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Tuesday, 20 August 2019

PRAM in Hebden Bridge

Traumpop von PRAM

Letzte Woche kamen Pram (auf kleiner Tour durch England) zu einem ihrer seltenen Auftritte in den Trades Club nach Hebden Bridge. Ein schönes Wiedersehen mit der Band, die zweimal beim Klangbad-Festival in Scheer und einmal beim Schlachtfest in Sigmaringen zu Gast war. Ihr träumerischer Pop, der immer noch sehr stark nach Filmmusik klingt, hat nichts von seiner Faszination verloren. Die acht Köpfe starke Crew kam zu einem späten Lunch vorbei und fuhren noch in der Nacht wieder nach Birmingham zurück.

Foto: Jane Revitt

Monday, 23 January 2017

WIR TRAUERN UM JAKI LIEBEZEIT (1938 - 2017)

FREUND JAKI
                                                                                                                                                     Foto: C. Wagner

Im scheinbar immer dichter werdenden Getöse und Gebrabbel der Gegenwart sind sie selten geworden: Menschen mit einer unverkennbar eigenen Stimme, die in Literatur, Journalismus, Musik, Kunst oder Film etwas eigenes, unverwechselbares zu sagen haben, etwas, das Bedeutung hat und sich von allem anderen unterscheidet. Jaki Liebezeit war so eine Person. Sein Trommelspiel war einzigartig, auch wie er darüber (und über Musik überhaupt) dachte und sprach. Da wurde sofort klar: Hier macht sich jemand seine eigenen Gedanken.

Doch anders wäre es für ihn auch gar nicht möglich gewesen, ein Künstler zu sein. “Wenn Du Picasso gut findest und dann so malst wie Picasso, bist Du kein Künstler, sondern ein Imitator,” war sein Diktum. Sein ästhetisches Bewußtsein war glasklar und unbestechlich. Hans Joachim Irmler und Andreas Schmid (Tontechniker im Faust-Studio), die mit ihm in den letzten Jahren zwei Alben abgemischt haben, können davon ein Lied singen. Deshalb war es auch kaum begreifbar für ihn, dass es heute mehr Schlagzeuger gibt als je zuvor „und alle spielen gleich!“ Nicht Jaki Liebezeit. Wie er trommelte, so spielte sonst niemand Schlagzeug. Ein paar Mal in seinem Leben hat er sein Schlagzeugspiel komplett umgestellt und wieder ganz von vorne begonnen, weil er das Gefühl hatte, in einer Sackgasse gelandet zu sein.

„A true innovator”, mailte mir der englische Jazzdrummer Tom Skinner heute morgen. Laurence Hunt, der Schlagzeuger von Pram, sendet folgende Erinnerung: „Seeing and hearing him play at Klangbad festival with Burnt Friedman was one of, if not the most memorable, refined and considered drum performances I have seen. I literally stood right up to the stage barrier, what a thrill!“ Und Florian Egli von der Züricher Gruppe Weird Beard, die im Sommer im Vorprogramm von Liebezeit & Irmler beim Sigmaringer Schlachthof-Festival aufgetreten waren, schreibt: „Den Zauber von Jaki's unaufgeregtem Spiel, dass die Energie nicht in der Dichte und nicht in der Lautstärke sucht, sondern in den langen und sehr feinen Bögen, welche er über einen ganzen Song drüber gespannt hat, das haben wir mitgenommen von dem Abend im Schlachthof.“ 


Ich hatte Jaki Liebezeit 2009 kennengelernt, als er beim Klangbad-Festival in Scheer mit Burnt Friedman auftrat. Davor hatte ich ihn in Liverpool mit dem Turntable-Artisten Philip Jeck und Jah Wobble am Bass gehört. Ich, der in meinem ersten Leben selbst mal Schlagzeuger gewesen war, stand das ganzen Konzert hindurch wie gebannt vor der Bühne und habe Liebezeit die ganze Zeit genau auf die Finger geschaut – und nichts verstanden, nicht kapiert, was er macht. Wahrscheinlich waren es seine ungeraden Metren, die mich verwirrten. Darin war er ein Meister. Er spielte in einem 7/4- oder 11/8-Metrum so selbstverständlich wie in einen 4/4-Takt.

 2010 wollten wir ihn dann zusammen mit Jah Wobble für einen Auftritt beim „Klangbad“ mit Hans Joachim Irmler gewinnen. Wobble winkte ab und wir dachten, dann würde auch Jaki einen Rückzieher machen. Doch Pusteblume! „Ich brauche keinen Bassisten,” meinte er am Telefon. „Geht auch ohne! Auf was ich allerdings Wert lege, ist eine ausführliche Probe.” So kam es zum Auftritt von B.I.L.L. (Bell, Irmler, Liebezeit, Lippok) beim Klangbad-Festival im August 2010 – ein wunderbarer Gig! Das Album – äußerst hörenswert!

                                                                                                             Glasgow 2015  (Foto: C. Wagner)
Ich habe noch Anfang Januar mit Jaki telefoniert, um ihm ein „gutes neues Jahr“ zu wünschen. Da schien er noch in guter Form zu sein. “Nicht viel los im Moment!” sagte er, weil kaum Auftritte anstanden. Er wollte sobald der Schnee weg war nach Scheer fahren, um die Aufnahmen abzumischen, die nach dem Auftritt mit Hans Joachim Irmler beim Sigmaringer Schlachthof-Festival im Juli 2016 im Faust-Studio entstanden waren: 22 Stunden Musik hatten die beiden in ein paar Tagen eingespielt. Damals beim Gespräch am Kaffeetisch kamen wir auf das Thema „Arbeit“ zu sprechen, und da zog Jaki eine Art Lebensbilanz, die gar nicht so schlecht ausfiel: „Ich hab noch nie in meinem Leben gearbeitet,” meinte er. „Ich hab mein Hobby zum Beruf gemacht, musste also nie arbeiten.”

Jaki Liebezeit war ein äußerst netter Mensch: offen, klug, zurückhaltend, zuvorkommend, freundlich, ja fast sanft, interessiert, mit wachem Geist. Am Sonntag, den 22. Januar 2017 ist er in Köln an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Er hatte schon seit längerem mit Herz- und Lungenproblemen zu kämpfen. Beim Schlachthof-Festival im Sommer 2016 schien er mir zum ersten Mal gealtert. Wir mussten ihm eine Zwischenstufe an die Bühne stellen, damit er leichter hinauf kam. Seinem Trommelspiel war allerdings absolut nichts anzumerken: Das war so präzise, makellos und federnd wie eh und je.

Mit Liebezeit ist eine eigenständige Stimme verstummt, die unsere Gegenwart so bitter nötig hätte. Wir werden ihn schwer vermissen. Wer wird nun die geheimen Rhythmen und magischen Beats trommeln?

Mehr zu Jaki Liebezeit:
http://christophwagnermusic.blogspot.co.uk/2013/07/trommelmaschinenmensch-jaki-liebezeit.html

http://christophwagnermusic.blogspot.co.uk/2014/12/nachdenken-uber-musik-mit-jaki_29.html

http://christophwagnermusic.blogspot.co.uk/2014/12/nachdenken-uber-musik-mit-jaki_26.html

Saturday, 2 July 2016

SCHLACHThof FESTival SIGMARINGEN 23. Juli 2016



SCHLACHThof FESTival SIGMARINGEN mit Headliner: Jaki Liebezeit (Can) & Hans Joachim Irmler (Faust)

Am Samstag, den 23. Juli 2016 ab 17 Uhr setzen die Ateliers im Alten Schlachthof nach längerer Atempause die Reihe ihrer außergewöhnlichen SCHLACHThof-FESTivals fort: 

Das Fest mit international-hochkarätigen Interpreten der Künste für Augen und Ohren bleibt sich treu: Poetisch und extraordinär werden die Schlachthof-Räume gefüllt.

Am Nachmittag verwandeln sich die Atelierräume in ein Museum der vergessenen Klänge:

- mit zeitgenössischen Tönen aus Kinderklavieren von Isabel Ettenauer (Österreich),
- den ätherischen Klängen der Glasharmonika mit dem Augsburger Bruno Kliegl,
- Rembetika-Musik ("griechischer Blues") zu Baglama, Bouzouki und Klarinette, gespielt vom  Duo „Lefta“.

Am Abend dann auf der Hauptbühne:

-  Weird Beard um den jungem Saxofonisten Florian Egli aus Zürich mit jazzrockig- psychedelischer Wucht.

- Als Höhepunkt: 
Die Krautrocklegenden Hans Joachim Irmler und Jaki Liebezeit, spätestens seit der Gartenschau auch Schlachthoflegenden, werden mit Keyboard und Schlagzeug ihre vertrauten schillernd-reißenden Klangströme fließen lassen. Ein sommerliches Fest für alle Sinne!





Der Vorverkauf hat begonnen: 07571 3333 oder www.schlachthof-sigmaringen.de
Eintritt: 18 €, 13 -18 Jahre ermäßigt: 12 €, Kinder bis 12 Jahre: frei
Georg-Zimmerer-Straße 7, 72488 Sigmaringen

http://www.schlachthof-sigmaringen.de/Die-naechsten-Veranstaltungen/SCHLACHThofFESTival-Samstag-23.-Juli-2016-ab-17-Uhr