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Friday, 2 January 2026

SCHEIBENGERICHT Nr.52: Brad Henkel Quartet

Brad Henkel Quartet

Overstory

Trouble in the East Records



Seine Kompositionen enden abrupt, reißen häufig einfach ab: zack – aus! Allerdings ist, was davor geschieht, oft ebenso unversehens. Die Musik von Brad Henkel schlägt Haken, steckt voller Überraschungen und geht von einer unkonventionellen Klangtextur in die nächste über, manchmal organisch, manchmal jäh. 


Der amerikanische Trompeter und Komponist, der seit Jahren in Berlin lebt, meidet die ausgetretenen Pfade und sucht mit seinem Ensemble nach neuen Wegen. Sein aktuelles Album, das erste mit einem Quartett in klassischer Jazzbesetzung eingespielt, fängt mit wundersamen Tönen und Geräusche an, die Henkel seinem Horn entlockt. Danach kommen seine exzellenten Mitstreiter dazu, zuerst Drummer Samuel Hall, dann die Pianistin Rieko Okuda und die Bassistin Isabel Rößler. Zusammen erzeugen die vier einen lava-artigen Klangstrom, der immer weiter aufschäumt, bis er ganz unvermutet abbricht und einer zarten Folge von gedämpften Trompetentönen und Tastentupfern Platz macht. 



Das Eröffnungsstück setzt den Ton für das ganze Album, dessen hervorstechendste Eigenschaft seine Unvorhersehbarkeit ist. Henkel unterläuft jede Erwartung. Diese Maxime läßt seine Musik frisch, manchmal verwegen, doch immer originell klingen. Alle Beteiligten strahlen eine große Souveränität aus, als hätten sie schon immer auf so selbstverständliche Weise einen derart individuellen Jazz gespielt.


Zum Reinhören:

https://troubleintheeastrecords.bandcamp.com/album/overstory


Thursday, 10 July 2025

SCHEIBENGERICHT Nr. 44: Antonio Borghini & Banquet of Consequences

Antonio Borghini & Banquet of Consequences

Resta Chi Va

We Insist! Records




Der Kontrabassist und Komponist Antonio Borghini, 1977 in Mailand geboren und heute in Berlin lebend, ist eine der originellsten Stimmen der zeitgenössischen italienischen Jazzszene. Banquet of Consequences heißt sein wahrhaft internationales Ensemble, das sich durchweg aus Berliner Jazzemigranten zusammensetzt. Mit von der Partie sind der französische Altsaxofonist Pierre Borel und der deutsch-britische Tenorsaxofonist Tobias Delius, der türkische Cellist Anil Eraslan und die japanische Pianistin Rieko Okuda sowie der Schlagzeuger Steve Heather aus Australien.


Anfang 2024 verbrachte Borghini längere Zeit in Marseille, wo die Kompositionen für dieses Albums entstanden sind, die dann im Herbst in einem Studiokonzert in Berlin “live” eingespielt wurden. Borghini lotet dabei das ganze Spektrum an Stilformen aus, die der Jazz seit seinen Anfängen zu bieten hat und die von einer Ragtime-Nummer bis zu avantgardistischen Geräuscherkundungen reichen, wobei auch argentinischer Tango, Klezmermusik und südafrikanischen Township-Jive anklingen. Überzeugend gelingt es Borghini und seinem Ensemble, all diese heterogenen Einflüsse organisch zu einem sinnvollen Ganzen zu verschmelzen, das vor Witz, Fantasie und musikalischer Virtuosität nur so strotzt und bei dem wohl Charles Mingus als Inspirationquelle Pate stand. 


Hörprobe:

Antonio Borghini & Banquet of Consequences – ... the dropper