Showing posts with label Terry Riley. Show all posts
Showing posts with label Terry Riley. Show all posts

Thursday, 19 June 2025

Die Rückkehr von Stereolab

Zwischen fluffig-sorglos und etwas steif

The Return of Stereolab



Sie sagt "Danke schön" auf deutsch, um sich für den Beifall zu bedanken, macht die Ansagen, singt in englisch sowie französisch, und spielt dazu E-Gitarre sowie Keyboard und Posaune –  Lætitia Sadier ist die unbestrittene Frontfrau der Londoner Gruppe Stereolab, die am heißen Fronleichnams-Tag vor 500 Fans  im vollen Saal des Clubs Manufaktur in Schorndorf zu hören war. 

Die Band aus London hatte ihre große Zeit in den 1990er Jahren, als sie mit ihrer Mischung aus New-Wave-Beats, fluffig-sorglosen Melodien (im Stile des französischen Pop) und viel Elektronik Beachtung fand, was damals im Umfeld von anderen britischen Bands wie Pram und The High Llamas von der Musikkritik mit dem Terminus "Post-Rock" zu fassen versucht wurde. 

Dann nahm die Band 2009 eine Auszeit und verschwand für zehn Jahre von der Bildfläche. Der eigentliche Neustart wurde dieses Jahr mit dem Album Instant Holograms on Metal Film unternommen, dem ersten Studioalbum seit 15 Jahren.

Und die Elemente, die einst die Eigenart von Stereolab ausmachten, sind immer noch da, wobei der Gesang von Lætitia Sadier von Anfang an als Aushängeschild der Gruppe diente: Ihre englische Aussprache, die sie sofort als Nicht-Muttersprachlerin ausweist und irgendwo zwischen France Gall und Nico liegt, verleiht den Songs der Band einen eigentümlichen Charme. Dazu kommen die immer etwas (europäisch unbeholfenen) steifen Rhythmen, die ebenfalls einen Charmefaktor besitzen.

Und dann lernten die Mitglieder von Stereolab eines Tages sogar noch Noten lesen, nur um an einer Aufführung von Terry Rileys Komposition In C – der Ursonate der Minimalmusik – in London teilnehmen zu können, was viel über die Einflüsse preisgab, die die Gruppe inspirierten. Mit einem minimalistisch sich wiederholenden Pattern aus Synthi-Tönen begann dann auch ihre Show in Schorndorf, um alsbald in einen schnellen Up-Tempo-Beat überzugehen, der mit hektisch geschrammelten Gitarrenakkorden und einem funky Rhythmus unterlegt, die Grundierung für einen Gesang bildete, bei dem sich Sadier und zwei ihrer Bandkollegen mit der Verschlungenheit eines Kanons die Bälle zuwarfen.

Solos kommen in dieser Musik nicht vor.  Wenn es Passagen zwischen den Gesangparts zu überbrücken gilt, übernimmt das der Mann am Synthesizer, der seine Klänge in alle möglichen Farben taucht. Abwechslung kommt gleichfalls ins Spiel, wenn Sadier zur Posaune greift, wobei sie mit dem Blechinstrument markanten Riffs einen Extra-Akzent verleiht, was mit einfachen Mitteln einen maximalen Effekt erzielt.

So spielte sich die Band durch ein Dutzend Songs - alten wie neuen – jeder vom Publikum mit übersprudelnder Dankbarkeit quittiert. Vor dem Finale gings dann noch in experimentelles Terrain, als geräuschhaft ein Freiraum improvisatorisch gestaltet wurde, um kurz darauf im Stile von Silvermachine von Hawkwind (die übrigens Anfang der 1970er Jahre ebenfalls schon in der Manufaktur spielten) wieder in die Gänge zu kommen. Auf dieser Rückkehr-Tour erwies sich Stereolab als eine Band, mit der immer noch zu rechnen ist. 

Stereolab - Electrified Teenybop! (live @ Club Manufaktur Schorndorf) youtube




Friday, 29 September 2023

Buchbesprechung: On Minimalism

Buchbesprechung:

 

Über Minimalismus




cw. Wenn es in den Black Hills von South Dakota ein Mount Rushmore National Memorial der Minimal Music geben würde, wären dort anstatt der vier Köpfe der amerikanischen Präsidenten, wohl LaMonte Young, Terry Riley, Steve Reich und Philip Glass in den Fels gemeißelt. Diese vier legten in den 1960er Jahren das Fundament für eine musikalische Revolution, die, angeregt durch die monochromen Gemälde eines Robert Rauschenberg oder Ellsworth Kelly, mit Reduktion und Repetition arbeitete. Es wurde auf Melodien und Akkordprogression verzichtet und mit Drones, Pattern und Loops einen Kontrapunkt zur klassischen Musik westlicher Provinienz gesetzt. „Musik als gradueller Prozeß“, so hat Steve Reich das Wesensmerkmal der Minimal Music umschrieben, während andere von „Trance Music“ sprachen, zu der psychedelische Drogen in der Anfangsphase ihren Teil beitrugen.

 

Bei genauerer Inspektion läßt sich die Strömung nicht auf die vier Gründungsväter reduzieren, vielmehr handelt es sich um eine weitverzweigten Bewegung, die sich anfangs aus unterschiedlichen Quellen speiste. Neben der Musik des Mittelalters (etwa des Kanons) wirkten Einflüsse aus dem Osten (besonders Indien) sowie aus Afrika. Mit der Zeit entstand eine Vielfalt unterschiedlichster minimalistischer Individualstile, wie sie von Pauline Oliveros, John Adams, Julius Eastman, Michael Nyman, Rhys Chatham, Éliane Radigue oder Meredith Monk verkörpert wurden. Oft ging die Minimal Music mit anderen Musikstile originelle Verbindungen ein, ob mit New Age, Ambient Music oder Konzeptkunst, experimentellen oder elektronischen Klängen. Selbst die Rockmusik oder der modale Jazz atmeten gelegentlich den Geist des Minimalismus. 




In der Gegenwart hat der Stil im Post-Minimalismus eine Fortentwicklung erfahren, aber auch in anderen musikalischen Gattungen Spuren hinterlassen, selbst in der aktuellen Popmusik, wo die elektronische Clubmusik die minimalistische Grundidee noch radikalisiert hat. Kerry O’Brien und William Robin legen mit „On Minimalism – Documenting a Musical Movement“ eine 450 Seiten starke Publikation vor, die die Ambition hat, die Geschichte der minimalistischen Bewegung in ihrer ganzen Breite und Vielfalt darzustellen. Das Buch ist als Materialband angelegt. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen, kompetenten Einleitung. Daran schließt sich der eigentliche Dokumentarteil an, der Interviews, Manifeste, Zeitungsartikel, Deklarationen, Programmhefttexte, Schallplattenbesprechungen oder Cover-Texte umfaßen kann. Sie erlauben dem Leser ein Eintauchen in die Debatten der Vergangenheit und fördern längst vergessene Kontroversen, Einschätzungen und kritische Einwände zu Tage. So entsteht aus der so vielfältigen wie reichhaltigen Textesammlung eine Geschichte der Minimal Music, die noch einmal deutlich macht, wie verschieden sie doch von der westlichen Kunstmusik ist. 

 

Kerry O’Brien / William Robin: On Minimalism – Documenting a Musical Movement. University of California Press; Oakland, California 2023. 450 Seiten. Euro 34,75

Sunday, 6 November 2022

Mimi Parker (1967 -2022) verstorben

Ein Nachruf auf Mimi Parker, Songwriterin, Schlagzeugerin und Sängerin der amerikanischen Rockgruppe Low. 

Ich habe Mimi Parker und ihren Ehemann Alan Sparhawk zweimal länger interviewt, einmal im nordenglischen Halifax, wo sie im Münster auftraten, und ein andermal ein paar Jahre davor, das muß so um 1996 gewesen sein, in Sheffield. Damals traten sie in einem Programm zusammen mit Mercury Rev auf, und hatten ihre beiden kleinen Kids auf der Tour dabei. Sie waren ausgesprochen anregende Gesprächspartner, weil sie sich über Musik ungewöhnliche Gedanken machten und auch Komponisten wie Morton Feldman auf dem Radar hatten.


Der Artikel erschien vor 10 Jahren zum 20-jährigen Bandjubiläum: 


Die Entdeckung der Langsamkeit

 
Mit ihrem 10. Album feiert die Rockgruppe Low ihr 20-jähriges Bandjubiläum – produziert von Jeff Tweedy (Wilco) wirkt ihre alternative Popmusik immer noch wie ein Vademecum gegen Hektik und Streß 
 


 
cw. Der Bandname Low steht für “low speed” und “low volume”: Langsamkeit und Stille. Vor genau zwanzig Jahren gegründet, hat sich die alternative Rockband aus den USA einem Stil verschrieben, der wie ein Anachronismus in einer Welt des Überschalls wirken muss. Low machen Pop in Zeitlupe, Songs im Schneckentempo – Rockminimalismus! „Slow-Core“ sagt die Presse dazu, was als Gegensatz zu “Speed-Metal” zu verstehen ist. 
 
“Unser Sound stellt sich heute von selbst ein, wenn wir spielen. Früher war das anders: Da traten wir häufig bei Band-Wettbewerben zwischen einer Punk- und einer Grungeband auf. Es fühlte sich an, als ob wir gegen die Stimmung der Leute anspielten,“ erzählt Mimi Parker, Schlagzeugerin und Sängerin von Low. „Wir bekamen Panik-Attacken, weil wir leise und minimalistisch musizierten. Ich hatte oft das Gefühl, als ob jeder Knochen im meinem Leib zerplatzen würde. Am liebsten wäre ich davongelaufen. Doch gelegentlich gab es eine magische Verwandlung. Die Zuhörer ließen sich auf unsere Musik ein.“
 
Mit der Zeit fanden Low ihr eigenes Publikum, das die ruhige Popmusik der Band als Vademecum gegen Hektik und Streß schätzen lernte. Denn Low nehmen sich bewußt zurück. Die Beschränkung auf das Allernotwendigste verwandelt ihre Songs in Miniaturen von fragiler Einfachheit. Ein anderes Zeitmaß wird etabliert. Durch die Entschleunigung nimmt der Zuhörer die Musik anders wahr, einzelne Worte und Töne gewinnen mehr Bedeutung. „Langsame Musik klingt leise am besten,“ weiß Mimi Parker. Und leise Musik bewirkt, daß das Publikum aufmerksamer zuhört. Die Stille funktioniert paradoxerweise wie eine Verstärkeranlage: Wenn man die Lautstärke zurückdreht, fangen die Ohren der Zuhörer zu wachsen an. “Als wir anfingen, wollten wir ganz bewußt minimalistische Musik machen. Wir spielten Nummern, die monolitisch und meditativ waren,“ erinnert sich Gitarrist Alan Sparhawk, Mimi Parkers Ehemann. „Ich war immer schon von dieser Ästhetik fasziniert. Das Geheimnis des Minimalismus ist: Je einfacher und leichter die Musik beim ersten Hören erscheint, desto mehr Tiefe entdeckt man, je vertrauter sie einem wird. Als Zuhörer wird man in das entsprechende Stück hineingezogen, was komplexere Kompositionen oft nicht schaffen. Der Minimalismus macht die kleinste Bewegung sehr groß.“ 



 
Mit ihrer sachten Rockmusik setzen Low einen Kontrapunkt gegen die Zeitkrankheit des “immer mehr und immer schneller”.  Hyperaktivität und Hysterie sind aus ihrer Musik verbannt, die eher wie ein Plädoyer für Muße und Kontemplation wirkt. Dabei fliehen sie jedoch nicht in eine schwülstige New Age-Esoterik. Vielmehr geben Bedächtigkeit und eine Ästhetik der Einfachheit die Richtung vor. Kargheit und Simplizität werden zum Ideal, der Wert des Weglassens neu entdeckt. Low macht Popmusik der gemächlichen Art.
 
Als wichtige Einflüsse nennen Low zwei Komponisten der E-Musik-Avantgarde. Der eine ist LaMonte Young - Urvater des Minimalismus. In den frühen Stücken seines Ensemble ‚Theatre of Eternal Music’, das u.a. von Terry Riley, John Cale und Tony Conrad gebildet wurde, waren schon Mitte der 60er Jahre langanhaltende bordunhafte Klänge bestimmend, sogenannte „Drones“, wie sie heute bei jungen Elektronikern wieder groß in Mode sind. 


Die andere Inspirationsquelle war Morton Feldman. Vor allem die frühe Piano-Stücke des 1987 verstorbenen Freunds von John Cage haben es den Musikern von Low angetan. Sie dehnen die Zeit. Zwischen den Tönen und Akkorden entfaltet sich eine wunderbare Spannung.  Dazu kommen Vorbilder aus der Popmusik. The Velvet Underground und die Beatles werden als erste genannt, wenn es um die Kunst des ‚Songwriting’ geht. Beide Bands verstanden es, ihre kleinen Songs in große Kunstwerke verwandeln, in denen die Gleichzeitigkeit von Einfachheit und Komplexität nicht als Widerspruch empfunden wurde.
 
Jetzt ist zum 20jährigen Bandjubiläum das zehnte Album von Low erschienen. Sein Titel: The Invisible Way. Produziert von Jeff Tweedy von Wilco, gehen Low ihren vor Jahren eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Elf Songs enthält das Album, die alle voller Poesie sind und Texte mit Tiefgang besitzen, wobei die Melodien von einem einfühlsamen Harmoniegesang getragen werden. Eine gedämpfte Stimmung durchzieht die Musik. Nur gelegentlich wird etwas handfester zugepackt. Dann greift Alan Sparhawk kurz kräftig in die Saiten und läßt seine Gitarre aufheulen und kreischen, um wenige Takte später bereits wieder in ruhigeres Fahrwasser einzubiegen. Diszipliniertes Musizieren ist bei Low Trumpf.
 

Allerdings ist diese Sorte von Pop-Minimalismus nicht ohne Tücken. „Der Minimalismus gibt einem die Möglichkeit, mit sehr wenig auszukommen, vielleicht nur mit ein paar klugen und bedeutsamen Versen und einer starken Melodie,“ sagt Alan Sparhawk. „Doch müssen diese paar Zeilen dann auch wirklich gut sein und alles sagen.” Dem Wenigen wirklich Gewicht zu verleihen, das ist die Aufgabe, der sich Low verschrieben haben. „Man muß nicht alles sagen, um das zu sagen, was es zu sagen gibt,“ meint Alan Sparhawk.

 

Low: The Invisible Way (Sub Pop)


Monday, 3 October 2022

'In C' von Terry Riley elektronisch interpretiert von The Young Gods

Elektronische Abenteurer

 

The Young Gods spielen die Ursonate der Minimalmusik

 

The Young Gods (Promo / Charlotte Walker)

 

cw. Als Popband sind sie eine Institution: The Young Gods aus Fribourg sind vielleicht die international einflussreichste Schweizer Rockgruppe. Pop-Größen wie David Bowie, Mike Patton (Faith No More) oder The Edge von U2 haben sich von ihrer Musik inspirieren lassen. Seit 37 Jahren befindet sich die Band auf einer musikalischen Odyssee, die sie von Post-Punk und Industrial Rock über akustische Klänge und Ambient-Sounds zu den Songs von Kurt Weill und des Woodstock-Festivals führte. Solche Abstecher wurden meistens durch Impulse von außen angestoßen, von Personen, denen die Musiker begegneten, oder durch Musik, die ihnen gefiel. „Dadurch hat sich unsere Fahrtrichtung immer wieder geändert,“ stellt Bandleader Franz Treichler fest.

 

The Young Gods wurden seit Ende der 1980er Jahre vor allem durch ihre Arbeit mit Samplern berühmt. Die Instrumente, die auf ihren Platten zu hören sind, wurden nicht wirklich gespielt, sondern aufgenommen, um sie mittels Keyboard abzurufen. Auch wenn die Band zu Beginn noch nicht durch und durch elektronisch klang, kamen doch alle Sounds vom Sampler, egal ob Natur- oder Umweltgeräusche, Gitarre, Geige oder Baß. „The Young Gods entstanden wegen der Technologie, davor habe ich in einer anderen Band Gitarre gespielt,“ erklärt Treichler. „Als der erste erschwinglicher Sampler auf den Markt kam, veränderte das vollkommen meine musikalische Praxis. Mit den Young Gods begann mein elektronisches Abenteuer.“  

 

Die kreative Arbeit mit dem Sampler, der inzwischen vom Laptop abgelöst wurde, ist ein sehr persönlicher Prozeß: Ideen werden gesammelt, Klänge und Geräusche aufgenommen und bearbeitet. Dann treffen sich die drei Bandmitglieder im Proberaum zu Jam-Sessions, bei denen improvisiert und mit dem Klangmaterial gespielt wird, bis sich Strukturen, Melodien oder Riffs herausschälen. „Jeder bringt Ideen ein,“ beschreibt Schlagzeuger Bernard Trontin die Arbeitsweise. „Ich steuere nicht nur Drum-Beats bei, sondern komme auch mit Sounds daher, die ich gesampelt habe, oder elektronischen Loops, die mir interessant erscheinen.“ Während der Jam-Sessions entwickeln sich die Arrangements, wobei Trontin versucht, jeder Nummer einen speziellen Rhythmus maßgerecht auf den Leib zu schneidern.




Gerade haben The Young Gods ein Album eingespielt, das von dieser bewährten Praxis abweicht. Sie haben die Komposition „In C“ von Terry Riley aufgenommen, das Stück, das als Initialzündung der amerikanischen Minimalmusik gilt. Die Ursonate des Minimalismus erlebte im November 1964 in San Francisco ihre Uraufführung, bei der viele, der später tonangebenden Minimalisten und Elektroniker als Musiker mitwirkten, von Steve Reich über Pauline Oliveros bis zu Morton Subotnick. Phil Lesh, der Bassist der psychedelischen Rockband The Grateful Dead, schaute öfters bei den Proben vorbei. 


„In C“ wurde als Sensation gefeiert und machte Terry Riley über Nacht zu einem Star der Subkultur. The Who widmete ihm das Stück „Baba O’Riley“ und die progressive Rockgruppe Curved Air benannte sich nach seiner Komposition „A Rainbow in Curved Air“. Bis heute erfreut sich „In C“ anhaltender Beliebtheit in der Popszene. In London waren Musiker von Stereolab vor ein paar Jahren an einer Aufführung beteiligt, wofür sie eigens das Notenlesen lernten. Der Gitarrist von Portishead Adrian Utley präsentierte das Stück 2013 mit einen „Guitar Orchestra“, während Blur-Sänger Damon Albarn ein Jahr später nach Mali reiste, um mit der Gruppe Africa Express eine Version mit Balafonen, Kalimbas, Koras und Djembe-Trommeln einzustudieren.

 

Und jetzt The Young Gods. Gekonnt verwandeln sie „In C” in ein elektronisches Wunderwerk, bei dem Beats und Loops in aufregender Manier ineinandergreifen. Wieder kam der Anstoß von außen und von ungewöhnlicher Seite. Benedikt Hayoz, der junge Dirigent des hochkarätigen Fribourger Blasorchesters Landwehr, dessen Geschichte mehr als 200 Jahren zurückreicht, brachte die Young Gods auf die Idee. Treichler kannte das Stück, hatte aber nie in Betracht gezogen, es selber einmal zu spielen. „Als uns Benedikt Hayoz eine Kooperation vorschlug, stellte ich mir das Stück gespielt von hundert Bläsern und den Young Gods vor,“ so Treichler. „Eine reizvolle Vision.“ 

 

Proben wurden anberaumt, die Spielregeln der Partitur erläutert und einstudiert. Langsam nahm das Projekt Gestalt an. Dann präsentierten die Young Gods mit dem Landwehr-Blasorchester das Stück etliche Male „live“. „Es gefiel uns so gut, dass wir Lust bekamen, die Komposition als elektronisches Powertrio aufzunehmen,“ erinnert sich Treichler. Nach etlichen weiteren Aufführungen mit einem Tanzensemble, ging es ins Studio, wo ein halbes Dutzend Versionen aufgezeichnet wurden und dann die beste ausgewählt. „Nie ist es das gleiche Stück, obwohl es Vorgaben gibt, die aber so flexibel sind, dass es jedesmal anders klingt,“ erklärt Drummer Bernard Trontin.


The Young Gods play Terry Riley 'In C' / part 1 (youtube) 


 

Für ihn stellte die Komposition eine besondere Herausforderung dar. Weil in der Partitur kein Schlagzeug vermerkt ist, musste Trontin seinen eigenen Part erfinden. Aus den 53 vorgegebenen musikalischen Modulen, von denen manche nur aus drei Noten bestehen, entwickelte er individuelle Trommelrhythmen. „Ich übersetzte jede Sektion in ein spezielles Schlagmuster,“ erzählt der Drummer. „Dann musste ich äußerst genau hören, was zwischen den beiden elektronischen Instrumenten passierte, um schnell darauf reagieren zu können.“ 

 

Das Ergebnis ist eine knapp 60minütige, vor Spannung und Elektrizität knisternde Version des Ursprungswerk der Minimalmusik, knapp 60 Jahre nach seiner Geburt. Jetzt sind die Young Gods gespannt, was Komponist Terry Riley dazu sagen wird.

 

The Young God play Terry Riley In C (Two Gentlemen Records)


Dazu meine Radio-Sendung auf SWR Kultur:

https://www.swr.de/swrkultur/musik-jazz-und-pop/die-ursonate-der-minimal-music-in-c-von-terry-riley-100.html

Saturday, 17 May 2014

AUGEundOHR im Musikmagazin ARPEGGIO

Arpeggio, das Kunden-Magazin von Schott, kann als Gratis-App heruntergeladen werden für iOS im App Store und für Android bei Google Play, auch als Desktop-App für PC und Mac: www.arpeggio-magazin.de

'Auge und Ohr - Ear and Eye' ist direkt bei Schott erhältlich sowie im Buchhandel und bei Amazon

Wednesday, 22 January 2014

FLASHBACKS - Konzertplakat TERRY RILEY

TERRY RILEY gilt neben LaMonte Young als einer der Erfinder der 'Minimal Music'. In seiner Anfangszeit als 'performing artist' trat Riley in Konzerten mit einer elektrischen Orgel auf, auf der er mittels Loops, sich wiederholender Melodiepartikel und einem Echogerät seinen kleinteiligen Minimalismus entwickelte, zu hören auf dem Album "A Rainbow in Curved Air', dem die britische Rockband Curved Air ihren Namen verdankte. Das Konzertplakat stammt vom März 1969.



Dazu meine Radio-Sendung über Terry Rileys Komposition 'In C' für SWR Kultur: