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Monday, 6 July 2026

The Return of FAUST

 "Ohne Faust wären wir nicht das, was wir heute sind!" (Thom Yorke, Radiohead)

Die Rückkehr von FAUST

Neustart der Krautrock-Pioniere 



FAUST gilt neben Kraftwerk, Can und Tangerine Dream als eine der wichtigsten Gruppen des Krautrock. Die Band hat weltweit Spuren hinterlassen. Unzählige Musiker auf dem Globus ließen sich von ihren experimentellen Sounds inspirieren.Ohne Faust wären wir nicht das, was wir heute sind!” räumt Radiohead-Sänger Thom Yorke unumwunden ein, und auch Wayne Coyne von den Flaming Lips outet sich als Faust-Fan.


Hans Joachim Irmler, seines Zeichens Keyboarder der Band, war von Anfang an dabei. 1970 gegründet, kam Faust zu Prominenz, als die Plattenfirma Polydor im Krautrock-Fieber Ausschau nach einer vielversprechenden einheimischen Rockgruppe hielt. Faust-Manager Uwe Nettelbeck konnte Polydor die völlig unbekannte Gruppe aus Hamburg schmackhaft machen. Hunderttausende Mark wurden in die Formation gesteckt in der Hoffnung, dass die Band sich als Sensation entpuppen und sich die Investition rentieren würde. Man hoffte auf die neuen Beatles.




Mit dem Vorschuss zogen die sechs Musiker in ein ehemaliges Schulhaus in Wümme bei Bremen und begannen mit Klangcollagen zu experimentieren. Im ehemaligen Klassenzimmer wurde ein Studio eingerichtet, wo sie Tonschleifen, elektronische Sounds, monotone Beats und Ohrwurm-Melodien zum FAUST-Sound verschmolzen.Wir haben versucht, etwas völlig Eigenständiges zu finden und wollten nicht die ollen Klischees der Rockmusik reproduzieren,” erinnert sich Urmitglied Irmler. „Alles, was z. B. mit Blues zu tun hatte, war verpönt."


Faust in Wümme (Sammlung HJ Irmler)



Faust produzierte zwei Alben, die wenig Aufsehen erregten. Ja, die Kritiken fielen eher negativ aus. Nur in England spitzte man die Ohren. Als der Durchbruch ausblieb, drehte Polydor den Geldhahn zu und stoppte das Experiment. In England, wo die beiden Alben der Band viel Beachtung gefunden hatten und etwa vom Star-DJ John Peel hoch gelobt wurden, bekamen Faust daraufhin beim neugegründeten Virgin-Label einen Vertrag – als erste Band überhaupt. 


Man zog für Wochen ins Manor House in Oxfordshire, wo Virgin Studioräume eingerichtet hatte, und bastelte an einem neuen Album, während zur gleichen Zeit Mike Oldfield im Studio nebenan sein Album „Tubular Bells" aufnahm. 


Und mit ihrer ersten Veröffentlichung auf Virgin Records – "The Faust Tapes" mit Namen  –kam der  Durchbruch. Als Werbegag verkaufte  das Label die LP zum Preis einer Single, was das Album voll experimentellen Avantgarde-Rocks bis auf Platz 9 der britischen LP-Charts katapultierte und Faust zu einem "household name" machte.


Allerdings waren auch in Großbritannien die Gesetze des Marktes nicht außer Kraft gesetzt. Virgin versuchte Faust, in eine kommerziellere Richtung zu drücken, was sich die Musiker nicht bieten ließen. Als die Band sich weigerte, gefälligere Musik zu machen, zog Virgin den Stecker, was die Gruppe nötigte, ebenfalls das Handtuch zu werfen. 


Die Musiker von Faust blieben in Kontakt. 1988 organisierten die beiden Faust-Mitglieder Hans Joachim Irmler (Keyboards) und Zappi Diermaier (Drums) in Braunschweig ein dadaistisches Happening namens „Klangbad", das zum Startschuß für eine sporadische Rückkehr von Faust auf die Rockszene wurde. Jetzt trat die Band wieder bei Konzerten und Festivals auf, nicht nur in Deutschland, sondern in der halben Welt, u.a. in Japan und der Londoner Royal Festival Hall, wo sie mit dem Minimalisten Tony Conrad hinter einem riesigen Leinwand agierten. 


Faust (Promofotos. M. Wagner)


Nach einer längeren Auszeit unternimmt Irmler jetzt abermals einen Neustart, wofür er eine All-Star-Besetzung um sich versammelt hat. Mit von der Partie sind Kraan-Drummer Jan Fride und Bassist Michael Stoll von Mandala Movie, die schon früher mit Irmlers Faust gearbeitet haben. Dazu kommt der renommierte Elektroniker Robert Lippok, bekannt durch das Elektro-Trio To Rococo Rot. Die Vier hauchen Faust neues Leben ein, indem sie das experimentelle Erbe der Krautrockpioniere auf die Höhe der Zeit bringen. 



–  Samstag, 17. Oktober 2026; Morphonic Lab XXV, Zentralwerk Dresden, Heidestr. 2 , 01127 Dresden

Info: https://morphoniclab.de/


– Donnerstag, 12. November 2026 (Beginn: 20:00)

 Faust-Studio, Scheer (Alte Papierfabrik, Fabrikstr. 34, 72516 Scheer)  Abendkasse


–  Freitag, 13. November 2026 (Beginn: 20:15)

Theaterhaus Stuttgart, Siemensstr. 11


Tickets:

https://www.theaterhaus.com/en/program-tickets/die-ruckkehr-der-krautrock-pioniere/1355

Saturday, 21 June 2014

Riffs und Miniloops: To Rococo Rot mit Arto Lindsay

Aus der Tiefe nach oben

Neues Album von To Rococo Rot

cw. Im Riff, das sich fortwährend erneuert, erkannte Holger Czukay (einer der Väter der Pop-Avantgarde) das Herzstück aller Rockmusik. Inzwischen ist in der elektronischen Clubmusik der Loop an die Stelle des Riffs getreten. Die Düsseldorfer-Berliner Formation To Rococo Rot, die nächstes Jahr zwanzigsten Geburtstag feiert, bringt beide Elemente zusammen. Die drei Musiker, Robert Lippok (Electronics), sein Bruder Ronald Lippok (Schlagzeug) und der Bassist Stefan Schneider, sind Meister der kleinen Form. Ihre kleinteiligen Riffs und Miniloops besitzen eine hypnotische Kraft, die einen starken Sog entfalten.

To Rococo Rot stellen die Gepflogenheiten des Pop auf den Kopf, indem nicht die Leadgitarre oder die Keyboards das Leitmotiv übernehmen, sondern die Bassgitarre. Eingehüllt in elektronische Klangnebel, die fortwährend wiederkehren und dabei ganz allmählich die Farbe wechseln, dringt die “hookline” aus der Tiefe nach oben.

Verstand sich die Band bisher als Instrumentalenemble, hat sie sich für das neue Album den Sänger Arto Lindsay an Bord geholt, der in drei Nummern den Vokalpart übernimmt.
Arto Lindsay
Lindsay, ein Urgestein der New Yorker Post-Punk- und No Wave-Szene der 80er Jahre, ist ein Vokalist von abgeklärter Coolness, der es versteht, mit Lakonie eine Melodie zum Klingen zu bringen.

Doch das Album hält noch andere Überraschungen bereit. Wie ein Fremdkörper in der elektronischen Klangwelt wirkt ein akustisches Pianoriff, das aus gewaltigen Tastensprüngen entsteht. Im Schlußstück kommt Arto Lindsay als (Anti-)Gitarrist zum Zuge. Seine bekannten Feedback-Exerzitien injizieren ein Element von Chaos und Aufruhr in die präzise konstruierte Musik. Lindsays melancholisch-versonnerer Gesang über den “Longest escalator in the world” versinkt am Ende in einem Meer aus Lärm, um in sanften Klangwellen zu verebben.


To Rococo Rot: Instrument (City Slang)

Wednesday, 28 November 2012

Review 2012 #5: Robert Lippok's Highlights

ROBERT LIPPOK, Elektroniker von To Rococo Rot, Berlin



My Highlights 2012

Releases:

ÉLG:  Mil Ploton (Alter)
Mark Fell: Sentielle Objectif Actualité (Editions Mego)

Concerts & DJ:

Tolouse Lowtrax DJ Set - Salon Des Amateurs - Düsseldorf / 10.10.
Palais Schaumburg / Hannover / 24.08.
Grischa Lichtenberger / Villa Massimo Rom / 07.09.

Other cultural events:

The drive from Bamako to Segou / Mali / 10.02.
Late afternoon sky over Chemnitz / Germany / 16.11. / 16:30 pm
A walk with the English Journalist Sheikh Ahmed through Soho. 22.07.


Latest release:
to rococo rot / rocket road 1997 -2001 / City Slang 2012

Friday, 21 September 2012

HÖREMPFEHLUNG 4: BILL- Elektronik-All-Star-Band


Elektronik-Swing

Ein neues Bandprojekt bringt vier musikalische "Heavyweights" zusammen
                                                                                                                                                             Foto: Manuel Wagner
von Christoph Wagner
Eigentlich sollte es für einen Festivalauftritt eine Ad-Hoc-Band um den englischen Dub-Bassisten Jah Wobble werden mit seinem alten Kumpan Jaki Liebezeit am Schlagzeug, Hans Joachim Irmler von Faust als Keyboarder plus Wobbles Holzbläser Clive Bell. Doch dann machte Wobble einen Rückzieher. Elektroniker Robert Lippok (To Rococo Rot) sprang ein, was sich als glückliche Fügung erwies, denn ohne Baß öffnen sich musikalisch ganz andere Horizonte im Spannungsfeld von elektronischen Sounds, Improvisation und Grooves.
 
Es beginnt mit einem Knaller. Der Eröffnungstrack “Glasbamboo” ist vielleicht das stärkste Stück des Albums. Lippok sorgt mit dichten Tonkaskaden für ein spannendes Klangdesign, Sounds, die an afrikanische Marimba-Pattern erinnern. Liebezeit hakt sich mit einem hypnotischen Groove ein, während Irmler fantasievolle Melodien und bizarre Klangwellen darüber legt. Eine Flöte tönt mit langen tiefen Tönen von weit her - wie ein Schiffshorn im Nebel. Die Nummer unterstreicht die Konzeption von B.I.L.L.: Die Gruppe steht für einen Ensembleklang, der wenig Gewicht auf Soli legt und die einzelnen Instrumente im klangmalerischen Tutti vereint. 
 
Noch atmosphärischer gibt sich “Miles 2001”. Hier öffnen sich weite Perspektiven, durch die bunte Klangwolken segeln. Wieder gibt ein synkopisches Schlagmuster die Richtung vor, während es im Hintergrund elektronisch scheppert und verzerrte Orgeltöne in weiten Bögen ihre Kreise ziehen. Das Stück macht deutlich, was für das gesamte Album gilt: das Objekt der kreativen Erkundung ist der musikalische Raum, der im Grund unendlich ist. Man nimmt sich Zeit für seine Ausgestaltung, läßt Klänge und Töne fließen und schweben.
 
In “World War 1” geht es ruppiger zur Sache. Mit einem markanten Riff kommt ein  Bauelement der Rockmusik ins Spiel. Das Keyboard-Motiv ist derart beherrschend und erbarmungslos fortwärtstreibend, dass wenig Spielraum für subtilere Einwürfe bleibt. Die dringen wieder imTitel “Das Boot” an die Oberfläche, einem klangmalerischen Unterwasserausflug ohne Schlagzeug.
 
Auf einem zuckenden Laptop-Motiv basiert “The Thrower”. Die Melodica gibt den Ton an, wird von perlenden Klangstrudeln unterspült, bevor ein durchgeknalltes elektronischen Player-Piano-Motiv à la Colon Nancarrow übernimmt. Im Stück “Lovely Endung” versucht die Shakuhachi dem Songtitel gerecht zu werden und zelebriert über einem langsamen monotonen Beat ihren heißeren Klang.
 
Auf dem Klangbad-Festival 2010 feierte B.I.L.L einen vielversprechenden Einstand. Die Einspielung wird den damals geweckten hohen Erwartungen gerecht mit einer Musik ganz auf der Höhe der Zeit, die auf überzeugende Weise die Sounds des digitalen Zeitalters mit Poesie und Körperlichkeit vereint. 

B.I.L.L. (Bell, Irmler, Liebezeit, Lippok): Spielwiese Zwei (Klangbad / Broken Silence)