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Saturday, 18 October 2025

3. & 4. POPtalk & Music zur Buchveröffentlichung VON ABBA BIS ZAPPA

Rockkonzerte, die in Erinnerung bleiben

3. & 4. POPtalk & Music – Gesprächskonzerte am 15. November zur “Langen Nacht der Museen” im Böblinger Kulturnetzwerk Blaues Haus (20:30) UND im Sindelfinger Stadtmuseum Altes Rathaus (22:30)


Sindelfingen und Böblingen wurden in den 1970er Jahren zu einem Mekka der Popmusik. Viele weltberühmte Popmusiker und Rockbands traten damals in der Ausstellungshalle und danach in der Messehalle auf. In der dickleibigen und reich bebilderten Buchneuerscheinung „Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten” (Verlag Regionalkultur) zeichnet der Pophistoriker Christoph Wagner die Entwicklung nach, die Böblingen und Sindelfingen zu einem Brennpunkt der internationalen Konzertszene machte.

Ten Years After mit Bassgitarrist Leo Lyons in Böblingen 1970 (Foto: Martin Schultz)

 

                                        


Hunderttausende von Jugendlichen aus nah und fern strömten in den 1970er und 80er Jahre in die Popkonzerte in Sindelfingen und Böblingen, was die beiden Nachbarstädte für viele erst auf die Landkarte setzte. Unter diesen Musikbegeisterten waren auch etliche angehende Musiker, die mit ihren Bands daheim in den Probekellern in Reutlingen, Heilbronn oder Göppingen ihren Idolen nacheiferten, die sie „live” in Sindelfingen oder Böblingen gehört hatten.


In der Buchneuerscheinung VON ABBA BIS ZAPPA kommen einige davon zu Wort. Sie sind heute Profimusiker, wobei die damaligen Konzerterlebnisse ihre Berufswahl beeinflußt haben. Zwei von ihnen werden im Rahmen der „Langen Nacht der Museen” am Samstag, den 15. November 2025 einige denkwürdige Auftritte Revue passieren lassen und dazu die passende „Live”-Musik spielen. Zwei Auftritte in einer Nacht: um 20:30 im Böblingen Kulturnetzwerk Blaues Haus UND um 22:30 im Sindelfinger Stadtmuseum Altes Rathaus (Hintere Gasse 2). Der Eintritt ist frei.


Jazzpreisträger Ekkehard Rössle



Einer der Musiker ist der Saxofonist und Klarinettist Ekkehard Rössle aus Stuttgart. Der baden-württembergische Jazzpreisträger war als Teenager ein glühender Fan von Frank Zappa und hat den exzentrischen Gitarristen zwischen Jazz und Rock zweimal in Böblingen erlebt. Kontrabassist Fritz Heieck, bekannt durch seine Mitgliedschaft in der Frederic Rabold Crew, im Jazz Inspiration Orchestra und der Beatles Revival Band, war dagegen eher von Ten Years After begeistert, einer bekannten englischen Bluesrockband, deren Bassist Leo Lyons ihn schlichtweg „vom Hocker haute” und dem er von da an nachzueifern begann. Möglicherweise kann auch der eine oder andere Besucher dieser POPtalks die Erlebnisschilderungen mit seinen eigenen Konzerterfahrungen bereichern.


Der junge Fritz Heieck, 1975



Wednesday, 23 October 2019

Manfred Kniels „Two plus One“-Projekt

Musikalisches Chamäleon

Zwischen funky Grooves und Experiment bei den Tübinger Jazz und Klassik Tagen


cw. Immer im Herbst finden seit fast 20 Jahren die „Tübinger Jazz und Klassik Tage“ statt. Das Festival ist kein Event der großen Namen und weltbekannten Stars, sondern bietet dagegen Profis und Amateuren aus der Region die Chance sich zehn Tage lang mit neuen Projekten der Öffentlichkeit vorzustellen. Deswegen gibt es auch keinen zentralen Ort, an dem die Konzerte über die Bühne gehen. Vielmehr sind die Auftritte über die ganze Universitätsstadt und das Umland (Reutlingen, Rottenburg, Hechingen) verstreut und finden in Kneipen, Cafés, Clubs, Schulen, Ladengeschäften, Theatern, Kirchen, Synagogen, Kulturzentren, Universitätsälen und Rundfunk-Studios statt. 

Das Kleinformat eröffnet die Chance musikalisch Außergewöhnliches zu präsentieren, wovon die verschiedenen Veranstalter in unterschiedlichem Maß Gebrauch machen. Der Club Voltaire mit seinem Domizil in der Tübinger Altstadt hat für Ausgefallenes eine besondere Antenne entwickelt und wartet fast jedes Jahr mit einem frischen Experiment auf. 

Dieses Jahr stellte der umtriebige Stuttgarter Schlagzeuger Manfred Kniel unter dem Motto „Listen & Move“ sein neustes Bandprojekt „Two plus One“ vor. Dafür hat sich Kniel mit dem Keyboarder und Elektroniker Fritz Heieck zusammengetan, einem Gefährten aus alten Tagen, mit dem er schon in den 1970er Jahren bei der Frederic Rabold Crew zusammengespielt hat. Die beiden bilden den Kern der Gruppe, zu dem sich die Berliner Vokalistin und Performerin Ana Hauck gesellt, die zusätzlich noch diverse Perkussionsinstrumente und ein kleines Keyboard bedient.

Kniels Musik bewegt sich durch vielerlei Stilrichtungen. Sie kann „funky“ oder rockig klingen, ist manchmal verträumt, gelegentlich aggressiv und dann wieder sanft, wobei sich der Drummer und Bandleader als musikalisches Chamäleon entpuppt, der vom beinharten Groove bis zu fantasievollen Klangmalereien auf den Metallbecken ein riesiges Faß an musikalischen Möglichkeiten aufmacht. 

Ebenso vielfältig zeigt sich Keyboader Fritz Heieck, der am E-Piano wie Funkmeister Herbie Hancock klingt, am Synthesizer Rick Wakeman und Keith Emerson auferstehen läßt, aber auch schon mal mit abstrakteren Sounds an Karlheinz Stockhausens Studio für elektronische Musik erinnert. Die Vokalistin Ana Hauck fügt sich in das Geschehen nahtlos ein, singt manchmal spitz und scharf, dann wieder stimmungsvoll elegisch und versucht dabei das Publikum zum Mitmachen zu animieren, was anfangs noch etwas zwanghaft wirkt, ihr im Verlauf des Konzerts aber immer besser gelingt.

Ein Titel entführte das Publikum nach Afrika, ein anderer nach Harlem in die 1930er Jahre, wo ein Tanz namens „Harlem Jump“ die Modeverrücktheit war, den Manfred Kniel jetzt mit swingendem Rhythmus in die Gegenwart holt. Dem Drummer und kreativen Kopf ist mit „Listen & Move“ wieder ein äußerst eigenständiges Musikprojekt gelungen, das die Zuhörer einen Abend lang in den Bann zog und danach noch nach einer Zugabe verlangen ließ.  

Tuesday, 29 May 2018

Die Frédéric Rabold Crew wird fünfzig

Von höchster Qualität

Eine der besten Jazzgruppen im Südwesten feiert Geburtstag: die Frédéric Rabold Crew wird fünfzig


cw. Mit einem Konzert vor großem Auditorium feierte die Frédéric Rabold Crew unlängst Geburtstagsparty im Theaterhaus in Stuttgart: Seit genau 50 Jahren gibt es die Formation, die als eine der profiliertesten Jazzgruppen Südwestdeutschlands gilt. 1968 gegründet, haben in der „Crew“ über die Jahre etliche der bekanntesten Jazzmusiker Baden-Württembergs gespielt, ob Eberhard Weber (Baß), Herbert Joos (Flügelhorn) oder die amerikanische Sängerin Lauren Newton. 

Für sein Ensemble schreibt Bandleader Rabold bis heute unermüdlich neue Kompositionen, deren Zahl inzwischen in die Hunderte geht. Zum 50. Jubiläum ist ein neues Album der Gruppe mit dem Titel „Northern Lights“ (Nytingale Records) erschienen. Es enthält sieben längere Stücke, die alle von Rabold stammen.

Das Jazz-Handwerk erlernte der Trompeter und Flügelhornspieler in der Band seines Vaters, mit der er schon in jungen Jahren in den “Ami-Clubs” um Heidelberg und Karlsruhe auftrat. “Schwarze GIs wollte Jazz hören,“ erinnert sich Rabold, „und den konnten wir bieten.“ Nach einem klassischen Trompetenstudium und zwei Jahren Dienst beim Bundeswehr-Musikcorps in Bad Cannstadt, rief er 1968 die FrédéricRabold Crew ins Leben, eine mittelgroße Formation aus acht bis zehn Mitgliedern, die einen eigenen Weg im modernen Jazz einschlug. Die Crew verband buntschillernde Arrangements und freie Improvisationen mit groovenden Rockrhythmen und elektrische Sounds von E-Piano und E-Gitarre. 

In den 1970er Jahren hatte die Band ihre ganz große Zeit. Mit hochkarätigen Talenten wie dem Schlagzeuger Manfred Kniel, dem Pianisten Uli Bühl, dem Saxofonisten und dem Bassisten Fritz Heieck machte die Gruppe in ganz Deutschland Furore. „Mal swingte die Musik, mal war sie ‘funky’. Es gab Balladen und dann wieder total freie Sequenzen,“ erinnert sich Rabold. „Diese Mischung machte uns interessant. Die Kompositionen bildeten den Rahmen, in dem dann viel improvisiert wurde.“

Wenn es rund lief, absolvierte die Band 25 Konzerte im Monat – von Kellerclubs bis zu großen Festivals. „In Stuttgart haben wir manchmal unser Equipment nach einem Konzert gleich in den nächsten Club getragen, wo wir am nächsten Tag gebucht waren, so voll war unser Terminkalender,“ erzählt Bassist Fritz Heieck. „Jazzpapst“ Joachim Ernst Berendt produzierte eine Schallplatte der Crew und sorgte für Rundfunkauftritte, auch für eine Veröffentlichung beim renommierten MPS-Label in Villingen. 1974 stieß die amerikanische Vokalistin Lauren Newton zur Gruppe und sorgte mit ihrer exaltierten Vokalistik für frische Impulse. „Wir spielten Musik zwischen Jazz und Rock und waren eine der wenigen Bands damals, die stark in diese Richtung gingen,“ erinnert sich Newton, die heute Jazzgesang an einer Schweizer Hochschule unterrrichtet. „Ausgangspunkt waren immer relativ einfache Themen mit viel Raum für Improvisation.“ 
                                     Foto: Martin Wagner
Doch obwohl es damals richtig rund lief, blieb das große Geld aus, weil die Gagen immer durch 8 bis 10 Mitglieder geteilt werden mussten. „Das war nicht so schlimm,“ meint Newton. „Wichtig war, daß wir spielen konnten und so unsere Musik zu den Leuten brachten.“ Manchmal stiegen “Guest-Stars” wie Albert Mangelsdorff oder Manfred Schoof ein. 

Nach 15 Jahren war der kreative Aku leergelaufen. Rabold legte eine längere Verschnaufspause ein, um danach mit verjüngter Besetzung wieder auf die Szene zurückzukehren. Neben dem Bandleader ist heute von der ursprünglichen Formation nur noch Bassist Fritz Heieck mit von der Partie, wobei es die Gruppe geschafft hat, nahtlos an die Klasse und Qualität von früher anzuknüpfen. Immer noch steht die Crew für einen modernen Jazz, der es in sich hat und mit Drive und Dynamik sowie ausgefeilten Arrangements und exzellenten Soli das Publikum in Begeisterung versetzt, wie der Geburtstagsauftritt im Stuttgarter Theaterhaus zeigte.

Der Artikel erschien zuerst im Schwarzwälder Boten, große Tageszeitung im Südwesten

Saturday, 17 March 2018

Multi-Media-Vortrag in Riedlingen am 21. März 2018 (19:30)

Musik als Protest

Multi-Media-Lesung zur 68-Rebellion im Kreisgymnasium Riedlingen

In einer Multi-Media-Lesung zeichnet Christoph Wagner die Geschichte der Popmusik im wilden Süden im Kontext der 68-Rebellion nach. Für ‘Live’-Musik sorgt Fritz Heieck (Keyboards, Baß, Electronics)

Baden-Württemberg wird vom Rest der Republik gerne belächelt: „Gut im Autobauen, aber sonst nicht viel los!“ lautet das Vorurteil. Von wegen! Bereits in den sechziger und siebziger Jahren brummte es musikalisch im Südwesten – egal ob Beat, Jazz, Rock, Folk oder Blues.
 Fritz Heieck, Monster-Musiker aus dem Südwesten
Im Zuge der Jugendrebellion von 1968 entstanden allerorten subkulturelle Clubs und Zentren, wo es Bands wie Guru Guru, Eulenspygel, Nine Days Wonder oder Kraan krachen ließen. Selbst die Heavy-Metal-Erfinder Black Sabbath absolvierten ihre erste Deutschland-Tour 1969 nicht durch die Großstädte der Republik, sondern durch die schwäbischen Provinz: Göppingen, Schorndorf und Schwäbisch Hall hießen die Stationen. Beim SWR-Fernsehen in Stuttgart erfand Werner Schretzmeier das Musik-Video mehr als zehn Jahre vor MTV, und die idealistische Popinitiative GIG in Reutlingen versuchte mit ehrenamtlichem Engagement eine Alternative zum kommerziellen Popkonzertbetrieb aufzubauen.

All diese Themen hat Christoph Wagner in seiner aktuellen Veröffentlichung „Träume aus dem Untergrund – als Beatfans, Hippies und Folkkreaks Baden-Württemberg aufmischten“ ausführlich dokumentiert. Der Balinger Musikjournalist und Musikhistoriker, der seit Jahren in England lebt, wird sein Buch in einer Multi-Media-Lesung am Mittwoch, den 21. März 2018 in Riedlingen in der Aula des Kreisgymnasiums vorstellen. Beginn ist 19:30. Veranstalter ist die Fachschaft Geschichte des Kreisgymnasiums und die Ulrich'sche Buchhandlung. Der Eintritt beträgt 5 Euro, wobei Schüler nur einen Euro bezahlen.
                                                                                       Power Play, 1968
Wagner läßt mit vielen raren Fotos und Abbildungen die Geschichte der populären Musik und ihrer Macher in Südwestdeutschland lebendig werden, wobei er auch einen Abstecher in die Riedlinger Popgeschichte unternimmt, wo lokale Gruppe wie Power Play sehr rührig waren, die auch Open-Air-Konzerte etwa mit Birth Control organisierten. 

Sein Buch im Silberburg-Verlag hat sich seit seiner Veröffentlichung im Herbst zu einem regionalen Bestseller entwickelt. In den Medien wurde es äußerst positiv besprochen. Selbst Ministerpräsident Winfried Kretschmann war anläßlich der Buchtaufe im Stuttgarter Theaterhaus voll des Lobes.
                                      Birth Control
Umrahmt wird die Multi-Media-Lesung durch ‘Live’-Musik von Fritz Heieck (Keyboards, Baß, Electronics). Der Musiker gehört seit vielen Jahren zur absoluten Creme der südwestdeutschen Musikszene. Seit den 1970er Jahren hat er in Gruppen wie der Frederic Rabold Crew und dem Jazz Inspration Orchestra bundesweite Beachtung erlangt. Heieck, der außerdem 30 Jahre im Radio-Sinfonieorchester Stuttgart spielte, ist ein musikalischer Tausendsassa, der sich gleichzeitig als Mitglied der Beatles Revival Band einen Namen gemacht hat. Er ist gleich virtuos auf Kontrabass, Keyboards und Electronics.

Riedlingen, Mittwoch, den 21. März 2018 in der Aula des Kreisgymnasiums; Beginn: 19:30