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Sunday, 30 August 2026

Enthüllungen – Coverart Nr. 1: THE REAL CALYPSO

Bo Diddley paraphrasiert:


"You can't judge a daughter by looking at the mother

You can't judge a record by looking at the cover" – oder doch????





Gestern bin ich wieder einmal auf Schallplattenjagd gewesen und konnte ein paar bemerkenswerte LPs preisgünstig erwerben. Was mir auffiel, als ich mich zweieinhalb Stunden lang durch Kisten von Vinyl wühlte, waren ein paar LPs mit wirklich sehr ansprechend gestalteten Covers, deren Erwerb sich schon allein wegen des Covers gelohnt hätte – ich kaufte sie trotzdem nicht. 

Dabei stieß ich auch auf ein Album des amerikanischen Labels RBF, ein Unterlabel von Moses Asch's Folkways Records. Das Album war von Sam Charters 1966 herausgegeben worden und erhielt wohl anlehnend an Charters Erfolg-LP "The Real Bahamas" den Titel "The Real Calypso". Es ist ein Sampler verschiedener Calypso-Titel unterschiedlicher Künstler aus Trinidad, mit Aufnahmen, die zwischen 1927-1946 entstanden sind, also sogenannten "early recordings", sprich: Schellack-Platten. Wunderbar entspannte Musik aus der Karibik im typischen Calypso-Format! Die LP enthielt noch das wichtige Din A4 Informationsheft mit den Texten und einer Einführung, verfasst von Sam Charters. 

Ein Song von The Atilla & The Lion kommentiert den epochalen Boxkampf zwischen Max Schmeling und Joe Louis von 1936, den der Deutsche überraschend gegen den "Bomber" in der 12. Runder gewann, was als Kräftemessen zwischen Hitler-Deutschland und den USA angesehen wurde, also zwischen Diktatur und Demokratie. Den Rückkampf 1938 entschied Louis in der ersten Runde durch KO-Schlag für sich. Unnötig festzustellen, auf wessen Seite die Sympathien der Calypso-Musiker lagen, die den Afroamerikaner Joe Louis natürlich als einen der ihren verehrten. 

Ich habe Samuel "Sam" Charters 2012 bei einem Aufenthalt in New York getroffen und mit ihm ein langes Interview geführt, in welchem er über seine Feldforschungen sowohl im amerikanischen Süden als auch darüber hinaus erzählte. Das Interview ist in meinem aktuellen Buch "Freak-Sound – Musik abseits der Norm" (edition neue zeitschrift für musik, 2025) enthalten. 

https://christophwagnermusic.blogspot.com/2025/10/buchneuerscheinung-freak-sounds-musik.html

Folkways-Grafiker Roland Clyne
  

Das Design des Covers stammt von RONALD CLYNE und ist in seiner plakativen Kühnheit absolut merkenswert: äußerst reduziert und modern in der Form, klar in der Typografie, beschränkt auf vier Farben. Wie bei den Plattenhüllen von Folkways üblich, wurde auf eine dicke schwarze Kartonhülle, das Blatt mit dem Design geklebt (Heimarbeit!), weswegen Folkways-Platten auch sofort identifizierbar sind. 

RONALD CLYNE war der Hausdesigner von Folkways und hat mehr als 500 Covers für das Label entworfen. Er begann 1948 für Folkways zu arbeiten, wobei ihm Moe Asch den Auftrag gab, eine Formensprache zu entwickeln, die sich von anderen Plattenlabels unterschied und sofort erkennbar sein sollte, was ihm auf exzellente Weise gelungen ist.

Saturday, 14 June 2025

Ann Charters: The Genius of Scott Joplin

FUNDSACHEN

Neulich im Charity-Shop: Ich gehe einen Stapel ausrangierter LPs durch und bleibe bei einem Album  mit dem Titel "Ann Charters: The Genius of Scott Joplin" hängen. 


Ich stutze. Ich kenne eine Ann Charters (Jg. 1936) – hab sie 2012 zusammen mit ihrem Mann in Brooklyn interviewt, dem Blues-Experten Sam Charters. Aber meine Ann Charters war Professorin für amerikanische Literatur, eine Expertin von Jack Karouac und den Beat-Schriftstellern. Mit Sam Charters hat sie als Fotografin in den 1950ern spektakuläre "Recording Trips" unternommen, etwa auf die Bahamas. Ihre Fotos illustrierten dann die LP-Veröffentlichungen auf dem Folkways Label, die aus diesen Reisen hervorgingen. Sam nahm die Musiker auf und schrieb die Texte, sie lieferte die Bilder. Ich inspiziere die Plattenhülle näher und stoße unter dem Erklärungstext auf den Name von Sam Charters. Das kann also kein Zufall sein: Ann Charters war in ihren jungen Jahren eine begabte Ragtime-Pianistin, die Schallplatten aufgenommen hat. 


Wow – das erstaunt mich dann doch: wie ahnungslos man durch die Welt tappt..... Das äußerst aufschlußreiche Interview, das ich damals führte und das sich um Folkways, frühe Bluesaufnahmen, Lightnin' Hopkins und Muddy Waters, aber auch Allen Ginsberg drehte, wird übrigens im September in meinem neuen Buch enthalten sein, das bei Schott/Edition neue zeitschrift für musik unter dem Titel "Freak-Sounds – Musik abseits der Norm" erscheinen wird.

Eine Kostprobe:
Ann Charters: Scott Joplin – Palm Leaf Rag (youtube)




Saturday, 6 May 2023

Arhoolie-Gründer Chris Strachwitz verstorben

“Habe Lightnin' Hopkins gefunden!”

Zum Tod von Chris Strachwitz (1.7.1931 – 5.5.2023), Gründer von Arhoolie Records und der Arhoolie Foundation

CW. Die Geschichte der Emigration schreibt die abenteuerlichsten Biographien: Nach dem 2. Weltkrieg kommt ein 16jähriger Teenager von Deutschland nach Amerika, wo er ein paar Jahre später ein Schallplatten-Label gründet, das zu einem der bedeutendsten Klangarchive amerikanischer Regionalmusik wird. Der Einwanderer heißt Chris Strachwitz, sein Label: Arhoolie Records. Im September 1960 gegründet, hat sich die Firma in den mehr als 50 Jahren ihres Bestehens zu einem der einflussreichsten Rootsmusic-Labels der USA entwickelt und der “Weltmusik” den Weg geebnet.
 
Was für ein Schock muss es gewesen sein, aber auch was für eine Befreiung, als der Teenager 1947 in Amerika an Land ging, geflohen aus Schlesien mit Mutter und Geschwistern vor den russischen Soldaten. Glücklicherweise hatte die Familie eine Großmutter in den USA, die nur zu gerne half. Sie wurde zur ersten Anlaufstelle. Bald fanden sie bei einer der Tanten in Nevada Unterkunft. 
 
In Amerika war alles anders. Verwirrend und überwältigend empfand Christian “Chris” Strachwitz die fremde Umgebung. Neue Eindrücke prasselten auf ihn ein. Wenn man das Radio einschaltete, ertönte eine Musik, wie sie der Teenager noch nie gehört hatte, Klänge, die ihm ziemlich exotisch vorkamen. Aber vielleicht war es gerade dieser fremde Reiz, der ihnen eine so ungeheure Faszination gab. 
 
Rasch lernte Strachwitz zu unterscheiden: Blues, Hillbilly, Gospel, mexikanische Musik. “Ich habe Hillbilly-Platten gekauft, auch Boogie-Woogie und Rhythm & Blues,” erinnert er sich. “Die Schellacks waren richtig teuer und ich habe mein ganzes bisschen Taschengeld dafür ausgegeben.” Im Kino hörte er zum ersten Mal Jazz und war wie benommen. 
 
Nach Schule, College und Wehrdienst trat Strachwitz eine Lehrerstelle in Kalifornien an. In der Freizeit klapperte er Flohmärkte ab auf der Suche nach Schellacks. Sie wurden Ende der 50er Jahren billigst verramscht, als Läden und kleine Schallplattenfirmen für die neuen Vinyl-Singles ihre Lager räumten. Manchmal standen ganze Lastwagen-Ladungen zum Verkauf. Strachwitz nutzte die Gelegenheit. Seine Sammlung wuchs rapide. Viel verkaufte er an Sammler nach Europa. “Auf diese Weise habe ich im Plattengeschäft angefangen. Ich habe alles erstanden, wo ‘Bluessänger mit Gitarre’ draufstand,” erzählt er. 
 
Die Einnahmen investierte der Junglehrer in ein Tonbandgerät und erkundigte sich bei Freunden nach Bluessänger mit der Absicht, sie aufzunehmen. Jesse Fuller wohnte nicht weit, auch K.C. Douglas. “Ungeheure Musiker lebten in der Gegend um San Francisco,” erinnert sich Strachwitz. “Einen lernte man durch den anderen kennen. Ich fing an, Detektiv zu spielen, um Bluessänger aufzuspüren.”
 
1959 erreichte ihn eine Postkarte seines Freunds Sam Charters (heute ein bedeutender Bluesforscher): “Habe Lightnin Hopkins gefunden!” Strachwitz war wie elektrisiert. Sofort schmiedete er Pläne für eine Pilgerreise in den amerikanischen Süden, um den legendären Bluessänger in Houston, Texas aufzustöbern. “Als ich ihn am ersten Abend in dieser winzigen Kneipe hörte, war das unglaublich!” begeistert sich Strachwitz noch heute. “So etwas hatte ich noch nie erlebt, wie er das Publikum in seinen Auftritt einbezog, spontane Verse über die Ereignisse des Tages erfand. Das war phänomenal! Ich dachte: ‘Das müsste man doch einmal so aufnehmen - nicht im Studio, sondern ‘live’ vor Heimpublikum’!” 

 
Im folgenden Jahr reiste Strachwitz abermals nach Houston, diesmal mit einem Tonbandgerät im Gepäck. Auf dem Hinweg machte er in Dallas Aufnahmen mit zwei Bluessängern, doch sein eigentliches Ziel hieß Lightnin Hopkins. Als er in Houston ankam, war die Enttäuschung groß: Der Bluessänger war gerade nach Kalifornien zum Berkeley Folk Festival abgereist! Strachwitz beschloss, seinen Aufenthalt zu nutzen, fuhr aufs Land raus, um andere Bluesmusiker aufzustöbern. Leute, die er fragte, brachte ihn mit Mance Lipscomb in Kontakt, den Strachwitz noch am selben Abend in seinem Wohnzimmer aufnahm. Lipscomb war ein Songster, mit einem riesigen Repertoire. Er kannte Dutzende von Songs, darunter viele Bluestitel, aber auch Balladen, Ragtime-Nummern, Lullabies, Spirituals und Worksongs - viele älter als der Blues. 
 
Die Session war so ergiebig, dass Strachwitz genügend Tonmaterial beisammen hatte, ein eigenes Label aus der Taufe zu heben. Ein Freund schlug den Namen “Arhoolie” vor, ein Wort, das von “Hoolie” herrührt, das wiederum von “Field-Hollers” abgeleitet ist und die Bezeichnung für die heulenden Rufgesänge der schwarzen Baumwollpflücker auf den Plantagen ist. 
 
Im November 1960 lag die erste Arhoolie-Platte vor - Heimarbeit! Das Cover bestand aus schwarzem Karton, auf den Strachwitz mit Freunden am Küchentisch ein Deckblatt geklebt hatte, bedruckt mit dem Name des Künstlers und des Titels: Mance Lipscomb: Texas Sharecropper & Songster. Arhoolie 1001. Vorsichtshalber hatte Strachwitz nur 250 Stück pressen lassen. 
 
Doch das Blues-Revival sorgte für Absatz. Der Verkauf war so ermutigend, dass bald weitere Produktionen folgten: Bluesscheiben von Big Joe Williams, Black Ace und Lil’ Son Jackson. Mit der Zeit weitete sich das Spektrum. Jazz, Barrelhouse-Piano und Gospel brachten andere Töne ins Sortiment. Am Ende der Dekade hatte Arhoolie bereits 50 Titel im Katalog.
 
Oft spielte der Zufall Schicksal. “Als ich 1965 Lightnin Hopkins besuchte, sagte er eines Abends: ‘Hast du Lust meinen Cousin zu hören - Clifton Chenier!’” erzählt Strachwitz. “Ich kannte ein paar Platten von Chenier. Wir gingen in diese kleine schäbige Kneipe, wo er mit seinem riesigen Akkordeon auftrat. Er sang tollen Blues in diesem merkwürdigen Französisch, was sich wunderbar anhörte.”
 
Strachwitz erkannte die Chance. Eine Single wurde aufgenommen, nur Akkordeon, Schlagzeug und Waschbrett. In den Juke-Boxes von Louisiana und Texas hatte der Titel Erfolg, was Clifton Chenier half, wieder Auftritte zu finden und künstlerisch abermals auf die Beine zu kommen. Als “King of Zydeco” wurde er später weltberühmt. Zydeco war die Bezeichnung für den “Louisiana-Blues”, auch “French Blues” genannt, den Chenier spielte.
 
Das Plattengeschäft war beileibe keine Goldgrube, doch verdiente Strachwitz genug, um den Lehrerberuf an den Nagel hängen zu können. Im Sommer 1965 erhielt er einen Anruf, ob er eine Aufnahme für einen Friedensmarsch machen könnte, der in ein paar Wochen in San Francisco stattfinden würde. Eine Single sollte aufgenommen werden, um sie bei der Demonstration zu verkaufen. 
 
Vier Hippiemusiker kreuzten mit ihren Gitarren in Strachwitz’ Wohnung auf, der ein Mikrofon von der Decke baumeln ließ. Alles lief glatt und nach ein paar Anläufen war die Einspielung im Kasten. Beim Gehen, zwischen Tür und Angel, erkundigte sich der Bandleader, was sie ihm für die Arbeit schuldeten. Strachwitz fragte, ob er den Song in seinem Musikverlag veroffentlichen könnte - deal done!
 
Das Lied mit dem Titel “I Feel Like I'm Fixing to Die Rag” von der mysteriösen Jug-Band, die sich als Country Joe & The Fish entpuppte, wurde ein massiver Hit, das bekannteste Lied gegen den Vietnamkrieg und eine der Hymnen einer ganzen Generation. Auf den Woodstock-Alben und im Woodstock-Film spielt der Song eine zentrale Rolle, was Strachwitz einen warmen Geldregen bescherte. Von den Verlagstantiemen konnte er in El Cerrito, Kalifornien, einem Nachbarort von San Francisco, ein Gebäude für seine winzige Firma kaufen. 


 Zu Blues, Gospel, Jazz und Zydeco kam Cajun, Bluegrass, Klezmer und Tex-Mex. Mit der Zeit füllte die ganze Vielfalt der amerikanischen Volksmusikstile den Arhoolie-Katalog. Doch Musik nur akustisch zu dokumentieren, war Strachwitz nicht genug. In den 70er Jahren hatte er 20 000 Dollar erspart, um mit dem Filmemacher Les Blank einen Dokumentarfilm über die Musik im Grenzland zwischen Mexiko und den USA zu drehen. “Die erste Reise führte nach Texas, wo wir Lydia Mendoza ausfindig machen konnte, die große Tejano-Sängerin,“ erinnert sich Strachwitz. “Die zweite Reise war noch ergiebiger. Wir haben viele Musiker getroffen, die wir filmen konnten. Alle waren ungeheuer freundlich, haben uns zu Parties eingeladen. Wir wollten unbedingt die Gruppe Los Alegres De Teran dabei haben, die damals richtige Superstars waren. Durch einen Mittelsmann schaffte wir es, mit Eugenio Abrego, dem Akkordeonspieler, in Verbindung zu treten. Er war überhaupt nicht abweisend, sondern freute sich, dass endlich einmal ein paar Gringos sich für seine Musik interessierten.”
 
Dann machte in den 90er Jahren das Schlagwort “Weltmusik” die Runde, als ethnische Stile aus Afrika, Lateinamerika, Asien und der Karibik im Westen immer populärer wurden. Der neue Trend war Wasser auf die Mühlen von Chris Strachwitz, der durch die Beschäftigung mit der ethnischen Musik Amerikas bereits tief in die sogenannte “Weltmusik” eingedrungen war und darüber hinaus Aufnahmen mit Musikern aus Hawaii, Kuba, Afghanistan, Belize, Mexiko oder Venezuela vorweisen konnte.
 
Eine Exkursion führte nach Peru. Der Folkmusiker und Fotograf John Cohen lag Strachwitz in den Ohren, weil er dort ein fantastisches Plattenlabel entdeckt hatte: “Discos Smith”. Die Firma hatte seit den 60er Jahren exzellente Aufnahmen traditioneller Huayno-Musik veröffentlicht, ein Stil, der aus den Bergen in die Städte gekommen war. 
 
Die Bandbreite der Huayno-Klänge war enorm und reichte von Blaskapellen bis indianischen Gesängen. “Eigentlich wollten wir nur für ein paar Stücke die Linzenzen erwerben, was sich angesichts des Bergs an Tonbändern, die sich in dem kleinen Büro stapelten, als undurchführbar erwies. Wie hätten wir die alle durchhören sollen?” erinnert sich Strachwitz. ”Wir fragten den Labelchef, was es kosten würde, die ganzen 800 Bändern zu kaufen. Wir wurden handelseinig, haben die Bänder in eine große Kiste verpackt und nach Amerika geschafft.” Arhoolie hat dann die besten Aufnahmen auf mehreren CDs veröffentlicht.

Chris Strachwitz über das Sammeln (Youtube)
 
Über die Jahre hatte Strachwitz’ Schellackplatten-Sammlung solche Ausmaße angenommen, dass er für die Wiederveröffentlichung alter Schellackaufnahmen nicht selten auf Schätze seiner eigenen Sammlung zurückgreifen konnte. Ob für eine Doppel-CD mit früher kroatischer Tamburitza-Musik oder ein Album mit historischen puerto-ricanischen Aufnahmen, Strachwitz hatte genug interessantes Material im Kontor.
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Zur Musik kommt die Information. Jede Veröffentlichung von Arhoolie wird von einem dicken Booklet begleitet, das Erklärungen und diskographischer Details über den jeweiligen Stil und die Musiker enthält und den kulturellen und historischen Background beleuchtet. Mit diesem Konzept knüpfte Strachwitz an die Tradition seines Vorbilds, des legendären Folkways Labels an, das der Information fast soviel Gewicht beimaß wie der Musik. 
 
Inzwischen 81jährig hat Strachwitz in den letzten Jahren etwas Tempo weggenommen. Dennoch kommt er noch jeden Nachmittag ins Büro. Eine Stiftung, die Arhoolie Foundation, kümmert sich inzwischen um seine riesige Schellacksammlung und unterstützt Forschungs- und Filmprojekte über regionale Musikstile. Gerade hat die Arhoolie Foundation mit den Autoren Augustin Gurza und Jonathan Clark ein umfassendes Werk über "Strachwitz Frontera Collection of Mexican and Mexican American Recordings" herausgegeben, in dem man alles, aber auch wirklich alles, über die sogenannte Tex-Mex Musik am Rio Grande findet. 

Außerdem gibt Arhoolie immer noch ein paar Alben pro Jahr heraus. Doch das Geschäft wird schwieriger. Der Niedergang der Musikindustrie setzt auch Arhoolie zu. “Kann ein kleines Label wie Arhoolie in einer Zeit überleben, die durch eine totale Überflutung mit Musik aus der ganzen Welt gekennzeichnet ist?” fragt der Labelchef und ist sich der Antwort nicht sicher. Er denkt an Amazon, Youtube, Spotify und illegale Downloads, die Entwertung konventioneller Tonträger generell. Schade, dass es für Arhoolie nicht mehr zum Feiern gibt. Gründe gäbe es genug!
 
Information: www.arhoolie.com
 
Auswahldiskographie:
 
Lightnin Hopkins: The Best of Lightnin Hopkins (Arhoolie CD 499)
Mance Lipscomb: Texas Country Blues  (Arhoolie CD 9026)
Clifton Chenier: Louisiana Blues and Zydeco (Arhoolie CD 9053)
Lydia Mendoza: The Best of Lydia Mendoza (Arhoolie CD 536)
Los Alegres De Teran: Original Recordings 1952-1954  (Arhoolie CD 9048)
Tamburitza! Early Recordings (Arhoolie CD 7051)
Lamento Borincano - Puerto Rican Lament (Arhoolie CD 7037)
Huayno Music Of Peru - Vol. 1 (Arhoolie CD 320)
Huayno Music Of Peru - Vol. 2 (Arhoolie CD 338) 
 

Wednesday, 29 January 2014

PETE SEEGER (1919 - 2014) remembered

Pete Seeger and family on their way to a gig in 1962 at Caffé Lena in Saragota Springs, New York (Foto: Joseph Deuel)

SAM CHARTERS, writer of numerous books about the blues


Yes, I knew Pete.  The world of folk music was very small in those days, and we all knew
each other. Also, both Pete and I were close
to Folkways, beginning in the mid-1950s when Moe Asch began releasing recordings I'd done.  Pete had a kind of innocence that most of us lose somewhere along the way, and he still believed that there was a path there for us to take, and he would help us find it.  I don't know of anyone who could lead people of such different attitudes and opinions along that path - at least for part of the way.  I never sat in an audience where people didn't sing when he set them into different singing groups and in two or three minutes we all were following that enthusiastic voice wherever he was leading us.  Pete and I also knew each other through the singers and the performers I was recording for - first Fokways, then Prestige Records and Vanguard Records.  If there was something exciting that I'd been involved with, I could expect a phone call from Pete.  What I learned from him was that just one person can make a difference, and you don't ever stop.

HAPPY TRAUM, musician with Bob Dylan in the 60s


"I don't know where I'd be today if it wasn't for Pete Seeger. I’m pretty sure I wouldn't have started singing folk songs or playing the guitar and banjo, and there certainly would not have been a lifetime of writing, performing, traveling, teaching and innumerable musical adventures. I might not have even met Jane, whom I originally encountered through folk music and who has shared my life for more than half a century. I owe it all to Pete.

Back in 1954, some high school friends took me to a concert at the Brooklyn Academy of Music. There, on stage, was this tall, skinny guy, standing alone in the spotlight before hundreds of young people, playing his long-neck banjo and singing for, and more importantly with, the crowd. He sang about all manner of things that I had never heard addressed before, and  his energy, enthusiasm and engagement with the audience captivated me, electrified me. I suddenly saw music in a whole new light. It could address social issues and relate to the joys and sorrows, the history and universality, of people everywhere. I watched Pete on stage and I thought, “I can do this too!” As I sang along on "Wimoweh," "Wasn't That a Time,"  "If I Had A Hammer," and "Irene Goodnight,” I felt the thrill of being part of something vast and important. I thought that music was going to change the world.

The next day, I went out and bought a guitar. I found out about Washington Square, went to "hoots" and folk concerts, learned hundreds of songs and sang them with the image of Pete peering over my shoulder. I tried to approximate his stance, his instrumental style, and his cheer-leader's approach to group singing. I sang only songs I thought Pete would approve of, and wore his records thin -- "Darlin' Cory," "The Goofing Off Suite," "Sodbuster Ballads," and anything I could get my hands on by the Weavers. I sang of solidarity with unions, even though I wasn't a worker; peasant chants - and I certainly wasn't a peasant (never even met one). I sang songs in bad Korean, unintelligible Swahili, broken Hebrew, and other languages that Pete sang in. I was one with the miners, the farm hands, the pioneers, the whalers (still politically correct in those days), the “people.”

From the perspective of today, this all seems naive and hopelessly out-dated, but
somewhere deep inside my soul the eternal optimism of Pete's songs still rings
true. I think of those old days as sunny and warm, filled with camaraderie,
friendship and idealism, with Pete's warm voice, gentle humor and thrilling banjo leading our way to a better world. And even if that new world doesn't materialize in our lifetime, I know that one sixteen-year-old's life was irrevocably changed by the revelation of a lone man on a wide stage, singing his songs and becoming one with his audience. Thanks Pete. I'll be forever grateful.



Jeffrey Lewis, Anti-Folk-Singer, New York City
                                                                                                                                     Foto: Manuel Wagner

"In the rock and roll world where rebellion is supposed to go together with dying young, Pete Seeger was an opposite example, showing how much real work it takes to be genuinely revolutionary (not just rebellious) AND keep it up for year after year, decade after decade.  If Pete Seeger had been in the "27 club" he would have died in the 1940s, can you imagine that?!?  Jim Morrison and Kurt Cobain and all those other "rebellious" icons just look like tiny specks compared to a man like Pete who had to keep the spirit and body and dedication and focus and compassion strong for an additional two lifetimes, not just for himself but for the whole world to whom he gave more than most mere musicians can ever hope to.  For young artists of today it's only a small fraction of the picture if you only know the Pete Seeger of his 80s and 90s, or even if you only know the songs from the Weavers; for myself I had mostly given him credit as an omni-present activist more than as a performer until I eventually heard the Almanac Singers recordings and some of Pete's solo recordings to hear what I felt to be his more powerful and resonating material."

Tom Paley, New Lost City Ramblers, London

"I knew Pete Seeger back in the 1940s. I think he was a great man and a true idealist, as well as an important influence on those of us starting out in the world of traditional folk-music. He was always friendly and supportive. Even without him, I'm sure I would have continued in the folk-music field, but his influence was an important factor."


Rennie Sparks, The Handsome Family,  Albuquerque / New Mexico


"Mostly I'm amazed that there was a recent time in American history when Pete Seeger was seen as a dangerous bad guy."