Die Waldeck-Festivals, die unter dem Motto "Chanson, Folklore International" jährlich von 1964 bis 1969 auf der Burg Waldeck im Hundsrück stattfanden, gelten allgemein als die Wiege der deutschen Liedermacher- und Folkszene. Dort sind sie alle aufgetreten: Reinhard Mey, Franz-Josef Degenhardt, Hannes Wader, Walter Mossmann, Christof Stählin, auch Colin Wilkie & Shirley Hart, John Pearce, Phil Ochs und Odetta. 1969 bekam das Festival psychedelisches Flair, als Rockgruppe wie Xhol Caravan und Tangerine Dream auf dem Programm standen. Das Plakat dokumentiert diesen Wandel auf exemplarische Weise. Der Zeitgeist begann sich zu drehen.
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Sunday, 14 July 2024
Pop-Archäologie: Plakat Waldeck-Festival
Monday, 17 October 2016
Zum Tode von WERNER LÄMMERHIRT (1949-2016)
Mitte der siebziger Jahre, als wir in Balingen mit der ZAK-Musik (Zollernalbkreis-Musik) Konzerte veranstalteten, holten wir auch für einen Auftritt den akutischen Gitarristen Werner Lämmerhirt in die Stadt. Wir standen auf solch leise Folkgitarrenmusik und hatten auch schon David Qualey und Sammy Vomacka für Auftritte engagiert. Dieser Finger-Picking-Style war damals groß in Mode und die Eberthalle mit 250 Zuhörern gut gefüllt. Werner Lämmerhirt übernachtete bei uns daheim, was sehr nett war - wir haben ihn dadurch etwas näher kennengelernt als bescheidenen und freundlichen Typen. Berühmt hatte ihn die Mitwirkung bei einigen Schallplatten von Hannes Wader gemacht. Im Konzert verblüffte er durch bestechende Virtuosität. Wir verloren ihn danach aus den Augen, als die Folkwelle verebbte und sich unser musikalisches Interesse anderen Stilen zuwandte. Er machte wohl weiterhin Musik, trat auch immer noch auf. Vor ein paar Monaten fand ich zu meiner Überraschung sein Album 'Session - with friends, for friends' von 1975 (es war sein zweites) auf dem Flohmarkt in Hebden Bridge, Nordengland (immer mittwochs), das ich nicht stehen lassen konnte (£ 1), obwohl ich es schon hatte. So weit war seine Musik herumgekommen - bis ins Land von Bert Jantsch, John Renbourn und Wizz Jones, mit dem er 1981 eine Platte aufnahm (Titel: Roll On River). Ein Freund hat die beiden Ende der 1970er Jahre in Tuttlingen gehört und beschreibt den Auftritt als eines seiner "absoluten Konzert-Highlights". Jetzt erfahre ich, dass Lämmerhirt 67jährig verstorben ist. Wednesday, 4 June 2014
Zum 50. Jahrestag des 1. Waldeck-Festivals 1964
Liedfest auf der Burg
Vor 50 Jahren begann die
deutsche Liedermacherbewegung
cw. Popsongs oder Chansons in deutscher Sprache werden
heute als selbstverständlich betrachtet. Das war nicht immer so! Erst in den
sechziger Jahre entstand in Westdeutschland eine junge Liedbewegung, die sich wieder
in der Muttersprache ausdrückte. Franz Josef Degenhardt, Reinhard Mey und
Hannes Wader wurden zu Stars der neuen Szene. Einmal im Jahr trafen sich diese
Songpoeten damals auf der Burgruine Waldeck im Hundsrück zu einem Festival, das
zur Wiege der bundesrepublikanischen Liedermacher-Bewegung wurde.
Dieses Jahr wird vom 6. bis 8.
Juni auf
der “Waldeck” wieder ein Liederfest gefeiert. Veteranen
wie Hein & Oss Kröher, Christof Stählin und Walter Mossmann werden
Rückschau auf ein Ereignis halten, das 1964 zum ersten Mal stattfand. Dazu
kommen junge Sängerinnen wie Dota Kehr oder Gruppen wie Tschaika und
Schlagsaite, die zeigen, was heute aus den Anstößen geworden ist. Ein
Dokumentarfilm von Gabi Heleen Bollinger, der gerade auf DVD erschienen ist,
zeichnet die Entwicklung über ein halbes Jahrhundert nach.
“Ein Programm ist gemacht
worden über das ganze Gelände. Auf der
Hauptbühne, aber auch an kleineren Konzertorten - in Hütten und Jurten
-fanden Veranstaltungen statt,” erinnert sich der Hechinger Liedermacher
Christof Stählin, der damals dabei war. “Nachts haben überall Feuer gebrannt
und es ist gesungen worden. Da ist tagaus tagein und nachtaus nachtein
musiziert worden.”
Die Waldeck-Premiere 1964
brachte zum ersten Mal Liedpoeten, Kabarettisten, Barden und Bänkensänger an
einem Ort zusammen. Sie schufen die Grundlagen für eine neue deutsche
Liedtradition, die sich als gesellschaftskritisch und demokratisch verstand und
von französischen Chansons, Freiheitsliedern, Landstreicher-Balladen,
Brecht-Moritaten und amerikanischen Folksongs beeinflußt war. Georges Brassens
und Bob Dylan gaben die Richtung vor.
Franz Josef Degenhardt auf der Waldeck
Zum ersten “Festival für
Chanson und Folklore International” kamen 350 Besucher. Im darauffolgenden Jahr
waren es bereits 2000. Aufbruchstimmung machten sich breit. “Die Sensation
waren Sänger, die ihre eigenen Lieder machten,” erinnert sich Stählin. Die
aufgewühlte Atmosphäre der Studentenrebellion prägte ab 1967 das Festival. Ein
ideologischer Riss tat sich auf zwischen den Protestsängern und den weniger
politischen “Privatlieder”-Machern, die mehr und mehr ins Abseits
gerieten. Reinhard Mey sah sich heftiger Kritik ausgesetzt. Eine hitzige
Debatte entbrannte.
Reinhard Mey auf der Waldeck
1968 platzte das Festival aus
allen Nähten. 5000 Besucher strömten auf das Burggelände und brachten die nur
rudimentäre Infrastruktur an den Rand des Kollaps. Die politischen Konflikte
schwelte weiter. Es kam zu Bühnenbesetzungen. Auftritte wurden gestört.
Kabarettisten wie Hanns-Dieter Hüsch wurden attackiert. Ein Jahr später dann
das Finale: Das Waldeck-Festival passte sich dem neuen Zeitgeist an -
Diskussionen, Teach-Ins, Underground-Rock und Gegenkultur dominierten das
Programm, die Lieder wurden an den Rand gedrängt. Damit war der Endpunkt
erreicht. Das Festival löste sich sang- und klanglos auf.
Die Auszeit währte lange. Erst zum 40. Jahrestag des ersten Festivals gab es 2004 eine Nachfolgeveranstaltung. Danach kam langsam wieder ein Festival zustande, das allerdings nicht mehr an die Bedeutung der ursprünglichen Waldeck-Festivals anknüpfen konnte. Junge Liedermacher und Folkgruppen geben sich seither alljährlich auf der Burgruine ein Stelldichein - so auch dieses Jahr! Selbst 50 Jahre nach dem ersten Festival wirkt der Geist der Waldeck immer noch inspirierend.
Der Artikel erschien zuerst im Schwarzwälder Bote, große Tageszeitung in Südwestdeutschland.
cw. Popsongs oder Chansons in deutscher Sprache werden
heute als selbstverständlich betrachtet. Das war nicht immer so! Erst in den
sechziger Jahre entstand in Westdeutschland eine junge Liedbewegung, die sich wieder
in der Muttersprache ausdrückte. Franz Josef Degenhardt, Reinhard Mey und
Hannes Wader wurden zu Stars der neuen Szene. Einmal im Jahr trafen sich diese
Songpoeten damals auf der Burgruine Waldeck im Hundsrück zu einem Festival, das
zur Wiege der bundesrepublikanischen Liedermacher-Bewegung wurde.
Franz Josef Degenhardt auf der Waldeck
Reinhard Mey auf der Waldeck
1968 platzte das Festival aus
allen Nähten. 5000 Besucher strömten auf das Burggelände und brachten die nur
rudimentäre Infrastruktur an den Rand des Kollaps. Die politischen Konflikte
schwelte weiter. Es kam zu Bühnenbesetzungen. Auftritte wurden gestört.
Kabarettisten wie Hanns-Dieter Hüsch wurden attackiert. Ein Jahr später dann
das Finale: Das Waldeck-Festival passte sich dem neuen Zeitgeist an -
Diskussionen, Teach-Ins, Underground-Rock und Gegenkultur dominierten das
Programm, die Lieder wurden an den Rand gedrängt. Damit war der Endpunkt
erreicht. Das Festival löste sich sang- und klanglos auf. Die Auszeit währte lange. Erst zum 40. Jahrestag des ersten Festivals gab es 2004 eine Nachfolgeveranstaltung. Danach kam langsam wieder ein Festival zustande, das allerdings nicht mehr an die Bedeutung der ursprünglichen Waldeck-Festivals anknüpfen konnte. Junge Liedermacher und Folkgruppen geben sich seither alljährlich auf der Burgruine ein Stelldichein - so auch dieses Jahr! Selbst 50 Jahre nach dem ersten Festival wirkt der Geist der Waldeck immer noch inspirierend.
Der Artikel erschien zuerst im Schwarzwälder Bote, große Tageszeitung in Südwestdeutschland.
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