auf der Bühne stand mit seinem Mundharmonikahalter. Ich hörte nichts durch die Scheiben, konnte aber an seinen Bewegungen erkennen, dass er richtig Gitarren spielen konnte. Als ich ihn dann kurze Zeit später auf der Bühne erlebte, erstaunte mich sein Gesangstil, diese Mischung aus Rock ’n’ Roll und traditionellem Hillbilly-Singen. Er war in der Lage, diese beiden Stile zu verbinden. Er sang das gleiche Repertoire wie alle anderen Folksänger: alte traditionelle Lieder etwa von Woody Guthrie. Keiner erinnert sich mehr daran, aber am Anfang seiner Karriere alberte und kasperte Dylan auf der Bühne herum. Er hüpfte und bewegte sich wie ein unreifes Kind. Erst als er seine Mütze abnahm, hörte er auf, ein Clown zu sein.”

Jeffrey Lewis, New York (Anti-Folk-Songwriter und Bandleader)

“Bob Dylan habe ich das erste Mal gehört, als ich so 14 oder 15 war und gerne im Radio klassische Rockmusik hörte. Damals entdeckte ich all diese tolle Musik aus den Sechzigern. Bestimmte Lieder von Bob Dylan, die romantisch-schnulzigen, gefielen mir nicht. Das ist auch heute noch so. Aber eines Nachts hörte ich ”Ballad of a Thin Man” im Radio, und der Song zog mich in den Bann. Das Lied war lustig und verrückt. Darin kam eine einäugige Schnake vor. Jede Zeile war voller Überraschungen, wobei die Musik ziemlich cool klang, düster, schwer und bedrückend. Plötzlich fand ich Bob Dylan interessant. Ich schaute die Plattensammlung meiner Eltern durch. Sie hatten das betreffende Album und noch zwei oder drei andere Dylan-LPs. Ich überspielte sie auf Cassette und hörte sie jeden Morgen auf dem Weg zur Schule mit meinem Walkman in der U-Bahn. Was für tolle Musik! Seine romantischen Lieder sagen mir bis heute nichts, aber die lustigen, verrückten Songs sind voller Spaß, Brillanz und Energie. Bis heute gefällt mir der frühe Dylan am besten, diese wilde akustische Musik, auch wenn manche Leute meinen, er könnte nicht singen. Ich finde seine Stimme klingt jung und wild. Mit der Zeit beschaffte ich mir mehr und mehr Alben von Bob Dylan und finde, dass auf allen gute Musik ist.”

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Alex Neilson, Glasgow (Schlagzeuger, Sänger und Liederschreiber der Trembling Bells und von Crying Lion)

“Ich kam ziemlich spät auf Bob Dylan. Das erste Mal, dass mich seine Musik wirklich ergriff, war, als ich eine ‘Live’-Platte von ungefähr 1965 hörte. Es klang, als ob die Reiter der Apokalypse aus der Lautsprechern kämen. Ich bemerkte dann, dass es das berühmte “Judas”-Konzert war, wo Dylan als Verräter gescholten wurde, weil er elektrische und nicht akustische Gitarre spielte. Das war revolutionäre Musik in jeder Hinsicht. Von da an wurde Bob Dylan eine Obsession von mir. Ich begriff, dass seine Größe mit seiner Unergründlichkeit zusammenhängt. Je mehr man über ihn zu wissen glaubt, je mysteriöser wird der Mann.”

 Pete Coward, London (Musikjournalist und Dylan-Kenner)

“Bob Dylan inspiriert, weil er ein Genie mit Fehlern ist, und solche Fehler braucht es, um ein Genie zu sein. Er folgt den Worten von Leonard Cohen: "In jedem Ding ist ein Riß. Erst dadurch kommt Licht herein.” Deshalb erstaunt es nicht, dass seine beiden Versionen vom Song “Forever Young” ziemlich verschieden sind -  es verwundert nur. Doch Dylan sucht alles immer und immer wieder auf und überarbeitet es: seine Lieder, seine Stimme, sein Glaube. Und das macht er bis heute im Alter von 75 Jahren. Nicht weil er auf der Suche nach Perfektion ist, sondern weil es die ihm zugewiesene Rolle ist, als fehlerhaftem Genie und menschlichem Wesen.”

 Michael Moravek, Ravensburg (Sänger und Gitarrist der Planeausters)

“Es passierte in der Küche in der Richthofenstrasse in Balingen. Ich war 13 und mein Bruder rief mich ans Radio. Es kam gerade “Are You Ready”. Die Stimme elektrisierte mich, sie schien direkt aus einer Menschenseele heraus zu kommen und unterschied sich von allem, was ich bis dahin gehört hatte. Sie klang seltsam vertraut und verhakte sich in mir. Als heranwachsender Mensch konnte ich keine Wurzeln entwickeln, die sich an Orte festmachten. Durch Dylan habe ich damals meine eigene Sprache gefunden - nicht nur als Songwriter -, die mir ersatzweise zur Heimat geworden ist. Einer seiner großartigsten Songs? Covenant Woman. ‘You know that we are strangers / in a land we’re passing through’.”