Sunday, 26 April 2026

Aus den Anfängen der elektronischen Musik

Töne aus Strom

Peter Pichler und das Trautonium im Stuttgarter Theaterhaus

Foto: Michael Maschke

Unter dem Motto "Freak-Sounds – Musik abseits der Norm", dem Titel meiner aktuellen Buchpublikation, stand am Sonntagabend, den 26. April 2026, das Konzert von Peter Pichler im Stuttgarter Theaterhaus. Der Münchner Experte für elektronische Musik stellte dabei das TRAUTONIUM vor, eines der ersten elektronischen Musikinstrumente überhaupt, erfunden in Berlin vor knapp hundert Jahren. 

Foto: Michael Maschke


Nach meiner knappen Einführung in die Materie demonstrierte Pichler, wie das Trautonium 1930 von Paul Hindemith die ersten Kompositionen erhielt, die sich noch sehr stark an Formen klassischer Musik orientierten. Mehr und mehr emanzipierte sich der damalige Hauptprotagonist des Instruments, Oskar Sala, von der klassischen Form, um die Möglichkeiten des Instruments als Klangerzeuger ausgiebiger zu nutzen und auszureizen. Pichler streute in sein Konzert zahlreiche Anekdoten und Stories ein: So berichtete er von der Bewunderung der Gruppe Kraftwerk für den Urvater der elektronischen Musik, die dieser  in keine Weise teilte noch erwiderte. Für Sala war Kraftwerk schlicht "Unterhaltungsmusik" und deshalb nicht ernstzunehmen, eine Engstirnigkeit, die Pichler als äußerst peinlich empfand.

Foto: J. Revitt

Pichler sah sich in der Konzertpause von zahlreichen Wißbegierdigen umringt, die noch mehr über das Innenleben und die Wirkweisen des Trautoniums erfahren wollten, wobei er tapfer Rede und Antwort stand. 

Der Elektroniker demonstrierte dann im 2. Konzertteil die ungeheuren Klangmöglichkeiten, die in der "Wundermaschine" stecken, die von einer sehr einfachen, ja fast primitiven Version immer mehr zu einem komplexen Mixtur-Trautonium ausgebaut wurde, das nun polyphon gespielt werden konnte und auch Akkorde ermöglichte.  

Foto: J. Revitt


Den Höhepunkt von Pichlers Auftritts bildete ein Medley aus Filmen, für die das Trautonium ursprünglich die Filmmusik geliefert hatte und die Pichler jetzt erneut mit dem "live"-gespielten Soundtrack präsentierte. Neben dem Dokumentarfilm "Reise zum Mond", dessen Vertonung einst die NASA in Auftrag gegeben hatte, kamen zum Finale Sequenzen des berühmtesten Films zur Aufführung: Hitchcocks "Vögel", für den Sala einst den kompletten Soundtrack entworfen hatte. Pichler erzeugte dazu die grauenerregenden Klanggeräusche wie Flügenschlagen und Vogelschreie. 

Wegen des großen Interesses erwägt das Theaterhaus in Stuttgart, Pichler mit seinem Trautonium im Herbst noch einmal in die Landeshauptstadt einzuladen.

No comments:

Post a Comment