ALTER SCHLACHTHOF, SIGMARINGEN
BRTHR + JIM KAHR & ALLSTARS
SA, 27. Juli 2024
Beginn: 17 Uhr
Eintritt frei!!!!
ALTER SCHLACHTHOF, SIGMARINGEN
BRTHR + JIM KAHR & ALLSTARS
SA, 27. Juli 2024
Beginn: 17 Uhr
Eintritt frei!!!!
30+ Jahre ALTER SCHLACHTHOF Sigmaringen
BRTHR und EMBRYO in Hochform
Wenn man ein Freiluftkonzert veranstaltet, richten sich die Augen am Tag der Veranstaltung gen Himmel. Die Wettervorhersage ließ am Samstag Schlimmes befürchten, doch es kam anders. Nach einem kräftigen Guß am Nachmittag, hielt das trockene Wetter an und das Doppelkonzert mit Brthr und Embryo im Sigmaringer Schlachthof wurde zu einem entspannten Erlebnis, das in Erinnerung bleiben wird als nachgeholte Feier zum 30. Jubiläum des Sigmaringer Schlachthofs als Kulturzentrum.
Verjüngt und neu aufgestellt
Das Kulturzentrum Alter Schlachthof in Sigmaringen holt sein 30jähriges Jubiläum mit einem Doppelkonzert von Embryo und Brthr nach
cw. Das Jubiläum zum 30jährigen Bestehen des Sigmaringer Kulturzentrums Alter Schlachthof hätte schon vor einem Jahr stattfinden sollen, doch dann machte die Pandemie den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Am Samstag, den 24. Juli (Beginn: 18 Uhr) nimmt man jetzt einen zweiten Anlauf mit einem Doppelkonzert vor begrenzter Zuschauerkulisse und mit zwei interessanten Bands: den verjüngten Krautrockpionieren Embryo sowie Brthr, eine Band aus Stuttgart, die in letzter Zeit mit ihrem abgehangenen Southernrock für Furore sorgte.
Embryo hat sich in den letzten Jahren neu erfunden. Nach dem Tod von Bandleader Christian Burchard vor drei Jahren hat dessen Tochter, die schon Jahre lang mit Embryo unterwegs war, das Ruder übernommen und die Band verjüngt und neu aufgestellt. Damit hat der Weltmusikjazzrock von Embryo neue Kraft gewonnen, was die Gruppe zu einer der heißesten Formationen der aktuellen deutschen Szene macht. Selbst in den USA regte sich Interesse: Der Starproduzent Madlib der amerikanische Hiphop-Szene nahm die Münchner Band unter Vertrag, um ihr neues Album „Auf, auf“ auf seinem Label Madlib Invazion zu veröffentlichen. Auch wenn die Pandemie die Konzertaktivitäten fast völlig zum Erliegen brachte, war die Gruppe nicht untätig, sondern hat etliche Videos produziert, dazu zwei Album, die die Musiker in Hochform zeigen. Mit dabei ist Gitarrist Jan Weissenfeldt – Künstername: JJ Whitefield –, der sich mit seinem Bruder und The Poets of Ryhthm bzw. The Whitefield Brothers als Erneuerer des Funk international einen Namen gemacht hat.
Brthr
Im Gegensatz zu Embryo ist Brthr eine junge Band aus Stuttgart, die erst seit ein paar Jahre besteht. Ihr drittes Album „High Times For Loners“ erschien 2020 und wurde von den Medium mit viel Beifall bedacht, wobei sich die Single „Speak low“ sogar zu einem Radiodauerbrenner entwickelte. Die Band um Sänger-Gitarrist Philipp Eissler und Lead-Gitarrist Joscha Brettschneider spielt einen entspannten Südstaatenrock (sie sind ja auch aus dem deutschen Süden!), der sich bei Folk, Soul, Country und Gospel bedient, Einflüsse von JJ Cale, The Band und Neil Young verrät und trotzdem einen ganz eigenen Klang besitzt. Ihre Songs sind von einfühlsamer Melodik und unaufgeregter Flüssigkeit, wobei Brettschneiders sensibles Gitarrenspiel aufhorchen läßt, das nie kreischend auf billige Effekte setzt.
Um der aktuellen Infektionslage gerecht zu werden, ist das Doppelkonzert auf 130 Zuschauer begrenzt, die an zahlreichen Bierbänken und Sitzgruppen auf dem ganzen Schlachthof-Areal Platz nehmen können, wodurch das Abstandhalten gewährleistet ist. Leider ist wegen der Pandemie auch die Bewirtung eingeschränkt. Zur Feier des Tages wird zum Jubiläum ein Eintrittspreis von nur 10 Euro erhoben.
Ruben & Matt bieten im ersten Konzertteil Bluesgrass-Jodelsongs à la Coen-Brothers: Die Coen-Brothers und ihr Film »Oh brother« (mit George Clooney) haben diese Klänge zurückgebracht: die Bluegrass-Lieder der 1940er und 1950 Jahre! So schwungvoll, wild und unbändig wie Ruben & Matt spielt niemand dieses Repertoire in Europa! Um ein einziges Mikrofon gruppiert, stimmen diese neuzeitlichen Hillbillies mit ihrem unwiderstehlichen mehrstimmigen Harmoniegesang die Songs von Bill Monroe & Co an – heulende Jodler inbegriffen.
Die zweite Konzerthälfte füllt »Natur Pur« mit Naturjodel aus der Innerschweiz: Wild, authentisch, urig – so klingen die Jüüzli (=Naturjodel) der Formation. Aufgewachsen mit diesem archaischen Gesang aus dem abgelegenen Muotatal in der Innerschweiz, bilden die vier Sänger heute eine der wenigen Gruppen, die noch diesen alten, verschlungenen Gesang pflegen. Dazu spielen sie traditionelle Musik auf dem Schwyzerörgeli (=Schweizer Ziehharmonika) und dem Büchel (kleines Alphorn).
Eintritt: 14 € ermäßigt: 8 €
Es gab
aus allen Jazzbereichen CDs, die mir besonders gefallen haben, so die neue CD
von Chucho Valdes & The Afro-Cuban Messengers. Das war mein Sommer-Hit.
Aber dieses Jahr habe ich eine Entdeckung gemacht: Den kanadischen, in New York
lebenden Schlagzeuger Harris Eisenstadt mit seinen verschiedenen Projekten. 2013
sind zwei Alben von ihm erschienen: Einmal mit seinem Quintett "Canada
Day" und dann eine Einspielung seines "September Trios” mit dem immer
besser werdenden Tenorsaxofonisten Ellery Eskelin und der Pianistin Angelica
Sanchez, die ich auf diesem Weg entdeckt habe. Natürlich habe ich Eisenstadt
und seine "Canada Day"-Band für ein Konzert am Fr. 14.11. 2014 nach
Singen eingeladen.
Hier spielen drei alte
Hasen im Jazzgeschäft, bei denen sich anspruchsvolles Musizieren mit einer
gehörigen Portion Unterhaltsamkeit vereint. Zwischen gekonnt gespielten
Dissonanzen und wohligen Klangbildern, pendelt die Musik des Trios Bebelaar /
Joos / Lenz, das im Sommer 2013 ihre CD „A Book of Family Affairs“ eingespielt
hat. Beim Konzert im Villinger
Jazzkeller, wo ich den Pianisten Patrick Bebelaar, den Trompeter Herbert Joos
und den Bassist Günter Lenz vor einigen Monaten gemeinsam sah, war ich ebenso
begeistert, wie alle anderen Zuhörer. Und die CD, die nun vorliegt, ist überaus
hörenswert – nicht nur für Jazzfans.
Lieblingsplatte – das klingt ein wenig nach
Heiligtum. Mein Favorit 2013 ist „For Sale“ der US-Band East Cameron Folkcore
(Label: Grand Hotel Van Cleef / Indigo), auf der zehn junge Menschen mit einer
kaum zu beschreibenden Mischung aus Springsteen-artigem Rock, Folklore,
Anti-Folk und Southern-Punk ihre heilige Wut darüber, wie die (westliche) Welt
eingerichtet ist, kollektiv heraus schreien. Banjo mit krachender Gitarre,
Posaune mit rumpelnden Trommeln, Mandoline mit Brüllgesang – alles geht
zusammen und erzeugt eine unglaubliche Intensität. Aber nicht in einer
Kunstwelt, sondern ganz nah an der Wirklichkeit dran.
Als ich
das Album „Country Preacher“ von Cannonball Adderley Anfang der 70er Jahre
erstmals hörte, hat sich mir die Platte gleich eingeprägt. Ich lege sie bis
heute immer wieder auf. Sicherlich ist auch die Tatsache, daß ich damals Joe
Zawinul traf, ein wichtiger Grund meiner Begeisterung. Zawinul, der der
Musikwelt so großartige Kompositionen wie die Mega-Hits „Mercy, Mercy, Mercy“
und „Birdland“ hinterlassen hat, war einer der ersten weißen Musiker, der von
der afro-amerikanischen Musikszene als „Brother“ bezeichnet wurde. Auf „Country
Preacher“ ist Zawinul als Pianist des Cannonball
Adderley Quintets zu hören, dem er einige Jahre angehörte. Die Platte wurde
live aufgenommen, 1969 in einer Kirche in Chicago. Das Ganze wird moderiert von
Jesse Jackson, dem Bürgerrechtler. Er spricht auf dieser Platte vom „Brother“
Joe Zawinul. Eine größere Würdigung hat Zawinul, nach seinen eigenen Worten,
nie bekommen, obwohl er mit Preisen und Anerkennungen überschüttet wurde.
„Country Preacher“ – großartige,
lebensfrohe Musik, aufgenommen in einer Zeit bedeutender
gesellschaftspolitischer Umbrüche weltweit.
Mein
Lieblingsalbum 2013 heißt ‘Wed21’ und ist von der teilweise in Paris
aufgewachsenen Argentinierin Juana Molina. Zufällig bin ich im Plattenladen
beim Stöbern darauf gestoßen, wegen dem eigenwilligen Cover und dem wunderbar
auszusprechenden Namen. Die Musik ist noch viel eigenwilliger und deshalb
extrem faszinierend. ‘Experimentelle Folktronica’ könnte man sie vielleicht nennen,
aber genau dieses Problem der schwierigen Kategorisierung macht bereits großen
Spaß. Später erfahre ich, dass ‘Wed21’ bereits Molinas sechstes Album ist und freue
mich darauf, ein weiteres unentdecktes Feld zu erforschen. Hoffentlich klappt es mit dem anvisierten
Konzert von Frau Molina im nächsten Jahr in der Manufaktur.