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Friday, 29 August 2025

SCHEIBENGERICHT Nr. 46: NED ROTHENBERG – LOOMS & LEGENDS

Verschlungene Vielschichtigkeit:

Ned Rothenberg – Looms & Legends

Pyroclastic Records  



Anfang der 1980er Jahre machte der amerikanische Multiinstrumentalist Ned Rothenberg mit ein paar Alben von sich reden, auf denen er mehrstimmig als Solist auf monophonen Instrumenten spielte. Diese Kunst der sogenannten “Multiphonics” hat er seither vervollkommnet und perfektioniert. Heute ist der New Yorker Holzblattbläser in der Lage mit Überblaseffekten, Obertönen und Spaltklängen sonore Phänomene zu erzeugen, die in ihrer verschlungenen Vielschichtigkeit an Evan Parker, Steve Reich oder die Bach’schen Cellosuiten erinnern.



Rothenberg entfaltete seine Kunst auf Altsaxophon, Klarinette und Baßklarinette, sowie der Shakuhachi, einer japanischen Bambusflöte, die üblicherweise von buddhistischen Mönchen gespielt wird. Und wie die Mönche der realen Welt entsagt haben, so spielt Rothenberg Stücke, die er als ethnische Musik eines imaginären Landes versteht, so eigenwillig klingen seine Kompositionen. Mit Hilfe der Zirkulationsatmung erzeugt er einen steten Tonfluß, aus dem immer wieder einzelne Töne herausfallen, die sich dann zu einer zweiten Melodie reihen. Dreizehn Eigenkompositionen enthält das Album, die alle wie feingeschliffene Diamanten funkeln, und mit “Round Midnight” einen Abschluß finden, das Rothenberg mit luftiger Intonation auf der Shakuhachi bläst, was dem Monk-Stück eine geheimnisvolle Dimension verleiht. 

Thursday, 13 December 2012

Review 2012 #8: HARRIS EISENSTADT's Highlights


HARRIS EISENSTADT, jazzdrummer, composer and leader of the Canada Day Quintet & Octet; Brooklyn



MY HIGHLIGHTS 2012

Albums:

Nate Wooley The Almond (Pogus)
Jeremiah Cymerman Purification/Dissolution (5049)
Jeff Davis Leaf House (Fresh Sound)
Russ Losing Drum Music – Music of Paul Motian (Sunnyside)
Jacob Garchik The Heavens (Yestereve)

Concerts (all happened in New York):
                                                                                                                                 Foto: Petra Cvelbar
Mark Dresser Quintet, Cornelia Street Cafe, May 15, 2012
Aaron Siegel and Mantra Percussion, Music at First Series, June 1, 2012
Jacob Garchik, "The Heavens CD Release Party", Shapeshifter Lab July 25, 2012
Ned Rothenberg + Mivos Quartet, Roulette, November 10, 2012
Henry Threadgill, "Dimples", Roulette, November 24, 2012

                                                                                                     
                                                                                                                                             
Latest Albums:
Harris Eisenstadt: Canada Day Octet (482 Music)
Harris Eisenstadt Quintet: Canada Day 3 (Songlines)

www.harriseisenstadt.com

Friday, 16 November 2012

HÖREMPFEHLUNG 10: Ned Rothenberg solo


Materialklänge

Ned Rothenbergs neues Soloalbum

                                                                                                                   Foto: Ziga Koritnik
CW. Ist Ned Rothenberg ein Außerirdischer? Seine Musik klingt wie aus fernen Galaxien. Um solche Sphärenklänge zu erzeugen, benutzt der New Yorker Ausnahmemusiker jedoch keine Elektronik, sondern eine ganz normale Klarinette, wie es sie schon zu Zeiten Mozarts gab.
Rothenberg kommt aus der New Yorker Downtown-Szene der 80er Jahre, wo er mit John Zorn, Marc Ribot und Bobby Previte gearbeitet hat. Über die Jahre war er mit Gruppen wie den Semantics, seiner Double Band sowie Sync und R.U.B. aktiv, doch im Solospiel liegt seine eigentliche Stärke.
Seit 30 Jahren feilt Rothenberg an einer eigenen Tonsprache, die die sonoren Phänomene musikalisiert, welche in den Materialien schlummern, aus denen die Klarinette gefertigt ist: Vibrationen, Oberton- und Überblaseffekte, Hickser, Spaltklänge, Splittertöne und Verzerrungen.
Diese Materialklänge macht Rothenberg zur Grundlage seines Spiels. Er entwickelt daraus Solostücke, die von großer Stringenz sind und äußerst raffiniert konstruiert. Inspiriert von den Loops der Minimalisten und ausgestattet mit einer makellosen Zirkularatmung sowie einer verblüffenden Technik, bläst Rothenberg kreisförmige Melodien, deren Variationspotential er auslotet. Ungewöhnliche Klänge und Geräusche scheren aus den Melodienschleifen aus, um angereichert mit imaginären Geisternoten eine Überstimme zu bilden, die jedes Solostück zu einer komplexen Komposition macht.
Die neutönerischen Miniaturen wirken so gültig und ausgereift, als entstammen sie einer Jahrhunderte alten Tradition und machen vergessen, dass hier eigentlich ein avantgardistische Klangkosmos zur Entfaltung kommt, so organisch und selbstverständlich klingt die Musik.

Ned Rothenberg: World of Odd Harmonies (Tzadik)