WOLFGANG GRATZER im JAZZPODIUM 2/3 2026
Thursday, 22 January 2026
JazzPodium 2&3 2026: Besprechung von 'Freak-Sounds'
Friday, 31 January 2025
Scheibengericht Nr. 37: Manuel Troller – Halcyon Future
Fein ziselierte Minimalmusik
Das aktuelle Album des Schweizer Gitarristen Manuel Troller
Manchmal spült einem der Zufall eine Musik zu, die außergewöhnlich ist und fasziniert, weil sie sich nicht in den üblichen Bahnen bewegt. Auf Anregung von Julian Sartorius hörte ich mir jüngst auf Bandcamp das Debutalbum der Schweizer Gruppe Baumschule von 2022 an, bei der Sartorius drummt und Manuel Troller Gitarre spielt. Eine abgeklärte Ambient-Musik, vielleicht inspiriert vom australischen Trio The Necks. Ruhige Klangmeditationsmusik!
Weil mich das Konzept von Baumschule interessierte, wollte ich mehr über Manuel Troller erfahren, den ich vom Trio Schnellertollermeier kannte, und stieß auf sein aktuelles Album „Halcyon Future“, das 2024 auf Bandcamp erschien.
Es ist ein klanglich vielseitiges Album, jedes Stück schillert in einer anderen Farbe. Minimalistisch, feingliedrig geht es mit „Halcyon Future 1“ sachte los. Zurückgenommen, versunken, ja fast barock-kammermusikalisch gestaltet sich die nächste Komposition „DNA“, die Troller alleine auf seiner Gitarre zupft und die an Renaisance-Musik – gespielt auf der Vihuela – erinnert.
Die beiden anschließenden Titel „Halcyon Future 2-1“ und „Halcyon Future 2-2“ nehmen den Faden des Auftaktstücks wieder auf: aus kleinteiligen Gitarrenmotiven, die wiederholt und variiert werden, sich ineinander verschränken und überlagern, formt Troller einen musikalischen Bogen, der mit der Zeit immer vielschichtiger wird, dabei nie überladen wirkt, auch wenn es im letzten Stück ziemlich zur Sache geht. Fein dosiert kommen Saxofon, Schlagzeug und Posaune dazu. Trollers „Halcyon“-Suite erinnerte mich stark an die frühe Minimalmusik eines Terry Riley, etwa das Album „A rainbow in curved air“, und klingt doch immer zeitgemäß. Eine Entdeckung – echt!
Manuel Troller – Halcyon Future (three:four records / meakusma)
Zum Reinhören:
Sunday, 25 November 2018
In Zürich hat das Unerhört-Festival begonnen
Zu einer Begegnung zwischen Schlagzeug und Piano kommt es beim Tête-à-tête von Sylvie Courvoisier und Julian Sartorius. Der Berner Schlagwerker, der sein Arsenal an Klangerzeugern auf Flohmärkten und Schrottplätzen findet, hat sich in den letzten Jahren mit ambitionierten Soloprojekten und hochkarätigen Duo-Begegnungen in die erste Reihe der eidgenössischen Jazzdrummer gespielt, während sich die Lausanner Tastenmusikerin lange schon auf der New Yorker Jazzszene tummelt, wo sie viel mit ihrem Ehemann Mark Feldman auftritt, aber auch mit Tim Berne, Mary Halvorson und John Zorn. Courvoisier und Sartorius lassen ein aufgewühltes Improvisationduett erwarten, das sich zum Orkan hochschaukelt, wenn sich das Piano in eine Batterie aus 88 Trommeln verwandelt und das Schlagzeug in ein Klavier voll prasselnder Töne.
Ebenfalls in Duo-Besetzung, aber mit transparentem Sound, agieren zwei Vertreter recht unterschiedlicher Jazzströmungen. Auf einem kürzlich erschienenen Album hat das Gespann des ostdeutschen Freejazz-Trommlers Günter „Baby“ Sommer und des Berliner Startrompeters des Jazz-Mainstreams Till Brönner bereits dokumentiert, wie problemlos die unterschiedlichen Ansätze zusammengehen. Brönner unterstreicht mit Nachdruck, wie abwegig es ist, ihn als leichtgewichtigen Jazz-Pfiffikus abzutun. Mit Sommer knüpft er an dessen Zusammenarbeit von 2006 mit dem afro-amerikanischen Trompeter Wadada Leo Smith an, wobei Brönner mit einem Feuerschweif aus Tönen, versunkenen Melodien und einer enormen Palette an Klangfarben aufwartet. Mit Geschmack, dezenter Zurückhaltung und viel Poesie hegt Sommer die Improvisationen des weit jüngeren Bläservirtuosen ein, wodurch ein sprühender Gedankenfluß entsteht, der jeder Zeit eine überraschende Wendung nehmen kann.
Für ein ähnlich farbenprächtiges Panoptikum aus Rhythmen und Klängen steht das Perkussionsgespann von Joey Baron und Robyn Schulkowsky. Geschult sowohl an John Zorn als auch an Morton Feldman bringt das Paar zusammen mehr als hundert Jahre Trommelerfahrung auf die Waage. Der Topdrummer des Jazz und die profilierte Schlagwerkerin zeitgenössischer Konzertmusik loten das ganze Spektrum an Trommelsprachen aus, wobei der Zusammenklang verschiedenster Perkussionsinstrumente im Zentrum ihrer Kompositionen steht. „Das Klangmaterial, das zum Einsatz kommt, haben wir über lange Zeit entwickelt mit dem Vorsatz, dass es optimal zusammenklingt, ja Akkorde und Intervalle hervorbringt,“ sagt die Amerikanerin. „Vorgaben werden improvisatorisch erkundet, wobei sich jedes Stück aus der Abfolge bestimmter Klangkombinationen entwickelt. Dabei ist das Hören unser wichtigstes Werkzeug. Wir lassen uns von unseren Ohren leiten und bringen alles ein, was wir bis dahin gelernt haben.“Wednesday, 20 April 2016
JAZZAHEAD-Messe - Schwerpunkt SCHWEIZ
UB:
Wir sind nunmehr im elften Jahr und sind stolz, dass die “jazzahead!”
inzwischen zur Drehscheibe des internationalen Jazz geworden ist. Man sieht es
an der Zahl der Aussteller, der Besucher, der Bandbewerbungen. Es gibt auf der
Welt keinen anderen Jazz-Event dieser Art mit so vielen Teilnehmern. Wir sind zu einer richtigen Jazzmesse
geworden, die man besuchen muß, wenn man in der Branche tätig ist. Die Messe ist
offen für die Öffentlichkeit, was bedeutet, dass alle unsere Konzerte extrem
gut besucht sind, oft ausverkauft. Für junge Musiker stellt das eine optimale
Bühne dar. Hier können sie sich sowohl der Branche als auch der Öffentlichkeit
präsentieren. Selbst die Nachmittagskonzerte ziehen oft 700 und mehr Besucher
an. Das spricht sich weltweit herum. Deshalb steigen die Teilnehmerzahlen. Wir
sind die einzige Musikmesse auf der Welt, die derartig wächst. Die meisten
anderen stagnieren oder schrumpfen sogar. Allerdings machen wir uns auch sehr
intensiv Gedanken, wie die “jazzahead!” noch attraktiver werden könnte. Wir
wollen, dass sie einen noch höheren Gebrauchswert für die Besucher hat. Es geht
darum einen Event zu schaffen, von dem Musiker, Labels, Journalisten,
Festivalveranstalter und Clubbetreiber profitieren können. Kein Mensch kommt zur
“jazzahead!” nach Bremen, wenn es ihn nur Geld kostet und der Nutzen
zweifelhaft ist.
