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Friday, 13 September 2024

Ausstellung "BEYOND THE BEAT": Merseybeat in Liverpool

DIE SZENE, AUS DER DIE BEATLES HERVORGINGEN

Im "Museum of Liverpool" habe ich gestern eine kleine Ausstellung über die Merseybeat-Szene der frühen 1960er Jahre gesehen. Sie weckte deshalb mein Interesse, weil ich vor Jahren einmal eine Radiosendung für den SWR zu genau diesem Thema gemacht hatte und aus diesem Umfeld einst die Beatles hervorgingen. Die Ausstellung "BEYOND THE BEAT" zeigt Fotographien von Bill Connoll und Les Chadwick, die diese für die Peter Kaye Fotoagentur machten. Die Fotodokumentation war vom Beatles-Manager Brian Epstein in Auftrag gegeben worden, um die Szene um den Cavern Club in der Matthew Street zu dokumentieren, vor allem auch die tourenden Bands aus London und Manchester, die hier auftraten, nebst amerikanischen Bluessängern wie John Lee Hooker und Sonny Boy Williamson. 

Menschenschlange vor dem Cavern Club in der Matthew Street wartet auf Einlaß zu einem Konzert.


Der Cavern Club war ein riesiger Gewölbekeller-Club in der Matthew Street, wo sich bei Auftritten das Publikum drängte. Hier die Gruppe THE REMO FOUR, die 1967 George Harrison auf seinem Album 'Wonderwall' begleiteten. Manche lokale Bands traten dutzende Male im Cavern auf. Selbst in der Mittagspause gab es 'Live'-Musik, dazu billiges Essen.



Die Gruppe THE CLAYTON SQUARES, die vom Cavern-Club-Betreiber Bob Wooler gemanagt wurde, bei einem Fotoshoot für eine Promo-Aufnahme irgendwo in einer Seitenstraße im Zentrum von Liverpool




Die Yardbirds mit einem jungen Eric Clapton (ganz links). Das Foto wurde im Januar 1964 gemacht beim ersten Auftritt der Band im Cavern Club, die insgesamt viermal hier auftraten.



Die Band von Alexis Korner namens 'Blues Incorporated' bei ihrem ersten Auftritt (von insgesamt zehn) im Cavern im November 1963. Damals begleiteten sie den amerikanischen Bluessänger Herbie Goins. Alexis Korner in der Mitte an der Gitarre – mit seiner karrierten Hose und dem Hütchen hat er sich  offentichtlich ganz besonders für den Auftritt zurecht gemacht.




John Mayall & The Bluesbreakers im Cavern Club: Mayall am E-Piano (links) und Hughie Flint am Schlagzeug. Später wurde Der Drummer mit der Gruppe McGuinness Flint durch ihren Hit "When I'm dead and gone" bekannt. An der Kellerwand hinter der Bühne haben sich die Musiker verewigt, die hier aufgetreten sind.




Amerikanische Bluessänger traten regelmäßig im Cavern Club auf, hier John Lee Hooker im Juni 1964. Sie übten eine massiven Einfluß auf die lokale Szene aus. Hooker war das erste Mal 1962 mit dem 'American Folk Blues Festival' nach Europa gekommen, wobei bei dieser ersten Tour das reisende Bluesfestival allerdings nicht in Großbritannien gastierte.


 

Wednesday, 24 July 2024

Zum Tod von JOHN MAYALL (1933 – 2024)

 Blues-Messias verstorben


1969 spielte John Mayall sein erstes Konzert in Südwestdeutschland. Am 22. Juli 2024 ist der englische Blues-Pionier im Alter von 90 Jahren verstorben 

John Mayall 1969 in Stuttgart (Foto: Jörg Becker)  


cw. Nachdem Jimi Hendrix im Januar 1969 mit seinem Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle zum ersten Mal den damals neuen Underground-Rock nach Südwestdeutschland gebracht hatte, legte John Mayall ein paar Wochen später nach. Der „Urvater des weißen Blues“ kam damals mit einer superben Band in die Landeshauptstadt und demonstrierte sein Können mit solcher Leidenschaft, dass die Fans völlig aus dem Häuschen waren. Hunderte, die keine Eintrittskarten mehr bekommen hatten, stürmten die Liederhalle, wobei es zu erheblichem Sachschaden kam. „Nach dem Ende des Konzert machten jugendliche Besucher mit tumultartigen Szenen ihrer Begeisterung Luft,“ berichtete die Presse. „Unzählige Bluesfans stiegen mit ihren Straßenschuhen auf die Polstersessel und begannen auf ihnen wie auf einem Trampolin herumzuspringen.“ 

John Mayall 1969 in der Stuttgarter Liederhalle (Foto: Jörg Becker)


Im Gegensatz zu Jimi Hendrix, der mit seinem ohrenbetäubenden Gitarrenspiel die Liederhalle zum Erzittern gebracht hatte, schlug John Mayall sanftere Töne an. Seine Band war ein Quartett, das hauptsächlich akustische Instrumente wie Saxofon, Mundharmonika und akustische Gitarre verwendete und aufs Schlagzeug völlig verzichtete, was damals ziemlich ungewöhnlich war. Dennoch schaffte es Mayall mit Nummern wie „Room to move“ die Fans in Verzückung zu versetzen, ein Titel, bei dem er sein Können auf der „Blues Harp“ voll ausspielen konnte.  

Abgesehen von seinem Harmonikaspiel, war Mayall, der auch Gitarre und Piano spielte, nicht gerade der größte Virtuose, doch bewies er immer eine gute Nase für außergewöhnliche Talente. Nicht nur Gitarrengott Eric Clapton begann bei Mayall’s Bluesbreakers seine Karriere, auch Peter Green und Mick Fleetwood von Fleetwood Mac und Mick Taylor von den Rolling Stones durchliefen Mayalls musikalische Kaderschmiede.

John Mayall (mit Stephen Thompson (Baß), Jon Mark (akustische Gitarre) und Johnny Almond (Saxofon)) 1970 in Ulm (Foto: Johannes Andele)

 
1933 in Macclesfield geboren, einer Kleinstadt südlich von Manchester in Nordengland, begann sich Mayall schon früh für den Blues zu interessieren. Nach dem Krieg brachte der englische Bandleader Chris Barber erstmals schwarze Bluesmusiker wie Muddy Waters zu Konzerttoruneen nach Großbritannien, und Mayall hörte genaustens hin. Bald gründete er seine eigene Gruppe namens Powerhouse Four, die sich kurze Zeit später in Blues Syndicate umbenannte und in der John McVie Baß spielte, der später mit Fleetwood Mac zu Weltruhm kam. 

Nach dem Ende des Blues-Booms wurde es in den 1980er Jahren etwas ruhiger um John Mayall, der in den USA in einem Baumhaus wohnte und von dort weiterhin zu weltweiten Tourneen aufbrach. Bei seiner Feier zum 70. Geburtstag brachte ihm Eric Clapton, Mick Taylor und Chris Barber ein Ständchen.

John Mayall (Gitarre) mit Duster Bennett (Harmonika) 'live' in Ulm (Foto: Johannes Andele)

Schon immer ging Mayall mit der Zeit und frischte seine Band mit jungen Talenten auf. Das ist heute nicht anders als in den 1960er Jahren. Sein Auftritt am 7. April 2019 im Stuttgarter „Wizemann“ war so gesehen eine Premiere: Erstmals wurde die Leadgitarre von einer Frau gespielt. Carolyn Wonderland entpuppte sich als Ausnahmetalent, wobei ihr Familiennamen als Zeichen verstanden werden konnte: Frau Wonderland katapultierte das Publikum mit rasanten Soli ins Wunderland des Blues, wobei sie so souverän und gefühlvoll in die Saiten griff, als sei sie einst bei Eric Clapton in den Unterricht gegangen.

"Let's Get Together" von Jimmy Reed gespielt von John Mayall & The Bluesbreakers, ca. 1970 (mit u.a. Duster Bennett (Gesang, Harmonika, Gitarre), John Mayall (Mundharmonika), Jon Mark (akusitsche Gitarre), Stephen Thompson (Baß), Johnny Almond (Saxofon) (youtube)



Tuesday, 28 November 2023

John Mayall zum 90sten

Der Blues-Messias


1969 spielte John Mayall sein erstes Konzert in Südwestdeutschland. Am 29. November 2023 wird der englische Blues-Pionier 90 Jahre alt 

John Mayall 1969 in Stuttgart (Foto: Jörg Becker)  


cw. Nachdem Jimi Hendrix im Januar 1969 mit seinem Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle zum ersten Mal den damals neuen Underground-Rock nach Südwestdeutschland gebracht hatte, legte John Mayall ein paar Wochen später nach. Der „Urvater des weißen Blues“ kam damals mit einer superben Band in die Landeshauptstadt und demonstrierte sein Können mit solcher Leidenschaft, dass die Fans völlig aus dem Häuschen waren. Hunderte, die keine Eintrittskarten mehr bekommen hatten, stürmten die Liederhalle, wobei es zu erheblichem Sachschaden kam. „Nach dem Ende des Konzert machten jugendliche Besucher mit tumultartigen Szenen ihrer Begeisterung Luft,“ berichtete die Presse. „Unzählige Bluesfans stiegen mit ihren Straßenschuhen auf die Polstersessel und begannen auf ihnen wie auf einem Trampolin herumzuspringen.“ 

John Mayall 1969 in der Stuttgarter Liederhalle (Foto: Jörg Becker)


Im Gegensatz zu Jimi Hendrix, der mit seinem ohrenbetäubenden Gitarrenspiel die Liederhalle zum Erzittern gebracht hatte, schlug John Mayall sanftere Töne an. Seine Band war ein Quartett, das hauptsächlich akustische Instrumente wie Saxofon, Mundharmonika und akustische Gitarre verwendete und aufs Schlagzeug völlig verzichtete, was damals ziemlich ungewöhnlich war. Dennoch schaffte es Mayall mit Nummern wie „Room to move“ die Fans in Verzückung zu versetzen, ein Titel, bei dem er sein Können auf der „Blues Harp“ voll ausspielen konnte.  

Abgesehen von seinem Harmonikaspiel, war Mayall, der auch Gitarre und Piano spielte, nicht gerade der größte Virtuose, doch bewies er immer eine gute Nase für außergewöhnliche Talente. Nicht nur Gitarrengott Eric Clapton begann bei Mayall’s Bluesbreakers seine Karriere, auch Peter Green und Mick Fleetwood von Fleetwood Mac und Mick Taylor von den Rolling Stones durchliefen Mayalls musikalische Kaderschmiede.

John Mayall (mit Stephen Thompson (Baß), Jon Mark (akustische Gitarre) und Johnny Almond (Saxofon)) 1970 in Ulm (Foto: Johannes Andele)

 
1933 in Macclesfield geboren, einer Kleinstadt südlich von Manchester in Nordengland, begann sich Mayall schon früh für den Blues zu interessieren. Nach dem Krieg brachte der englische Bandleader Chris Barber erstmals schwarze Bluesmusiker wie Muddy Waters zu Konzerttoruneen nach Großbritannien, und Mayall hörte genaustens hin. Bald gründete er seine eigene Gruppe namens Powerhouse Four, die sich kurze Zeit später in Blues Syndicate umbenannte und in der John McVie Baß spielte, der später mit Fleetwood Mac zu Weltruhm kam. 

Nach dem Ende des Blues-Booms wurde es in den 1980er Jahren etwas ruhiger um John Mayall, der in den USA in einem Baumhaus wohnte und von dort weiterhin zu weltweiten Tourneen aufbrach. Bei seiner Feier zum 70. Geburtstag brachte ihm Eric Clapton, Mick Taylor und Chris Barber ein Ständchen.

John Mayall (Gitarre) mit Duster Bennett (Harmonika) 'live' in Ulm (Foto: Johannes Andele)

Schon immer ging Mayall mit der Zeit und frischte seine Band mit jungen Talenten auf. Das ist heute nicht anders als in den 1960er Jahren. Sein Auftritt am 7. April 2019 im Stuttgarter „Wizemann“ war so gesehen eine Premiere: Erstmals wurde die Leadgitarre von einer Frau gespielt. Carolyn Wonderland entpuppte sich als Ausnahmetalent, wobei ihr Familiennamen als Zeichen verstanden werden konnte: Frau Wonderland katapultierte das Publikum mit rasanten Soli ins Wunderland des Blues, wobei sie so souverän und gefühlvoll in die Saiten griff, als sei sie einst bei Eric Clapton in den Unterricht gegangen.

"Let's Get Together" von Jimmy Reed gespielt von John Mayall & The Bluesbreakers, ca. 1970 (mit u.a. Duster Bennett (Gesang, Harmonika, Gitarre), John Mayall (Mundharmonika), Jon Mark (akusitsche Gitarre), Stephen Thompson (Baß), Johnny Almond (Saxofon) (youtube)




Wednesday, 5 April 2023

B.B. King Biographie

Der König des Blues

Eine dickleibige Biographie beleuchtet das Leben von B. B. King, ist jedoch nicht ohne Mängel


B.B. King (Promofoto by Glen Craig)



 

cw. Aus ärmlichsten Verhältnissen stieg er zum Superstar des Blues auf, gefeiert von einer Legion von zumeist weißen Popgrößen, die ihn bewunderten und nachahmten. Das machte B. B. King zu einem der einflußreichsten schwarzen Musiker im 20. Jahrhundert und zum Vorbild einer ganzen Generation von Rockgitarristen.

 

Seine Kindheit erscheint als undurchdringliches Gestrüpp widersprüchlicher „Wahrheiten“. Fest steht, dass Riley King, wie B. B. King eigentlich hieß, 1925 im Mississippi Delta in eine arme Familie von Baumwollfarmern hineingeboren wurde und nach der Trennung der Eltern und dem Tod der Mutter größtenteils bei Verwandten aufwuchs. Bretterhütten ohne fließendes Wasser und elektrisches Licht waren sein Zuhause, eine Zahnbrüste unerschwinglicher Luxus. Als King zum ersten Mal einer Toilette aufsuchte, wusste er nicht, wie die Wasserspülung funktioniert.

 

Riley Kings Welt war der Blues. Er kannte die „Field Holler“, mit denen auf den Baumwollfeldern Nachrichten übermittelt wurden. Der Priester in der Kirche griff im Gottesdienst ekstatisch zur Gitarre, dazu kam Bukka White, ein älterer Cousin und Bluesmusiker, dessen gelegentliche Besuche Kings Interesse an der Gitarre weckten. Auf dem Grammophon spielte die Tante Schellackplatten von Blind Lemon Jefferson und Bessie Smith, wobei dem kleinen Riley besonders das flüssige Bluesjazz-Gitarrenspiel von Lonnie Johnston gefiel. 

 

Im Alter von elf Jahren bekam er von einem Onkel eine Gitarre geschenkt, auf der er intensiv nach der Feldarbeit übte. Mit 14 trommelte King seine erste Band zusammen, eine Vokalgruppe nach dem Vorbild des Golden Gate Quartets. Eine zweite Gruppe, die Famous St. John Gospel Singers, folgte ein paar Jahre später, wobei er jetzt mit seiner Gitarre die Sänger begleitete. Der Radius ihrer Auftritte vergrößerte sich, dazu kamen gelegentliche Solo-Darbietungen auf der Straße, was mehr einbrachte als die Feldarbeit. 

 

Nach einem Traktorunfall floh der junge Mann aus Angst vor Schadenersatz nach Memphis. Tagsüber arbeitete er als Schweißer, abends machten er mit seinem Vetter Bukka White Musik. Gelegentlich traten die beiden bei Wettbewerben auf. 1949 landete B. B. King – wie jetzt der „Blues Boy“ genannt wurde – einen täglichen „Slot“ im Radio. 

 

Schritt um Schritt arbeitete er sich nach oben. Bald zählten B. B. & His Blues Boys zu den Matadoren der Musikszene von Memphis. Im neueröffneten Studio von Sam Phillips nahm der Gitarrist eine erste Platte auf, ein paar Jahre bevor Elvis dort seine Karriere begann. Schon Kings nächste Einspielung schaffte es in die Rhythm & Blues-Charts. Touragenten klopften an und offerierten Gagen, die Appetit aufs Showgeschäft machten. Doch Geld war ein Problem. King gab es mit vollen Händen aus. Bald stand ein teurer Cadillac vor der Tür, und Unsummen wurden beim Glücksspiel verzockt. An die 40 Millionen Dollar sollen es im Laufe seines Lebens gewesen sein, weshalb der Bluessänger oft vor der Pleite stand, obwohl er gut verdiente.


B.B. King "live" at Sing Sing Prison, 1972 (youtube)



 

King ließ die Spelunken hinter sich und trat in Theatern und größeren Auditorien auf. Doch auf Gastspielreise ein Hotel zu finden, war für schwarze Musiker in Zeiten der Segregation nahezu unmöglich, weshalb die Band meistens im Tourbus schlief. Die Dauertourneen wurden zum Alltag, mit all den Wirrnissen aus zuviel Alkohol, Frauengeschichten und Querelen mit betrügerischen Promotern.

 

Als die schwarze Bürgerrechtsbewegung gegen den alltäglichen Rassismus auf die Barrikaden gingen, hielt sich B. B. King bedeckt. Politisch war er ein Leisetreter. Lieber überwies er heimlich Geld zur Finanzierung von Demonstrationen und Kampagnen, als öffentlich für eine Sache einzutreten. 

 

B.B. Kings Gitarrenspiel wurde ungestümer, sein Sound lauter und klarer. Wenn King sein Instrument, das er liebevoll „Lucille“ nannte, mit markanter Tremelo-Technik singen ließ, drang aus den Lautsprechern ein warmer Sound, der seinen Stil unverkennbar machte. „Butterfly“ nannte er diese Technik, bei der seine Finger beim Vibrato-Spiel wie die Flügel eines Schmetterlings flatterten. 


v.ln.r: Mick Jagger, Keith Richards, B.B. King (Promofoto by Glen Craig)



 

Mitte der 1950er Jahre wurde der Blues vom „Rock ‘n‘ Roll“ überrollt. B. B. Kings Erfolgssträhne erhielt eine erste Delle. Er verkleinerte seine Band und steigerte sein Pensum auf 300 Auftritten pro Jahr. Erfolge weißer Rockgruppen wie der Rolling Stones oder Cream entfachten in den 1960er Jahren neues Interesse am schwarzen Blues und machten B. B. King einem weißen Publikum bekannt. Im Hippietempel Filmore West in San Francisco wurde er von den Blumenkindern gefeiert.

 

Im Vorprogramm der Rolling Stones tourte King 1969 durch Amerika und festigte seinen Ruf, der wohl beste Gitarrist im Blues zu sein, bewundert von Keith Richards, Jeff Beck und Eric Clapton. Mit „The Thrill Is Gone“ gelang ihm ein Hit. Jetzt stieg seine Erfolgskurve so hoch wie nie zuvor. Unterstützt von Popstars nahm er 1971 das Album „B. B. King in London“ auf mit Beatle Ringo Starr am Schlagzeug.

 

Der Höhenflug hielt nicht all zu lange an, und seine Flirts mit den jeweils neusten Moden im Pop klangen wenig überzeugend. Ehrungen glichen die Flops aus. Gitarrenmodelle erhielten seinen Namen, eine erste Biographie erschien, Grammys und die Aufnahme in die Rock ‘n‘ Roll Hall of Fame trugen zur Nobilitierung bei. In seiner einstigen Heimatstadt Indianola wurde ein B. B. King-Museum eröffnet.




 

Sein Manager fädelte Plattenaufnahmen mit Popgrößen wie U2 ein, um dem künstlerischen Stillstand und kommerziellen Sinkflug zu entgehen. Kings Musik wurde mehr und mehr zum Relikt der Vergangenheit, versinnbildlicht durch den von Krankheit gezeichneten Gitarristen, der jetzt seine Konzerte nur noch mühsam sitzend auf einem Stuhl bestritt. 2015 verstarb B. B. King im Alter von 89 Jahren. 

 

Der amerikanische Autor Daniel De Visé zeichnet den Lebensweg des Königs der Bluesgitarristen mit detailversessener Akribik nach, wobei er die Geschichte des Blues gleich mitliefert, mit zahllosen Anekdoten garniert. Selbst Trivialitäten bis hin zu abgeschmackten Witzen des Meisters wird Platz eingeräumt, was das Buch um einiges zu umfangreich geraten läßt. Auch werden sexistische Prahlereien und ein peinliches Frauenbild vom Autor völlig unkritisch kolportiert, als sei die „Me-Too“-Kampagne am Rockjournalismus spurlos vorübergegangen.

 

 

Daniel De Visé: King of the Blues – Aufstieg und Regentschaft des B. B. King. (Aus dem amerikanischen Englisch von Holger Hanowell). Reclam Verlag; 697 Seiten mit ein paar Fotographien. 36.– Euro

 

Wednesday, 6 March 2019

JOHN MAYALL in Stuttgart 1969 – 2019

Musikalische Kaderschmiede

1969 spielte John Mayall eines der ersten Bluesrock-Konzerte in Südwestdeutschland. Nach 50 Jahren tritt der Urvater des weißen Blues jetzt abermals in Stuttgart auf – vielleicht das letzte Mal 
 

cw. Nachdem Jimi Hendrix im Januar 1969 mit seinem Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle zum ersten Mal den damals neuen Underground-Rock nach Südwestdeutschland gebracht hatte, legte John Mayall ein paar Wochen später nach. Der „Urvater des weißen Blues“ kam damals mit einer superben Band in die Landeshauptstadt und demonstrierte sein Können mit solcher Leidenschaft, dass die Fans völlig aus dem Häuschen waren. Hunderte, die keine Eintrittskarten mehr bekommen hatten, stürmten die Liederhalle, wobei es zu erheblichem Sachschaden kam. „Nach dem Ende des Konzert machten jugendliche Besucher mit tumultartigen Szenen ihrer Begeisterung Luft,“ berichtete die Presse. „Unzählige Bluesfans stiegen mit ihren Straßenschuhen auf die Polstersessel und begannen auf ihnen wie auf einem Trampolin herumzuspringen.“ 

Im Gegensatz zu Jimi Hendrix, der mit seinem ohrenbetäubenden Gitarrenspiel die Liederhalle zum Erzittern gebracht hatte, schlug John Mayall sanftere Töne an. Seine Band war ein Quartett, das hauptsächlich akustische Instrumente wie Saxofon, Mundharmonika und akustische Gitarre verwendete und aufs Schlagzeug völlig verzichtete, was damals ziemlich ungewöhnlich war. Dennoch schaffte es Mayall mit Nummern wie „Room to move“ die Fans in Verzückung zu versetzen, ein Titel, bei dem er sein Können auf der „Blues Harp“ voll ausspielen konnte.  

Abgesehen von seinem Harmonikaspiel, war Mayall, der auch Gitarre und Piano spielte, nicht gerade der größte Virtuose, doch bewies er immer eine gute Nase für außergewöhnliche Talente. Nicht nur Gitarrengott Eric Clapton begann bei Mayall’s Bluesbreakers seine Karriere, auch Peter Green und Mick Fleetwood von Fleetwood Mac und Mick Taylor von den Rolling Stones durchliefen Mayalls musikalische Kaderschmiede.

1933 in Macclesfield geboren, einer Kleinstadt südlich von Manchester in Nordengland, begann sich Mayall schon früh für den Blues zu interessieren. Nach dem Krieg brachte der englische Bandleader Chris Barber erstmals schwarze Bluesmusiker wie Muddy Waters zu Konzerttoruneen nach Großbritannien, und Mayall hörte genaustens hin. Bald gründete er seine eigene Gruppe namens Powerhouse Four, die sich kurze Zeit später in Blues Syndicate umbenannte und in der John McVie Baß spielte, der später mit Fleetwood Mac zu Weltruhm kam. 

Nach dem Ende des Blues-Booms wurde es in den 1980er Jahren etwas ruhiger um John Mayall, der in den USA in einem Baumhaus wohnte und von dort weiterhin zu weltweiten Tourneen aufbrach. Bei seiner Feier zum 70. Geburtstag brachte ihm Eric Clapton, Mick Taylor und Chris Barber ein Ständchen.

Schon immer ging Mayall mit der Zeit und frischte seine Band mit jungen Talenten auf. Das ist heute nicht anders als in den 1960er Jahren. Bei seinem Auftritt am 7. April 2019 im Stuttgarter „Wizemann“ wird es eine Premiere geben. Erstmals wird die Leadgitarre bei dieser Tour von einer Frau gespielt: Carolyn Wonderland gilt als Ausnahmetalent, wobei ihr Familiennamen als Zeichen verstanden warden kann: Frau Wonderland katapultiert das Publikum mit rasanten Soli ins Wunderland des Blues, wobei sie so souverän und gefühlvoll in die Saiten greift, als hätte sie bei Eric Clapton Unterricht gehabt.

Monday, 29 July 2013

J.J. CALE gestorben

John Weldon Cale (5. Dezember 1938 – 26. Juli 2013)


J.J. CALE in his own words:

"I actually live in a house now. I lived in a trailer quite a long time, but not lately. No, I actually have a house, a yard, all the regular trappings of a domestic life."

"I'm a shade tree engineer. I used to make a living as an engineer before I got into songwriting. And so yeah, I overly screw with it because you can. And I don't think that really helps it any at all--it probably hinders it, really. But I think all us musicians, engineers, studio kind of people, we definitely screw with it more than we should. It's like a puzzle or something, like a video game, you can mess with it all day long."


"I try, sometimes, to get out of my own bag, but it ends up that all my records kind of sound like they're me. I try to get out of it, but you can't change that - I can't, anyway. I guess I could with electronics and studios and all that kind of stuff. But I'll eventually say, 'Well, that don't really sound like me.'"

"I mean, I'm a songwriter, and what I really should have done early in my career is hire me somebody that could really sing and said: "Now go out here and sing this!" That also hinders my songwriting because I can only hit about two notes. If I want to write some kind of melody of a song that everybody would like, I can't perform the damn thing. So I have to write it in this two-note thing, and that's why my records kind of all sound that way. It works, but it also has its limitations. It keeps me from writing songs that I'd write if I had a good singer to sing it."

"Eric Clapton cut a bunch of my songs. He's the reason I don't have to work for a living anymore. Thanks to Eric cutting my songs, it's kept me from having to get a job as a taxi driver."

"I think what I did was, a lot of musicians listened to my records and used some of that kind of a sound I get that I try not to get."

"Being famous, it's great for your ego - I mean, hey, "Everybody loves me!" But I noticed if you got real big, man, you don't have a real life. It affects the way you look at life. So when I started making records that went outside my hometown, and went, "Whoa, they know who I am in Paris, France," that kind of thing, I kind of laid back on the publicity. And they've called me a recluse because of that. I'm not a recluse, or whatever."

"I'd like to play music and have enough people to listen to it when I want to do that, or I'd love to make records and have enough people to buy the records to where it pays for making the record and putting it out without having all the - so early on I had that kind of thing. I've backed it off a couple times when I thought it was getting out of hand. "Well, do you want to be on The Jay Leno Show?" And I'd say, "Not really. That way I can have my music, it doesn't get real big, but I still make a profit, and I don't have to jump through hoops, man, and be something I'm really not."