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Saturday, 18 January 2025

SCHEIBENGERICHT Nr 35: Samuel Rohrer, Schlagzeuger & Elektroniker

Handgemachte und synthetische Beats

Der Schweizer Drummer als Elektroniker


Der Schweizer Schlagzeuger Samuel Rohrer hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum Elektroniker entwickelt. Wohl sind die Drums weiterhin sein Hauptinstrument, doch kombiniert er inzwischen handgemachte Rhythmen mit wehenden oder knisternden elektronischen Sounds, was faszinierende Soundscapes von unterschiedlicher Beschaffenheit ergibt. Manchmal sind es harte Beats, die das Geschehen bestimmen, dann wieder fragile synthetische Klänge. Und gelegentlich übernimmt die Elektronik sogar vollständig das Kommando. 

 

Rohrer gelingt es, jeden der acht Tracks in eine eigene Klanglichkeit zu tauchen und ihm eine individuelle Form zu geben: Einmal knarzt ein Ostinato-Motiv metallisch, über das Rohrer schwere Klangplatten schichtet und einen rohen Klaus-Dinger-Rhythmus unterlegt. Ein andermal ziehen minimalistische Tonlinien loop-artig ihre Kreise, die sich mehr und mehr zu einem polyphonen Sound-Knäuel ballen. 


 

In der Komposition The Gift stößt der skandinavische Trompeter Nils Petter Molvaer hinzu, der zuerst verwehte Trompetentöne über ein blubberndes Elektronikgebräu bläst, um dann im Naturton versonnene Linien voller Melancholie zu zeichnen. Als Drummer ist Samuel Roher heute näher an Jaki Liebezeit als an Tony Williams, und als Elektroniker läßt Aphex Twin grüßen, was keine schlechte Kombination ist. 


Samuel Rohrer: Music For Lovers (Arjuna Music)


Zum Reinhören auf bandcamp:


https://arjunamusic-records.bandcamp.com/album/music-for-lovers

Monday, 16 December 2024

BEST OF 2024

Ein paar bemerkenswerte Alben von 2024:


The Necks: Bleed (Northern Spy / H’Art)


Graindelavoix / Björn Schmelzer: Ex Nihilo – Polyphony Beyond The Order of Things (Glossa Platinum)



Foto: Graindelavoix

Zum Reinhören:

https://www.youtube.com/watch?v=RDGkp9IYx70


J.J. Whitefield & Forced Meditation: The Infinity of Nothingness (Jazzman)


Ingrid Laubrock & Tom Rainey: Brink (Intakt)


Kudsi Erguner & Lamekan Ensemble: Fragments Des Cérémonies Soufies – L’Invitation à L’Extase (Seyir Muzik)


Eric Schaefer & Ensemble: Hayashi (blue pearls music)


Veretski Pass: The Peacock And The Sundflower (Borscht Beat)


Nite Bjuti (Candice Hoyes, Val Jeanty, Mimi Jones): Nite Bjuti (Whirlwind Recordings)



Zum Reinhören:

https://www.youtube.com/watch?v=tyG6PX-IIkg


Nightports / Matthew Bourne: Dulcitone 1804 (Leaf)


Samuel Rohrer: Music For Lovers (Arjuna Music)


Jeff Parker ETA IVtet: The Way Out of Easy (International Anthem)





Thursday, 30 March 2023

SCHEIBENGERICHT: Drummer Samuel Rohrer – zwischen Minimal Techno und Ambient

SCHEIBENGERICHT 13:

Samuel Rohrer 

Codes Of Nature  

(Arjunamusic Records; Vinyl / Digital) 

4 von 5 Sterne



Samuel Rohrer, 1977 in Bern geboren, ist über die Jahre von einem Jazzschlagzeuger zu einem Elektroniker im Kraftfeld zwischen Minimal Techno (der komplexeren Art) und Ambient Music geworden. Der Drummer, der bei Billy Brooks das Rhythmus-Handwerk gelernt hat, war anfangs mit den Pianisten Malcolm Braff oder Colin Vallon im zeitgenössischen Jazz unterwegs. Nach einem Umzug nach Berlin vor zwanzig Jahre hat er sich mehr und mehr ins Umfeld der Elektronik-Szene begeben, wo er mit Gruppen und Musikern wie Ambiq, Ricardo Villalobos, Tobias Freund, Dark Star Safari, Nils Petter Molvaer, Max Loderbauer oder Oren Ambarchi gearbeitet hat. Das färbt ab.  

Rohrer hat die verschiedensten Impulse aufgenommen und in ein Soloprojekt einfließen lassen, das ihn nun schon seit Jahren beschäftigt. Jetzt legt er mit „Codes of Nature“ sein viertes Solo-Album vor. Es enthält ein halbes Dutzend Stücke, die zwischen fünf und zehn Minuten lang sind. Überwiegend werden Rohrers Kompositionen von rhythmischen Ideen bestimmt und wären auf dem Dance- bzw. Chill-Out-Floor eines elektronischen Tanzclubs nicht völlig fehl am Platz, obwohl sie um einiges ausgeklügelter daherkommen. Mit dem Etikett IDM – Intelligent Dance Musik – wurde derart subtile Clubmusik in den 1990er Jahre versehen. 

Rohrer bleibt auch als Elektroniker immer Schlagzeuger. Er verwebt elektronische Klicks, Blobs und Piepstöne zu dichten Kreuz- und Gegenrhythmen und unterlegt sie mit mächtigen Bässen vom Synthesizer sowie prägnanten Schlagzeug-Beats, die an die repetitiven Schlagmuster der menschlichen Groove-Maschine, Jaki Liebezeit, in seinen späteren Jahren erinnern. 

Samuel Rohrer: Fourth Desnity (vom Album: Codes of Nature) youtube


Darüber, dazwischen und dahinter legt und schiebt er Partikel aus Elektronik-Sounds, verzerrten Stimmen und verquirllten Geräuschen, die sich gelegentlich zu rauschenden Sphärenmelodien verdichten, wobei sich das ganze komplexe Gebilde fortwährend unmerklich verändert und anders gruppiert. Rohrer entgrenzt seine One-Man-Band aus Laptop und Schlagzeug zu einem riesigen Xylophon- und Marimba-Orchester elektro-akustischen Zuschnitts.
 

Ruhiger fallen dagegen ein paar Stücke aus, die eher der Kategorie Ambient Music zuzurechnen sind und in der Tradition eines Aphex Twin und seinen Ambient Works stehen. Diese Musik ist luftiger gehalten und läßt den einzelnen Tönen mehr Raum. Wie im ewigen Auf und Ab der Gezeiten schwellen die Klänge an, um bald wieder zu verebben, wobei die Musik – rätselhafterweise – immer gleich bleibt und sich doch ständig verändert. 

Das Album-Besprechung erschien zuerst in der Zeitschrift JAZZTHETIK – für Jazz und anderes, Heft 3/4 2023

 

Sunday, 20 December 2020

Das war 2020

Best of 2020:

Jazz:

James Brandon Lewis & Chad Taylor: Live in Willisau (Intakt)

Eric Revis: Slipknots through a Looking Glass (Pyroclastic Records)

Sun Ra Arkestra: Swirling (Strut)

 



Experimental:

Samuel Rohrer: Continual Decentering (arjunamusic)

Mahan Esfahani: Musique? (Hyperion)

Martin Mallaun: Stimmungen (Loewenhertz)

 

Klassik:

Trio Zimmermann: Goldberg Variations (BIS Records)

Rudolf Buchbinder: Beethoven – Diabelli Project (Deutsche Grammophon)

 

Querbeet:

Embryo Trio: Live Behind the Green Door (Permakultur)

Kronos Quartet & Friends: Celebrate Pete Seeger – Long Time Passing (Smithsonian/Folkways)

 

Early Music:

Graindelavoix : Gesualdo - Tenebrae (Glossa) 

 

Roots:

The Harry Smith B-Sides (Dust To Digital)

 

Motto:

Der Schlaf der Vernunft bringt Ungeheuer hervor

 

 

Tuesday, 29 September 2020

Radiophon – Musikcollagen im SWR2

RADIOPHON – MUSIKCOLLAGEN

Am Donnerstag, 1. Oktober 2020 (21:03 – 22:00) gestalte ich 'Radiophon – Musikcollagen' im SWR2. Es ist Musik zu hören von Matthaeus Pipelare (15. Jahrhundert), Hubl Greiner (ex-The Blech), John Zorn, Laurie Spiegel, Howard Skempton, Borah Bergman, Giovanni Paolo Colona, Samuel Rohrer und Ernst Molden (mit Ursula Strauss). 

Das Spektrum reicht von Minimal über Vokalmusik der Renaissance bis zu jüdischem Jazz, Wiener Lied und Elektronik.


Donnerstag, 1. Oktober 2020 (21:03 – 22:00) // SWR2, Radiophon

                                                Borah Bergman (1926 - 2012)