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Thursday, 16 April 2026

Ralph Alessi beim Jazzclub Singen

Konzentrierte Andacht

Der amerikanische Trompeter Ralph Alessi und sein Escalation Quartet in Singen


Fotos: C. Wagner


Neben Dave Douglas, Kirk Knuffke und Taylor Ho-Bynum, die alle schon beim Jazzclub Singen zu Gast waren, gilt Ralph Alessi als einer der besten Blechbläser der aktuellen amerikanischen Jazzszene: Jetzt machte der Trompeter mit seinem Escalation Quartet auf seiner Europatournee einen Abstecher aus Italien nach Singen in die Gems, um zu demonstrieren, was es heisst, modernen Jazz auf höchstem Niveau zu spielen. 

Der Pianist Matt Mitchell, Ches Smith am Schlagzeug und der Bassist John Hébert bilden seine Band, die allesamt zum Spitzenpersonal der New Yorker Jazzszene gehören, das immer noch führend auf der Welt ist, wenn ihm auch Berlin allmählich den Rang abläuft.


Makellose Spieltechnik und große Virtuosität, dazu viel Fantasie und Originalität sind die Qualitäten, die heute einen hervorragenden Jazzmusiker ausmachen, und Alessi und seine drei Mitstreiter verfügen über jede dieser Tugenden.



Impulsiv geht Schlagzeuger Ches Smith zur Sache, der seine Lehrjahre in konventionellen Jazzbands sowie beinharten Rockgruppen verbrachte, was man seinem dynamischen Spiel anmerkt. Pianist Matt Mitchell läßt die Töne nur so aus der Tasten perlen, während John Héberts zupackende Basslinien für klare Konturen und feste Erdung sorgen. Mit einer Reihe von Dämpfern variiert der Bandleader den Klang seiner Trompete und sorgt so für klangliche Vielfalt.


Alessi bringt diese Fähigkeiten von sich und seinen Mitstreitern in Kompositionen zur Entfaltung, die oft vertrakt wirken, kontrapunktisch verschachtelt sind und mit überraschenden Stopps und Akzenten arbeiten, obwohl er auch lyrische Balladen im Repertoire hat, die das Quartett zart und träumerisch in Szene setzen. Die Stücke bieten jedem der Musiker die Möglichkeit, in langen Improvisationen ihr ganzes Können und ihre Kreativität unter Beweis zu stellen. Im Laufe des Konzerts gelang es dem Ensemble, die Zuhörer mehr und mehr in den Bann zu ziehen und eine Stimmung zu erzeugen, die hoch konzentriert und ergriffen eher einer Andacht glich.




Tuesday, 14 January 2025

SCHEIBENGERICHT Nr. 34: Anna Webber Trio

Math-Rock als Modern-Jazz gespielt 

Anna Webber im Simple Trio

 

Stillstand kennt Anna Webber nicht. Die New Yorker Jazzmusikerin steuert mit jedem neuen Album neue Ziele an. Sie mag Herausforderungen, stellt sich knifflige Aufgaben, die sie dann kompositorisch löst. Ihr Metier sind hochkomplexe Tonkonstrukte, die aber paradoxerweise gar nicht diffizil wirken. Kopfmusik, die nicht verkopft klingt – ein Kunststück sondersgleichen. 

 

Der Name des simpletrio2000 mit Matt Mitchell (Piano) und John Hollenbeck (Schlagzeug) kann nur als Witz verstanden werden: Denn die Musik ist alles andere als simpel. Webbers Musik klingt wie Math-Rock als Jazz gespielt, wobei die Strenge und Disziplin der Durchführung beeindruckt. 




 

Auf diesem zweiten Album widmet sich Webber der Erkundung ungerade Metren, die sie in jedem Stück mit einem anderen Klangphänomen koppelt. Tenorsaxofon sowie Querflöte wechseln sich mit dem Piano in der Führungsstimme ab, während das Schlagzeug für ein solides rhythmisches Fundament sorgt, das den jeweiligen Stücken eine Basis gibt und sie zusammenhält.


Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Jedes Stück ist bis ins kleinste Detail durchkomponiert. Nur an vereinzelten Stellen ergeben sich improvisatorische Freiräume. In einem Stück hat das Schlagzeug einen Soloauftritt, ein anderes ist als Saxofonsolo konzipiert. Wer meint, im Jazz passiere nichts Neues, hat offensichtlich Anna Webber noch nicht gehört. 


Anna Webber: simpletrio2000 (Intakt Records)



Zum Reinhören auf bandcamp:


https://annawebber.bandcamp.com/album/simpletrio2000