Multiinstrumentalist Matt Gold (mit der Gitarre als Hauptinstrument) und Saxofonist Dustin Laurenzi sind auf der Chicagoer Szene aktiv, wo sie in einem stilistischen Spektrum zwischen Jazz, Folk und Rock mit so unterschiedlichen Musiker und Musikerinnen wie Jeff Parker, Makaya McCraven, Bill Callahan und Natalie Merchant gearbeitet habe. Die Musik, die die beiden zusammen in Szene setzen, kann als eine Spielart des Minimalismus’ beschrieben werden, allerdings improvisiert. Das Duo arbeiten mit Repetition, viel Hall und Elektronik sowie Langtönen, wobei Stücke entstehen, deren unterschiedliche Stimmen wie die Räder eines Uhrwerks in einander greifen. Bei manchen Nummern kommt außerdem eine Rhythmusmaschine ins Spiel.
Matt Gold ist für das Fundament verantwortlich, das manchmal elegisch klingt, ein andermal rhythmisch nach Dub-Reggae oder den Sounds der New Romantics. Über diesen Klangteppich legt Laurenzi ausgesprochen sparsam seine Töne, wobei er das Saxofon elektronisch manipuliert, bis die Klänge stark verfremdet von ganz weit aus der Ferne herüberhallen. Das Tempo ist meistens gemächlich, die Stimmung unaufgeregt bis entspannt, was allerdings nicht verhindern kann, dass das Konzept auf Dauer Gefahr läuft, sich abzunützen, wobei im letzten Stück namens „End Of The Horn“ die konzeptionellen Zügel gelockert werden und sich plötzlich eine ganz neue Perspektive auftut.
Hörprobe: Matt Gold & Dustin Laurenzi – Devotional Fade (youtube)
cw. Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht! Auf die Künste angewandt, will uns das afrikanische Sprichwort sagen: Kreativität kann man weder erzwingen, noch forcieren. Inspiration stellt sich auf mysteriöse Weise irgendwann und irgendwie ein – oder auch nicht.
Darum läßt sich Natalie Merchant Zeit. Seit längerem vermochte die amerikanische Singer-Songwriterin keine Lieder mehr zu schreiben, bis ihr während der Pandemie die Songs nur so zuflogen, von denen sie nun neun (plus eine Coverversion von „Hunting the wren“ der irischen Folkgruppe Lankum) auf ihr aktuelles Album bannte. Ein Gedichtband des schottischen Poeten Robin Robertson hatte Merchants poetische Schöpferkraft neu entfacht.
Es ist das neunte Album der Ex-Sängerin der 10.000 Maniacs und das erste mit neuen Lieder seit neun Jahren. Alle Songs kreisen um das Thema „Liebe“, weniger der erotischen, als den vielfältigen Formen und Facetten von Liebe und Zuneigung im allgemeinen.
Musikalisch zieht Merchant alle Register. Ob Motown-Bläsersatz, Klassikorchester, ob Folkgruppe oder Kammerensemble – jedes Lied ist mit einem Arrangement versehen, das keinen Aufwand scheut und jeweils ein anderes Flair versprüht. Manchmal opulent, dann wieder sparsam, schafft das eine Kulisse, die den Gesang optimal zur Geltung bringt. Zum Auftakt singt Merchant zwei Nummern im Duett mit der afroamerikanischen Sängerin Abena Koomson-Davis, danach stimmt sie jeden Song alleine an.
Natalie Merchant: Song of himself (youtube)
Merchants Gesang ist so ausdrucksstark wie immer, ihre Melodien besitzen nicht selten Ohrwurm-Qualität. Die kehlige Intonation gibt den Songs Überzeugungskraft, wobei in der Melancholie immer auch ein Quentchen Trost mitschwingt, was Mut macht in einer Gegenwart, in denen „jeder so verwirrt ist“, wie Merchant im Song mit dem bezeichnenden Titel „Tower of Babel“ klagt. „Keep your courage” wirkt als Ermunterung in düsteren Zeiten.
1. Duo Chassot / Mallaun: John Dowland – Lachrimae Antiquae
2. Serenus Zeitblom Oktett: Andreas Dzialocha – Teil 1 (Ausschnitt)3. Gregor Schwellenbach: Kaito’s Everlasting4. Michael Moravek: In Transit Pt 15. Uli Johannes
Kieckbusch & Günter Baby Sommer: Ballata Rubata6. Kitty Korner: Koitus Interruptus7. Eskelin Weber Griener: Shreveport Stomp8. Borderlands Trio (Crump, Davis, McPherson): Borderlands9. Peter Zinovieff: Tarantella10. Gallicantus: Orlando Lassus – Il magnanimo Pietro11. Irmler / Oesterhelt: Zweiter Gesang12. Michael Kiedaischs Debussy Projekt: Claude Debussy – Les Sons et les parfums
tournent dans l’air du soir13. Natalie Merchant: If no one ever marries
me14. Mike Adcock's Wanderlust: Wanderlust https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/radiophon/-/id=659512/sdpgid=1527936/19jrbtc/index.html
wunderbar relaxed Gitarrenmusik mit dem Keyboard-Wizzard der New Yorker Downtown-Szene Jamie Saft (ja er spielt auch eine fantastische Slidegitarre): Bill Brovold & Jamie Saft - Serenity Knolls (Rare Noise) https://www.youtube.com/watch?v=wxxJ7rkg-zk An Jazzalbum haben mich beeindruckt: Chris Speed Trio wegen seines Erfindungsreichtums: Borderlands Trio - Asteroidea (Intakt)
wegen seiner melodischen Qualität: Chris Speed Trio - Platinum on Tap (Intakt)
so locker und relaxed: Tom Rainey Obligato - Float Upstream (Intakt)
„mein Freund Tony“ mit einem Jazzalbum, dass seine „Jazz Roots“ offenlegt: Tony Allen - A Tribut to Art Blakey & Thr Jazz Messengers (Blue Note)
Nachswuchsband mit Potential: Weird Beard - Orientation (Intakt) Weltmusik: Afrobeat at its best: Tony Allen - The Source (Blue Note) Frühe Musik: Gallicantus (dir. Gabriel Crouch) - Lassus / Lacrime di San Petro (Signum) Meine besten Live-Gigs waren:
Tinariwen in der Manufaktur in Schorndorf Frederic Rabold Trio (Foto: Jörg Becker) Das Frederic Rabold Trio bei der Buchtaufe der 'Träume aus dem Untergrund' im Theaterhaus in Stuttgart
- Stephen Petrus & Ronald D. Cohen: Folk City – New York and the American Folk Music Revival (Oxford University Press)
- Thomas Kaufmann: Erlöste und Verdammte – eine Geschichte der Reformation (C.H. Beck) - Stefan Bollmann: Monte
Verità: 1900 – der Traum vom alternativen Leben beginnt (DVA)
Vorschau: In SWR2 in 'Radiophon - Musikcollagen' am Donnerstag, 15. März 2018 werde ich einige Titel aus diesen Alben und noch anderes Interessantes spielen (21:03 -22:00) Am 21. Juli 2018 findet das nächste Schlachthof-Festival in Sigmaringen statt, mit u.a. Embryo Embryo (2nd Generation)