Thursday, 26 March 2026

Avantgarde-Matinee mit Cecil Taylor

Freejazz bei "der Woche der leichten Musik" beim SDR 1966 

Beim Durchblättern alter Hefte der Zeitschrift JAZZPODIUM bin ich auf eine Kuriosität gestoßen – eine der radikalsten und wildesten Gruppen des Freejazz betreffend: die Cecil Taylor Unit von 1966.

JazzPodium, Oktober 1966



Wednesday, 25 March 2026

Pop-Archäologie Südwest

„Von Abba bis Zappa" in Stuttgart, Fasanenhof

Von den Jugendclubs auf dem Fasanenhof zu den Stars auf den Bühnen von Sindelfingen und Böblingen

„Der Fasanenhof – Hier leben wir e.V." und das Kinder- und Jugendhaus Fasanenhof laden zu einem Abend ein, an dem die Verstärker der Erinnerung noch einmal aufgedreht werden: Im Fokus steht die Pop- und Rockkultur von Mitte der 1960er bis Mitte der 1980er Jahre, als neue Klänge, laute Gitarren und gesellschaftlicher Aufbruch die Region Stuttgart gehörig in Bewegung brachten. Los geht's mit Christoph Wagner, der anhand seines Buches „Von Abba bis Zappa“ durch die musikalischen und gesellschaftlichen Strömungen jener Zeit führt und zeigt, wie im Südwesten aus ersten Initiativen ein echter Popkonzert-Betrieb entstand.

Birth Control war eine der Rockbands, die Anfang der 70er im Stuttgarter Jugendhaus Fasanenhof auftrat (Sammlung C. Wagner)


Daraus gingen auf dem Fasanenhof ab 1971 Clubs wie die IG Freizeit und bald darauf der Club Orion" und Con Spezial" hervor: Treffpunkte für alle, die für Rock, Pop und die neuen Sounds brannten. Zeitzeugen berichten, wie heiß die Clubabende waren, welche Konzerte niemand vergessen hat und wie sehr die Popkultur ihr Denken, Fühlen und Handeln geprägt hat. Vertreter der IG Freizeit und weiterer Clubs holen mit persönlichen Stories und Anekdoten das Lebensgefühl dieser Jahre zurück auf die Bühne und lassen nachspüren, wo das Lebensgefühl von damals heute noch auf dem Fasanenhof drinsteckt.

Hans-Peter Haag zeigt dabei, wie aus der engagierten IG Freizeit das Music Circus Concertbüro wurde – ein Veranstalter, der die Region Stuttgart mit regelmäßigen Pop- und Rock-Konzerten bespielte und Böblingen wie Sindelfingen fest auf die Live-Karten der Republik setzte. Persönliche Erlebnisse, Konzertgeschichten und der Blick auf die wachsende professionelle Szene machen deutlich: Diese Zeit hat die regionale Musikkultur nicht nur begleitet, sondern geprägt – laut, bunt und kompromisslos.


Die Rockkonzerte in Stuttgart-Feuerbach, veranstaltet von der SMV, dienten der Rockinitiative im Jugendhaus Fasanenhof als Vorbild (Sammlung C. Wagner)



Eingeladen sind alle, die damals dabei waren, alle, die es gerne gewesen wären, und alle, die wissen wollen, wie es klang, als Clubs, Hallen und Köpfe in der Region Stuttgart zum ersten Mal so richtig auf „laut“ stellten.

Samstag, den 18. April, Kinder- und Jugendhaus Fasanenhof

Beginn: 19:30 Uhr (Einlass: 19:00 Uhr)

Eintritt frei



Wednesday, 18 March 2026

Scheibengericht Nr. 58: M Shanghai String Band

Aus der Luft


Es fängt mit einem grob gespielten Banjo an, so wie man es von Dock Boggs (1998-1971) und dessen Aufnahmen von 1927 kennt, darüber ein Gesang, nicht so rauh wie bei Boggs, aber in ähnlichem Duktus. Dann bricht auf einmal die ganze Band los. Der zweite Track "Anita Jean" ist ein Song mit einer rätselhaften Melodie, die wundersame Wege geht, keines der üblichen Klischees verwendet und sich trotzdem ins Gehör bohrt, vor allem dann, wenn die zweite Stimme in close-harmony dazukommt.

Das Album „From the Air“, das bereits 2007 erschienen ist, ist damals offenbar komplett an mir vorbeigerauscht. Ich habe die Band jetzt erst durch Zufall kennengelernt, die heute – glaube ich – gar nicht mehr besteht. Die M Shanghai String Band war oder ist ein Musikkollektiv aus Brooklyn, das so heisst, weil sie regelmäßig im Restaurant M Shanghai auftrat. 


Ihr Folk, etwas loser und freier angelegt als sonst, klingt naiv im besten Sinne, manchmal auch sentimental, aber gerade darin bringt er etwas zum Vorschein, was vielen professionellen Folksängern abgeht, die irgendwie zu professionell klingen, schon okay sind, aber nicht mit ihrer Musik in die Herzregion vordringen. Im Unterschied dazu die M Shanghai String Band, die mit Gusto musiziert und ihre ganze Seele in die Musik legt. Die Klänge sind nicht glattgebügelt, sondern naturbelassen. Hier wird mit einer Begeisterung Musik gemacht, die ansteckend wirkt, Fehler inbegriffen. Vor allem der mehrstimmige Gesang rührt einen an, wie hier mit Inbrunst und ohne Leitplanken gesungen wird, um das Wesen eines Songs hervortreten zu lassen. Und diese Lieder haben es in sich.


Hörprobe:


The M Shanghai String Band – No home in this world (youtube)




The M Shanghai String Band – Anita Jean (youtube)




The M Shanghai String Band – Another Day on the train (youtube)



Sunday, 15 March 2026

Neue Zeitschrift für Musik: "Freak-Sounds"-Besprechung von Andreas Schäfler

Von Hans-Joachim Irmler von der experimentellen Krautrock-Gruppe FAUST kam letzthin ein Schreiben: "wundervolles Buch – 'fetzig' hätte ich früher gesagt. Wirklich toll, wahnsinnig viel Unbekanntes oder Vergessenes."


Dazu hier jetzt die Besprechung aus der NEUE ZEITSCHRIFT FÜR MUSIK,  Heft 1-26.





 
Hinweis:
Am Sonntag, 26. April 2026 (Beginn: 19:15 Uhr) findet im Theaterhaus Stuttgart ein Konzert unter dem Motto "Freak-Sounds – Musik abseits der Norm" mit Peter Pichler und dem Trautonium statt, einem der ersten elektronischen Musikinstrumente der Welt, dem in meinem Buch "Freak-Sounds" ein Kapitel gewidmet ist. Ich werde eine kurze Einführung geben.

Saturday, 14 March 2026

Ausstellungseröffnung in Sindelfingen – ein durchschlagender Erfolg

Massenandrang im Stadtmuseum

Es gab nahezu kein Durchkommen mehr, so groß war der Andrang im Stadtmuseum Sindelfingen zur Eröffnung der Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockte" am Samstagnachmittag (14. März 2026). Die Besucher drängten sich im Treppenhaus bei der Begrüßung durch Bürgermeister Christian Gangl, Museumsleiterin Illja Widmann und Kurator Christoph Wagner. Die musikalische Umrahmung übernahm das Duo Take 2 bestehend aus Joachim Pflieger (Piano) und Beatrice Nuber-Mathé (Gesang), die Jazzklassiker in äußerst gekonnter Manier offerierten. 

Für den musikalischen Rahmen sorgte das Duo Take 2; Fotos: C. Wagner

Danach gab es viele Begegnungen: Kumpels aus grauer Popvorzeit trafen sich zufällig in den Ausstellungsräumen wieder. Soviele Musiker – Profis und Amatuere – waren in Sindelfingen wohl noch nie bei einer Veranstaltungen zusammengekommen. Mit Neugierde nahmen die Besucher die Exponate in Augenschein, die von den Jahren (1970 – 1985) berichten, als Sindelfingen und Böblingen zum Mekka der Popkonzertszene in Südwestdeutschland aufstieg mit einer Vielzahl riesiger Konzerte, sprichwörtlich von Abba bis Zappa.

Vielerlei Erinnerungen wurden wachgerufen und ausgetauscht. Überall wurde erzählt und diskutiert. Jetzt besteht neun Monate lang (bis zum 10. Januar 2027) die Gelegenheit, die Ausstellung noch einmal in Ruhe zu besuchen. Öffnungszeiten des Sindelfinger Stadtmuseums: Dienstag bis Samstag (15-18 Uhr), sonntags 13-18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Simon Steiner (ex-Punkmusiker mit FAK und Autor des Buchs "Wie der Punk nach Stuttgart kam") im Gespräch mit Hans Schweizer, legendärer Betreiber des Stuttgarter Musikgeschäfts Sound of Music.(Foto: J. Schneider)

  

Friday, 13 March 2026

Von Abba bis Zappa – Ausstellungseröffnung

Größte Popkonzertplakatausstellung weit und breit

Alles aufgebaut, alles fertig: Am Samstag, den 14. März 2026 (17:00 Uhr) öffnet das Sindenfinger Stadtmuseum (Altes Rathaus) seine Pforten für die Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten". Eine Fülle von Originalplakaten und Tickets, auch Fotos und andere Memorabilien, sind dort zu sehen, von Popkonzerten, die zwischen 1972 und 1986 in den beiden Nachbarstädten stattfanden. 

Und hier trat buchstäblich jeder auf, der in der Popwelt Rang und Namen hatte: Queen, AC/DC, Motörhead, Kraftwerk, Genesis, The Who, Kool & The Gang, Rory Gallagher – you name it! 

Hier die Vitrine, die den Wandel im Equipment der populären Musik dokumentiert mit Instrumenten, die damals wirklich von Gruppen wie Kraan oder Message in der Böblinger Sporthalle oder der Sindelfinger Ausstellungshalle gespielt wurden. Das Saxofon z. B. ist von Simon Steiner, der 1982 im Vorprogramm von Fehlfarben mit der Stuttgarter Punkband FAK auftrat. Die Fußmaschine, auf dem Boden davor plaziert, hat Jan Fride zur Verfügung gestellt, der als Drummer von Kraan dort 10 Jahre zuvor aufgetreten war. Die Konzertplakate in dieser Virtine stammen von einheimischen Bands wie Quintet plus One, Baobab oder Rock 'n' Blues. Und der Kopfhörer wurde von Werner Schumacher verwendet, der als Soundmann mit Eberhard Schoener, Police, Eloy und Udo Lindeberg hier auftrat.


 

Wednesday, 11 March 2026

Popausstellung in Sindelfingen

VON ABBA BIS ZAPPA im Stadtmuseum

Zuerst das Buch, jetzt die Ausstellung: Wir arbeiten gerade mit Volldampf daran, die Popausstellung im Sindelfinger Stadtmuseum „Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockte“ aufzubauen. Viel Arbeit, aber langsam ergibt sich ein Bild, und das ist exzellent. Wir präsentieren ca. 30 Originalplakate von Popkonzerten aus den beiden Nachbarstädten der Jahre von 1972 bis 1986: Plakate von Konzerten von Police, Kraftwerk, Udo Lindenberg, Queen, Morörhead, AC/CD, um nur ein paar wenige zu nennen. 

Fotos: C. Wagner



Ich kann mich nicht erinnern, in einer Ausstellung jemals eine so große Anzahl von Popkonzertplakate gesehen zu haben – ein echtes Highlight und für jeden Popfan ein MUSS!!  Dazu gibt es Fotos, Konzerttickets, originale Hippie-Kleidung aus "Swingin' London", Rockequipment von Gruppen, die damals in Sindelfingen und Böblingen aufgetreten sind wie Kraan, Message, Wanted, Rock ’n’ Blues und der Stuttgarter Punkband FAK (im Vorprogramm von Fehlfarben), auch Zeitungsartikel, Fan-T-Shirts, LPs, Flugblätter und vieles mehr. Eine einmalige Gelegenheit, in die Popwelt von damals einzutauchen. Eröffnung: Samstag, 14. März 2026 (17:00 Uhr). Eintritt frei!!!


Sunday, 8 March 2026

Ausstellung "Von Abba bis Zappa"

Das POPKONZERT-TAGEBUCH von HANSJÖRG KNORR

Mein dritter Ausflug, um Exponate für die Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten" abzuholen, führte mich nach Bietigheim-Bissingen zum Arzt Dr. Hansjörg Knorr. "Hanse" war damals und ist wohl bis heute ein begeisterter Rockfan, der ab August 1970 ein Popkonzert-Tagebuch führte, in das er akribisch jeden Auftritt eintrug, den er besuchte mit Kategorien für Gruppe, Besetzung, Ort, Zeit, Spieldauer, Herkunft und Eintrittspreis, also: welche Band in welcher Besetzung wo und wann auftrat; wo die Band her kam, wie lange sie spielte und wie hoch der Eintrittspreis war. Und Hanse war ein überaus eifriger Popkonzertbesucher. Hier sind bis in die 1990er Jahre hunderte von Konzerten eingetragen.

Foto: C. Wagner

Das ist ein unglaubliches Kompendium der Rockkonzertszene im Südwesten, für den Pophistoriker eine unschätzbare Quelle, wobei Hanse Knorr natürlich auch öfters zu Konzerten nach Sindelfingen und Böblingen fuhr. Zudem kommentierte er die Konzerte mit Kürzeln wie z. B. einem großen S für Sturm, bedeutete, das kein Eintritt bezahlt wurde, sondern die Halle bei dem jeweiligen Konzert gestürmt wurde, was Anfang der 1970er Jahre  – wie man an seinen Unterlagen sieht – häufig vorkam. Das Popkonzert-Tagebuch wird morgen mit nach Sindelfingen genommen, wo wir die Ausstellung aufbauen. Die Eröffnung ist am Samstag, 14. März 2026 um 17:00 Uhr. Eintritt frei!!!!!  


Saturday, 7 March 2026

Die FUSSMASCHINE von KRAAN für die Popausstellung in Sindelfingen

Ausstellungsstücke 

Jan Fride-Wolbrandt, der Schlagzeuger der deutschen Rockgruppe KRAAN, wohnt nicht nur in Wald (einer Gemeinde in Oberschwaben), sondern sprichwörtlich im Wald auf einem abgelegenen Bauerhaus. Nach Jochen Irmler im Faust-Studio, galt ihm mein nächster Besuch. Es war nicht ganz einfach den Ort zu finden, weil mein Navi ihn nicht orten konnte, so versteckt liegt der Hof. Ich musste mich dann notgedrungen – auf die alte Art und Weise – durchfragen. Hat aber am Ende doch geklappt.

Jan hatte mir für die Ausstellung in Sindelfingen "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten" eine Schlagzeugfußmaschine versprochen, die in der Vitrine Platz finden wird, die die Entwicklung des Bandequipments in den 60er und 70er Jahre dokumentiert. 


Es ist die originale Rogers-Fußmaschine, die Jan – wie er erzählte – bei KRAAN von den Anfängen 1971 bis ca. 1975 spielte, also ein für die Pophistorie in Deutschland nicht gerade unwichtiges Teil. Es ist also genau die Fußmaschine, die Jan benutzte, als er mit KRAAN am 27. April 1972 in der Sindelfinger Ausstellungshalle spielte, ein Dreifachkonzert mit Message, den damaligen Lokalmatadoren, und der Mänchner Band Out of Focus. 

Foto: C. Wagner

Die Popgeschichts-Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten" wird am Samstag, den 14. März 2026 um 17:00 Uhr im Stadtmuseum in Sindelfingen eröffnet (Eintritt frei!!!) und ist dann bis am 10. Januar 2027 zu sehen. Die KRAAN-Fußmaschine wird dort in einer Vitrine zu bewundern sein. 

Kresizeitung Böblinger Bote, 2.5.1972



Hörprobe: 
KRAAN, live 1972 (Youtube)


Friday, 6 March 2026

Pawel Romańczuk und FREAK-SOUNDS

TOY PIANO MADNESS

Pawel Romańczuk ist ein experimenteller Musiker, Komponist und Sammler obskurer Musikinstrumente aus Polen. Er leitet ein Ensemble, das Male Instrumenty heisst (=kleine Instrumente). Die Gruppe hat vor einiger Zeit ein Album aufgenommen, dass ihrem Landsmann Frédéric Chopin gewidmet ist und seine Kompositionen auf drei Toypianos spielt – absolut fantastisch. Romańczuk ist mit Male Instrumenty natürlich im Kapitel meines Buchs "Freak-Sounds" vertreten, das sich der Geschichte des Toypianos widmet, das ja seine Urspünge in Göppingen hat, wo der Erfinder Albert Schoenhut herkommt, der das Kinderklavier nach seiner Auswanderung 1872 in Philadelphia erfand.

Jetzt hat ein Exemplar des "Freak Sounds"-Buchs Pawel Romańczuk in Polen erreicht. Am Sonntag, den 26. April 2026 (Beginn: 19:15 Uhr) gibt es eine Buchtaufe im Rahmen eines Konzerts mit dem Trautonium-Spieler Peter Pichler im Theaterhaus in Stuttgart.

Karten unter:

https://www.theaterhaus.com/de/programm-tickets/freak-sounds-musik-abseits-der-norm/1248

Hörprobe:
Male Instrumenty spielen Chopin auf drei Toypianos (Youtube)




DIE BLECHTROMMEL für Sindelfingen

AUSSTELLUNGSSTÜCKE von FAUST

Ich war heute Nachmittag bei Hans-Joachim Irmler im Faust-Studio in Scheer an der Donau, um Trommelteile für die Ausstellung "Von Abba bis Zappa – als Sindelfingen und Böblingen den Südwesten rockten" abzuholen. Jochen hat in einem Nebenraum seines geräumigen Tonstudios ein riesiges Lager, wo sich über die Jahre allerlei altes Rock-Equipment angesammelt hat. Aus einer Kiste zog er zwei originale Trommeln und ein Crash-Becken heraus, das die experimentelle Rockgruppe Faust schon in ihrem Domizil in Wümme (zwischen Hamburg und Bremen gelegen) im Einsatz hatte. Die drei Teile werden in der Ausstellungsvitrine, die sich den technischen Veränderungen in der Beat- und Rockmusik der 60er und 70er Jahre widmet, einen Ehrenplatz erhalten. Die Eröffnung der Ausstellung ist am Samstag, den 14. März 2026 um 17:00 Uhr im Stadtmuseum in Sindelfingen. Der Eintritt ist frei.

Foto: C. Wagner


  

Wednesday, 4 March 2026

James Brandon Lewis in Singen

Elektrischer Funkjazz


Der neue Jazzstar James Brandon Lewis in Singen vor vollen Rängen


Fotos: C. Wagner


James Brandon Lewis ist der neue Star im Jazz. 2025 krönte ihn Down Beat, das führende Jazzmagazin in den USA, sowohl zum Saxofonisten als auch zum Musiker des Jahres. In Singen ist Brandon Lewis schon länger kein Unbekannter mehr. Mit einem guten Riecher für aufkeimende Talente hat ihn der Jazzclub Singen bereits zwei Mal im Konzert präsentiert: im Herbst 2023 und 2024, damals mit verschiedenen akustischen Ensembles. 


Jetzt stellte sich Brandon Lewis im Kulturzentrum Gems mit seinem neuen Trio vor, das aus dem Schlagzeuger Warren 'Trae' Crudup und Josh Werner besteht, der nicht Kontrabass, sondern Baßgitarre spielt. Dieser scheinbar kleine, aber doch signifikante Unterschied macht deutlich, dass hier nicht akustischer Jazz geboten wird, sondern ein elektrischer Funkjazz, der ursprünglich auf Herbie Hancock’s Headhunters zurückgeht und dem Motto folgt: Jazz Is the Teacher, Funk Is the Preacher!



Offenbar will Brandon Lewis kreativ nicht auf der Stelle treten, sondern frische Konzepte erproben. Dafür läßt er sich von Jazzgrößen wie Ornette Coleman und Don Cherry inspirieren und macht deren Ideen für die Gegenwart fruchtbar.


Nicht nur die Baßgitarre ist für das Trio stilprägend. Auch das „funky“ Schlagzeug trägt seinen Teil dazu bei, dass die Rhythmusgruppe wie ein eng verzahntes Räderwerk funktioniert. Über dem „Funk“ dieser gutgeölten Groove-Maschine bläst Brandon Lewis seine klaren, erdigen Melodien, die danach in Improvisationen voller Inbrunst und Leidenschaft münden und sich manchmal fast bis zur Ekstase steigern. Zwischen die aufbrausenden Stücke schiebt der Bandleader immer wieder ruhigere Kompositionen, die über einem freien Rhythmus eine hymnische Kraft entfalten. Die Zugabe widmete er seinem Vater, der seit ein paar Jahren gesundheitlich angegriffen ist. Hoffentlich hilft ihm die Power des Saxofonspiels seines Sohns, wieder auf die Beine zu kommen.  


 

SCHEIBENGERICHT Nr. 57: Eve Rissers Folkore imaginaire

Ensemble Ensemble

Live at Atelier du Plateau


BMC Records



Das Ensemble Ensemble ist ein Quintett, das von Eve Risser ins Leben gerufen wurde. Die Pianistin, die in Colmar aufwuchs, hat sich dazu die Vokalistin und Elektronikerin Mari Kvien Brunvoll und den Gitarristen Kim Myhr, beide aus Norwegen, ins Boot geholt, plus den rumänischen Violinisten George Dumitriu sowie ihren französischen Landsmann Toma Gouband, ein Spezialist für Schlagwerk aus Stein und anderen Naturstoffen. 


Eine wahrlich multinationale Gruppe hat sich hier zusammengefunden, die darauf abzielt, Konzepte der improvisierenden Avantgarde mit Elementen der Volksmusik aus Norwegen und dem Elsaß zu verschmelzen, Musik, die aus dem Fundus der Tradition schöpft, diese aber auf experimentelle Weise verarbeitet.



Beim Auftritt im Atelier du Plateau in Paris im Juni 2018 kreierten die fünf Musikerinnen und Musiker in fünf Stücken äußerst delikate Klangtexturen, die sich – fein verwoben – in gemächlichem Schritt bewegten, sehr lose zusammengesetzt und äußerst transparent waren, wobei die Musik immer wieder eine Atempause einlegte, die von elektronischen Drones ausgefüllt wurde. Das kollektive Spiel ist fein austariert und perfekt aufeinander abgestimmt. Ego-Trips kommen nicht vor. Das Ensemble Ensemble begreift sich als Gruppe, bei der der Gruppenklang im Zentrum steht, nicht die Soli von Solisten. 


Während Brunvoll norwegisches Volksliedmelodien intoniert und sie gelegentlich mit dem Sampler einfängt, verdoppelt und wieder einspeist, läßt Risser ihr präpariertes Klavier wie ein afrikanisches Ballafon oder ein Gamelan aus Java klingen. Dumitriu spielt auf der Geige zumeist Pizzicato oder bordunartige Langtöne, während Myhr hallige Gitarrenakkorde einstreut und Gouband auf Felzstücken steinzeitliche Morsesignale klopft. Zusammen ergibt das eine tief in sich versunkene Meditation in Klang – Musik von traumartiger Imagination. 


Hörprobe:

Ensemble Ensemble in Rezé (youtube)





 

Tuesday, 3 March 2026

1560: VOLKSFEST UM EINEN BAUM HERUM

Ich bin heute beim Besuch des Museums Carnavalet in Paris auf ein Wandgemälde gestoßen, das eine Festtagsszene in der französischen Hauptstadt um 1560 zeigt, späte Renaissance. Das Bild trägt den Titel: Fete populaire autour d'un arbre – Volksfest um einen Baum herum.


Es zeigt Volksbelustigungen und Spiele (kegeln und Kreisel schlagen). Sich an Tücher haltend und so miteiander verbunden, wird ein Rundtanz getanzt zur Musik einer vierköpfigen Kapelle, die sich in der Baumkrone befindet: ein Musikant spielt Einhandflöte und Trommel, zwei spielen Dulcian und einer Posaune. Die Musikanten tragen eine Art Uniform, was sie vielleicht als Stadtmusikanten ausweist, die in großen Städten in einer Innung (oder Zunft) organisiert waren, wie andere Handwerker auch. Sie bezogen ein festes Gehalt, hatten dafür aber für die Musik bei offiziellen Anlässen zu sorgen, was sie von fahrenden Musikanten unterschied. Im Hintergrund ist außerdem ein einsamer Geiger zu sehen, der einer Dame aufspielt. Möglicherweise handelt es sich bei ihm um einen fahrenden Musikanten. Zwei Beteiligte sind karnevalistisch als Harlekins gekleidet.


Friday, 27 February 2026

Vom Musiker zum Textilkünstler: Ficht Tanner ehemals Appenzeller Space Schöttl

DIE VERWANDLUNG

Ficht Tanner: Musiker und Textilkünstler

Ich lernte Ficht Tanner (schon sein Name eines dieser Schweizer Unikate, die es sonst nirgends mehr gibt) Mitte der 1980er Jahren kennen, als er als Mitglied des Duos Appenzeller Space Schöttl die Schweizer Volkmusik durchschüttelte und damit einer Frischzellenkur unterzog. Ficht spielte die 'Baßgiige', während Tobi Töbler auf dem Hackbrett klöppelte. Es war diese Zeitperiode, als unter dem Einfluß  amerikanischer Musiker wie Ry Cooder oder irischer Bands wie The Pogues, auch im Alpenraum Gruppen wie Attwenger (Linz), Roland Neuwirth's Extremschrammeln  (Wien) oder Die Interpreten aus München anfingen, sich erstmals mit ihren eigenen Volksmusik-Traditionen auseinanderzusetzen – auf mehr oder minder  experimentelle und fantsievolle Art und Weise.

Das Appenzeller Space Schöttl hatte mit radikal-freier Improvisation begonnen, sich dann aber immer mehr der traditionellen Musik im Appenzeller Land zugewandt und spielten damals einen wunderbaren Mix aus Tradition und Avantgarde. Ich habe sie einmal erlebt, als sie mit dem hochbetagten Geiger Hans Kegel auftraten, einem Urgestein der Appenzeller Streichmusik.


Eine Schallplatte hatten die beiden noch mit ihren freien Improvisationen herausgebracht. Wenn man sie fragte, warum sie nicht auch ihre Volksmusikbearbeitungen auf einem Album verewigen wollten, zuckten sie mit den Schultern und meinten lapidar: 'Es gibt schon genug Plastik in der Welt'. Wenn ich mich nicht täusche, kam dann aber doch irgendwann eine CD heraus.

Ich besuchte die Space-Schöttl-Musiker mit ihrem Manager Yogi Birchler damals in Trogen im Appenzeller Land in ihrem großen Haus und machte sie auch mit meinen Freunden von der englischen Band Accordions Go Crazy bekannt, die auch einmal dort über Nacht unterkamen und mit ihnen jammten. Das Appenzeller Space Schöttl trat dann auch bei den 'Balinger Sommersprossen' 1991 in der kleinen Siechenkirche beim Kreiskrankenhaus auf, vom Balinger Kulturverein veranstaltet.

Eintrag im Gästebuch des Balinger Kulturvereins, Juli 1991:



Das Space Schöttl fiel irgendwann auseinander und ich verlor Ficht aus den Augen. Während sein Kollege Tobi Töbler sich in Richtung New-Age-Music bewegte, gab es Gerüchte, dass Tanner mittlerweile bildender Künstler geworden sei und Textilkunst machen würde: Stickereien, Textil-Patchwork-Arbeiten, solche Sachen. Es verwunderte mich zuerst, dann aber auch wieder nicht, weil seine Frau, Therese Hächler, ebenfalls Textilkünstlerin war, die mit Faden und Schere arbeitete.


Jetzt bin ich in einer wirklich absolut bemerkenswerten Ausstellung in Paris im Museé l'Art Brut in La Halle Saint Pierre plötzlich vor textilen Arbeiten von Ficht Tanner gestanden –  absolut erstaunlichen Werken! Ich war ziemlich perplex. Aber kein Zweifel: Es muß der selbe Ficht Tanner sein, den jemand, mit so einem Namen gibt es nicht zweimal. 

Eines seiner Motive schmückt sogar  das Plakat der Ausstellung, die den schönen Titel trägt: 'Der Stoff der Träume'. Es ist doch ziemlich erstaunlich, welche sonderbaren Wege Biographien manchmal nehmen können. Und, by the way: Musik macht Ficht noch immer – ganz allein, nur mit Kontabass und Gesang.


Tuesday, 24 February 2026

SCHEIBENGERICHT Nr. 56: PIERRE FAVRE – Perkussion total

Pierre Favre & Sergio Armaroli, Andrea Centazzo, Francesca Gemmo 

The Art Of Sound(s) 

Hat Hut Records / NRW

Wenn das Klavier – wie Cecil Taylor meinte – ein Instrument mit 88 gestimmten Trommeln ist und auch für das Vibraphon diese Charakterisierung gilt, könnte man die Gruppe, die Pierre Favre für diese Aufnahmesession um sich scharte, durchaus als Perkussionsensemble bezeichnen, was nicht sein erstes wäre. Der Schlagwerker Andrea Centazzo, der Vibraphonist Sergio Armaroli und die Pianistin Francesca Gemmo bilden neben dem Schweizer Altmeister – er wird nächstes Jahr neunzig – die Formation, die eine Musik macht, welche für die sanftere Spielart der freien Improvisation in Europa steht. 



In einer Suite aus acht Sätzen werden fein ziselierte und pointillistische Improvisationen in Szene gesetzt, bei denen es manchmal vor Tönen nur so wuselt, die durcheinander purzeln und prasseln und sich zu musikalischen Wimmelbildern verdichten. 


Hölzerne Tempelblocks und eine Vielzahl an Metallbecken, Gongs und Trommeln werden mit unterschiedlichen Stöcken, Klöppeln und Besen zum Klingen gebracht. Sie verbinden sich mit den Akkorden, Intervallen und kleinen Melodien von Piano und Vibraphon zu polymorphen Gebilden. Bei anderen Stücken geben die beiden Melodieinstrumente die Richtung vor und lassen subtile Klänge behutsam durch den Raum schweben, auf die die Schlagzeuger mit Fingerspitzengefühl antworten. 


Zum Reinhören:

https://first-archive-visit.bandcamp.com/album/the-art-of-sound-s



Sunday, 8 February 2026

Das TRAUTONIUM – Urmutter des Synthesizers

 Rares Konzert: PETER PICHLER spielt TRAUTONIUM


Sonntag, 26. April 2026 (Beginn: 19:15 Uhr)

Theaterhaus Stuttgart, Halle T3




Neben dem russischen Theremin und dem französischen Ondes Martenot bildete es eines der ersten elektronischen Musikinstrumente überhaupt: Das Trautonium wurden 1930 in Berlin vom Ingenieur Friedrich Trautwein erfunden unter entscheidender Mitwirkung des Komponisten Paul Hindemith, der auch die ersten Stücke für das Instrument schrieb. Bei öffentlichen Veranstaltungen wurde die Wundermaschine vorgestellt und erregte mächtig Aufsehen. Oscar Sala, der als junger Musikstudent in die Entwicklung des Trautoniums involviert war, nahm sich dem Instrument an und wurde für lange Zeit sein Hauptprotagonist. Sala unternahm Konzertreisen und vertonte Werbefilme für die Industrie. 1963 gelang ihm sein größter Coup, als er für Hitchcocks Film ‘Die Vögel’ den Soundtrack lieferte. Der Megaerfolg holte das Instrument schlagartig aus seinem Nischendasein hervor und machte es zu einem Klangerzeuger, der Neugierde hervorrief und allgemeines Interesse weckte, was aber nicht von Dauer war.


Nach dem Tod von Oskar Sala 2002 nahm sich Peter Pichler aus München dieser Großmutter des Synthesizers an. Pichler hatte zuvor in Indie-Bands gespielt, auch den bayerischen Barden Hans Söllner begleitet, um sich jetzt voll dem Trautonium zu widmen. Er gab Kompositionen in Auftrag, wirkte bei Theaterproduktionen mit und gab Alben mit Trautonium-Musik heraus. Heute ist Pichler der Hauptvertreter dieses rätselhaften Klangapparats aus der Urzeit der elektronischen Musik, wobei er es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Trautonium auf die Höhe der Zeit zu bringen und es zu einem Klangerzeuger aktueller Musik zu machen.



In dem multimedialen Konzert im Theaterhaus Stuttgart am Sonntag, den 26. April 2026 (Beginn: 19:15 Uhr), das von Christoph Wagner unter dem Motto seiner neuen Buchveröffentlichung „Freak-Sounds – Musik abseits der Norm“ (edition neue zeitschrift für musik, 2025) präsentiert wird, stellt Pichler das Trautonium in allen möglichen musikalischen Facetten vor – von den Anfängen in die Gegenwart und darüber hinaus. Der Auftritt ist eine rare Gelegenheiten dieses Urinstrument elektronischer Musik in einem aktuellen Programm zu erleben, eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte.


Tickets im Vorverkauf: 

https://www.theaterhaus.com/de/programm-tickets/freak-sounds-musik-abseits-der-norm/1248

Bono schreibt an Captain Beefheart


 Captain Beefheart & The Magic Band: Abba Zaba (Youtube)


 Captain Beefheart & The Magic Band