Showing posts with label Motörhead. Show all posts
Showing posts with label Motörhead. Show all posts

Friday, 13 March 2026

Von Abba bis Zappa – Ausstellungseröffnung

Größte Popkonzertplakatausstellung weit und breit

Alles aufgebaut, alles fertig: Am Samstag, den 14. März 2026 (17:00 Uhr) öffnet das Sindenfinger Stadtmuseum (Altes Rathaus) seine Pforten für die Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten". Eine Fülle von Originalplakaten und Tickets, auch Fotos und andere Memorabilien, sind dort zu sehen, von Popkonzerten, die zwischen 1972 und 1986 in den beiden Nachbarstädten stattfanden. 

Und hier trat buchstäblich jeder auf, der in der Popwelt Rang und Namen hatte: Queen, AC/DC, Motörhead, Kraftwerk, Genesis, The Who, Kool & The Gang, Rory Gallagher – you name it! 

Hier die Vitrine, die den Wandel im Equipment der populären Musik dokumentiert mit Instrumenten, die damals wirklich von Gruppen wie Kraan oder Message in der Böblinger Sporthalle oder der Sindelfinger Ausstellungshalle gespielt wurden. Das Saxofon z. B. ist von Simon Steiner, der 1982 im Vorprogramm von Fehlfarben mit der Stuttgarter Punkband FAK auftrat. Die Fußmaschine, auf dem Boden davor plaziert, hat Jan Fride zur Verfügung gestellt, der als Drummer von Kraan dort 10 Jahre zuvor aufgetreten war. Die Konzertplakate in dieser Virtine stammen von einheimischen Bands wie Quintet plus One, Baobab oder Rock 'n' Blues. Und der Kopfhörer wurde von Werner Schumacher verwendet, der als Soundmann mit Eberhard Schoener, Police, Eloy und Udo Lindeberg hier auftrat.


 

Sunday, 17 August 2025

War "Motörhead"-Lemmy (1945-2015) ein Neo-Nazi?

Hakenkreuz am Gitarrenhals

Man weiß: Der Bandleader von Motörhead hatte merkwürdige Vorlieben. Lemmy hat Nazi-Memorabilia gesammelt, aber immer verneint, dass er Sympathien für die nationalsozialistische Ideologie hegen würde. Jetzt ist mir in einem Melody Maker von 1970 ein Foto von Hawkwind (Hit: Silvermachine) untergekommen, der Band, in der der 25jährige damals Bassgitarre spielte und sang, bevor er Motörhead gründete. Auf diesem Foto ist deutlich oben an seinem Baßgitarrenhals ein Hakenkreuz zu erkennen. Wie ist das mit seinen Beteuerungen in Einklang zu bringen? Was ist von seiner Distanzierung zu halten? 

Selbstverständlich konnte man in England problemlos jeden aus der älteren Generation auf die Palme bringen, wenn man mit einer "Swastika" am Gitarrenhals herumlief. Das war die ultimative Provokation. Wenn Ian Fraser Kilmister (aka Lemmy) Buddhist gewesen wäre, hätte man die Swastika auch als uraltes buddhistisches Zeichen deuten können, das in Asien als Glückszeichen gilt. Von diesem "Zen"-Lemmy ist aber nichts bekannt und auch eher unwahrscheinlich. Sein  Lebenswandel war nicht gerade auf mönchische Weltentsagung ausgerichtet.

Das alles zusammen ist dann doch ziemlich merkwürdig? War es mehr als eine spät-pupertäre Hirnlosigkeit? Mehr als die prickelnde Lust am Skandal, am Gefühl, zweifellos ein absolut echter "Contrarian" zu sein gegen dieses ganze Love-Peace-&-Happiness-Gedöns?



Tuesday, 29 December 2015

Death Metal: Zum Tod von Lemmy Kilmister


Der letzte seiner Art

Heavy Metal-Ikone Lemmy stirbt in Los Angeles im Alter von 70 Jahren



Er war Roadie von Jimi Hendrix, spielte bei den Space-Rockern von Hawkwind und war fast 40 Jahre lang Kopf von Motörhead, der brachialsten Rockband auf dem Planeten. Lemmy Kilmister hat den Wahnsinn des Rockgeschäfts gelebt und voll ausgekostet. Jetzt ist der Bassgitarrist und Sänger kurz nach seinem siebzigsten Geburtstag an einer aggressiven Form von Krebs in Los Angeles verstorben. Mit ihm verliert die Rockszene eine ihrer prägnantesten Gestalten. Der Mann mit dem schwarzen Kavalleriehut, den schulterlangen Haaren, einem massiven Schnauzer und ein paar Warzen im Gesicht war der letzten seine Art.

Lemmy war ein kluger Kopf, der mit Integrität und Leidenschaft seiner scharf umrissenen Vision von Rock ‘n’ Roll folgte. Songs von schnörkelloser Klarheit mit ohrenbetäubender Wucht und in rasantem Tempo vorgetragen, dazu mit rostiger Reibeisenstimme herausgebellt, so sah sein Ideal von Rockmusik aus. “Grimmig und freudig zugleich!” umriß er das Rezept, das selbst wildesten Punks in Ekstase versetzte. Auf 22 Alben hat Lemmy mit Motörhead seine musikalische Utopie realisiert. In Südwestdeutschland war die Band öfters zu Gast, ob in der Stuttgart oder beim Balinger “Bang Your Head”. Der letzte Auftritt fand erst vor einem Monat in Ludwigsburg statt. Im Februar nächsten Jahres hätte die 40-Jahre-Jubiläums-Tour über die Bühne gehen sollen.

Am Heiligen Abend 1945 geboren, erfuhr Ian Fraser Kilmister die Erleuchtung noch während der Schulzeit. “Ich habe die Geburt des Rock ‘n’ Roll aus erster Hand erlebt,” beschrieb er das Erlebnis. Eddie Cochran und Buddy Holy hießen seine Favoriten, wobei der Teenager schnell lernte, dass man mit Gitarre nicht nur wilde Musik machen konnte, sondern auch mehr Erfolg bei den Mädchen hatte. 

In Stoke-On-Trend, einer Kleinstadt in Mittelengland, geboren, wuchs Kilmister bei seiner Mutter und Großmutter auf. Zoff mit Lehrern führte zum Schulausschluß. Zeitweise arbeitete er am Fließband einer Waschmaschinenfabrik. Mit 16 Jahren begann er in Beatbands Gitarre zu spielen. Es zog ihn nach London, wo er als Herumtreiber in besetzten Häusern lebte und als Roadie die Verstärker von Jimi Hendrix herumschleppte. Mehr und mehr bestimmten Drogen sein Leben. 1971 heuerten ihn die Space-Rocker von Hawkwind als Sänger und Bassisten an. “Mach ein bisschen Lärm in E”, wurde ihm gesagt. Lemmy sang “Silver Machine”, den einzigen Hit der Gruppe.

Hawkwind war die ultimative Drogenband. Als “ein schwarzer Albtraum” beschrieb Lemmy später seine Zeit bei der Formation. Gegen die Tourstrapazen kämpfte er mit Aufputschmittel und Alkohol an. “In welcher Richtung befindet sich das Publikum?” musste er gelegentlich den Roadie fragen, der ihn auf die Bühne hob und gegen einen Verstärker lehnte, sonst hätte er sich nicht auf den Beinen halten können. Doch während nicht so robuste Naturen psychisch und physisch zusammenklappten, schien Lemmy unverwüstlich. Allerdings holten ihn den letzten Jahren die Exzesse ein. Immer öfters musste Motörhead Konzerte und Tourneen absagen. Nach einer Operation machte sein Herz die Gewaltouren kaum noch mit.

1975 ekelten ihn seine Mitmusiker von Hawkwind aus der Band, und das nicht gerade auf die feine englische Art. Auf US-Tournee an einer einsamen Raststätte machten sie sich klammheimlich aus dem Staub, als Lemmy die Toilette aufsuchte. Es war nicht das erste Mal, dass er “gestrandet” war. Diese Fiesigkeit hat er den Hawkwind-Musikern nie verziehen. Er rächte sich damit, dass er Equipment aus dem Lagerraum der Band stahl, um Motörhead auf die Beine zu stellen. Doch es lief nicht wie geplant. Zwei Jahre später stand die Gruppe vor dem Aus: “Wir hungerten, wir lebten in besetzten Häuser, nichts passierte.”


Erst das Album “Ace of Spades” brachte 1980 den Erfolg. Motörhead war jetzt dauernd auf Tour: “Du bist monatelang unterwegs und meistens nicht sicher, wo du gerade bist,” beschrieb er das Musikerdasein. “Es geht alles ineinander über und alles sieht irgendwie gleich aus.” Damals begann Lemmy einen Groll gegenüber der Musikindustrie zu entwickeln. Ärger mit Produzenten und Inkompetenz von Plattenfirmen führten zur Desillusionierung mit dem Popgeschäft. “Niemand scheint mehr an die Musik zu glauben,”  lautet sein melancholisches Fazit. Unter der rauhen Schale war Lemmy eben ein Romantiker, ja sogar ein Idealist.