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Thursday, 2 March 2023

Zum Tod von Peter Weibel (5.3.1944 - 1.3.2023)

Exzess, Enthemmung, Skandal


“Underground Explosion” 1969 – ein vergessener Höhepunkt der Revolte


Peter Weibel, ZKM 2008 (Foto: Christoph Wagner)


Ein Interview von 2008 mit dem Performance-Künstler Peter Weibel, der damals Direktor des Zentrums für Kunst und Medien in Karlsruhe war   


Es kam regelmäßig zum Tumult, sogar zur Saalschlacht, so provokativ war die Tournee “Underground Explosion” im April und Mai 1969 ausgerichtet. Selbst für die wilden sechziger Jahre wurde sie ein leuchtendes Fanal an Radikalität, indem sie durch die Verbindung von Rockmusik, freier Improvisation, Kunst, Performance-Art und Theater die wichtigsten Strömungen der damaligen Avantgarde zusammen brachte.


Das Interview fand im ZKM in Karlsruhe statt. Weibel nahm sich richtig Zeit, es war im wichtig, die 'Underground Explosion' aus der Vergessenheit hervorzuholen. Am Schluß fragte er mich, ob ich mit dem Auto oder mit dem zug angereist sei. Als ich 'Auto' sagte, gab er mir zwei bleischwere Kunstkataloge, Dokumentation seines Gesamtwerks.



Christoph Wagner: Sie haben als Performance-Künstler im April und Mai 1969 an einer Tournee mit dem Titel “Underground Explosion” mitgewirkt. Was war die Intention?


Peter Weibel: Die Tournee “Underground Explosion” war ein echtes Phänomen für mehrere Bewegungen, die hier kulminierten: die Studentenrevolte, die Poprevolte und die Avantgarde-Kultur, was damals für Multimedia und Aktionismus stand. Die Tournee, die in Köln, München, Essen, Stuttgart und Zürich Station machte, hatte einen erstaunlichen Erfolg. Das war extrem populär, obwohl die Inhalte unvorstellbar radikal für heutige Verhältnisse waren. Um so erstaunlicher ist es, dass diese Tournee heute völlig vergessen ist. 

Ich glaube, dass diese Tournee ein einsamer Höhepunkt war für diese Zeit, in der viele künstlerische Bestrebungen zusammen kamen.

Da war zum einen das Wath-Tholl-Theater von Pjotr Kraska, dann zwei Bands - großartige Musikgruppen: Guru Guru Groove aus der Schweiz und Amon Düül 2 aus Bayern. Die gehören für mich in den Olymp der Rockkultur. Die haben eine absolut fantastische Musik gemacht. Dann war da noch Anima dabei, also Paul und Limpe Fuchs, die eine extreme Avantgarde-Musik auf selbstgebauten Instrumenten spielten. Valie Export und ich machten Aktionen und Multimedia-Aktionen mit viel Nacktheit, wie das damals der Brauch war.


Wie hat sich das Theater in die Rockmusik eingefügt?


Peter Weibel: Das Wath-Tholl-Theater war keine übliche Theatergruppe, die in einem geschlossenen Raum auftritt und dann ihre Texte sagt. Vielmehr sind die über verschiedene Orte aus dem Publikum langsam ins Zentrum der Bühne hineingeströmt. Sie haben aber den Großteil ihrer Aktionen stumm oder mit Geräuschen im Publikum gemacht. Sie haben halluzinogene Erfahrungen dargestellt und psychiatrische Störungen, also alles das, was die sechziger Jahre bewegt hat. Anti-Psychiatrie, Befreiung des Körpers, Befreiung der Sinne, Anti-Politik, sexuelle Revolution, anti-bürgerlich, anti-faschistisch, anti-autoritär. Die haben die Konzepte des berühmten Living Theater fortgeführt. Das war die Abschaffung des Sprechtheaters, das war körperliches Bewegungstheater, wie seither nie wieder. Das war ein Gipfel des Avantgarde-Theaters.


Wie lief das Programm ab? Hatte das Theater einen seperaten Auftritt?

 

Peter Weibel: Nein, die waren mitten drinnen. Zwischen der Musik waren einzelne Lücken, wo die auftraten und unsere Aktionen stattfanden. Dann ist die Musik wieder weitergegangen und das Theater ist verschwunden. Das wechselte sich ab. Das war das Schöne. Da war Musik und während der Musik sieht man das Theater. Es ereignete sich etwas im Saal, wo man gar nicht gewusst hat, gehört das dazu oder ist es ein Aufstand des Publikums. Langsam ist das Ereignis dann auf die Bühne gekommen.


Peter Weibel bei der 'Underground Explosion'





Was haben sie zusammen mit Valie Export zum Programm beigesteuert?


Peter Weibel: Wir haben Aktionen gemacht, unter dem Titel “Kriegskunstfeldzug”. Zentral war dafür das Wort W.A.R.. Die Buchstaben standen für War, Art, Riot, auf deutsch: Krieg, Kunst, Aufruhr. Wir sind in München im Circus Krone vor 3000 Leuten aufgetreten, Sporthalle Köln 2000 Leute, Essen wieder eine Riesenhalle 1500 Leute. In Essen war es bereits ein Skandal, da hatte es eine Saalschlacht gegeben, so dass die Aufführung in Stuttgart nur unter der Bedingungen stattfinden konnte, dass Export und ich nicht auftreten. Ich war froh, denn unser Krieg gegen das Publikum war brutal eskaliert in Essen, so dass ich Angst vor Stuttgart hatte. 


Valie Export hat in Essen eine Bierflasche auf den Kopf bekommen. Wieso gab es solch extreme Publikumsreaktionen?


Peter Weibel: Unsere erste Aktion war das Tapp- und Tastkino, eine gemeinsame Aktion von Export und mir, die den Busenfetischismus ins Visier nahm, der damals im Kino seinen Höhepunkt hatte. Atom war damals noch ein Lobeswort, weshalb man von Atombusen sprach. Da waren die Busenstars von Gina Lolobrigida bis zu Sophia Loren.  Unsere Theorie war, dass der Staat das revolutionäre Potential der Sexualität darauf hinlenkte. Die Sexualität sahen wir als eine Kraft, die zerstört, auch viele Klassenschranken zerstört. Dass eine Prinzessin einen armen Schlucker heiratet, war wegen Liebe. Und dass man Rassenschranken überwindet - Romeo und Julia - ist wegen Liebe. In Wirklichkeit geht es immer um Sex. Also der Sex ist etwas, was die Klassenschranken sprengt. Der Staat weiss das natürlich und versucht das revolutionäre Potential vom Sex zu kanalisieren, indem er es ableitet auf Voyeurismus und Exhibitionismus. Sie zeigen Busen und du darfst ihn anschauen. Jetzt haben wir gesagt: um der Sexualität ihre Kraft zurückzugeben, geht es bei uns nicht um das Bild des Busens, sondern um wirklichen Busen. Solange der Staat euch mit Bildern  abspeist, solange gibt es keine wahre sexuelle Revolution. Aber bei uns habt ihr die Möglichkeit. Wir geben euch einen Kasten, einen Kinosaal, der so klein ist, dass nur zwei Hände darin Platz haben. In unserem Kino sieht man nichts, sondern man spürt den nackten Busen von Frau Export. 


Das war die Theorie. Wie sah die Praxis aus?


Peter Weibel: Wir haben einen Kasten gebaut, vor sie hingestellt und haben die Leute hineingreifen lassen, damit sie den Busen spüren konnten. Man durfte nur 12 Sekunden hineingreifen, weil ja viele an den Busen greifen wollten. Also musste man demokratisch vorgehen und immer nach 12 Sekunden sagen: “Junge bzw. gnädige Frau - stop!” Ich bin dabei gestanden und habe obszöne Reden gehalten, in denen ich das alles erklärt habe. Da war ich ein Meister. Ich habe also mit einem unglaublichen Verstärker mit Mikrofon diese Reden gehalten, dass es nur so durch die Halle dröhnte. Meine obszönen Reden waren eine Mischung aus Verrücktensprache, Vulgärsprache und Wissenschaftssprache. Ich sagte etwa in einem hymnischen Ton: “Ihr seid die Partisanen der Partialtriebe. Der Wahn von Fut und Schwanz treibt uns durch die Welt.” Es war die gleiche Wirkung wie heute von diesem Sexual-Rap. Das war ein wahnsinniger Eindruck, musikalisch besser als die Doors. 


Zuerst haben wir das Tapp- und Tastkino am Münchner Stachus gemacht, dann wurde es Bestandteil der “Underground Explosion”-Tournee. Die Leute haben ekstatisch reagiert. Da gab es Menschentrauben, die da hineingegriffen haben.  Dann hat Valie Export sich zurückgezogen. Ich habe weitergeredet und eine Peitsche genommen und ins Publikum hineingepeitscht von der Bühne herunter. Das waren so 10 m lange Ochsenschwanzpeitschen. Damit habe ich das Publikum ausgepeitscht, richtig ausgepeitscht. Sie sind aggressiv geworden und haben angefangen, sich zu wehren. Dann hat das Publikum die Bühne gestürmt. 

Es hiess ja damals: Man muss viele Vietnam schaffen! Der Geruch von Napalm muss hier zu spüren sein! Deshalb haben wir gesagt: Der Krieg findet im Saal statt. Es gab ja den Satz: Die Kunst findet im Saal statt, also im Museum. Dagegen haben wir gesagt: Nein, weil wir revolutionär sind, findet der Krieg im Saal statt. Und jetzt seht ihr mal, was Krieg bedeutet. Das war die Idee. 


Wie macht man Krieg konkret deutlich? Wie lief das ab?


Peter Weibel: Valie Export und ich hatten Ballen aus Stacheldraht vorbereitet, die haben wir ins Publikum geschmissen, einfach ins Blinde hinein. Wir haben sie in die Hand genommen ohne Handschuhe und haben sie dann mit voller Kraft einfach ins Publikum geschleudert. Ich  schwitze heute noch, wenn ich dran denke. Da hätten ja schreckliche Dinge passieren können. Das hätte jemand ins Auge fallen können, das Auge auskratzen. Aber die Idee war damals abstrakt, wir bringen den Krieg in den Saal. Dazu kam das Peitschen. In Essen haben die Zuschauer die Bühne gestürmt und Valie Export eins auf den Schädel gehauen. Wir mussten praktisch durch den Bühneneingang fliehen. Deswegen gab es das Verbot, weil dauernd Krawall war. Darum durften wir beiden in Stuttgart nicht mehr auftreten. So lange es nur die Peitsche war ohne Stachendraht: Das war Sado-Maso! Da haben sich Teenagermädchen vor mich niedergekniet und nach meinem Geschlechtsteil gegriffen. Da habe ich gemerkt. Man kann eine Stimmung erzeugen nur durch solche Reden - durch die sexualle Gewalt der Sprache. Ich war selbst ganz erstaunt. Ich habe damit nicht gerechnet, dass Scharen von Leuten sich vor mich hinschmeissen und versuchen mir ans Geschlechtsteil zu fassen oder in meine Hose hineinzubeisen. ich habe sie abschütteln müssen. Es ware eine unvorstellbare Ekstase. Natürlich hochgekitzelt durch die aufpeitschende Musik, plus Alkohol und Drogen.


Limpe Fuchs mit Anima bei der 'Underground Explosion'





Wie kam eigentlich die Idee für das ganze Spektakel zustande?


Peter Weibel: Karl Heinz Heim aus München hatte die Idee. Er hat die Künstler ausgewählt, der hat das Programm zusammengestellt. Er hat die Tour auch organisiert, die Auftrittsplätze gefunden, Plakate drucken lassen. Großartige Kurator-Leistung! 


Welchen Einfluss hatten Drogen?


Peter Weibel: Auf die Rockbands sicher, obwohl man sagen muss, dass sie am Nachmittag - nur leicht angetörnt - besser spielten, als abends, wenn sie zugedröhnt waren. Wir haben nichts genommen. Wir mussten vollkommen klar sein. Ich musste ja die Reden halten, musste aufs Publikum eingehen, mich steigern. Ich musste die Gefahren sehen. Das heisst: Ich musste ganz nüchtern sein.


Zum Abschluss haben sie das Publikum mit einem Wasserwerfen beschossen?


Peter Weibel: Das ist richtig. Ich hatte mir einen eigenen Wasserwerfer gebaut. Den kannte man ja von den Straßenschlachten. Der Plastiker Wolfgang Ernst hat mir ein modernes Modell gebaut. Er sah aus wie ein Raketenwerfer mit fünf Kanonen. Den haben wir volle Pulle ins Publikum gehalten. In  Essen hat sich deswegen ein Handgemenge ergeben. Ich konnte mich lange mit der Peitsche wehren, aber dann war schon ein Haufen auf mir und ich musste sehen, dass ich davonkommen. Es hat immer eskaliert. In Zürich war es schlimmer denn je. Da sind links und rechts an den Bühneneingängen ganze Horden von Polizisten gestanden - vor mir das Publikum, das ich gerade traktiert hatte, auch meine Feinde. Ich war umzingelt. Ich bin dagestanden nackt und hab’ gedacht: “Jetzt ist es vorbei!” Ich wußte: Wenn ich hier den offenen Kampf führe, verliere ich - keine Frage. Meine einzige Chance bestand darin, kein Angst zu zeigen und meinen Feinden zu signalisieren: “Wenn ihr mich anrührt, verliert ihr!” Also habe ich ihnen kühl den Rücken zugedreht, gelassen meine Unterhose angezogen, ein Handtuch umgehängt, so dass keiner auf die Idee kam, ich wollte fliehen. Ich bin dann mit Valie Export auf die Leute zumarschiert. Die waren verdutzt und haben wohl gedacht: “Jetzt kommt noch eine viel schlimmere Aktion. Was führt der im Schilde?”

Wir sind dann so durch die Feinde durchmarschiert. Kaum waren wir draussen, sind wir sofort ins Auto hineingesprungen und sind  halbnackt durch Schnee und Nebel über die Grenze von Zürich nach Österreich gefahren. Es war drei Uhr früh.  


Guru Guru Groove, 1969





Sie nannten Teile der Show “extented cinema”. Gab es noch mehr Visuelles?


Peter Weibel: Ja, wir hatten noch eine riesige Plastikleinwand, die war durchsichtig. Das war eine auto-generative Tonleinwand, also eine Leinwand, die den Ton selbst erzeugt, die ich “Das magische Auge” genannt habe. Der Film wird auf der Leinwand zu Ton. Wir befestigten daran Licht abhängige Widerstände. Mit befreundete Ingenieure hatten wir ein Gerät gebastelt, das Licht in Ton verwandelt, also so eine Art primitiver Synthesizer. Die Lichtquellen werden in Schallwellen verwandelt. Dunkles Licht bedeutet dunkler Ton, helles Licht heller Ton. Ich hatte einen Film, der war von Kurt Kren, Op-Art - also schwarz-weiße Muster: ideal! Das war ein richtiger psychedelischer Film, der flackerte, aber nicht immer nur die ganze Fläche, sondern auch Teilflächen. Dadurch ist eine extrem heulende elektronische Musik entstanden mit Tempo und Rhythmus in hoher Lautstärke mit Tausende von Watt - eine Art frühe Techno-Musik.

Das war natürlich für damals ein Hammer: Nach der psychedelischen Rockmusik von Amon Düül und Guru Guru kommt da nochmals so ein Gejaule daher. Die ganze “Underground Explosion”-Show war weit besser als “Plastic inevitable”, die Multimedia-Show von Andy Warhol. Wir waren um einiges weiter und viel härter. Bei Warhol waren das Projektionen auf Leinwände. Wir haben dagegen gesagt: Gegen die Projektion, für die Wirklichkeit. Bei uns war alles echt, bei Warhol abgefilmt. Diese Mischung aus Rockmusik, Avantgarde, Kunst, Sexualität und neue Theaterformen hat die Jugend damals richtig unterstützt und gewollt. Die Jugendrevolte hat eine Öffnung gebracht, die solche Formen möglich machte, dass sie akzeptiert worden sind, sowohl in der Musik wie in der Kunst. Jugendrevolte, Poprevolte und Avantgarde-Kunst kamen hier zusammen. Das war nur möglich in diesem Zeitfenster. Plötzlich kamen da tausende von Zuschauer. Noch 1967 mussten wir die Leute bitten, in unsere Performances zu kommen. 1968 kamen sie von allein - in Massen. Das geschah durch die Unterstützung der Rockkultur. Wir hatten plötzlich eine riesige mediale Aufmerksamkeit. es war Teil der Revolte. Ein paar Jahre später wäre es nicht mehr möglich gewesen. Das unterscheidet es auch von Jugenkultur heute, wie etwa Rap, die scheinbar die schmutzigen Reden übernommen haben, in Wirklichkeit aber eine Industrie geworden ist, vom Staat lizensiert: Die Fetischischierung von Materialismus! Deshalb kann man sie auch nicht ernst nehmen. Hier werden die subversiven Bedürfnisse der Jugendlichen komplett ausgebeutet. Sie sind Sklaven der Industrie. Die Protestkultur von damals hat in einen Zustand der Versklavung der jungen Leuten geführt. Die Söhne von Mannheim bis nach Berlin - das ist alles schon von Anfang an Industrie-Ramsch. Das dient nur der Ausbeutung der subversiven Träume der Jugendlichen. Die Träumen von der Revolte auszubeuten, ist heute die Hauptfunktion der Industrie ist. Und das tun sie jetzt. Wenn man damals einen Skandal gemacht hat, ist man garantiert bei der Polizei gelandet, heute bekommt man eine Sendung im Fernsehen. Heute sagen sie: Bitte einen Skandal. Nur so kommen wir in die Medien. Die Logik der Massenmedien hat die Logik der Avantgarde übernommen. Exzess, Übertreibung, Enthemmung! Damit sind das für die Kunst untaugliche Mittel geworden, was bedeutet, dass sie möglicherweise schon damals nicht wirklich gute Mittel waren, wenn man sie so vereinnahmen kann. Die Avantgarde-Kunst hat diese Skandalkultur vorbereitet und die Massenmedien haben sich deren bedient.


Ein Kapitel meines Buchs 'Klang der Revolte – die magischen Jahre des westdeutschen Musik-Undergrounds' (Schott) ist der 'Underground Explosion' gewidmet

Thursday, 18 January 2018

Embryo-Bandleader Christian Burchard verstorben

VON MÜNCHEN NACH KALKUTTA

ZUM TOD VON CHRISTIAN BURCHARD (1946-2018)


Ich kannte Christian Burchard seit Mitte der 70er Jahre. Wir luden ihn mit der Gruppe Embryo ein paar Mal zu Gigs nach Balingen ein. Wir schätzten die Musik der Münchner Band, diesen Freerock mit viel Improvisation, außerdem die alternative Philosophie, für die die Gruppe stand und die sich gegen die kommerzielle Plattenindustrie richtete. Als Embryo mit anderen Musikern und Bands wie Julius Schittenhelm, Ton Steine Scherben, Missus Beastly und Munju das April-Label aus der Taufe hob (Motto: „Musik im Vertrieb der Musiker“), verkauften wir selbstverständlich das ganze Sortiment von April-LPs bei unseren Konzerten in der Balinger Eberthalle. Einmal fuhr ich extra nach Saarbrücken zu einem Festival aller Gruppen des April-Labels, das sich damals schon in Schneeball-Records umbenannt hatte. Christian Burchard war natürlich auch da, ziemlich angetörnt.

Melody Maker, 1972
Wir verfolgten die Aktivitäten der Schneeball-Gruppen, hörten von der großen Reise, die die Embryo-Kommune Ende der 70er Jahre nach Kalkutta unternahm und sahen uns später den Film darüber im SWF-Fernsehen an. Die Gruppe klang zunehmend orientalischer. 1992 hörte ich Embryo bei einem Konzert im Tübingen Sudhaus. Dabei war auch Amon Düül-Gitarrist Chris Karrer, der Oud spielte und den Christian Burchard noch aus alten Düül-Zeiten kannte. Ich machte ein längeres Interview für die Taz mit den beiden, was ich so spannend fand, dass ich von da ab weiter über den deutschen Underground recherchierte. Später wurde mein Buch 'Klang der Revolte' daraus, das 2013 erschien und ein längeres Kapitel über Embryos Weg zur Weltmusik beinhaltet.

Zum 40jährigen Jubiläum von Embryo im Jahr 2009 bat mich das Trikont-Label bei einer Doppel-CD mitzuhelfen, die die ganze Karriere der Band dokumentieren sollte. Christian Burchard schickte mir eine selbstgebrannte CD nach der anderen mit unveröffentlichten Aufnahmen aus seinem umfangreichen Archiv. Ich traf eine –hoffentlich – kohärente Auswahl, die seine Zustimmung fand. Ich glaube, „Embryo 40“ ist ein ganz passables Doppelalbum geworden. Seither hatte ich bei Christian einen Stein im Brett. Er schickte mir Neuveröffentlichungen, informierte mich über die Aktivitäten der Band oder wenn Musiker aus Marokko, Indien oder Afghanistan bei ihm in München zu Besuch waren. Embryo war nie eine starre Band mit fest fixierter Besetzung, sondern immer ziemlich durchlässig: Musiker kamen, Musiker gingen. Mehr als 400 sollen es im Laufe der heute fast 50jährigen Geschichte gewesen sein.

Ich traf Christian Burchard über die Jahre immer wieder, um ein Interview mit ihm zu machen oder auch nur auf einen Kaffee, gelegentlich bei Trikont, wo er den Fotokopierer benutzte, um seine collagenhaften Konzertankündigungsflyer zu fabrizieren. Oft gab es Neuigkeiten: Die No-Neck Blues Band aus den USA outeten sich als Fans und nahmen zusammen mit Embryo ein Album auf. Dann wurde Burchard vom amerikanischen Hiphop-Produzenten Madlib kontaktiert, der sich für Mal Waldron und die anderen schwarzen Jazzmusiker interessierte, die mit Embryo Aufnahmen gemacht hatten. Als Madlib nach Europa kam, spielte man ein paar Sessions zusammen. Als das Embryo-Mitglied Nick McCarthy von München nach Glasgow zog, teilte mir das Christian mit. Mit Verblüffung stellte ich etwas später fest, dass McCarthy mit Franz Ferdinand sich auf direktem Weg zu Weltruhm befand. Als ich McCarthy dazu in Manchester interviewte, wurde mir der rote Teppich ausgerollt: Ich kam ja auf Empfehlung von Christian, vor dem sie alle einen Riesenrespekt hatten. McCarthy nannte ihn den besten Musiker, dem er je begegnet war.

Als ich dann das Buch „Klang der Revolte“ in Angriff nahm, unterstützte mich Christian mit allen Kräften, schickte CDs voller historischer Embryo-Fotos und anderes Material. Nach der Buchveröffentlichung absolvierte Christian, Roman Bunka und ich zwei Auftritte in Ostdeutschland zum Thema, wobei die beiden Embryos eine famose Musik zu meinen Ausführungen improvisierten. Christian war damals ziemlich hager, ernährte sich wegen einer Zuckererkrankung äußerst vorsichtig und aß nicht arg viel. Doch auf seinem zerbeulten Vibrafon spielte er wie der Teufel.

Christian Burchard, Roman Bunka & Christoph Wagner, Altenburg 2014

Dann hörte ich von seinem Schlaganfall vor 1 ½ Jahren auf einer Embryo-Tour im Süden. Ich hoffte, dass er wieder zu Kräften kommen würde. Doch am Telefon wurde mir bewußt, wie schwer angeschlagen er war. Als ich letzten Sommer ein paar Wochen in der Nähe von München verbrachte, besuchte ich ihn ein paar Mal. Er lag in einem speziellen Krankenbett, war sehr schwach und schnell erschöpft. Das Sprechen fiel im schwer und mir das Verstehen. Aber geistig schien er völlig präsent zu sein. Jazz war die Begleitmusik zu seiner Krankheit. Er lag im Bett und hörte den ganzen Tag Sonny Rollins, Dizzy Gillespie oder wen auch immer. In der Sonderangebotskiste bei „Radio Beck“ in München fiel mir eine CD des amerikanischen Saxofonisten Monty Waters in die Hände, der zeitweise in München gewohnt und gelegentlich mit Embryo gespielt hatte und den Christian sehr schätzte. Ich kaufte sie ihm und er legte sie bei meinem Besuch gleich auf. Waters spielte ein wunderbares Saxofon auf der Platte. Christian mochte diese lose Improvisationsmusik.
                                                                                                     Marja & Christian Burchard
Letzten Herbst haben wir dann noch ein Embryo-Konzert im Atelier von Manuel Wagner (meinem Neffen) und David Späht in Stuttgart organisiert, was wunderbar verlief. Natürlich war Christian krankheitshalber nicht dabei, aber seine Tochter Marja führte die Band ausgesprochen kompetent und ganz im Sinne ihres Vaters – die Musik war exzellent!

Hier auf youtube:

https://www.youtube.com/watch?v=iTcM5WiCSWM

Heute morgen erreichte mich die Nachricht, dass Christian Burchard gestern, am 17. Januar 2018 nachmittags, 71jährig in München verstorben ist. Seine Frau Eva und seine Tochter Marja waren bei ihm, Abbey Lincoln sang aus dem CD-Player. Mit einem schwungvollen, ja fast immer etwas gehetzt wirkenden „ciao, ciao“ pflegte sich Christian normalerweise am Telefon zu verabschieden. Ich sags heute langsam: Ciao, ciao, Christian!

Roman Bunka & Christian Burchard, Altenburg 2014 (Foto: C. Wagner)

  
Zum einem ausführlichen Interview mit Christian Burchard:

http://christophwagnermusic.blogspot.co.uk/2012/08/embryo-krautrockurgestein-bandleader.html

Über EMBYRO (2nd Generation):

http://christophwagnermusic.blogspot.co.uk/2017/10/embryo-neu-formiert-in-stuttgart.html


Plattenempfehlung:

Embryo: 40. Do-CD, Trikont. 
(Hg.: Christian Burchard & Christoph Wagner / 28 zumeist unveröffentlichte Titel aus dem Archiv der Gruppe von 1969 bis 2009 mit u.a. Charlie Mariano, Mal Waldron, Sigi Schwab etc., plus reichbebildertem Booklet)

Monday, 17 March 2014

POP-RECYCLING: 'Live'-Aufnahmen von Popfestivals in den 70ern


Fundgrube musikalischer Schätze
                                               
Immer mehr Auftrittsmitschnitte von Popfestivals der siebziger Jahre finden ihren Weg in die Öffentlichkeit


cw. Die Ruhrpottstadt Essen machte den Vorreiter. Nach den “Internationalen Essener Songtagen 1968” und dem “Internationalen Essener Pop- und Bluesfestival 1969” brach 1970 der Damm: eine wahre Popfestivalwelle überflutete die Bundesrepublik und zog in der ersten Saison eine halbe Million Besucher an. Rockfestivals wirkten damals wie Magnete auf alle Jugendlichen, die sich als Teil der “Woodstock Generation” fühlten. Oft hatte der eine oder andere Fan ein tragbares Tonbandgerät dabei, um die Auftritte der Stars mitzuschneiden, was damals problemlos durchging und keine aggressiven Ordner auf den Plan rief.

In den letzten Jahren haben sich verstärkt kleine Plattenfirmen daran gemacht, solche Festival-Mitschnitte von Privatpersonen ausfindig zu machen, zu sichten und - falls die Tonqualität es erlaubt - auf CD zu veröffentlichen. Seit Jahren gibt es eine “Taper”-Szene, in der Mitschnitte von Konzert- und Festivalauftritte der Hippie-Ära zirkulieren, oft von bekannten Bands wie Pink Floyd oder Deep Purple. Nicht selten finden solche Aufnahmen den Weg ins Internet, wo sie dann auf der Plattform “youtube” landen, wie der Mitschnitt des Auftritts von Jimi Hendrix in der Stuttgarter Liederhalle im Januar 1969.

                                                                                              EuroPop-Festival, Aachen 1970
Eines der herausragenden Popereignisse des Jahres 1970 war das Euro-Pop-Festival in Aachen, das über Pfingsten stattfand und mit großen Namen wie Deep Purple, Taste und Pink Floyd 40000 Fans anlockte. “Angenehmes Wetter, fantastische Bands – tolles Festival!” erinnert sich Herbert Grab, Drummer der Rockband Steinefresser, der von Reutlingen nach Aachen pilgerte.

Die große Frage eines jeden Festivals damals war: Welche Bands werden überhaupt kommen? Wer fällt aus? In Aachen wartete man vergeblich auf Traffic und Fairport Convention. Alle anderen angekündigten Gruppen traten auf – insgesamt 23 an der Zahl, darunter mit Kraftwerk, Amon Düül und Can auch ein paar deutsche Formationen und mit Krokodil eine Band aus Zürich.

In der riesigen Publikumsmenge im Aachener Reiterstadion saß auch der Teenager Dirk Krause, der sein Tonband mitgenommen hatte, ein paar Mikrofone an die Balustrade hängte und kräftig mitschnitt. Den Auftritt der Keef Hartley Band aus England - die Band war auch beim berühmten Woodstock-Festival ein Jahr zuvor mit von der Partie gewesen - fing Krause ohne Störungen komplett ein. Die Formation präsentierte sich dabei in Hochform. Schlagzeuger Keef Hartley, der sich seine Meriten beim Bluesguru John Mayall verdient hatte, spielte mit seine, Quintett eine brodelnde Mischung aus Jazz, Rock und Blues. Vor allem der Gitarrist verstand mit virtuosen Solos und einer meisterhaften Beherrschung des Wah-Wh-Pedals das Publikum auf die Beine zu bringen. Offenbar war die Verstärkeranlage einigermaßen ordentlich ausgepegelt, denn der Sound der Aufnahme ist von passabler Qualität, wenn man einmal von leichten Verzerrungen des Gesangs und der Bläser sowie einer zu lauten Gitarre im Mix absieht.

Sireena Records, wo die CD erschienen ist, haben sich auf die Veröffentlichung solcher verschollener Aufnahmen spezialisiert. Im Katalog des Labels aus Lübeck finden sich neben dem Mitschnitt eines Konzerts der Edgar Broughton Band aus der Hamburger “Fabrik” von 1973, auch “Live”-Aufnahmen von Mott The Hoople (Schweden 1971) und Stone The Crows (Montreux 1972). Für den nostalgischen Rockfan verwandelt sich die Vergangenheit in eine Fundgrube musikalischer Schätze, aus der sicher noch einige Kostbarkeiten ans Tageslicht gefördert werden.

Der Artikel erschien zuerst im SCHWARZWÄLDER BOTE, große Tageszeitung in Südwestdeutschland

Wednesday, 22 May 2013

Rezension: Harry Lachner im SWR über KLANG der REVOLTE



Buchbesprechung / SWR2, Musikmarkt, 16.5.2013

von Harry Lachner


Magische Revolte


"Die magischen Jahre des westdeutschen Musik-Underground" lautet der Untertitel zu Chrisoph Wagners Untersuchung "Der Klang der Revolte". Gemeint ist jene Zeit zwischen Mitte der sechziger und Anfang der siebziger Jahre; jene Zeit also, als die deutsche Rockmusik begann, sich eigenständig zu entwickeln. Wege zu suchen, die jenseits der klassischen Rock-Schablonen lagen. Wagner, der auf zahlreiche Interviews zurückgreifen kann, die er über die Jahre mit Musikern und Veranstaltern geführt hat, zeichnet ein Porträt einer Zeit des Aufbruchs, des Umbruchs. Dabei richtet er seinen Blick nicht allein auf  die Rockmusik, den jazz und die Liedermacherszene - er stellt auch die engen Bezüge zur politischen und gesellschaftlichen zur bundesrepublikanischen Wirklichkeit her. Undidaktisch, aber präzise, faktenreich und nie beliebig.

West-Deutschland Ende der sechziger Jahre. Die libertären Impulse aus England den USA bahnten sich den Weg zu einer Jugend, die sich gegen die Enge und Tristesse der frühen Jahre aufzulehnen begann. Eine Generation, die sich eingeengt fand von Restriktionen und von Repressalien, die sich an bloßen Winzigkeiten entzünden konnten: sei es die Länge der Haare, oder das tragen von damals nur schwer erhältlichen Jeans und Parkas. Ein offenbar bedrohliches Erscheinungsbild - symbolisierte es doch eine Abweichung von der Norm, die von Alt-Nazis nach Kräften weiter am Leben erhalten wurde, die unbelangt in allen gesellschaftlichen Bereichen überlebten: in Verwaltung, Justiz, Polizei, Politik. Ein Freiheitsgedanke war ein gefährlicher Gedanke, der das Prinzip Zucht und Ordnung in Frage zu stellen wagte. Kritische Äußerung, eine nicht-konformen Meinung galten als "Nestbeschmutzung", demonstrierende Studenten als "arbeitsscheues Gesindel". Solcherart war die Sprache, war das Klima in diesem Land, das jeder Form von Intelligenz nur mit Diffamierung und Drohgebärden begegnen konnte; ein Land, in dem die willfährigen Handlanger einer vergangenen Macht immer noch die Meinungshoheit besaßen. Was wäre da naheliegender als ein Fluchtgedanke?


Man kann die Musik jener Zeit nicht ganz verstehen, wenn man sich nicht der besonderen Umstände bewußt ist, aus denen heraus sie entstanden ist. Und gegen die sie sich letztlich auflehnte: Als utopischer Gegenentwurf zu einer kleinbürgerlich miefigen Gesellschaft, die ihre überkommenen Prinzipien in frisch-grauen Nachrkriegsbeton gießen wollte. Welche soziale Sprengkraft eine Musik haben kann, die selbst nicht vordergründig politisch sein muß, zeigt Chrisoph Wagner in seinem Buch "Der Klang der Revolte". Tasächlich waren es neue Klänge. Klänge, die ihren Weg aus der englischen und amerikanischen Rockmusik rasch auch in die deutsche gefunden hatten. Verzerrte Gitarrentöne, Rückkoppelungen, Kaskaden ineinanderfließender Klänge, die einen Gefühls- und Ideenraum öffnen konnten. Die jungen, experimentierfreudigen Musiker aber begnügten sich nicht mit der reinen Anverwandlung einer von außen hereingetragenen Haltung. Ob Rock oder Jazz: die neuen ästhetischen Impulse werden aufgegriffen, zunächst imitiert - doch danach im eigenen Sinne weiterentwickelt. Man erkennt in vielen Musikeraussagen, die Christoph Wagner in seinem liebevoll fundierten Buch zusammengetragen und ausgewertet hat, mit welchem Elan die west-deutschen Musiker sich eine eigene Ästhetik erarbeiteten. Und welchen internationalen Erfolg sie schließlich damit hatten. Etwas hilflos nannte man es in Großbritannien "Krautrock": Denn die Musik von Bands wie Can, Kraftwerk oder Amon Düül verließ gezielt jenes Terrain der Rockmusik, das von formalen anglo-amerikanischen Stereotypen geprägt war: Anlehung an das harmonische Schema des Blues, das Beharren auf der einfachen Songform. Stattdessen schienen andere Bezugspunkte am Horizont der Musiker auf: etwa die Elektronische Musik oder die freie Improvisation. Die Grenzen der einzelnen Sphären wurden durchlässig. So war etwa Mani Neumeier, Gründer der Rock-Band Guru Guru, davor Jazzschlagzeuger, etwa im Globe Unity Orchestra. Holger Czukay, Mitglied von Can, war Schüler des Komponisten Karlheinz Stockhausen. Alles schien damals in Bewegung; nichts lag ferner als ein Ordnungssystem, als Berührungsängste.



                                                                              Can im Schloß Nörvenich

Christoph Wagners Ansatz verdeutlicht noch einmal, daß man dieser so überaus lebendige und experimentierfreudige Szene nicht mit pauschalen Begriffen, nicht mit vorgefertigten Stilschubladen gerecht werden kann. Das umfangreiche Material - die Interviews, die Anekdoten, die klugen Analysen - all das ist nicht in ein schablonisiertes, unterkühlt akademisches Theoriegebilde eingepaßt; Wagner sucht stattdessen die Erkenntnisse aus dem Zusammenspiel der Details zu entwickeln. Der Autor, Jahrgang 1956, schreibt aus eigener Erfahrung heraus. Und gerade in jenen Momenten subjektiven Erzählens und Erinnerns, stellen sich diese Jahre als ein facettenreiches, auch in sich widersprüchliches Panorama der Möglichkeiten dar - als eine Verheißung individueller Freiheit, künstlerischer Originalität und Eigenständigkeit. "Der Klang der Revolte" ist mehr als eine Sammlung von Betrachtungen zur Musik einer Zeit als der bundesrepublikanische Beton anfing brüchig zu werden. Das Buch unterstreicht vielmehr die wechselvolle Beziehung zwischen einer gesellschaftlichen Realität und einer Musik, die aus ihr heraus und vor allem gegen sie arbeitet. Denn es gibt schließlich keine reinen, unschuldigen Töne außerhalb eines sozialen Kontextes.

Christoph Wagner: "Der Klang der Revolte. Die magischen Jahre des westdeutschen Musik-Underground"
Schott Verlag, Mainz, 388 Seiten, € 24,95