Thursday, 19 December 2013

AUGEundOHR: Mandolinen-Ensemble aus Neapel, 1898

Neapolitanisches Saitenensemble 'Aurora' im Gasthof 'Wiener Garten' in Dresden, 21.11.1898
Wie Wiener Schrammelkapellen, ungarische Zigeunerorchester, bayrische Schuhplattlergruppen sowie Jodel-Ensembles aus dem österreichischen Zillertal waren die Mandolinengruppen aus Neapel vom Ende des 19. Jahrhunderts in ganz Europa unterwegs. Der Mandolinist des "Aurora"-Ensembles spielte - wie man sieht - ein ganz besonderes Modell.



Sunday, 15 December 2013

BEST of 2013: Konzertveranstalter empfehlen

Die besten Sounds 2013

CD-Empfehlungen zu Weihnachten von Konzertveranstaltern und Programmmachern aus dem Südwesten. Diese Leute müssten es ja eigentlich wissen, hören sie doch Tag für Tag Musik ‘live’ und auf Platte.

                                                                    Harris Eisenstadt - eine der Emfpehlungen 2013




Ulrike Tyrs, Ateliers im Alten Schlachhof, Sigmaringen

Dieses Jahr spielte im Rahmenprogramm der kleinen Landesgartenschau in Sigmaringen der Elektroniker Hans Joachim Irmler in den Ateliers im Alten Schlachthof. Irmler ist mit seinem Faust-Studio in Scheer ja quasi unser Nachbar und brachte den ehemaligen Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit mit. Das Konzert wurde mitgeschnitten und wird sich in Teilen auf dem neuen Album der beiden wiederfinden, das allerdings erst im neuen Jahr erscheint. Deshalb empfehle ich die Einspielung der Neuen Wiener Concert Schrammeln, die im Oktober unsere Gäste bei einem gemeinsamen Konzert mit dem SWR waren. “Kronjuwelen” (No Food Factory) heisst ihre CD, die Schrammelmusik aus den Kronländern der ehemaligen Donaumonarchie aufs sensibelste präsentiert. Eine exquisite Melanche von Volks- und Kammermusik.


Werner Büche, Vorsitzender des ‘Jazz Club 56’, Lörrach

Seit der Gründung 1956 bin ich mit einer zweijährigen Unterbrechung der 1. Vorsitzende unseres Clubs. Begonnen hat alles bereits kurz nach Kriegsende mit Schallplattenabenden, wo damals noch Schellackplatten gespielt wurden. In Lörrach hatten wir ja das Glück, die Schweizer Radiosender empfangen zu können und dort auch Jazzsendungen zu hören. Wenn ich auf 2013 zurückblicke, war wohl Paul Kuhn mit seinen All Stars und dem Babelsberger Filmorchester das Highlight. Dieser Auftritt im Lörracher Burghof war Kuhns letzter Auftritt mit dieser Großformation von 30 Musikern vor seinem Tod. Wir haben mit ihm nach dem Konzert noch über seine zukünftigen Pläne gesprochen. Er hat uns auch von seiner neuen CD erzählt, die er im legendären Columbia Studio in Los Angeles aufgenommen hat. Als Lieblings-CD des Jahres würde ich deshalb Paul Kuhns "L.A. Session" auswählen.


Rudolf Kolmstetter, Vorsitzender Jazzclub Singen

Es gab aus allen Jazzbereichen CDs, die mir besonders gefallen haben, so die neue CD von Chucho Valdes & The Afro-Cuban Messengers. Das war mein Sommer-Hit. Aber dieses Jahr habe ich eine Entdeckung gemacht: Den kanadischen, in New York lebenden Schlagzeuger Harris Eisenstadt mit seinen verschiedenen Projekten. 2013 sind zwei Alben von ihm erschienen: Einmal mit seinem Quintett "Canada Day" und dann eine Einspielung seines "September Trios” mit dem immer besser werdenden Tenorsaxofonisten Ellery Eskelin und der Pianistin Angelica Sanchez, die ich auf diesem Weg entdeckt habe. Natürlich habe ich Eisenstadt und seine "Canada Day"-Band für ein Konzert am Fr. 14.11. 2014 nach Singen eingeladen.





Friedhelm Schulz, Jazzclub Villingen
Hier spielen drei alte Hasen im Jazzgeschäft, bei denen sich anspruchsvolles Musizieren mit einer gehörigen Portion Unterhaltsamkeit vereint. Zwischen gekonnt gespielten Dissonanzen und wohligen Klangbildern, pendelt die Musik des Trios Bebelaar / Joos / Lenz, das im Sommer 2013 ihre CD „A Book of Family Affairs“ eingespielt hat.  Beim Konzert im Villinger Jazzkeller, wo ich den Pianisten Patrick Bebelaar, den Trompeter Herbert Joos und den Bassist Günter Lenz vor einigen Monaten gemeinsam sah, war ich ebenso begeistert, wie alle anderen Zuhörer. Und die CD, die nun vorliegt, ist überaus hörenswert – nicht nur für Jazzfans.





Andreas Roth, Kulturzentrum Franz K, Reutlingen

Lieblingsplatte – das klingt ein wenig nach Heiligtum. Mein Favorit 2013 ist „For Sale“ der US-Band East Cameron Folkcore (Label: Grand Hotel Van Cleef / Indigo), auf der zehn junge Menschen mit einer kaum zu beschreibenden Mischung aus Springsteen-artigem Rock, Folklore, Anti-Folk und Southern-Punk ihre heilige Wut darüber, wie die (westliche) Welt eingerichtet ist, kollektiv heraus schreien. Banjo mit krachender Gitarre, Posaune mit rumpelnden Trommeln, Mandoline mit Brüllgesang – alles geht zusammen und erzeugt eine unglaubliche Intensität. Aber nicht in einer Kunstwelt, sondern ganz nah an der Wirklichkeit dran.




Werner Schretzmeier, Theaterhaus, Stuttgart
Als ich das Album „Country Preacher“ von Cannonball Adderley Anfang der 70er Jahre erstmals hörte, hat sich mir die Platte gleich eingeprägt. Ich lege sie bis heute immer wieder auf. Sicherlich ist auch die Tatsache, daß ich damals Joe Zawinul traf, ein wichtiger Grund meiner Begeisterung. Zawinul, der der Musikwelt so großartige Kompositionen wie die Mega-Hits „Mercy, Mercy, Mercy“ und „Birdland“ hinterlassen hat, war einer der ersten weißen Musiker, der von der afro-amerikanischen Musikszene als „Brother“ bezeichnet wurde. Auf „Country Preacher“  ist Zawinul als Pianist des Cannonball Adderley Quintets zu hören, dem er einige Jahre angehörte. Die Platte wurde live aufgenommen, 1969 in einer Kirche in Chicago. Das Ganze wird moderiert von Jesse Jackson, dem Bürgerrechtler. Er spricht auf dieser Platte vom „Brother“ Joe Zawinul. Eine größere Würdigung hat Zawinul, nach seinen eigenen Worten, nie bekommen, obwohl er mit Preisen und Anerkennungen überschüttet wurde. „Country Preacher“ –  großartige, lebensfrohe Musik, aufgenommen in einer Zeit bedeutender gesellschaftspolitischer Umbrüche weltweit.


Werner Hassler, Club Manufaktur, Schorndorf

Mein Lieblingsalbum 2013 heißt ‘Wed21’ und ist von der teilweise in Paris aufgewachsenen Argentinierin Juana Molina. Zufällig bin ich im Plattenladen beim Stöbern darauf gestoßen, wegen dem eigenwilligen Cover und dem wunderbar auszusprechenden Namen. Die Musik ist noch viel eigenwilliger und deshalb extrem faszinierend. ‘Experimentelle Folktronica’ könnte man sie vielleicht nennen, aber genau dieses Problem der schwierigen Kategorisierung macht bereits großen Spaß. Später erfahre ich, dass ‘Wed21’ bereits Molinas sechstes Album ist und freue mich darauf, ein weiteres unentdecktes Feld zu erforschen. Hoffentlich klappt es mit dem anvisierten Konzert von Frau Molina im nächsten Jahr in der Manufaktur.



Der Beitrag erschien zuerst im Schwarzwälder Boten, große Tageszeitung im Südwesten


Tuesday, 10 December 2013

ULRICH STOCK / DIE ZEIT empfiehlt 'DER KLANG DER REVOLTE'

DIE ZEIT / 5. Dezember 2013

BEST of 2013:


In den Empfehlungen der besten Musikbücher 2013 in der Wochenzeitung DIE ZEIT hat ZEIT-Mitarbeiter ULRICH STOCK mein Geschichtsbuch über die 'magischen Jahre' des westdeutschen Musik-Underground 'Der Klang der Revolte' zu seinem Musikbuch des Jahres gewählt - freut mich riesig!


Monday, 9 December 2013

JAZZTRENDS: Wunderkiste Akkordeon

Tradition und Imagination

Der Schweizer Akkordeonist Hans Hassler



cw. Ist es nostalgische Sehnsucht oder künstlerische Selbstvergewisserung, die Musiker dazu bringt, sich im fortgeschrittenen Alter wieder der Musik ihrer Jugendzeit zu zuwenden? Der 68jährige Hans Hassler, Schweizer Akkordeonist avantgardistischer Prägung, ist mit traditionellen Melodien aufgewachsen. Er hat in jungen Jahren in Ländlerkapellen Klarinette geblasen, ganz in der Spur seines Vaters, der neben seinem Beruf als Stadtarbeiter in Chur vor allem ein eingefleischter Volksmusikant war. Obwohl traditionelle Klänge immer schon in Hasslers Musik präsent waren, wenn auch eher untergründig, setzt sich der Akkordeonist auf der neuen Einspielung intensiver mit seiner volksmusikalischen Sozialisation auseinander.

Hassler schürft im Unterbewußtsein und fördert eine ganze Reihe vergessener Tanzmelodien zu Tage, Stücke von Paul Kollegger, Luzi Brüesch und Kasi Geisser, die allesamt zum Traditionsschatz der Schweizer Volksmusik gehören. Unterstützt vom Klarinettisten Jürgen Kupke, dem Baßklarinettisten Gebhard Ullmann und dem Perkussionisten Beat Föllmi interpretiert Hassler dieser Kompositionen auf seine eigene Art. Er seziert und fragmentiert die Melodien, verfremdet die Harmonien und setzt sie collagenhaft wieder zusammen. Hassler läßt sich von der Tradition nicht an die Kette legen, sondern gibt sich der musikalischen Tagträumerei hin, die ins Geisterreich zwischen Wachsein und Versunkenheit führt. 

Natürlich ist es für einen Musiker ein törichtes Unterfangen, die Entzauberung, die das Erwachsenwerden mit sich bringt, rückgängig machen zu wollen: Es gibt keinen Weg zurück zum rein sinnlichen Musizieren! Das weiß Hassler nur zu gut. Dennoch ist ihm mit der Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln ein interessantes und vielschichtiges Stück Musik gelungen: Ländlerklänge zwischen Tradition und Imagination!  

Hans Hassler: Hassler (Intakt)


Sunday, 8 December 2013

AUGEundOHR: MISSIONSMUSIK - amerikanische Tent-Show

Solche 'Tent-Shows' waren im ländlichen Amerika oft die einzige musikalische Abwechslung und Unterhaltung, die es bis ins Hinterland schaffte. Hier ein Missionszelt möglicherweise der Heilsarmee  vom Anfang des 20. Jahrhunderts.


Friday, 6 December 2013

FLASHBACKS: Gitarrenvisionär ROBBIE BASHO

Konzertplakat für zwei Auftritte des virtuosen amerikanischen Raga-Gitarristen Robbie Basho (1940-1986) in Berkeley, ca. 1968. Basho kommt aus dem Umfeld von John Fahey und der sogenannten 'Takoma'-Schule. Takoma war John Faheys Label, auf dem seit den späten 60ern eine interessante Serie von LPs erschienen.  


Abendlieder: Neue Piano-CD von Uli Johannes Kieckbusch

Stiller Mond

Neue CD mit “Abendlieder” von Uli Johannes Kieckbusch


 cw. Herbstzeit ist Abendzeit, wenn die Blätter von den Bäumen fallen, es schon nachmittags dunkel wird und das Jahr sich langsam dem Ende zuneigt. Uli Johannes Kieckbusch, Pianist aus Balingen, hat sich in einer solchen herbstlichen Melancholie ans Klavier gesetzt und ein Dutzend Abendlieder für seine neue CD eingespielt, die wunderbar zur jahreszeitlichen Stimmung passen. Darunter befinden sich so bekannte Lieder wie “Abend wird es wieder”, “Nun ruhen alle Wälder” und “Der Mond ist aufgegangen”.

Kieckbusch gelingt es, diese Stücke instrumental in atmosphärischer Weise auszubreiten. Meistens stellt er zuerst das unverschnörkelte Thema vor, nur von ein paar spärlichen Intervallen unterlegt, bevor er dann eine improvisatorische Auslegung wagt. Kieckbusch wählt einen delikaten Anschlag, läßt den Tönen Raum sich zu entfalten und lauscht jeder einzelnen Note nach. Nie geht der Pianist in die Vollen, sondern hält sich spieltechnisch zurück, weil es ihm wichtiger ist, die spezielle Stimmung jedes einzelnen Lieds zu treffen, als durch hohle Tastenakrobatik zu gefallen.


Nach seiner letztjährigen Beschäftigung mit Advents- und Weihnachtsliedern, ist die Abendlieder-Kollektion eine interessante Fortführung der Idee, dem heimischen Liedschatz durch zeitgenössische Bearbeitungen wieder eine Relevanz für die Gegenwart zu geben. Auf dem neuen Album, das unter dem Titel “Abend wird es wieder – Evening Moods” vom bayrischen Label Chromart Classics herausgegeben wird, ist das Kieckbusch auf beeindruckende Weise gelungen. Der Pianist wird sein “Abendlieder”-Programm am 15. Dezember im Alten Gymnasium in Rottweil (17:00) vorstellen. 

CD-Neuerscheinung:
Uli Johannes Kieckbusch: Abend wird es wieder – Evening Moods (Chromart Classics)