Sindelfingen, Stadtmuseum (Altes Rathaus), Lange Str. 13
Samstag, den 14. November 2026 / 18–24 Uhr
Anläßlich der Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten", wird die LANGE NACHT DER MUSEEN im Sindelfinger Stadtmuseum (Lange Str. 13) dieses Jahr vollständig im Zeichen der Musik stehen. Von 18 bis 24 Uhr werden an unterschiedlichen Stellen im Museum verschiedene Musikgruppe ihre Kunst zum Besten geben.
Mit dabei: LEFTA aus Stuttgart haben sich dem griechischen Rembetiko verschrieben. Simon Steiner (Baglamas, Klarinette), Klaus Pfeiffer (Tzouras), Evangelos Dimopoulos (Oud, Baglamas, Tzouras & Trommel) und Melina Dimopoulou (Gesang) spielen und singen Lieder aus der Subkultur der Außenseiter, Herumtreiber und Gauner, wie sie in den griechischen Hafenstädten der 1930er Jahre entstanden sind.
Joachim Kupke & Reiner Pfleiderer // Verbeulte Songs über das Leben bringt das Duo von Joachim Kupke (Gesang) und Reiner Pfleiderer (Gitarre). Die beiden sind durch die Gruppe „If You Wanted to“ in Sindelfingen und darüber hinaus bekannt. Kupkes rauhes Organ gibt den Stücken eine Tom-Waits-Qualität, souverän begleitet von Reiner Pfleiderer auf der akustischen Gitarre.
Das Trio panta rhei (=alles fließt) spielt eine Musik, die man als Minimal-Loop-Jazz bezeichnen könnte. Die Stücke von Manfred Kniel sind einfach und komplex zugleich, dezent und ironisch, komponiert und doch spontan. Es ist der erste Auftritt dieses neuen Trios aus Spitzenmusikern aus dem Südwesten.
3. & 4. POPtalk & Music – Gesprächskonzerte am 15. November zur “Langen Nacht der Museen” im Böblinger Kulturnetzwerk Blaues Haus (20:30) UND im Sindelfinger Stadtmuseum Altes Rathaus (22:30)
Sindelfingen und Böblingen wurden in den 1970er Jahren zu einem Mekka der Popmusik. Viele weltberühmte Popmusiker und Rockbands traten damals in der Ausstellungshalle und danach in der Messehalle auf. In der dickleibigen und reich bebilderten Buchneuerscheinung „Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten” (Verlag Regionalkultur) zeichnet der Pophistoriker Christoph Wagner die Entwicklung nach, die Böblingen und Sindelfingen zu einem Brennpunkt der internationalen Konzertszene machte.
Ten Years After mit Bassgitarrist Leo Lyons in Böblingen 1970 (Foto: Martin Schultz)
Hunderttausende von Jugendlichen aus nah und fern strömten in den 1970er und 80er Jahre in die Popkonzerte in Sindelfingen und Böblingen, was die beiden Nachbarstädte für viele erst auf die Landkarte setzte. Unter diesen Musikbegeisterten waren auch etliche angehende Musiker, die mit ihren Bands daheim in den Probekellern in Reutlingen, Heilbronn oder Göppingen ihren Idolen nacheiferten, die sie „live” in Sindelfingen oder Böblingen gehört hatten.
In der Buchneuerscheinung VON ABBA BIS ZAPPA kommen einige davon zu Wort. Sie sind heute Profimusiker, wobei die damaligen Konzerterlebnisse ihre Berufswahl beeinflußt haben. Zwei von ihnen werden im Rahmen der „Langen Nacht der Museen” am Samstag, den 15. November 2025 einige denkwürdige Auftritte Revue passieren lassen und dazu die passende „Live”-Musik spielen. Zwei Auftritte in einer Nacht: um 20:30 im Böblingen Kulturnetzwerk Blaues Haus UND um 22:30 im Sindelfinger Stadtmuseum Altes Rathaus (Hintere Gasse 2). Der Eintritt ist frei.
Jazzpreisträger Ekkehard Rössle
Einer der Musiker ist der Saxofonist und Klarinettist Ekkehard Rössle aus Stuttgart. Der baden-württembergische Jazzpreisträger war als Teenager ein glühender Fan von Frank Zappa und hat den exzentrischen Gitarristen zwischen Jazz und Rock zweimal in Böblingen erlebt. Kontrabassist Fritz Heieck, bekannt durch seine Mitgliedschaft in der Frederic Rabold Crew, im Jazz Inspiration Orchestra und der Beatles Revival Band, war dagegen eher von Ten Years After begeistert, einer bekannten englischen Bluesrockband, deren Bassist Leo Lyons ihn schlichtweg „vom Hocker haute” und dem er von da an nachzueifern begann. Möglicherweise kann auch der eine oder andere Besucher dieser POPtalks die Erlebnisschilderungen mit seinen eigenen Konzerterfahrungen bereichern.
Jason Seizer - ein Leben als Jazzmusiker, Veranstalter und Produzent
vlnr: Fabian Arends, Jonas Westergaard, Jason Seizer, Pablo Held (Foto: Jakob Stolz)
Ich fahre die Cannstatter Straße entlang, von Bad Cannstatt nach Stuttgart. Der Blitz kennt mich und ich schleiche wie alle Fahrzeuge brave 40 km/h, zum Zerreißen langweilig. Jason Seizers Modern Jazz CD Vertigo (Label Pirouet, 2020, Liveaufnahme im Studio 2 des Bayerischen Rundfunks) läuft, seine achte CD: romantisch, zärtlich gehauchtes Tenorsaxofon, plötzlich explodiert Jasons Kanne. Erst spitz und frech, in höchsten Tönen markerschütternd, nun abgrundtief. Zu jedem Atemzug verändern sich die Klangfarben. Jason zieht in dem Stück The Movie Suite alle Register, danach improvisiert das Jason Seizer Quartett das Vertigo Love Theme aus Hitchcocks Thriller frei und gefühlvoll dem Ende entgegen.
Jason Seizer, geboren 1964 in Stuttgart, sah ich erstmals 1984 im Bunker am Wilhelmsplatz Stuttgart. Wir probten mit Biznis Biznis, einer Stuttgarter Band mit Jazzanklängen. Jason war von meinem Saxofon angetan, ich lud ihn ein und spielte ihm John Coltranes LP Ballads vor. Wir kauften in der Buchhandlung Wittwer am Schlossplatz Biografien von Charlie Parker, John Coltrane und Miles Davis, wir stöberten in meiner Notenschule von Oliver Nelson und ich erzählte ihm von der Jazzstadt Stuttgart, meiner Jugend, langen Nächten im Publikum oder sogar auf der Bühne, als Teen, in Clubs wie dem "Atlantik" in der Büchsenstraße, später Berliner Platz, Hahnenhof oder Braunschweigers Jazzclubs am Rotebühlplatz. Eine neue Welt eröffnete sich ihm, er besorgte sich Charlie Parker Platten, die er in seinem VW Käfer auf Kassette hörte und wurde ganz verrückt danach, sein Verlangen schien grenzenlos. Er kaufte sich ein Sax, schloss sich in den Bunker ein und spielte wenige Wochen später auf dem Sommerfest der Kunstakademie seinen Parker und seinen Coltrane. Weitere Auftritte auf Partys und Jazzclubs folgten. Der Gig mit der Band Shot Light Blue, als Vorgruppe vor der New Yorker Fakejazz Band Lounge Lizards im Feuerwehrhaus Heslach bleibt Vielen in Erinnerung. Unvergesslich für mich: Wie er in einem himmelblauen Leinenanzug im L'Aleph als Gast bei der Szeneformation "Jazzbandneger" auftaucht. Dank eines Freundes, der 1984 das Moers Jazz Festival besucht hatte, war ich immer auf dem Laufenden. Von ihm bekam ich immer die besten Schallplattentipps, die ich wiederum Jason vorspielte. Julius Arthur Hemphill, die Scheibe hieß Georgia Blue, sie haute uns vom Hocker. Jason lieh sich die Platte aus, ich glaube für immer. In der Bar EXIL stand er am Flipper, er war der Beste und so erhielt er seinen Spitznamen nach dem Protagonisten eines Pinball-Films, der immer den High-Score holte. "Ich habe das gar nicht als Spitznamen empfunden, es war wie eine neue, zweite "Identität", schreibt Christian Otto Seizer per sms. Seinem Hund gab er den Namen Monk. Nach Thelonious Monk, dem unkonventionellen Jazzpianisten.
Jason ist "Blockflötenfan", seit dem Kindergarten bis zum Abitur vollbrachte er als ehrgeiziger Flötenschüler - angespornt von seinen Eltern - Höchstleistungen aber belegte im Landeswettbewerb nur den dritten Platz. Auf dem Heimweg wurde im Auto geschwiegen, seine Eltern und auch er waren enttäuscht. In der Jury saß auch mein Vater Luis Steiner, Leiter der Stuttgarter Musikschule und Gründer von "Jugend musiziert". Nachdem Jason von der Blockflöte zur Querflöte wechselte fiel ihm der Umstieg aufs Sax nicht schwer. Autodidakt Jason suchte den Kontakt zu Stuttgarter Jazzgrößen wie Frederic Rabold, er erkannte in Saxofonist Ekkehard Rössle einen Gleichgesinnten und mit ihm zog es Jason schließlich nach München, um bei Jürgen Seefelder Unterricht zu nehmen. Ein Wohnungstausch mit einer Münchnerin war praktisch: Jason ließ sich in der bayrischen Landeshauptstadt nieder. "In München ging‘s dann richtig los, unter eigenem Namen, das war im Herbst 1988, ich wurde in der Szene aktiv!" erzählt Jason Seizer. 1990 bis 1994 studierte er in Hilversum Saxofon. Wir hielten Kontakt und trafen uns zwischendurch im Jazzclub "Rogers Kiste". Jason redete holländisch. Prägend war sein Aufenthalt in New York im Frühjahr 1994: "Ein Flash! Unterricht bei Joe Lovano, von ihm habe ich ewig gezehrt, bekannte Jazzstücke, das war selbstverständlich, in allen Tonarten zu spielen. Wie man einen Ton bildet, beginnt und beendet." Die warmen Klangfarben und der Atemfluss, daran arbeitet Jason unaufhörlich. Er spielt ein Holzmundstück. Weite Öffnung und hohe Blattstärke erinnern an Trane, an John Coltrane.
Jason Seizer Quartet auf dem Jazzfest München 2020 (youtube)
"Als Jazzmusiker kann man leben", betont Jason im Gespräch, "man muss dafür etwas tun, denn nur 5 Prozent sind Talent, der Rest ist Üben, Arbeit, möglichst ohne Druck aber mit viel Geduld." Die Konkurrenz ist groß. "Früher gab es im deutschsprachigen Raum drei Hochschulen mit dem Studiengang Jazz, heutzutage 27 allein in Deutschland!" Jason nennt sich free lancer. Er übernimmt allerlei Aufgaben:
Als CD-Verkäufer in einer Jazzabteilung, 1989 als Roadmanager für den Jazzbassisten Buster Williams, als Saxofonlehrer und als freier Saxofonist in Bigbands oder auf Hochzeiten, er hat alles in den 90ern ausgeschöpft. Er leitete von Januar 2000 bis Dezember 2001 den Münchner Jazzclub Unterfahrt. "Ich hab alles gemacht, außer Bierverkauf, 90 Stundenwoche!"
2003 gründete er mit dem Münchner Kaufmann Ralph Bürklin das Label Pirouet Records. Nun als Produzent und Toningenieur tätig, etabliert er es als eines der wichtigsten Jazz-Independent-Labels Europas mit internationalem Portfolio. "Bei der Labelarbeit, insbesondere während der Aufnahme im Studio geht es darum, eine gute Umgebung und Atmosphäre für die Musiker zu schaffen, um den musikalischen Prozess an sich. Und Warten können ist wichtig. Warten im Sinne von Sergiu Celibidache der einmal gesagt haben soll: Musik kann man nicht machen, Musik passiert."
Von 2013 bis 2016 präsentiert Jason den Jazz Salon auf der Kleinkunstbühne Heppel & Ettlich, zwei Freaks aus der alten Schwabinger Szene und in einer Weinhandlung veranstaltet er die Reihe Wein & Jazz. 2020 und 2023 veranstaltete Jason in Eigenregie das dreitägige Münchner Jazzfestival Muctones "Musik im Wohnzimmer". Diese Wohnzimmeratmosphäre gefällt ihm, "Leute zusammenbringen", das ist sein Anliegen. "2026 vielleicht wieder". Seit 2015 spielt er in seinem aktuellen Quartett, in Clubs, auf Festivals und Tourneen. Kontinuität und warme Atmosphäre zeichnen die Vier aus. Am Piano sitzt Pablo Held, am Schlagzeug Fabian Arends, Bass spielt Jonas Westergaard. Nicht Perfektion, sondern Wege erproben und Freundschaft stehen im Vordergrund. Eine neue CD ist in Aussicht, Balladen sollen es sein.
Aktuell übernahm Jason, der bisher bereits 180 Alben aufgenommen und abgemischt hatte das Studio Kyberg, in dem er bereits als Produzent und Tonmeister arbeitete, einen "open creative space. Dieser Raum ist ein Instrument!" freut er sich. Für Aufnahmen, Konzerte, für Live-Aufzeichnungen, für eigene Projekte. "Das ist schon verrückt, heute produziert jeder zu Hause am Laptop und wir haben einen ganzen Raum von 80 Quadratmeter! Ich will Menschen verbinden", betont er noch einmal und das glaubt man der reifen Persönlichkeit aufs Wort.
An ein Erlebnis im Jazzclub Bix in Stuttgart erinnert sich Jason: Im Jahr 2008, da stand ihm einfach eine blöde Mikrofonkiste auf der Bühne im Weg, irgendwie kam ihm so Manches seltsam vor: Damit waren Auftritte in Stuttgart erst einmal erledigt. Aber er kommt regelmäßig nach Stuttgart, bringt seine Neuerscheinungen vorbei, mal grillen wir einen Oktopus oder sitzen nur herum. In meinem Punkbuch über Stuttgart kommt er auch vor, denn er spielte tatsächlich mit Mitschülern aus dem Karlsgymnasium in so ner Art Punkband, frühe 80er. Ich glaube, dass Stuttgart immer noch Heimatgefühle in Jason weckt. Bald sieht man sich in Stuttgart wieder. Jason auf der Bühne, Solo, im Duo oder Trio. Oder mit seinem aktuellen Quartett.
Simon Steiner ist freier Autor. Er schrieb das Buch "Wie der Punk nach Stuttgart kam" (edition-randgruppe) und zahlreiche Artikel über seine griechische Lieblingsmusik Rembetiko, die er mit Klaus Pfeiffer und Gästen auch live spielt. Er arbeitete als Lehrer, Lehrerausbilder und im Bereich Sprachförderung für das Jugendamt Stuttgart.
Lichtwärts! – Jugendbewegung und Lebensreform in Südwestdeutschland um 1900
Multimedia-Vortrag von Christoph Wagner mit Musik von Ekkehard Rössle / Klarinette
Im November bin ich mit Jazzpreisträger Ekkehard Rössle (Klarinette, Saxofon) mit vier Multimedia-Vorträgen in Schwaben unterwegs. Unser Thema: Lichtwärts! Jugendbewegung und Lebensreform in Südwestdeutschland um 1900. Dabei wird die südwestdeutsche Lebensreform- und Jugendbewegung als historisches Phänomen dargestellt, unter Berücksichtigung ihrer jeweils lokalen Ausprägungen, ob in Tübingen, Sindelfingen, Bad Urach oder Waiblingen. Ekkehard Rössle wird die Bildstrecken rarer historischer Fotos mit passender Musik aus der damaligen Zeit untermalen (Jazz, Neue Musik usw.)Die Vorträge basieren auf meinem Buch "Lichtwärts! Lebensreform, Jugendbewegung und Wandervogel – die ersten Ökos im Südwesten (1880 –1940)" (Verlag Regionalkultur), das von der Kritik sehr positiv aufgenommen wurde.
Unsere Termine sind:
Sonntag, 12. Nov 2023 Club Voltaire, Tübingen, Haaggasse (19:00)
Dienstag, 14. Nov 2023 Sindelfingen, Musikschule (SMTT) im Odeon, Wolboldstrasse 21 (19:00)
Donnerstag, 16. Nov 2023 Bad Urach,Stadtbücherei Schlossmühle (19:30)
Samstag, 18. Nov 2023 Kulturhaus Schwanen, Waiblingen (20:00)
Vom Spielzeug zum Musikinstrument: das Toy Piano Albert Schoenhut ist der Erfinder des Toy Pianos. Er wurde in Göppingen geboren, emigrierte dann 1866 nach Amerika, wo er seine höchst erfolgreiche Spielzeug- und Kinderklavierfabrik eröffnete. Jetzt widmet ihm das städtische Museum in Göppingen eine Sonderausstellung. Am 24. Februar 2018 findet als Rahmenprogramm eine 'Nacht der Toy Pianos' statt, mit Kappeler/Zumthor, Isabel Ettenauer und Fifty-Fifty. A. Schoenhut Company Manufacturers of Toys and Novelties
Die A. Schoenhut Company war vor 100 Jahren eine bedeutende Spielwarenfabrik in Amerika. Gegründet hat das Unternehmen der Göppinger Holzdrechsler Albert Schoenhut, der 1866 als junger Mann nach Philadelphia ausgewandert war. Das Geschäftsfeld war ihm nicht fremd: Bereits sein Vater und Großvater stellten in Göppingen Holzspielwaren her. Zunächst reparierte der junge Einwanderer in einem Spielwarengeschäft Kinderklaviere. 1872 machte er sich selbstständig. Albert Schoenhut verwirklichte für sich den amerikanischen Traum – den Aufstieg aus kleinen Anfängen zum Großindustriellen und Millionär. In seiner Fabrik in Philadelphia, eine der größten Amerikas, wurden Puppen, Boote, Schwerter, Gewehre und Musikinstrumente für Kinder hergestellt. Zum erfolgreichsten Artikel im Sortiment entwickelte sich der 1903 vorgestellte Humpty Dumpty Circus. Mit seinen gelenkigen Clowns, Akrobaten und Tieren ließen sich – wie die Firma warb – „10001 erstaunliche Kunststücke“ vollführen. Nach dem Tod des Firmengründers 1912 führten seine Söhne die Firma weiter, die als eine von wenigen unter den amerikanischen Spielwarenfabriken auch europäische Läden belieferte. In den wirtschaftlichen Krisenzeiten der 1930er Jahre ging das Unternehmen unter, lediglich die Herstellung der Toy Pianos wurde unter neuer Regie weitergeführt. Sie werden bis heute in Florida produziert. Das Kinderklavier – ursprünglich ausschließlich ein Spielzeug – ist heute auch ein anerkanntes Konzertinstrument. 1948 schrieb der US-amerikanische Komponist John Cage als Erster eine „Suite for Toy piano“. Die Ausstellung zeigt einen Ausschnitt aus der Spielwarenproduktion der A. Schoenhut Company. Das Museum im Storchen unterstützten dabei mit Leihgaben und Dokumenten Angelika und Hermann Strauss, Igensdorf, Suzy Vincent, Milford/UK, der Schoenhut Collectors Club, die Historical Society of Pennsylvania/USA sowie die Schoenhut Piano Company LLC, St. Augustine/USA.
Begleitprogramm Vortrag Dienstag, 30.01.2018, 19:30 Uhr Von Göppingen nach Amerika.Auswanderung im 19. Jahrhundert Dr. Karl-Heinz Rueß, Melanie Köhler-Pfaffendorf Museum im Storchen Eintritt: 5 Euro (bis 18 Jahre frei)
Konzert Samstag, 24.02.2018, 19:30 Uhr Schoenhuts Traum – Nacht der Toy Pianos Konzert mit Kappeler/Zumthor (Schweiz), Isabel Ettenauer (Österreich) und Fifty-Fifty: Manfred Kniel & Ekkehard Rössle (Deutschland) Moderation: Musikjournalist Christoph Wagner, Hebden Bridge/UK Zimmertheater im Haus Illig, Friedrich-Ebert-Straße 2 Eintritt: 24 Euro, Karten im Vorverkauf im Museum im Storchen zu 20 Euro
Matinee Sonntag, 25.02.2018,11 Uhr The Joy of Toy Isabel Ettenauer spielt Toy Pianos von Schoenhut und Michelsonne Anschließend Führung durch die Ausstellung Museum im Storchen Eintritt für Konzert und Führung: 10 Euro https://www.goeppingen.de/,Lde/start/Kultur/Ausstellungen.html
cw. Letzten Samstag (23. November 2013) - mein Konzert des Jahres! Ein Hauskonzert unter dem Titel 'Jazz im Zimmer' in der Hohenstaufenstrasse in Stuttgart mit FIFTY FIFTY featuring der Vokalistin Denise Taylor.
Fotos: Manuel Wagner
"Let's Count" heisst das Album, das die Stuttgarter Gruppe FIFTY FIFTY letztes Jahr auf dem Klangbad-Label veröffentlichte. Der minimalistische Loop-Jazz des Gespanns Ekkehard Rössle (Saxofone) und Manfred Kniel (Schlagzeug, Toy Piano) wurde darauf auf höchst originelle Weise mit weiblicher Vokalistik kombiniert. Nicht wie man es erwarten würde: Der Gesang steht keineswegs im Vordergrund, sondern gliedert sich so präzise wie dezent in das musikalische Baukastenprinzip der Gruppe ein. Denise Taylor gospelhafter Gesang fügte im Konzert der rationalen reduzierten Musik des Duos eine seelenvolle Dimension hinzu. Die Gruppe ist ein Geheimtipp der deutschen Szene und bewegt sich ebenso weit weg vom Jazz-Mainstream wie von der freien Improvisation. Wirklich fantastisch!
Das
Stuttgarter Duo Fifty-Fifty von Manfred Kniel und Ekkehard Rössle bastelt an
Strategien der Reduktion
Foto: Manuel Wagner
cw. Jazzmusiker geizen
normalerweise nicht mit Tönen. Der ökonomische Umgang mit den musikalischen
Mitteln zählt nicht zu den Tugenden des Stils – im Gegenteil: die
Improvisationen bieten den Solisten die Möglichkeit, ihre Virtuosität und
Fingerfertigkeit ausgiebigst unter Beweis zu stellen. Von diesem Musizierideal
weicht die Gruppe Fifty-Fifty ab. Ihr Motto lautet: “Weniger ist mehr!”
30
Jahre lang hatte der Stuttgarter Schlagzeuger Manfred Kniel moderne Jazzmusik
gespielt, dabei mit so renommierten Namen wie dem Trompeter Frederic Rabold,
der Vokalistin Lauren Newton und dem Vibrafonisten David Friedman gearbeitet,
bis in ihm mit der Zeit eine andere Vision reifte: Ihm schwebte ein
komprimierter Jazz vor, der sich aufs Wesentliche beschränkt und jede
Geschwätzigkeit vermeidet. Kniel dachte über die Vorteile der Einfachheit nach
und bastelte an Strategien der Reduktion. Er nennt es “Jazz der mittleren
Dichte”.
Foto: Manuel Wagner
Mit
dem Saxofonisten Ekkehard Rössle gründete Kniel das Duo Fifty-Fifty, um das
Konzept musikalisch umzusetzen. Kompositionen entstanden, die sich
baukastenartig und doch völlig organisch aus raffinierten Grooves entwickeln -
mit knappen Melodielinien, pfiffigen Arrangements und prägnanten
Kurzimprovisationen versehen. Die instrumentale Beschränkung auf nur zwei
Instrumente führt die Musik auf ihre Ur-Elemente zurück: Melodie und Rhythmus.
Das schafft Tranzparenz und Raum.
Mit
der Saxofon-Schlagzeug-Kombination reiht sich Fifty-Fifty in eine Tradition
ein, die 1967 mit einem Paukenschlag begann, als John Coltrane mit Schlagzeuger
Rashied Ali das bahnbrechende Album “Interstellar Space” aufnahm. Zur gleichen
Zeit entwarfen in Europa Willem Breuker (Saxofon) und Han Bennink (Schlagzeug)
ihren “New Acoustic Swing”. Seither gab es immer wieder Musiker, die sich von
dieser speziellen Besetzung faszinieren ließen: Lee Konitz und Matt Wilson,
John Zorn und Milford Graves, Ernst-Ludwig Petrowsky und Michael Griener. Sie
alle wählten die freie Improvisation als Ausgangspunkt, im Gegensatz zu Kniel
und Rössle, die eine genau abgesteckte Konzeption aus Komposition und
Improvisation verfolgen.
Wenig
zu spielen, kann eine Herausforderung sein. “Das Problem besteht darin, dem
Erwartungsdruck der Zuhörer nicht nachzugeben und seine Virtuosität und
Spieltechnik im Zaum zu halten. Man braucht nicht alles zu zeigen, was man
kann,” erklärt Ekkehard Rössle. “Man muss der Angst vor der Stille widerstehen
und nicht alles mit Tönen und Klängen zukleistern.”
Wochenlang brütet Kniel über einem einzigen Rhythmus, variiert, verfeinert
und komplettiert ihn, um jedem Beat einen eigenständigen Charakter zu geben.
Mit Zangen und Hämmern bearbeitet er Metallbecken, bis sie seinen
Klangvorstellungen entsprechen. Trommeln werden abgedämpft für den richtigen
Sound. “Von zehn Rhythmen, an denen ich
feile, kommt am Ende vielleicht nur einer zum Einsatz,” beschreibt er den
rigorosen Auswahlprozeß. “Die anderen werden verworfen, weil sie noch nicht
meinen Ansprüchen genügen.” Foto: Manuel Wagner
Als
Drummer verwandelt sich Kniel in eine Präzisionsmaschine, die polymetrische
Grooves in akustische Loops verwandelt. Aus einer Zen-artigen Versunkenheit
schlägt er rhythmische Pattern, die hochkomplex und einfach zugleich sind und
manchmal an die Beats aktueller elektronischer Clubmusik erinnern, nur eben
akustisch erzeugt. Rössles Saxofon besticht durch einen warmen Ton - er hat
beim Cooljazz-Saxofonisten Hans Koller gelernt. Dazu bläst er Linien, die
Geschichten zu erzählen scheinen und voller Poesie sind.
Auf
ihrem neuen Album haben die beiden die australische Vokalistin Rebecca Harris
vom Experimental-Ensemble Nista Nije
Nista ins
Boot geholt, die die verknappte Verse gekonnt intoniert. Harris gibt nicht dem
Drang nach, sich als Jazzdiva profilieren zu müssen, sondern reiht sich perfekt
in das Gruppenkonzept ein. Manchmal singt sie nur ein paar Töne oder rezitiert
Worte in repetitiver Manier, wobei ein minimalistischer kammermusikalischer Jazz
entsteht, der den Charme einer Spieluhr versprüht - auf jeden Fall verzaubert.