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Sunday, 28 July 2024

JIM KAHR & ALLSTARS und BRTHR in Sigmaringen

The Thrill is not gone

Southern Rock und Chicago Blues

Jim Kahr & Allstars (Fotos: C.Wagner)


Die Gruppe BRTHR als auch JIM KAHR waren vor ein paar Jahren schon einmal im Kulturzentrum Alter Schlachthof in Sigmaringen zu Gast und haben damals einen so guten Eindruck hinterlassen, dass sie nun – als sich erneut die Möglichkeit im Rahmen der dreitätigen "Spielwiese" bot – wieder eingeladen wurden. 

BRTHR (sprich: Brother), die Gruppe aus Stuttgart, steht für Southern Rock und eine musikalische Qualität, die man in hiesigen Breiten nur selten findet. Ihre Songs haben Ohrwurmcharakter, wobei der mehrstimmige Gesang, angeführt von der Führungsstimme von Philipp Eissler, in optimaler Weise mit dem fließenden, entspannten und völlig unaufgeregten Countryrock harmoniert, der an J.J. Cale erinnert und doch eine ganz eigenen Handschrift trägt. 

 


BRTHR (Fotos: C.Wagner)


In Drummer Johann Polzer und Bassgitarrist Max Braun verfügt die Gruppe über ein eingespieltes Rhythmusteam, das souverän für ein solides Fundament sorgt, sich in vornehmer Zurückhaltung übt und nie zu dick aufträgt, um den Solisten so einen optimalen Rahmen zu bieten. Und Gitarrist Joscha Brettschneider ist der Mann, der durch messerscharfe Einwürfe und expressive Solos die Dynamik und Intensität – wenn gewünscht – jeweils um ein paar Hitzegrade nach oben fahren kann. Die Band, die mittlerweile auf fünf Veröffentlichungen verweisen kann, spielte die besten Nummern aus ihrem Repertoire, um mit ihrem Hit „Speak Low“ den Set abzuschließen, was das Publikum nach mehr verlangen ließ.

 

Danach war Jim Kahr an der Reihe, der Gitarrist aus Chicago, der mit John Lee Hooker, Junior Wells und Bobby Blue Bland gearbeitet hat und einer der letzten ist, der heute noch den klassischen Chicago Blues in authentischer Form zu spielen vermag. Kahr begann mit einem akustischen Set, der als Duo mit dem Saxofonisten Ian Fullwood angelegt war und eine ganze Bandbreite musikalischer Stile streifte, die von spanischem Flamenco bis zu lateinamerikanischem Bossa Nova reichte. 



 

Danach stöpselte der Mann aus Chicago seine Gibson Les Paul-Gitarre ein, die Ryhthmusgruppe  von BRTHR kam dazu – und jetzt ging die Post erst richtig ab. Titel wie B.B. Kings „The Thrill is Gone“ und andere Klassiker wurde aufgefahren (darunter auch „Take a Walk on the Wild Side“ von Lou Reed) und boten Kahr sowie Saxofonist Ian Fullwood die Chance, sich voll auszuspielen. Glasklar und doch voller Wärme die Solos der E-Gitarre, die Kahr nur so aus dem Ärmel schüttelte, rauh und mächtig der Klang des Saxofons, angetrieben von einer Rhythmusgruppe, die nicht nachließ und die Solisten zu immer größeren Höchstleistungen anspornte. Der Funke sprang über, das Publikum war begeistert und forderte Zugabe um Zugabe.  

Wednesday, 1 November 2023

Radio Radio Radio: American Folk Blues Festival – Wie der Blues im Südwesten Wurzeln schlug

Radio Radio Radio: 

SWR2 Musikpassagen: Do., 9.11.2023; 20:05–21:00 Uhr

Zum Nachhören:

American Folk Blues Festival – Wie der Blues im Südwesten Wurzeln schlug
von Christoph Wagner

 
1962 fand in Baden-Baden unter der Regie von "Jazzpapst" Joachim Ernst Berendt das erste American Folk Blues Festivals in Europa statt. Es ging weiter über Bern, Frankfurt und Berlin nach München. Am 11. Oktober gastierte die Bluestruppe mit der Sängerin Helen Humes und Berühmtheiten wie Willie Dixon, Memphis Slim, T-Bone Walker und John Lee Hooker in Heilbronn. Egal wie viel Publikum anwesend war, überall wurde die "erste Bluesdokumentation der Welt" begeistert aufgenommen.



Sunday, 9 April 2023

Wie der Blues nach Südwestdeutschland kam

Bluesmetropole Urach

 

Vor 50 Jahren begann eine Konzertreihe, die Urach für fünf Jahre zu einer Blues-Metropole machte – Stars wie John Lee Hooker und Memphis Slim gaben sich ein Stelldichein

 



 

cw. In den 1960er und 1970er Jahren begeisterte Blues die Jugend. Rockbands wie die Rolling Stones oder Fleetwood Mac gaben den Anstoß. Sie ahmten schwarze Bluesmusiker wie B. B. King, John Lee Hooker oder Muddy Waters nach und brachten den Sound von den Baumwollfeldern aus dem amerikanischen Süden oder den Nachtclubs von Chicago in jede Teenager-Bude.

 

Auch in Bad Urach hatte der Blues seine Anhänger. Der größte Fan war Walter Gassner. Der Vorsitzende des Stadtjugendrings war von den Klängen aus dem amerikanischen Süden so begeistert, dass er deren Protagonisten unbedingt in Bad Urach präsentieren wollte.

 

Und ihm gelang das Kunststück. Zwischen 1973 und 1978 holte er eine beachtliche Riege afro-amerikanischer Sänger, Gitarristen und Pianospieler zu Konzertauftritten nach Urach: von akustischem Countryblues über Boogie Woogie bis zu elektrischem Rhythm & Blues, und von Blind John Davis über Willie Mabon bis zu Big Joe Williams, nicht zu vergessen Bukka White, der einst B. B. King das Gitarrenspiel beigebracht hatte. 

 

Gassner hatte den Ehrgeiz, internationale Bluesstars, die sonst nur in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt gastierten, den Fans in der schwäbische Provinz vorzustellen. Manche der Konzerte wurden zu Riesenereignissen und lockten – wie im Fall von Memphis Slim –  800 Zuhörer aus nah und fern an. Blues war in Urach Stadtgespräch. „In dem über zweistündigen Konzert, in dessen Pause der AFN Stuttgart Memphis Slim interviewte, muß man dem sehr sachverständigen Publikum wieder wie in all den vorhergehenden Blues-Veranstaltungen ein großen Kompliment machen. Es nahm das Gebotene voll auf, ging mit und machte am Ende des jeweiligen Vortrags seiner Begeisterung mit viel Applaus Luft,“ lobte die Lokalzeitung. 


Sonny Terry & Brownie McGhee, Urach 7.6.1975 (Photo: Sammlung C. Wagner)



 

Alle paar Monate fand zwischen 1973 und 1978 ein Blueskonzert statt, was den Name Urach bald in der Chicagoer Bluesszene zu einem Begriff machte. Dort im fernen Germany gäbe es eine begeisterte Fangemeinde, die vom Blues nicht genug bekommen könnte, erzählten sich die Musiker nach ihrer Rückkehr. Während sie daheim in verlotterten Kneipen vor kleinem Publikum spielten, wurde ihnen in Urach ein königlicher Empfang bereitet: Sie wohnten in adretten Hotels, wurden gut verköstigt und als Stars gefeiert. 

 

Zu einem besonderen Höhepunkt avancierte der Auftritt von John Lee Hooker am Sonntag, 20. Juni 1976 – als „Blues Super Knaller” und „größter Spitzenknüller” angekündigt. „Dem Stadtjugendring Urach ist mit der Verpflichtung von John Lee Hooker ein großer Wurf gelungen. Es liegt nun mit bei den Bluesfans, dieses Risiko zu honorieren,” wurde in der Lokalpresse die Werbetrommel gerührt.

 

Wegen des vermuteten großen Andrangs war man vorsorglich in die neu errichtete Ermstalhalle gezogen. Dort musste der Fußboden allerdings mit einer Plastikplane abgedeckt werden aus Angst vor einer Beeinträchtigung des Belags. „Außerdem bittet die Stadtverwaltung alle Besucher, möglichst mit Turnschuhen zu kommen und vor allem das Rauchverbot in der Halle zu beachten. Gleichzeitig hofft die Stadtverwaltung wie der Veranstalter, daß die Besucher des Konzerts nicht irgendwelche mutwilligen Beschädigungen verursachen, damit es der Stadt möglich ist, auch in Zukunft Großveranstaltungen in der Ermstalhalle durchzuführen,” lautete ein Appell an die Bluesfans in der Lokalpresse.

 

Allerdings stand der Auftritt von John Lee Hooker unter keinem guten Stern. Nach Freiburg, Köln und Frankfurt sollte der Bluesgigant am 20. Juni 1976 in Urach gastieren, was sich als Tag des Endspiels der Fußball-Europameisterschaften herausstellte. Um einen Flop zu vermeiden, wurde der Beginn des Konzerts von 20 Uhr abends auf 16 Uhr nachmittags vorverlegt, was sich für die vielbeschworene Bluesatmosphäre als nicht günstig erwies. Unter den nur etwa 500 Fans – man hatte eigentlich Tausend erwartet – wollte in der kahlen Sporthalle kein richtiges Blues-Feeling aufkommen. Das konnte kaum verwundern, war doch der Saal von sommerlichem Sonnenlicht durchflutet, welches durch die mächtige Fensterfront einfiel, vor der die Bühne aufgebaut worden war. Von schummrigem Bluesambiente keine Spur, Lichtjahre entfernt von einem rauchigen Bluesclub irgendwo an einer staubigen Landstraße im Süden der USA oder auf der Southside von Chicago. 


Volle Säle beim Blues in Urach, 1975 (Sammlung C. Wagner)



 

Doch das war nicht die einzige Enttäuschung. Auch der Blues von John Lee Hooker klang anders als die Klänge, die man erwartet hatte. Hooker spielte weder den akustischen Countryblues, noch den elektrischen Rhythm & Blues, sondern einen Blues moderneren Zuschnitts, der Stilelemente aus Soul, Rock und Funk aufgenommen hatte, was den jugendlichen Besuchern gar nicht passte. Das Publikum wollte „unverfälschten“ Blues hören: „Gemessen an seinen Schallplatten erfüllte John Lee Hooker die in ihn gesetzten Erwartungen als Bluesmusiker keineswegs, zumal viele Teile eher als „Soul“ zu bezeichnen waren“, kritisierte die Lokalzeitung. 


 

Der jugendliche Konzertveranstalter Walter Gassner ließ sich von der Kritik nicht entmutigen und organisierte auch nach dem Flop weitere Bluesauftritte. 1978 fuhr er sein Engagement beim Stadtjugendring allerdings zurück, was das Ende der Konzertreihe bedeutete. Fünf Jahre lang hatte Bad Urach als Bluesmetropole geglänzt.


Der Artikel erschien zuerst im GEA - Reutlinger Generalanzeiger

 

Monday, 9 May 2022

Ein Buch voller Blues: Martin Feldmann - Travelling to the Blues

Buchbesprechung:

 

Ein Buch voller Blues

 

Martin Feldmann schreibt eine ganz persönliche Geschichte des Blues



Maxwell Street Market, Chicago 1986 (Foto: Martin Feldmann)

 

cw. Der Blues ist Mythos und soziale Realität zugleich. Für seine Fans dient er häufig als Projektionsfläche für allerlei Sehnsüchte nach einem authentischeren Leben und wird dabei von Musikern und Musikerinnen gemacht, deren Lebensumstände oft alles andere als glücklich erscheinen. Der Frankfurter Martin Feldmann versucht in seinem Buch „Further on up the Road – Traveling to the Blues” beiden Aspekten gerecht zu werden. Feldmann ist kein Musikethnologe, sondern Fotograf, Journalist, vor allem aber Fan, der seit 1979 etliche Reisen in die USA unternommen hat, um den Spuren der schwarzen Musik nachzugehen. 

 

Dabei sind es nicht die ganz großen Stars wie B.B. King, John Lee Hooker oder Howlin‘ Wolf, denen Feldmanns Aufmerksamkeit gilt. Vielmehr interessiert ihn das Wurzelwerk des Blues, das Heer von zumeist nur lokal bekannten Musikern und Musikerinnen, denen man in den kleinen „Juke Joints“ von Chicago, Kansas City, New Orleans, Austin, San Francisco oder Los Angeles begegnet. Feldmann geht es um den authentischen Blues, ungeschminkt und (noch) nicht vom Musikbusiness entstellt.



 

Auf seiner Suche nach der Seele der afroamerikanischen Musik erkundet der Journalist einige ihrer legendären Orte, ob Clubs wie das „Tipitina’s“ (New Orleans) und das „Antone’s“ (Austin) oder Straßenmärtke wie den berühmten Maxwell Street Market in Chicago, das Delta Blues Museum in Clarksdale, Mississippi, bzw. Vergnügungsviertel wie das French Quarter in New Orleans oder die Beale Street in Memphis, Tennessee. 

 

In deutsch und englisch gehalten, ist das zweisprachige Buch eine geglückte Mischung aus Information, Erlebnisschilderung und Bilderstrecke, wobei die Fotos von Feldmann beachtliche Qualität besitzen. Angereichert wird das Ganze durch Konzertplakate, Handzettel, Autogramme, Schallplattenhüllen und Eintrittskarten, die der Autor zusammengetragen hat und kenntnisreich kommentiert. Etliche Fotos schauen hinter die Kulissen, zeigen das soziale Umfeld, die schäbigen Kneipen, Hinterhöfe, Abbruchhäuser und trostlosen Behausungen, in welchen die Musik zuhause ist. Wenn diese Musiker den Blues anstimmen, ist nichts aufgesetzt, vielmehr wissen sie genau, wovon sie singen: von einer oft erschütternden Lebenswirklichkeit, die kein Pardon und kein Nachsehen kennt und mit der sie tagtäglich und lebenslang zu kämpfen haben. Romantisierungen sind hier fehl am Platz.


Maxwell Street Market, 1981 (youtube)

Auf Festivals in Deutschland und den Niederlande setzt Feldmann seine Bluesexkursion fort, wobei nun auch die europäische Bluesszene ins Blickfeld rückt, verkörpert u.a. von Jo-Ann Kelly oder John Mayall. Fast könnte man auch den legendären, schwarzen Barrelhouse-Pianisten Champion Jack Dupree zur europäischen Szene zählen, lebte der Tastenmann aus New Orleans doch jahrelang in Hannover, von wo aus er zahllose Konzertreisen durch ganz Deutschland und die Nachbarländer unternahm. Ich habe Dupree damals als Teenager öfters bei Auftritten in Süddeutschland erlebt.   

 

Mit seiner Publikation ist Feldmann ein vielfältiges Portrait der Bluesszene der letzten Dekaden gelungen – immer hautnah am Geschehen dran. Es ist zum einen seine ganz persönliche Geschichte, die Story einer musikalischen Leidenschaft, die sich wie ein Puzzle mit wachsender Seitenzahl zu einer Historie des Blues der letzten 50 Jahre zusammenfügt.

 

Martin Feldmann: Further on up the road – Traveling to the Blues. 

268 Seiten, 500 Fotos in schwarz-weiß sowie Farbe, Martin Feldmann Eigenverlag; Frankfurt a. M. 2022; Euro 49.- 


Die Buchbesprechung erschien zuerst im Jazzmagazine JAZZTHTIK, 5/6 2022 (www.jazztheik.de)

 

Tuesday, 3 April 2018

Multi-Media-Vortrag von Christoph Wagner & Jim Kahr (ex-John Lee Hooker) – Blues in Schwaben

Donnerstag, 26. April 2018, 20:30 Uhr
Club Bastion, Kirchheim/Teck, Max-Eyth-Str. 57/2

Christoph Wagner & Jim Kahr:

Träume aus dem Untergrund – als der Blues nach Schwaben kam 

Multi-Media-Vortrag mit Live-Musik von Jim Kahr (ex-John Lee Hooker)

Das „American Folk Blues Festival“ machte den Anfang. Die tourende Blues-Revue gastierte ab 1962 etliche Male in Südwestdeutschland (Baden-Baden, Heilbronn und Stuttgart) und sorgte dafür, dass der Blues in den späten sechziger Jahren auch in Baden-Württemberg Fuß fasste. In subkulturellen Clubs (wie dem Club Bastion in Kirchheim/Teck) traten in den Siebzigern häufig Bluessänger, Barrelhouse-Pianisten und Rhythm & Bues-Gitarristen aus den USA und Großbritannien auf (ob Champion Jack Dupree, Memphis Slim, Mike Cooper oder Alexis Korner), von denen sich einheimische Musiker inspirieren ließen. Auf seiner Europatournee 1976 kam John Lee Hooker zu einem legendären Konzert nach Bad Urach, bei dem er von der Coast To Coast Bluesband und ihrem Gitarristen Jim Kahr begleitet wurde.
 
Mit vielen raren Fotos zeichnet Christoph Wagner, Autor des Buchs „Träume aus dem Untergrund – als Beatfans, Hippies und Folkfreaks Baden-Württemberg aufmischten“ (Silberburg Verlag, 2017), den Weg des Blues vom Mississippi an den Neckar nach, wo der afroamerikanische Musikstil nicht zuletzt durch Wolle Kriwanek und Günther Wölfle als „Schwoba-Blues“ Wurzeln schlug. Musikalisch umrahmt wird der Vortrag vom einem besonderen Gast, dem amerikanischen Blues-Gitarristen Jim Kahr, der einst mit John Lee Hooker ins Ländle kam und ein paar Geschichten aus erster Hand über den legendären schwarzen Bluessänger beisteuern wird, der nicht zuletzt durch sein Album „Mr Lucky “ – produziert von Carlos Santana unter Mitwirkung von Keith Richards, Van Morrison und Johnny Winter – 1991 zu einem Weltstar wurde.
 
Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 5 Euro
Donnerstag, 26. April 2018, 20:30 Uhr
Club Bastion, Kirchheim/Teck, Max-Eyth-Str. 57/2

Saturday, 25 November 2017

Tübingen / Club Voltaire: Träume aus dem Untergrund

MULTI-MEDIA-VORTRAG IN TÜBINGEN: WIE DER BLUES NACH SCHWABEN KAM

Foto: Susann Egelhaaf


Wir hatten einen tollen Abend gestern im Tübinger Club Voltaire: volles Haus, klasse Musik, begeisterte Zuhörer. In meinem Vortrag zeichnete ich den Weg nach, den der Blues in den 60er Jahren zurücklegte, als er vom Mississippi an den Neckar kam. Via Powerpoint wurden dazu historische Fotografien aus meiner Sammlung gezeigt, aber auch Fotos und Abbildungen von Plakaten, Eintrittskarten, Briefen etc. aus den 60ern und 70ern, die von den Aktivitäten rund um die Konzerte von Alexis Korner, Champion Jack Dupree und Memphis Slim berichteten. 
Als herausragender Musiker erwies sich Gitarrist Jim Kahr, der als junger Mann 1976 mit John Lee 
Hooker nach Bad Urach kam, eines der legendären Blueskonzerte, die damals im deutschen Südwesten stattfanden. Kahr verstand es ausgezeichnet, die Bilderstrecken musikalisch zu untermalen, manchmal mit Bottleneckspiel à la Ry Cooder ('Paris, Texas') oder mit Hooker-Songs wie 'Boom, boom, boom'.                                                                              Foto: Susann Egelhaaf

In einer Frage-Antwort-Sequenz gab Kahr dann Auskunft über seine Zusammenarbeit mit Hooker, berichtete von einer Studiosession in LA mit Hooker, Joe Cocker und Johnny Guitar Watson und erzählte ein paar andere interessante Anekdoten über 'Mr. Lucky', wie Hookers Erfolgsalbum hieß, das ihn zu einem internationalen Star machte. 
Vormerken:                                                                                      
Im Februar 2018 stehen die nächsten Multi-Media-Vorträge unter der Überschrift 'Träume aus dem Untergrund' zur POPGESCHICHTE SÜDWESTDEUTSCHLANDS an:
16/2 Stuttgart-Zuffenhausen, Pauluskirche: Christoph Wagner (Autor), Musik: Frederic Rabold Trio (20 Uhr)
23/2 Sigmaringen, Alter Schlachthof: Christoph Wagner (Autor), Musik: Thommy Balluff mit Synthesizer, Keyboards (Muli & his Misfits, exmagma, Fuckin' Gute Bürgerband) 20 Uhr

Foto: Matthias Knodel

Sunday, 12 November 2017

Multi-Media-Vortrag von Christoph Wagner & Jim Kahr (ex-John Lee Hooker) – Blues in Schwaben

Freitag, 24. November 2017, 20 Uhr
Club Voltaire, Tübingen, Haaggasse 26 B

Christoph Wagner & Jim Kahr:

Träume aus dem Untergrund – als der Blues nach Schwaben kam

Multi-Media-Vortrag mit Live-Musik von Jim Kahr (ex-John Lee Hooker)

Das „American Folk Blues Festival“ machte den Anfang. Die tourende Blues-Revue gastierte ab 1962 etliche Male in Südwestdeutschland (Baden-Baden, Heilbronn und Stuttgart) und sorgte dafür, dass der Blues in den späten sechziger Jahren auch in Baden-Württemberg Fuß fasste. In subkulturellen Clubs (wie dem Club Monasterie in Esslingen, dem Club Voltaire in Tübingen oder der Manufaktur in Schorndorf,) traten in den Siebzigern häufig Bluessänger, Barrelhouse-Pianisten und Rhythm & Bues-Gitarristen aus den USA und Großbritannien auf (ob Champion Jack Dupree, Memphis Slim, Mike Cooper oder Alexis Korner), von denen sich einheimische Musiker inspirieren ließen. Auf seiner Europatournee 1976 kam John Lee Hooker zu einem legendären Konzert nach Bad Urach, bei dem er von der Coast To Coast Bluesband und ihrem Gitarristen Jim Kahr begleitet wurde.
 
Mit vielen raren Fotos zeichnet Christoph Wagner, Autor des Buchs „Träume aus dem Untergrund – als Beatfans, Hippies und Folkfreaks Baden-Württemberg aufmischten“ (Silberburg Verlag, 2017), den Weg des Blues vom Mississippi an den Neckar nach, wo der afroamerikanische Musikstil nicht zuletzt durch Wolle Kriwanek und Günther Wölfle als „Schwoba-Blues“ Wurzeln schlug. Musikalisch umrahmt wird der Vortrag vom einem besonderen Gast, dem amerikanischen Blues-Gitarristen Jim Kahr, der einst mit John Lee Hooker ins Ländle kam und ein paar Geschichten aus erster Hand über den legendären schwarzen Bluessänger beisteuern wird, der nicht zuletzt durch sein Album „Mr Lcuky “ – produziert von Carlos Santana unter Mitwirkung von Keith Richards, Van Morrison und Johnny Winter – 1991 zu einem Weltstar wurde.
 
Eintritt: 7 Euro
Freitag, 24. November 2017, 20 Uhr
Club Voltaire, Tübingen, Haaggasse 26 B

Friday, 10 October 2014

RADIO RADIO RADIO: Blues Südwest

Sonntag, 19. Oktober 2014 / 23:03 – 24:00 Uhr

SWR2 Musikpassagen

John Lee Hooker in Bad Urach
Die Anfänge des Blues im deutschen Südwesten



                                                          John Lee Hooker mit Jim Kahr in Urach (Fotoalbum J. Kahr)
von Christoph Wagner

Am Sonntag, den 20. Juni 1976 stand Urach Kopf. Schon am Nachmittag strömten Hunderte von jungen Leuten in die Ermstalhalle, um den amerikanischen Bluesstar John Lee Hooker mit seiner Band zu erleben. Der Auftritt bildete den Höhepunkt einer ganzen Reihe von Konzerten, die das Städtchen am Fuße der Schwäbischen Alb zu einem Zentrum des Blues machte. Allerdings begann es schon früher. Bereits in den 60er-Jahren hatte das "American Folk Blues Festival" erstmals die Musik aus dem Mississippi-Delta nach Baden-Baden, Heilbronn und Stuttgart gebracht. Anfang der 70er-Jahre trat dann Alexis Korner häufig zwischen Heidelberg und dem Bodensee auf, ebenso der schwarze Barrelhouse-Pianist Champion Jack Dupree aus New Orleans, der in der Bundesrepublik eine neue Heimat fand. Zeitzeugen wie Dietmar Schrade (Jugendclub Meeting Gomadingen) und Viktor Bröske (Club Monasterie Esslingen) erinnern sich, und Gitarrist Jim Kahr erzählt von seinen Abenteuern mit John Lee Hooker und spielt exklusiv einen 'Hooker-Boogie' auf der akustischen Gitarre.



Friday, 29 November 2013

Pophistorie Südwest: JOHN LEE HOOKER in Bad Urach

SUCHANFRAGE 

Wer weiß etwas über

JOHN LEE HOOKER in Bad Urach?



Christoph Wagner, Radiomacher und Autor des Buchs "Der Klang der Revolte", ist dem amerikanischen Bluesgiganten John Lee Hooker im deutschen Südwesten auf der Spur. Dem Pophistoriker wurde zugetragen, dass der Bluesmusiker irgendwann in den 70er Jahren einmal in Bad Urach aufgetreten sein soll und zum Auftritt stilgerecht in einer riesigen Limousine vorfuhr. Bad Urach soll in dieser Zeit ein Blueszentrum gewesen sein, und John Lee Hooker nicht der einzige schwarze Bluessänger, der dort aufgetreten ist. Wagner sucht jetzt Zeitzeugen, Informationen, Plakate und Flugblätter des Konzerts und allgemein über die Uracher Bluesszene. Wer etwas darüber weiß, bitte melden, und wer dabei war sowieso! Jeder Hinweis kann nützlich sein! Kontakt: christophwagnermusic@gmail.com



2. Dezember 2013 - erste Ergabnisse: 

Das Konzert mit John Lee Hooker fand tatsächlich am Sonntag, den 20. Juni 1976 (16 Uhr) in der Ermstalhalle in Bad Urach statt. Mit dabei: Young Cooper Terry & The Coast to Coast Blues-Band. Veranstalter war der Stadtjugendring, dessen damaliger Vorsitzender Walter Gassner am Telefon sagte, dass 800 Leute das Konzert besucht hätten. 






Das Plakat und die Eintrittskarte stammen aus dem Buch von Frank M. Bierl: When The Music's Over - 40 Jahre Rockmusik / 40 Jahre Konzertkarten (Palmyra Verlag).

3. Dezember / 2. Nachtrag:
Joachim 'Dob' Glück sagt am Telefon, dass Bad Urach in den 70ern ein Blueszentrum gewesen war: Er kann sich - außer dem Konzert mit John Lee Hooker - an Auftritte von Sonny Terry & Brownie McGhee, Memphis Slim und Big Joe Williams erinnern.

5. Dezember / 3. Nachtrag:
Es gibt ein 'Live'-Album mit John Lee Hooker & The Coast to Coast Blues Band (featuring Jim Kahr), das zwei Tage vor dem Auftritt in Bad Urach in Köln aufgenommen wurde, also am 18. Juni 1976 und einen guten Eindruck vermittelt, wie Hooker und die Band in Urach geklungen haben. Einer der Besucher im Publikum war Bernd Cronemeyer, der in einer Email schreibt: "Weil das Konzert am Nachmittag stattfand (Beginn: 16 Uhr), kam in der lichtdurchfluteten Halle nur schwer Stimmung auf."

Ich bin weiterhin auf der Suche nach Zeitzeugen, vor allem einen der Veranstalter - wer etwas beitragen kann, bitte melden!