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Friday, 27 October 2017

EMBRYO (neu formiert) in Stuttgart, Oktober 2017

Der Bandbus (alter Feuerwehrbus) parkte im Hinterhof vor dem Haus. Am Samstagnachmittag, 21. Oktober, haben EMBRYO in Stuttgart ein tolles Konzert im Büro von Manuel Wagner und David Spaeth gespielt. Hier der Video auf youtube:




Beim legendären Popfestival auf der Insel Fehmarn im September 1970 spielten sie gleich nach Jimi Hendrix (seinem letzten Auftritt). 
Später trafen sie Ravi Shankar in Indien und jammten mit Fela Kuti in Nigeria. Embryo ist eine Urformation des Krautrock, die sich mit der Zeit immer mehr von den Rhythmen und Skalen Asiens und Afrikas faszinieren ließ. 
45 Jahre lang leitete Christian Burchard die Gruppe, zu der zeitweise der Jazzpianist Mal Waldron, aber auch Nick McCarthy von Franz Ferdinand gehörte. 
Jetzt hat der Bandleader krankheitsbedingt den Staffelstab an seine Tochter Marja weitergegeben. 
Die junge Posaunistin, Vibrafonistin und Keyboardspielerin, die in den letzten zehn Jahren regelmäßig mit Embryo unterwegs war, hat eine junge schlagkräftige
Truppe zusammengestellt, bei der u.a. der „Funk“-Meister JJ Whitefield (Poets of Rhythm) Gitarre spielt und Wolfi Schlick (Express Brass Band) Saxofon.

Mehr Infos zur Bandgeschichte:
http://christophwagnermusic.blogspot.co.uk/2012/08/embryo-krautrockurgestein-bandleader.html

Wednesday, 9 April 2014

FRANZ FERDINAND auf Tour in Zürich

Knackige Popsongs

Franz Ferdinand bringen die Fans in Fahrt
                                                                                         Foto: Manuel Wagner

cw.Im letzten Jahr erschien ihr viertes Album. Jetzt ist die britische Rockband Franz Ferdinand unterwegs, um es “live” vorzustellen. Sechs Wochen geht es quer durch Europa, dann nach einer Pause drei Wochen in die USA. Die Band hat nichts von ihrer Zugkraft eingebüßt und füllt immer noch spielend Arenen mit einer Kapazität von bis zu 6000 Zuhörern.

Weil sie als superbe und mitreißende “Live”-Band gilt, ist Franz Ferdinand weltweit gefragt,  Nach München, wo sie im “Zenith”, dem größten Event-Areal der Bayern-Metropole auftraten, stellte die Band in Zürich vor 1500 begeisterter Fans ihre Klasse abermals unter Beweis, bei einem Konzert im Mega-Club “x-tra”, das seit Wochen ausverkauft war.

In den zwölf Jahren ihres Bestehens hat das Quartett aus Glasgow ein Erfolgrezept entwickelt, das die Fans auf die Beine bringt: Sein schnörkelloser Rock wird getragen von einem starken wummernden Baß, einem wuchtigen Disco-Beat vom Schlagzeug, dazu scharfen, abgehakten Gitarrenakkorden sowie Melodien, die unmittelbar ins Ohr gehen. Ein besonderes Talent besitzt die Band für unnachahmliche Gitarrenriffs, die sich messerscharf in die Gehörgänge bohren und einen unwiderstehlich Sog entfalten. Franz Ferdinand weiß, wie man knackige Popsong baut und sie auf der Bühne effektvoll in Szene setzt.
 Foto: Manuel Wagner                                                                                                    
Im Zentrum des Geschehens steht Sänger und Gitarrist Alex Kapranos. Sein einprägsames Stimmorgan gibt den Songs Charakter. Locker tänzelt er im einheitlichen Bühnenanzug ums Mikrofon und bringt mit Show-Einlagen Leben in die Bude. Die Luftsprung-Varianten dürfte er vom Gitarren-Veteranen Pete Townsend von The Who abgeschaut haben.

Zusammen mit Nick McCarthy schreibt Kapranos alle Songs der Band. McCarthy gehört die linke Bühnenseite, wo er mit Verve seine elektrische Gitarre traktiert, aber auch öfters den Synthesizer anwirft, um die Musik für kurze Sequenzen in ein elektronisches Klangbad zu tauchen. Todesmutig unternimmt er gegen Ende des Konzerts ein verwegenes “Stage-Diving”: Auf dem Rücken liegend wird er vom den Händen des Publikum weitergereicht, ohne dabei mit dem Gitarrenspiel aufzuhören. Dazu rockt eine Rhythmusgruppe, die sich nicht in Feinheiten verliert, sondern wie eine Dampfwalze zu Tal donnert.
                                                                                         
Über die zwölf Jahre ihres Bestehens hat die Band aus Glasgow einen Fundus von Hits angesammelt, der es leicht macht, einen Auftritt zu einem eindrücklichen Konzerterlebnis zu machen. Einige der besten Songs von Franz Ferdinand wie “Take me out”, “Do You Want To” und “Ulysses” sind inzwischen zu Hymnen geworden, die das Publikum begeistert mitsingt. Zur Musik kommt eine raffinierte Light-Show, die konstruktivistisch-futuristische Graphikelemente wie Kreise, Linien, Nummern und Quadrate mit Blitzgewittern kombiniert, manchmal die Bühne auch in ein intensives Blau oder tiefes Lila taucht.
                                                                                                      Foto: Manuel Wagner

Franz Ferdinand folgten in Zürich einer ausgeklügelten Dramaturgie, die gleich zu Beginn mit ein paar Krachern das Publikum in Hochstimmung versetzte. Danach wurden eine Reihe ruhigere Lieder wie “Walk away” angestimmt und leisere Töne angeschlagen, bevor die Band zum Ende wieder gezielt dem Höhepunkt zusteuerte. Zugaben blieben dabei nicht aus!

Der Artikel erschien zuerst im Schwarzwälder Bote, große Tageszeitung in Südwestdeutschland.

Sunday, 25 August 2013

FRANZ FERDINAND: Interview mit NICK McCARTHY

Neues Album von FRANZ FERDINAND 

"Wir waren künstlerisch total ausgelaugt!"


Franz Ferdinand kommen gerade mit einem sehr guten neuen Album auf den Markt:  "Right Thoughts, Right Words, Right Action" Pfeilgerade Melodien, kraftvolle Beats, griffige Songs, die sofort auf den Punkt kommen:  keine Schnörkel, kein eitles Rumexperimentieren. Ein rundum gelungenes Popprojekt - äußerst hörenswert!

Nick McCarthy (im Bild vorne links), Gitarrist, Keyboarder und mit Sänger Alex Kapranos einer der beiden Songschreiber von Franz Ferdinand (der übrigens seine Lehrjahre in den 90er Jahren bei der Münchner Weltmusikband Embryo absolviert hat), erzählt im Interview mit Christoph Wagner über die Entstehung der neuen Platte "Right Thoughts, Right Words, Right Action", das beinahe Ende der Band und wie sie sich nach einer Schaffenskrise wieder berappelt haben.


Nach vier Jahren gibt es ein neues Album von Franz Ferdinand. Warum hat es so lange gedauert?

Nick McCarthy: Wir waren nach dem letzten Album zwei Jahren lang fast pausenlos unterwegs, und schon davor hatten wir eine Tour nach der anderen absolviert. Da war es wirklich Zeit für eine Pause! Wir haben ein Jahr Auszeit genommen, weil wir künstlerisch ausgelaugt waren – total leer! Ich hatte keine Lust mehr auf gar nichts. Wir waren nicht einmal sicher, ob es mit der Band weitergehen würde, so ausgebrannt waren wir. Nicht dass wir uns verkracht hätten, wir waren nur einfach froh, uns einmal längere Zeit nicht zu sehen. Ich persönlich habe fast ein halbes Jahr lang keine Musik mehr gemacht. Vom Touren runterzukommen, sich zu regenerieren, ist ein langwieriger Prozeß. Ich war kreativ völlig ausgepumpt. Erst nach Monaten ging es langsam wieder. Ich habe angefangen, ein bisschen Klavier zu spielen. Dann habe ich mich mit meinem Bandkollegen Alex Kapranos getroffen. Ein Jahr lang haben wir an dem neuen Album gearbeitet.

Wir kam das Album zustande?

McCarthy: Alex Kapranos und ich schrieben die Songs. Einer hatte eine Idee, ein paar Akkorde oder einen Chorus, und dann hockten wir zusammen und bastelten einen Song daraus. Die Lieder sind alle auf akustischen Instrumenten entstanden: Lagerfeuerlieder, Sing-Along-Songs!  Das Vorgänger-Album hatten wir dagegen im Studio fabriziert und die Lieder aus Grooves entwickelt. Wir haben damals viel improvisiert und dann am Mischpult die besten Teile zusammengeschnitten und zu Songs zusammengebaut. Es wurde unser experimentelles Album. Dieses Mal wollten wir es anders machen. Wir schrieben zuerst die Songs und machten uns dann mit der ganzen Band ans arrangieren. Sofort gerieten wir wieder ins alte Fahrwasser. Das wollten wir nicht. Da langweilt man sich nur selbst. Irgendwie mussten wir aus diesem Käfig ausbrechen.

Welcher Ausweg bot sich an?

Nick McCarthy: Wir haben mit verschiedenen Co-Produzenten gearbeitet, obwohl wir uns eigentlich dieses Mal selbst produzieren wollten. Einer der Partner waren Hot Chip. Wir stehen auf deren Musik, deshalb bot sich eine Zusammenarbeit an. Joe Goddard und Alexis Taylor kamen ins Studio und wir haben Ideen hin- und hergeworfen. Wir wollten neue Inspiration in unseren kreativen Prozeß einbringen, nicht immer nur im eigenen Saft schmoren.

Gab es einen konkreten Plan für die Produktion?

Nick McCarthy: Nicht wirklich. Wir wollten vor allem nicht die Fehler von früher wiederholen. Bei der Arbeit am letzten Album sind wir eineinhalb Jahre zusammen im gleichen Zimmer gehockt. Das war zu viel. Das wollten wir diesmal vermeiden.



Die Einflüsse auf dem neuen Album reichen weit. Selbst Anklänge an die sechziger Jahre sind auszumachen.

Nick McCarthy: Auf einem Stück setzen wir eine Sitar ein, eine Referenz an die späten Sechziger, was uns aber eher unterbewußt passiert ist - ein ironisches Augenzwinkern. Wir haben diesen Track, das Titelstück der Platte, im Studio von Mark Ralph in Westlondon aufgenommen, auf einem Mischpult, das vom legendären Studioingenieur und Proudzenten Conny Plank aus Deutschland stammt. Ein selbstleuchtender Sticker in Sternenform von Nina Hagen klebt da noch auf einem Kompressor – total verrückt! Mark Ralph rief einen Sitarspieler in der Nachbarschaft an, der gleich vorbeikam.

Der Titel des Albums “Right Thoughts, Right Words, Right Action” kann politisch gedeutet werden. Ist er so gemeint?

Nick McCarthy: Es ist eher eine Art Lebensmotto, das man aber nicht zu Ernst nehmen sollte. Es freut mich, dass der Text zu verschiedenen Interpretationen anregt. Auf dem Albumcover ist der Titel von drei roten Pfeilen unterlegt, die in eine Richtung weisen. Der weiße Pfeil unter dem Bandname zeigt in die entgegengesetzte Richtung. Es ist also alles nicht so eindeutig. Vermeintlich richtige Gedanken, Worte und Taten können sich leicht als falsch erweisen. Das “Richtige” gibt es doch gar nicht.