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Tuesday, 7 April 2026

Jamie Muir – Musiker und Künstler

In The Court of the Crimson King

Wie King-Crimson-Perkussionist Jamie Muir (1945–2025) zum Buddhisten, dann zum bildenden Künstler wurde

1973 hätte er mit King Crimson zum Konzert nach Sindelfingen kommen sollen. Sein Name  stand auf dem Plakat. Doch kurz bevor die Band zur Europatournee aufbrach, stieg Jamie Muir aus. Er zog sich in ein buddhistisches Kloster in Schottland zurück und entsagte der Welt der Popmusik und des Shwobusiness'. 


Jamie Muir war ein begabter Trommler und Perkussionist, wie auf dem Album "Larks' Tongues in Aspic" von King Crimson zu hören ist. Er brachte ein anarchisches Element in die sonst so kompakte, rationale und logisch-durchorganisierte Musik von Robert Fripp ein. 


Auf Youtube ist King Crimson mit Jamie Muir zu sehen bei einem Auftritt 1973 im Beat-Club von Radio Bremen mit dem Titelstück ihres damals aktuellen Albums "Larks' Tongues in Aspic":

Muir kehrte später für kurze Zeit in die Welt der Musik zurück. Er nahm ein hörenswertes frei-improvisiertes Album mit Derek Bailey (Gitarre) auf: 


Danach widmete er sich nahezu vollständig nur noch der bildenden Kunst, wobei seine Werke ein breites Spektrum an Stilen abdecken. Letztes Jahr ist Muir im Alter von fast 80 Jahren gestorben. Jetzt waren seine Werke in zwei Ausstellungen in England zu sehen.  







Ausstellungskatalog:

Jamie Muir (1945-2025) Carry me Gently home. (www.jamiemuirart.com)

Tuesday, 17 June 2025

Nach Amerika entkommen

Genya Ravan & Ten Wheel Drive

JAZZROCK der 1970er JAHRE




Als wir Anfang der 1970er Jahre als Beatles- und Rolling-Stones-Fans mehr und mehr die progressive Rockmusik entdeckten, dabei Bands wie Blodwyn Pig, King Crimson oder Stud schätzen lernten, stießen wir auch auf den Brassrock von Gruppen wie Chicago oder Blood, Sweat & Tears, die das konventionelle Rockbandformat  durch einen (Big-Band-)Bläsersatz ergänzten, was ganz automatisch Jazzelemente in die Musik einbrachte.  Neben obskuren Bands wie Rock Workshop von Ray Russell oder Swegas aus London bzw.  Chase (mit vier Trompetern) oder Dreams (mit Billy Cobham und Michael & Randy Brecker) aus den USA, kam uns auch eine zehnköpfige amerikanische Band namens Ten Wheel Drive ins Gehege, bei der die Sängerin Genya Ravan den Ton angab. Wie ich jetzt gerade durch Zufall bei einer Buchlektüre erfahren habe, gelang der Vokalistin als kleinem Mädchen mit ihren Eltern die Flucht in die USA, während ihre beiden Brüder und viele andere Verwandte in den Vernichtungslagern der Nazis umgebracht wurden. Ravan, jüdisch, war am 1. Januar 1940 in Łódź – damals deutsches Reich, heute Polen – als Genyusha Zelkowitz zur Welt gekommen. Ich hatte nicht den geringsten Schimmer einer Ahnung von ihrer ungeheuren Lebensgeschichte. Ihre Herkunft hat mich dann doch ziemlich überrascht, da Ravan derart amerikanisch singt, mit einer Schärfe und Wucht, die an Janis Joplin oder Aretha Franklin erinnert.

Genya Ravan & Ten Wheel Drive: Tighdrope (youtube)





Tuesday, 7 September 2021

Nachruf auf Peter Zinovieff – Synthi-Pionier

Zukunftsklänge

 
Der Synthesizer-Pionier Peter Zinovieff (1933-2021) brachte mit seiner Firma EMS die elektronische Musikrevolution in Europa in Gang 

Peter Zinovieff, in seinem Büro in Cambridge, 2011 (Foto: C. Wagner) 

 cw. Als ich ihn vor einigen Jahren in Cambridge wegen eines Interviews besuchte, hatte er alles fein säuberlich vorbereitet: Auf dem Tisch lag ein Aktenkoffer, den er vor meinen Augen öffnete: Zum Vorschein kam ein Gerät, das mit unzähligen Knöpfen und Schaltern versehen war. Was da so silbermetallisch schimmerte, erklärte mir Peter Zinovieff, sei ein „Synthi A” – ein früher Synthesizer seiner Firma EMS aus London. Der Synthi-Pionier legte ein paar Regler um, drehte an den Knöpfen, und schon begann die Maschine zu piepsen und zu rauschen. Jetzt ist der Synthesizer-Pionier im Alter von 88 Jahren verstorben. 

Als der „Synthi A“ 1971 auf den Markt kam, galt er als Sensation: ein kleiner kompakter Koffersynthesizer mit fast unbegrenzten Möglichkeiten, dazu noch zu einem erschwinglichen Preis. Kein Wunder, dass viele Popmusiker die Wunderkiste haben wollten. Ob Pink Floyd, King Crimson, Roxy Music oder Hawkwind, ob Jean-Michel Jarre, Tangerine Dream oder Kraftwerk - der „Synthi A” stand Anfang der 1970er Jahre bei Musikern, die neuen Klängen auf der Spur waren, hoch im Kurs. Was Robert Moog für die USA, war Peter Zinovieff für Europa: der Geburtshelfer der elektronischen Musikrevolution. 


EMS-Stand auf der Frankfurter Musikmesse, 1971


 
Die „EMS Synthesizer Company“ war Ende der sechziger Jahre in London entstanden, als kommerzieller Arm von Peter Zinovieffs  „Electronic Music Studio” (EMS). Das Soundlabor war in einem Haus an der Themse untergebracht, in dem der Komponist, Tüftler und Elektroniker an ausgefallenen Klängen und Tönen bastelte. 
 
Bei der Avantgarde war damals das Verfremden und Schneiden von Tonbändern en vogue, die dann zu Klangcollagen zusammengeklebt wurden. Diese Methode kam Zinovieff umständlich und veraltet vor. Ihm spukten kühnere Ideen im Kopf herum. Der Komponist und Studiobetreiber – Nachfahre russischer Aristokraten – war wohlhabend genug, um einen der ersten privaten Computer zu erwerben, ein Monster von einem Apparat. Mit der Datenmaschine versuchte Zinovieff elektrische Schwingungen und Schallwellen von Tongeneratoren, Oszillatoren, Transistoren und Ringmodulatoren zu steuern und zu formen. Avantgarde-Komponisten wie Hans Werner Henze und Harrison Birtwistle besuchten das „Electronic Music Studio“ in London, um ihre futuristischen Klangvisionen zu realisieren. Der Studiochef unterstützte sie dabei, entwarf aber auch eigenen Kompositionen, die schon in den 1960er Jahren weit in die Zukunft horchten. 
 
Der Unterhalt des Experimentalstudios verschlang Unsummen und zwang Zinovieff, über zusätzliche Verdienstmöglichkeiten nachzudenken. Mit dem Verkauf von Synthesizern sollte der Studiobetrieb finanziert werden. Der „Synthi VCS 3”, der 1969 als erstes auf den Markt kam, war ein kompaktes Modell. Keine andere Firma konnte mit etwas Ähnlichem aufwarten. Über Nacht stand das Londoner Unternehmen an der Spitze der elektronischen Musikentwicklung. Bald kam mit dem Koffersynthesizer „Synthi A” ein noch handlicheres Modell auf den Markt.

 
Die Ausstellungsräume von EMS im Londoner Stadtteil Putney wurden nun zur Pilgerstädte von Musikern auf der Suche nach neuen Klängen. Jeder Rock- und Popstar, der „up to date” sein wollte und über das nötige Kleingeld verfügte, schaffte sich einen an. Mit der englischen Prog-Rock-Gruppe Curved Air nahm Zinovieff hier ein halbes Album auf. Musiker scheuten auch weite Anfahrtswege nicht. Mitglieder von Kraftwerk und Tangerine Dream reisten eigens von Deutschland an, um direkt vom Hersteller ein Instrument zu erwerben, was wesentlich billiger kam. 
 
Der Jazzpianist Wolfgang Dauner kratzte seine ganzen Ersparnisse zusammen und kaufte sich ein Küchenbuffet von einem Synthesizer, den größten, den EMS im Angebot hatte: Der große „Synthi 100“ wog sechseinhalb Zentner und kostete fast soviel wie ein kleines Einfamilienhaus. Doch Dauner war derart fasziniert von seinen Möglichkeiten, dass er sich die Kosten aufbürdete. Mit Geräuschen zu arbeiten, wurde damals zu Dauners Leidenschaft.
 
Ob in Jazz, Pop, Rock, Funk oder Soul – überall erlebten die EMS-Synthesizer einen Boom. Doch immer mehr drängten auch andere Firmen wie Roland, Yamaha, Korg und Casio auf den Markt, die EMS bald den Rang abliefen. Nicht lange und sie dominierten das Geschäft. 1979 meldete EMS Konkurs an. Zinovieff verließ die Firma, die von ein paar Mitarbeitern auf kleiner Flamme weitergeführt wurde. Damit ging ein wichtiges Kapitel der elektronischen Musikgeschichte zu Ende – doch nicht ganz: denn heute stehen die klassischen EMS-Modelle wieder hoch im Kurs. Sie sind zu gesuchten Sammlerobjekten junger Elektroniker aus Techno und Ambient geworden, in deren Szene die analogen Sounds von EMS ein unverhofftes Comeback erlebten. Peter Zinovieff hat das alles mitangeschoben.
 
Peter Zinovieff: Electronic Calendar - The EMS Tapes (Space Age Recordings)

 

Wednesday, 28 October 2020

RADIO RADIO RADIO: Pioniere elektronischer Musik – die Londoner Firma EMS

SWR2 Musik-Passagen

Sonntag, 13. Dezember 2020; 23:03 – 24:00

 

Pioniere elektronischer Musik

 

Die Londoner Firma EMS

 

von Christoph Wagner


 
1971 brachte die Londoner Firma EMS ein Musikinstrument auf den Markt, das wie eine Bombe einschlug: der kleine Koffersynthesizer Synthi A besaß nahezu unbegrenzte Möglichkeiten und war nicht einmal übermäßig teuer. Viele Popmusiker – immer auf der Suche nach neuen Sounds – schafften sich die Wundermaschine an. Von Pink Floyd und King Crimson über Roxy Music und Hawkwind bis zu Kraftwerk und Tangerine Dream – alle setzten nun den Synthi A ein, oder das etwas größere Modell VCS 3 bzw. den riesigen Synthi 100. Was die Firma Moog für die USA, war EMS für Europa: das Unternehmen, das die elektronische Musikrevolution in Gang brachte.

EMS-Gründer Peter Zinovieff bei der Arbeit.
Es kommen zu Wort: Peter Zinovieff (EMS-Gründer), Peter Cockerell (das technische Gehirn von EMS), Robin Wood (Verkaufsmanager), Ludwig Rehberg (deutscher Vertreter von EMS), Thomas Kessler, Wolfgang Dauner, Edgar Froese (Tangerine Dream).
 

SWR2 Musik-Passagen

Sonntag, 13. Dezember 2020; 23:03 – 24:00

Danach 7 Tage im Internet: www.swr.de/swr2




Saturday, 1 December 2018

POPGESCHICHTE SÜDWEST: Konzertfotos gesucht

Hendrix in der Stuttgarter Liederhalle, Januar 1969 (Sammlung Simon Steiner)

FOTOBUCH in ARBEIT: POPGESCHICHTE SÜDWEST – die Sechziger und Siebziger

Im Moment arbeite ich an einem Fotobuch zur Geschichte der Pop- und Rockmusik in Südwestdeutschland in den 60er und 70er Jahren, eine Art fotografische Fortschreibung und Erweiterung meiner Publikation „Träume aus dem Untergrund“. Mit an Bord sind eine Handvoll Fotografen, die auch schon Bilder für das „Klang der Revolte“-Buch und das „Träume aus dem Untergrund“-Buch beigesteuert haben. Sie durchforsten derzeit ihre Archive nach interessantem Bildmaterial. Tolle Fotos von Auftritten der Rolling Stones, von The Who, Pink Floyd, Ten Years After, John Mayall, Alice Cooper, Free usw. konnten schon gesichtet werden.

Die englische Progrock-Band Raw Material, die zeitweise in Meidelstetten auf der Schwäbischen Alb wohnten

Was noch fehlt sind Bilder vom Auftritt von Fleetwood Mac im März 1970 in der Sporthalle Böblingen und von King Crimson in Sindelfingen 1973 mit dem „Larks' Tongues in Aspic“-Programm. Auch Fotos von Popkonzerten oder Festivals aus dem Mannheimer/Heidelberger oder Freiburger Raum könnten interessant sein.

Falls jemand damals fotografiert hat oder einen Fotografen kennt, der möglicherweise noch Konzertfotos von Rockkonzerten aus den 60ern und 70ern beisteuern könnte, bitte DRINGEND melden!!!!

Kontakt: christophwagnermusic@gmail.com