AUS DER ZEITSCHRIFT:
SCHWÄBISCHE HEIMAT 2026-2
AUS DER ZEITSCHRIFT:
SCHWÄBISCHE HEIMAT 2026-2
Die Pop-Revolution der Siebziger
Zeitzeugen berichteten – Schretzmeier, Dannemann und Kümmel gaben Auskunft
Christoph Wagner im Gespräch mit Werner Schretzmeier (Foto: J. Schneider)
Im zweiten Gesprächsteil berichtete Gitarrist Werner Dannemann, ein Urgestein der südwestdeutschen Rockszene, über Konzerterlebnisse in Böblingen und Sindelfingen, die seine musikalische Laufbahn prägten, wobei er vor allen anderen die Gruppen Genesis und Jethro Tull erwähnte. Dabei nannte er das Spiel auf der akustischen Gitarre von Tull-Bandleader Ian Anderson als nachhaltigen Einfluß. Das war recht überraschend, da Anderson ja sonst vor allem als Flötist (auf einem Bein) bekannt ist.
Museumsleiterin Illja Widmann im Gespräch mit Fotograf und Zeitzeuge Harald Kümmel (Foto: J. Schneider)
Werner Dannemann singt JJ Cale (Foto:C. Wagner)
Massenandrang im Stadtmuseum
Es gab nahezu kein Durchkommen mehr, so groß war der Andrang im Stadtmuseum Sindelfingen zur Eröffnung der Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockte" am Samstagnachmittag (14. März 2026). Die Besucher drängten sich im Treppenhaus bei der Begrüßung durch Bürgermeister Christian Gangl, Museumsleiterin Illja Widmann und Kurator Christoph Wagner. Die musikalische Umrahmung übernahm das Duo Take 2 bestehend aus Joachim Pflieger (Piano) und Beatrice Nuber-Mathé (Gesang), die Jazzklassiker in äußerst gekonnter Manier offerierten.
Für den musikalischen Rahmen sorgte das Duo Take 2; Fotos: C. Wagner
Simon Steiner (ex-Punkmusiker mit FAK und Autor des Buchs "Wie der Punk nach Stuttgart kam") im Gespräch mit Hans Schweizer, legendärer Betreiber des Stuttgarter Musikgeschäfts Sound of Music.(Foto: J. Schneider)
VON ABBA BIS ZAPPA im Stadtmuseum
Zuerst das Buch, jetzt die Ausstellung: Wir arbeiten gerade mit Volldampf daran, die Popausstellung im Sindelfinger Stadtmuseum „Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockte“ aufzubauen. Viel Arbeit, aber langsam ergibt sich ein Bild, und das ist exzellent. Wir präsentieren ca. 30 Originalplakate von Popkonzerten aus den beiden Nachbarstädten der Jahre von 1972 bis 1986: Plakate von Konzerten von Police, Kraftwerk, Udo Lindenberg, Queen, Morörhead, AC/CD, um nur ein paar wenige zu nennen.
Fotos: C. Wagner
Das POPKONZERT-TAGEBUCH von HANSJÖRG KNORR
Mein dritter Ausflug, um Exponate für die Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten" abzuholen, führte mich nach Bietigheim-Bissingen zum Arzt Dr. Hansjörg Knorr. "Hanse" war damals und ist wohl bis heute ein begeisterter Rockfan, der ab August 1970 ein Popkonzert-Tagebuch führte, in das er akribisch jeden Auftritt eintrug, den er besuchte mit Kategorien für Gruppe, Besetzung, Ort, Zeit, Spieldauer, Herkunft und Eintrittspreis, also: welche Band in welcher Besetzung wo und wann auftrat; wo die Band her kam, wie lange sie spielte und wie hoch der Eintrittspreis war. Und Hanse war ein überaus eifriger Popkonzertbesucher. Hier sind bis in die 1990er Jahre hunderte von Konzerten eingetragen.
Foto: C. Wagner
Das ist ein unglaubliches Kompendium der Rockkonzertszene im Südwesten, für den Pophistoriker eine unschätzbare Quelle, wobei Hanse Knorr natürlich auch öfters zu Konzerten nach Sindelfingen und Böblingen fuhr. Zudem kommentierte er die Konzerte mit Kürzeln wie z. B. einem großen S für Sturm, bedeutete, das kein Eintritt bezahlt wurde, sondern die Halle bei dem jeweiligen Konzert gestürmt wurde, was Anfang der 1970er Jahre – wie man an seinen Unterlagen sieht – häufig vorkam. Das Popkonzert-Tagebuch wird morgen mit nach Sindelfingen genommen, wo wir die Ausstellung aufbauen. Die Eröffnung ist am Samstag, 14. März 2026 um 17:00 Uhr. Eintritt frei!!!!!Ausstellungsstücke
Jan Fride-Wolbrandt, der Schlagzeuger der deutschen Rockgruppe KRAAN, wohnt nicht nur in Wald (einer Gemeinde in Oberschwaben), sondern sprichwörtlich im Wald auf einem abgelegenen Bauerhaus. Nach Jochen Irmler im Faust-Studio, galt ihm mein nächster Besuch. Es war nicht ganz einfach den Ort zu finden, weil mein Navi ihn nicht orten konnte, so versteckt liegt der Hof. Ich musste mich dann notgedrungen – auf die alte Art und Weise – durchfragen. Hat aber am Ende doch geklappt.
Jan hatte mir für die Ausstellung in Sindelfingen "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten" eine Schlagzeugfußmaschine versprochen, die in der Vitrine Platz finden wird, die die Entwicklung des Bandequipments in den 60er und 70er Jahre dokumentiert.
Foto: C. Wagner
Die Popgeschichts-Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten" wird am Samstag, den 14. März 2026 um 17:00 Uhr im Stadtmuseum in Sindelfingen eröffnet (Eintritt frei!!!) und ist dann bis am 10. Januar 2027 zu sehen. Die KRAAN-Fußmaschine wird dort in einer Vitrine zu bewundern sein.
Kresizeitung Böblinger Bote, 2.5.1972
Hörprobe:Gerade ist der Flyer zu unserer Veranstalungsreihe zur Buchveröffentlichung 'Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten' eingetroffen:
Als die Rockmusik nach Sindelfingen und Böblingen kam
Die lokale Szene – ein voller Erfolg
Foto: C.Wagner
Ein Autogramm von Freddie Mercury
Im „POPtalk & Music” geht es um die lokale Rockszene von Sindelfingen/Böblingen in den 1970er Jahre und ein paar spektakuläre Autogramm-Alben
In den 1970er Jahren wurden Sindelfingen und Böblingen zu Brennpunkten der Popmusik. Zahllose internationalen Rockkonzerte fanden in den beiden Nachbarstädten statt. War das ein Segen oder ein Fluch für die lokalen Rockbands, die sich ebenfalls Gehör verschaffen wollten?
In meinem neuen Buch „Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten (1964 – 1984)” habe ich mich dem Thema gewidmet, das jetzt in einem öffentlichen “POPtalk” am Mittwoch, den 26. November 2025 (Beginn: 20 Uhr) zur Darstellung kommt und erörtert wird.
Die Veranstaltung findet im Pavillon der IG Kultur in Sindelfingen (Calwer Str. 36) statt. Für die musikalische Umrahmung sorgt die Gruppe If You Wanted To, diesmal „unplugged”. Beginn ist 20:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Zuerst wird mit einem Multimediaortrag in das Thema eingeführt und dabei die tonangebenden Rockbands vor Ort von damals vorgestellt, ob Wanted, Baobab oder Chickenfarm, wobei nur eine Band aus Sindelfingen/Böblingen in den 1970er Jahre zu überregionaler Bedeutung kam: Die Rockgruppe Message gab bundesweit Konzerte und veröffentlichte zahlreiche Langspielplatten auf angesagten Labels.
Um die Thematik kurzweilig zu gestalten, sind ein paar Gäste eingeladen, Zeitzeugen, die anhand ihrer persönlichen Erfahrungen als Rockmusiker aus dem Nähkästchen plaudern können. Da ist zum einen Gerhard Schaber, der erste Drummer der Gruppe Message. Werner Schumacher war ebenfalls als Soundmann bei Message aktiv, danach bei der Formation Wanted, wobei der spätere technische Leiter der Sindelfdinger Messehalle auch einst am Mischpult für Eloy, Udo Lindenberg sowie Eberhard Schoener saß, und selbst mit der Gruppe Police gearbeitet hat. Der dritte im Bunde ist Joachim Kupke, Sindelfinger Popurgestein, der schon in den 1960er Jahren mit Les Masques bei Beatwettbewerben auftrat und später als Leadsänger der Gruppe Wanted Beachtung fand.
Der zweiten Teil des Abends ist den spektakulären Autogramm-Alben von Andreas Henkel aus Sindelfingen gewidmet. Als Knirps sammelte Henkel jahrelang die Unterschriften von Prominenten, darunter auch die zahlreicher Popstars. Er erzählt, was geschah, als er Lemmy von Motörhead um eine Unterschrift bat oder Freddie Mercury von Queen wegen eines Autogramms anging.
Rockkonzerte, die in Erinnerung bleiben
3. & 4. POPtalk & Music – Gesprächskonzerte am 15. November zur “Langen Nacht der Museen” im Böblinger Kulturnetzwerk Blaues Haus (20:30) UND im Sindelfinger Stadtmuseum Altes Rathaus (22:30)
Ten Years After mit Bassgitarrist Leo Lyons in Böblingen 1970 (Foto: Martin Schultz)
Hunderttausende von Jugendlichen aus nah und fern strömten in den 1970er und 80er Jahre in die Popkonzerte in Sindelfingen und Böblingen, was die beiden Nachbarstädte für viele erst auf die Landkarte setzte. Unter diesen Musikbegeisterten waren auch etliche angehende Musiker, die mit ihren Bands daheim in den Probekellern in Reutlingen, Heilbronn oder Göppingen ihren Idolen nacheiferten, die sie „live” in Sindelfingen oder Böblingen gehört hatten.
In der Buchneuerscheinung VON ABBA BIS ZAPPA kommen einige davon zu Wort. Sie sind heute Profimusiker, wobei die damaligen Konzerterlebnisse ihre Berufswahl beeinflußt haben. Zwei von ihnen werden im Rahmen der „Langen Nacht der Museen” am Samstag, den 15. November 2025 einige denkwürdige Auftritte Revue passieren lassen und dazu die passende „Live”-Musik spielen. Zwei Auftritte in einer Nacht: um 20:30 im Böblingen Kulturnetzwerk Blaues Haus UND um 22:30 im Sindelfinger Stadtmuseum Altes Rathaus (Hintere Gasse 2). Der Eintritt ist frei.
Jazzpreisträger Ekkehard Rössle
Der junge Fritz Heieck, 1975
BEGLEITPROGRAMM ZUR BUCHVERÖFFENTLICHUNG
Nach zwei Jahren Arbeit erscheint am 10. Oktober 2025 mein neues Buch, das im Auftrag der Stadt Sindelfingen entstanden ist. Es geht um die internationalen Popkonzerte, die in Sindelfingen und Böblingen in den Jahren von 1964 – 1984 stattfanden, als die beiden Städte wegen des Stuttgarter "Pop-Verbots" zum Nabel der Popkonzertszene im Südwesten wurden.
Das Buch wird in fünf Veranstaltungen im Herbst der Öffentlichkeit vorgestellt. Der offizielle "book launch" ist in Sindelfingen am Freitag, 10. Oktober, in Böblingen am Samstag, 18. Oktober.
Hier das genaue Programm: